Der Geist, der zu den Gemeinden spricht, derjenige, der den Schlüssel Davids hat, und derjenige, der mit den Überwindern das Mahl hält – Einführung
In den Sendschreiben der Offenbarung begegnet uns der Herr Jesus auf eine besondere Weise. In Offenbarung 2 und 3 spricht Er zu sieben konkreten Gemeinden – nach Ort, Zeit und Situation sehr verschieden. Doch am Ende jedes Sendschreibens heißt es: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (z.B. Offb 3:6).
Das bedeutet: Der Christus, der spricht, ist heute der Geist, der zu allen Gemeinden spricht. Was damals an Ephesus, Smyrna oder Laodizea gerichtet war, ist heute das Sprechen des siebenfach verstärkten, allumfassenden, lebengebenden Geistes zu der einen Gemeinde auf der ganzen Erde.
So sehen wir zweierlei: Erstens, der Geist ist der Herr, und der Herr ist der Geist. Zweitens, gerade in der Finsternis des Niedergangs der Gemeinde ist das Sprechen des Geistes entscheidend. Wenn wir heute die Worte der Sendschreiben lesen, sind es nicht nur historische Briefe. Die sieben Geister Gottes sprechen diese Worte in unseren Geist hinein, um Gottes ewigen Vorsatz, Seine Ökonomie, in uns zu verwirklichen.
Wo der Geist spricht, dort infundiert Er Christus in uns. Sein Sprechen ist nicht nur Information, sondern ein inneres Durchtränken mit Christus. Paulus beschreibt dies so: Wenn wir uns zum Herrn wenden, wird die Decke weggenommen, und wir werden verwandelt, indem wir die Herrlichkeit des Herrn anschauen (2.Kor. 3:16–18).
Immer wenn wir dem Sprechen des Geistes Raum geben, stehen wir unter einem kostbaren, süßen, lieblichen „Transfundieren“: Christus wird in uns hineingegossen. Das verändert uns, macht uns zu dem richtigen Material für Gottes Bau und fügt uns in Sein Haus ein. Alles, was nicht in Gottes ewigen Bau passt, wird wie durch die sieben Feuerlampen vor dem Thron verbrannt (Offb. 4:5). Gleichzeitig wirken die sieben Augen des Lammes (Offb. 5:6) an uns, um uns mit allem zu infundieren, was Christus ist, damit wir ein Teil des Neuen Jerusalem werden.
Doch nicht alle, die äußerlich in der Gemeinde sind, folgen diesem Sprechen. Darum ruft der Herr nach Überwindern – nach solchen, die wirklich hören. „Wer ein Ohr hat, der höre“ ist nicht nur eine Formel, sondern ein Ruf. Der Herr möchte uns die Ohren öffnen, damit wir Seine Stimme hören und die Dinge Seiner Ökonomie sehen (Hiob 33:14–16; Jes. 50:4–5).
Unsere Ohren brauchen Behandlung: träge Ohren müssen beschnitten werden (Jer. 6:10), verunreinigte Ohren müssen durch das Blut gereinigt und mit dem Geist gesalbt werden (3.Mose 14:14, 17, 28). Wer dem Herrn als Priester dienen will, braucht Ohren, die durch das Blut gereinigt sind (2.Mose 29:20; 3.Mose 8:23–24). Während der Geist zu den Gemeinden spricht, brauchen wir geöffnete, beschnittene, gereinigte und gesalbte Ohren, um wirklich zu hören.
Philadelphia und der Schlüssel Davids
Die sieben Gemeinden der Offenbarung zeigen sieben Arten von Gemeinden in der Kirchengeschichte: die anfängliche Gemeinde (Ephesus), die leidende (Smyrna), die weltliche (Pergamon), die abgefallene (Thyatira), die reformierte (Sardes), die wiederhergestellte (Philadelphia) und die niedergegangene wiederhergestellte Gemeinde (Laodizea).
Die letzten vier – Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea – bleiben bis zur Wiederkunft des Herrn nebeneinander bestehen. Unter ihnen ist Philadelphia die Gemeinde, die dem Herzen des Herrn entspricht. Nur die wiederhergestellte Gemeinde kann Gottes ewigen Vorsatz wirklich erfüllen. Auf sie richtet der Herr Seine Wahl – und wir sind eingeladen, diese Wahl anzunehmen.
In Philadelphia stellt sich Christus vor als „der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat; der öffnet, und niemand wird schließen, und der schließt, und niemand wird öffnen“ (Offb. 3:7). Der Schlüssel Davids erinnert an Jesaja 22:22: Auf die Schulter eines treuen Dieners wird der Schlüssel des Hauses Davids gelegt – das Haus, das für den Aufbau des Königreichs Gottes steht.
Für die wiederhergestellte Gemeinde ist Christus der, der den Schlüssel des Königreichs hat. Er hat die Vollmacht, Türen zu öffnen und zu schließen. Er sagt zu Philadelphia: „Siehe, ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben, die niemand zu schließen vermag“ (Offb. 3:8). Diese geöffnete Tür steht in Verbindung mit der Einmütigkeit der Brüder (vgl. Ps 133).
Was öffnet dieser Schlüssel? Er öffnet uns den Weg, verwandelt zu werden – zu einem weißen Stein (Offb. 2:17) und zu einer Säule im Haus Gottes (Offb. 3:12). Auf dieser Säule stehen der Name Gottes, der Name des Neuen Jerusalem und der neue Name des Herrn. Menschlich gesehen ist es unmöglich, in Gott hineingebaut zu werden, ein Bestandteil des Neuen Jerusalem und ein Teil des „neuen Christus“ zu werden. Aber das Gesetz des Geistes des Lebens in uns (Röm. 8:2) enthält ein Element, das mit dem Unmöglichen umgehen kann.
Christus hat auch den Schlüssel zur Schatzkammer Gottes. In Ihm liegen alle Reichtümer Gottes für unseren Genuss bereit. Viele von uns kennen Zeiten, in denen der Herr uns diese Schatzkammer weit öffnet – und Zeiten, in denen sie wie verschlossen scheint. Oft hängt das mit unserem inneren Zustand zusammen (Eph. 4:30; 1.Thess. 5:17; 1.Joh. 1:7, 9).
Um Seinen Reichtum zu genießen, brauchen wir eine beständige Berührung mit Ihm: arm im Geist, rein im Herzen, im Empfinden des Lebens wandelnd (Mt. 5:3, 8; Röm. 8:6; Kol. 3:16). Wir lernen, die „Schlüssel“ praktisch anzuwenden: das Selbst zu verleugnen, das Kreuz auf uns zu nehmen und unser Seelenleben zu verlieren (Mt. 16:24–25).
In Jesaja 22 wird Schebna, ein selbstsüchtiger Verwalter, abgesetzt und durch einen treuen Diener ersetzt (Jes. 22:15–19). Geistlich gesehen sind wir alle von Natur aus „Schebnas“, die beseitigt werden müssen, damit Christus in uns und für uns alles sein kann. Wenn Er der wahre Verwalter in uns ist, kann Er für uns alles tun und durch uns alles ausführen.
Laodizea, das Mahl und der Thron
Laodizea ist ein entstelltes Philadelphia. Der Name steht für eine Gemeinde, die viel weiß, aber für nichts brennt. Sie hat dem Namen nach alles, ist aber nicht bereit, ihr Leben für etwas hinzugeben. Sie erinnert sich an frühere Herrlichkeit, übersieht aber ihren gegenwärtigen Zustand vor Gott.
Der Herr beschreibt sie als lauwarm, stolz auf ihren Reichtum an Erkenntnis, aber in Wirklichkeit „elend und bemitleidenswert und arm und blind und nackt“ (Offb. 3:17). Sie ist arm an der Erfahrung des Reichtums Christi, blind für echte geistliche Wirklichkeit und nackt, weil sie nicht durch Christus lebt und Ihn nicht als ihre subjektive Gerechtigkeit im täglichen Wandel trägt (vgl. Ps 45:2, 10–15).
In dieser Situation steht der Herr draußen vor der Tür. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (Offb. 3:20). Die Tür ist die Tür der Gemeinde, nicht nur die Tür einzelner Herzen. Das Haupt der Gemeinde steht außerhalb der niedergegangenen Gemeinde und klopft. Und doch wird diese Tür von einzelnen Gläubigen geöffnet. Die Gemeinde in Laodizea besitzt Erkenntnis, aber nicht die Gegenwart des Herrn.
Wenn jemand Seine Stimme hört und die Tür öffnet, gibt der Herr ein wunderbares Versprechen: „Ich werde zu ihm hineinkommen und das Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Offb. 3:20). Mit dem Herrn das Mahl zu halten bedeutet mehr als nur „geistliche Nahrung“ zu bekommen. Es ist Teilhabe am Reichtum eines Festmahls. Wie Israel im guten Land Kanaan vom reichen Ertrag des Landes aß (Jos. 5:10–12), so genießen wir Christus als den Baum des Lebens, als das verborgene Manna und als das Mahl (Offb. 2:7, 17; 3:20).
Durch diesen Genuss werden wir innerlich mit Christus vermengt. Er wird zu unserer Zusammensetzung, und wir werden fähig, Ihn als das Neue Jerusalem zum Ausdruck zu bringen.
Doch der Herr bleibt nicht beim Mahl stehen. Er fügt ein weiteres Versprechen hinzu: „Dem, der überwindet, werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe“ (Offb. 3:21).
Mit dem Herrn auf Seinem Thron zu sitzen ist ein Preis für die Überwinder. Sie werden an Seiner Vollmacht teilhaben und mit Ihm als Mitkönige im Tausendjährigen Königreich über die Erde herrschen (Lk. 19:11–27; Mt. 25:21, 23).
Hier wird Gottes Absicht sichtbar: Er möchte Sich Selbst in den Menschen einwirken, am Menschen arbeiten, bis der Mensch auf dem Thron sein kann. Gott will Menschen des Thrones. In Offenbarung 22:5 sehen wir, dass die Erlösten in Ewigkeit mit Ihm herrschen werden.
Der Weg dorthin ist bereits gebahnt. Durch Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt wurde der Herr Jesus zum Thron gebracht. Hesekiel sah „etwas wie das Aussehen eines Menschen“ auf dem Thron (Hes. 1:26). Heute ist der Herr des Himmels und der Erde, der Herr des Universums, ein Mensch – Jesus. Darum bekennen wir: „Jesus ist der Herr“, und darum rufen wir: „O Herr Jesus!“
Er ist der Vorläufer, der Pionier, der den Weg zum Thron eröffnet hat (Hebr. 6:20; 2:6–9). Er ging voran, damit wir Ihm nachfolgen können (Hebr. 2:10–12). Jetzt sind wir auf dem Weg zum Thron. Gott will uns in die Herrlichkeit bringen, durch uns regieren und Seine Verwaltung ausführen. Er will Satan stürzen und viele, die von Satan gefangen waren, zu Seinem Thron bringen.
Wir sind berufen, Söhne Gottes zu sein, und bestimmt, Könige zu sein (Röm. 5:17, 21). Doch damit wir für das Königtum tauglich sind, muss Gott in uns und an uns arbeiten. Während der Geist zu den Gemeinden spricht, ruft Er uns, auf dieses Sprechen zu achten, Christus zu genießen, uns von Ihm verwandeln zu lassen – und als Überwinder mit Ihm das Mahl zu halten und mit Ihm auf dem Thron zu sitzen.