Der Baum des Lebens – Vertiefung
Gott hat das Universum nicht um der Materie willen geschaffen, nicht um der Engel willen, nicht einmal in erster Linie um des Menschen willen, sondern um eines Baumes willen – des Baumes des Lebens. Dieser Baum ist nicht bloß ein Bild, sondern die zentrale Linie der ganzen Schrift. Von 1.Mose 2 bis Offenbarung 22 zieht sich ein einziger, durchgehender Gedanke: Gott will Sich Selbst als Leben in den Menschen hinein geben, damit der Mensch Ihn als seine Speise empfängt, Ihn innerlich assimiliert und Ihn so als eigentlichen Inhalt seines Seins trägt.
Der Baum des Lebens in Gottes Schöpfung und in Seiner vollständigen Errettung
Erste Mose 2 zeigt uns den Menschen in einer ganz bestimmten Umgebung:
„Und Jehovah Gott pflanzte in Eden im Osten einen Garten; und dorthin setzte Er den Menschen, den Er geformt hatte. Und aus dem Erdboden ließ Jehovah Gott allerlei Bäume emporwachsen, die angenehm anzusehen und gut zur Speise waren, und auch den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ (1.Mose 2:8–9)
Der Mensch ist geschaffen nach Gottes Bild und zu Seiner Stellvertretung (1.Mose 1:26–28), aber er ist noch leer. Er hat Form, aber noch nicht Inhalt. Darum stellt Gott ihn vor den Baum des Lebens. Das zeigt, dass Gottes Ziel nicht nur ein „sehr guter“ Mensch ist (1.Mose 1:31), sondern ein Mensch, der Gott als Leben in Sich trägt.
Christus – die Wirklichkeit des Baumes des Lebens
Die Schrift legt sich selbst aus: Was ist der Baum des Lebens? Im Neuen Testament wird klar, dass dieser Baum Christus Selbst ist.
- „In Ihm war Leben“ (Joh. 1:4)
- „Ich bin der Weg und die Wirklichkeit und das Leben“ (Joh. 14:6)
- „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh. 6:35)
- „Ich bin der wahre Weinstock“ (Joh. 15:1)
- „Der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist“ (1.Kor. 15:45b)
Kolosser 2:9 sagt: „In Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. Der Baum des Lebens ist also Gott Selbst, verkörpert in Christus, um vom Menschen gegessen zu werden. Gott will nicht nur angebetet, bewundert oder imitiert werden – Er will gegessen werden. Darum spricht der Herr in Johannes 6 so stark vom Essen und Trinken: „Wer Mich isst, wird um Meinetwillen leben“ (Joh. 6:57). Essen bedeutet, Christus organisch aufzunehmen, Ihn metabolisch zu assimilieren, sodass Er unser innerer Bestandteil wird.
So wird 1. Mose 2:9 durch Johannes 6 und 1.Korinther 15:45b ausgelegt: Der Baum des Lebens ist Christus als der Leben gebende Geist, der in Seinem Wort zu uns kommt (Joh. 6:63) und von uns gegessen werden will.
Von Eden bis zum Neuen Jerusalem – der Strom und der Baum
Was in 1.Mose 2 als Anfangsbild erscheint, wird in Offenbarung 22 zur Vollendung:
„Und er zeigte mir einen Strom des Wassers des Lebens, hell leuchtend wie Kristall, der aus dem Thron Gottes und des Lammes hervorging, in der Mitte ihrer Straße. Und auf dieser Seite und auf jener Seite des Stromes war der Baum des Lebens“ (Offb. 22:1–2)
In Eden stand der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens (1.Mose 2:9); im Neuen Jerusalem steht er in der Mitte der Stadt, an beiden Seiten des Stromes. Dazwischen liegt die ganze Geschichte der Erlösung. Joh. 19:34 zeigt uns, wie Gott den Weg zum Baum des Lebens neu öffnet: „… und sogleich kamen Blut und Wasser heraus“. Das Blut ist für die Versöhnung (Röm. 5:10), das Wasser für das Leben. Durch das Blut werden wir mit Gott versöhnt; durch das Leben werden wir „viel mehr … gerettet“ (Röm. 5:10) – das ist die organische Seite der Errettung, die uns in die Erfahrung des Baumes des Lebens hineinführt.
Offb. 22:14 fasst das zusammen: „Gesegnet sind die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben“. Wer im Blut Christi gewaschen ist, hat das Recht, Christus als Baum des Lebens zu genießen. Gottes vollständige Errettung hat ein Ziel: dass der Mensch in Ewigkeit den Baum des Lebens genießt – Gott Selbst in Christus als Leben.
Der Baum des Lebens in der Gemeinde – Christus als gekreuzigter und auferstandener Genuss
Offenbarung 2:7 bringt den Baum des Lebens in die Gegenwart der Gemeinde:
„Dem, der überwindet, dem werde Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist“
Hier ist der Baum des Lebens nicht nur eine zukünftige Hoffnung, sondern ein gegenwärtiger Genuss für Überwinder. Zugleich wird er mit dem Kreuz verbunden: Der Baum ist ein Stück Holz – 1. Petrus 2:24 spricht davon, dass Christus „unsere Sünden Selbst in Seinem Leib an das Holz hinaufgetragen hat“. Der Baum des Lebens ist also der gekreuzigte Christus. Aber er ist ebenso der auferstandene Christus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh. 11:25).
In der Gemeinde heute ist dieser gekreuzigte und auferstandene Christus der Baum des Lebens, den wir essen. In der Vollendung, im Neuen Jerusalem, wird Er in Ewigkeit die Speise des erlösten Volkes Gottes sein (Offb. 22:2, 14). Was wir heute in der Gemeinde genießen, ist ein Vorgeschmack auf den ewigen Genuss.
Hindernisse für das Leben in uns
Wenn Gottes Ziel so klar ist – warum ist unser Erleben des Lebens oft so gering? Die Schrift zeigt uns vier Hauptprobleme, denen das Leben in uns begegnet.
Die Finsternis unserer Vorstellungen
Das erste Problem ist, dass wir die Finsternis unserer eigenen Gedanken und Vorstellungen nicht erkennen. Viele Gläubige haben nach ihrer Errettung Schwierigkeiten, weil sie „den Pfad des Lebens“ nicht kennen. Sie nehmen Christus nicht praktisch als ihr Leben, sondern leben aus christlichen Ideen, Lehren, Konzepten.
Galater 1:16 zeigt Gottes Ziel: „Seinen Sohn in mir zu offenbaren“. Galater 2:20 beschreibt das normale Christenleben: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“. Galater 4:19 zeigt den Dienst der Apostel: „… bis Christus in euch Gestalt gewinnt“. Philipper 1:19–21 zeigt die persönliche Erfahrung: „Denn zu leben ist für mich Christus“. Epheser 4:13 und 2. Korinther 3:18 zeigen das Endziel: die Fülle Christi, die Umwandlung in dasselbe Bild.
All diese Verse zeigen: Christsein ist nicht in erster Linie Lehre, Dienst oder Moral, sondern eine Person in uns – der lebendige Christus. Das Christenleben hängt einzig daran, wie wir uns um diesen innewohnenden Christus kümmern. Wenn wir unsere Vorstellungen – auch unsere „christlichen“ Vorstellungen – an die Stelle des inneren Empfindens Christi setzen, leben wir in Finsternis, und das Leben wird gehemmt.
Heuchelei – das natürliche Gutsein
Das zweite Problem ist Heuchelei (Mt. 6:2, 5; 7:5; 23:13–29). Der Herr verurteilt die Pharisäer nicht, weil sie offen böse wären, sondern weil sie geistlich aussehen, ohne innerlich mit Gott übereinzustimmen. Sie tun richtige Dinge – Almosen geben, beten, lehren – aber nicht aus dem Leben, sondern aus sich selbst, um gesehen zu werden.
Unser natürliches Gutsein, unsere angeborene Moralität, unsere „fromme“ Persönlichkeit kann zu einer der größten Barrieren für das Leben werden. Es ist eine falsche Geistlichkeit. Der Ausdruck des göttlichen Lebens besteht nicht darin, dass wir unsere natürliche Veranlagung religiös veredeln, sondern dass wir sie ablehnen und Christus erlauben, in uns zu wirken und uns zu brechen.
Wenn wir die Dinge immer gemäß unserer Veranlagung tun – ob wir von Natur aus streng, weich, aktiv, passiv, analytisch oder emotional sind – wird das Ergebnis Heuchelei sein. Wir mögen geistlich aussehen, aber es ist nicht Christus, der lebt, sondern wir selbst. Das Leben wird verdeckt.
Rebellion gegen das innere Empfinden
Das dritte Problem ist Rebellion. Christus als Leben in uns ist nicht stumm. Er wirkt, bewegt sich, gibt uns ein inneres Empfinden über Seinen Willen, Seine Anforderungen, Seine Führung. Röm. 8:6 sagt: „Der auf den Geist gesetzte Verstand ist Leben und Friede“. Erste Johannes 2:27 spricht von der Salbung, die in uns bleibt und uns über alle Dinge lehrt.
Wenn wir dieses innere Empfinden ignorieren, wenn wir nicht gehorchen, wenn wir den Preis nicht bezahlen wollen, dann ist das Rebellion. Die schlimmste Sünde ist nicht unbedingt eine äußerlich sichtbare Tat, sondern die Sünde, dem inneren Empfinden Christi nicht zu gehorchen. So wird das Leben in uns ständig verletzt und gedämpft.
Unsere natürliche Fähigkeit
Das vierte Problem ist unsere natürliche Fähigkeit. Viele Geschwister lieben den Herrn, sind eifrig und gottesfürchtig – aber sie sind auch sehr fähig, begabt, stark in ihrer Persönlichkeit. Gerade das kann zum größten Hindernis für Christus werden.
Wir schätzen unsere Fähigkeiten, wir bauen auf sie, wir betrachten sie nicht als Problem. Aber wenn sie ungebrochen bleiben, haben sie Vorrang vor Christus. Dann hat Er in uns keinen Boden. Wir tun vieles „für den Herrn“, aber nicht „im Herrn“ und nicht „aus dem Herrn“. Das Leben wird überdeckt von unserer Aktivität.
Der Weg des Kreuzes – der Zerbruch, der das Leben freisetzt
Gott hat für all diese Hindernisse nur einen Weg: das Kreuz. Mt. 16:24–25 zeigt den Grundsatz:
„Wenn jemand hinter Mir her kommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge Mir. Denn wer immer sein Seelen-Leben retten will, wird es verlieren; doch wer immer sein Seelen-Leben um Meinetwillen verliert, wird es finden“
Unser „Seelen-Leben“ ist unser natürliches Leben – unsere Vorstellungen, unsere Veranlagung, unsere Fähigkeiten, unser Eigenwille. Wenn wir dieses Leben retten wollen, verlieren wir das göttliche Leben in der Erfahrung. Wenn wir es um Christi willen verlieren, wird das göttliche Leben frei.
Zerbruch bedeutet nicht Selbstzerstörung, sondern dass Gott durch Umstände, durch das Wort, durch den Geist unsere natürliche Stärke, unser Selbstvertrauen, unsere Eigenwilligkeit bricht, damit Christus Raum gewinnt. Je mehr das Kreuz in uns wirkt, desto freier kann das Leben fließen.
Die erste Liebe und der erste Platz – die Bedingung, um vom Baum des Lebens zu essen
Offenbarung 2 zeigt uns, dass der Genuss des Baumes des Lebens an eine innere Bedingung geknüpft ist: die erste Liebe.
Die erste Liebe – der verlorene Anfangspunkt
Der Herr sagt zur Gemeinde in Ephesus:
„Aber Ich habe eine Sache gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast“ (Offb. 2:4)
Ephesus war lehrmäßig korrekt, arbeitsam, prüfend, standhaft – aber der Herr hat etwas gegen sie: Sie hatten die erste Liebe verlassen. Die erste Liebe ist die frische, ausschließliche, alles überragende Liebe zu Christus, mit der wir Ihn am Anfang liebten. Mk. 12:30 fasst Gottes Anspruch zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Stärke!“
Psalmen 73:25–26 beschreibt diese Liebe: „Wen habe ich im Himmel? Und außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde. Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.“ Das ist erste Liebe: Gott ist unser Teil, unser Ein und Alles.
Wenn diese Liebe nachlässt, verlieren wir den inneren Zugang zum Baum des Lebens. Darum ruft der Herr: „Erinnere dich … und tu Buße und tu die ersten Werke“ (Offb. 2:5). Die ersten Werke sind Werke, die aus der ersten Liebe hervorkommen.
Christus den ersten Platz geben – in allem
Kol. 1:18 sagt, dass Christus „in allen Dingen den ersten Platz einnehme“. Ihm den ersten Platz geben heißt, Ihn über alles stellen – über Familie, Arbeit, Dienst, Meinung, Gefühl, Plan. Zweite Korinther 5:14–15 zeigt die innere Triebkraft: „Denn die Liebe Christi drängt uns … damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt worden ist“.
Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben, Ihm in allem den ersten Platz zu geben, bedeutet praktisch:
- Ihn als Zentrum unseres Denkens, Fühlens, Entscheidens zu nehmen
- Ihn in jeder Situation zuerst zu fragen
- Seinen Willen über unseren zu stellen
- Seine Freude über unsere Bequemlichkeit zu stellen
Ps. 80:18–20 zeigt, dass Wiederherstellung und Erweckung kommen, wenn Gott wieder erhöht wird: „Deine Hand sei über dem Mann deiner Rechten … So werden wir nicht von dir weichen; belebe uns, und wir werden deinen Namen anrufen“. Wenn Christus erhöht wird, wenn Er den ersten Platz hat, kommt Leben zurück.
Den Baum des Lebens essen – der Inhalt des Gemeindelebens
Offb. 2:7 verbindet die erste Liebe mit dem Essen des Baumes des Lebens: Nur der Überwinder – der, der Buße tut, zur ersten Liebe zurückkehrt und Christus den ersten Platz gibt – bekommt zu essen vom Baum des Lebens.
Essen – der Hauptinhalt des Gemeindelebens
Joh. 6:57, 63 zeigt, wie wir heute vom Baum des Lebens essen: „Der Geist ist es, der das Leben gibt … die Worte, die Ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“. Christus als der Leben gebende Geist kommt zu uns in Seinem lebendigen Wort. Wenn wir dieses Wort im Geist aufnehmen, betend lesen, innerlich kauen, wird es zu Speise.
Christus als den Baum des Lebens zu essen, Ihn als unsere Lebensversorgung zu genießen, sollte die Hauptsache im Gemeindeleben sein. Der Inhalt des Gemeindelebens hängt vom Genuss Christi ab. Je mehr wir Ihn genießen, desto reicher wird der Inhalt. Wo wenig Genuss ist, ist das Gemeindeleben arm, trocken, formal.
Aber dieser Genuss setzt voraus, dass wir Ihn mit der ersten Liebe lieben (Offb. 2:4–5). Ohne erste Liebe wird selbst das Bibellesen zu einer toten Übung. Mit erster Liebe wird jedes Wort zur Speise.
Die Gemeinde als Paradies Gottes – Vorgeschmack des Königreichs
Offb. 2:7 spricht vom „Paradies Gottes“. Einerseits bezieht sich das auf den besonderen Genuss von Christus im kommenden Tausendjährigen Königreich – ein Belohnungsgenuss für Überwinder. Andererseits genießen wir heute schon den gekreuzigten und auferstandenen Christus als Baum des Lebens in unserem Geist als Vorgeschmack in der Gemeinde.
Jede örtliche Gemeinde ist in Gottes Gedanken ein Paradies Gottes, wo Christus der Baum des Lebens ist, den wir genießen können. Ob wir die Gemeinde so erleben, hängt von unserem inneren Zustand ab. Wenn wir Christus den ersten Platz geben und uns den ganzen Tag um das Essen des gekreuzigten und auferstandenen Christus kümmern, wird die Gemeinde – egal in welchem äußeren Zustand – für uns zum Paradies.
Christus erhöht – Wiederherstellung und Zeugnis
Der eigentliche Grund für Verwüstung und Niedergang der Gemeinde ist, dass Christus nicht erhöht wird. Er bekommt nicht den Vorrang. Wo das Volk Gottes Christus erhöht, Ihm in jedem Aspekt des Lebens den ersten Platz gibt, kommt Wiederherstellung und Erweckung (Ps. 80:18–20).
Christus im Mittelpunkt unserer Botschaft und unseres Dienstes
Zweite Korinther 4:5 sagt: „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen“. In unserem Werk sollten wir die Menschen beständig zurück zum Zentrum ziehen: Christus ist der Herr. Hebr. 1:3; 8:1; 12:2 zeigen Ihn als den, der zur Rechten der Majestät sitzt, den wir anschauen sollen. Ps. 80:2, 18–20; 110:1–7 zeigen Ihn als den König, durch den Gott Sein Volk wiederherstellt.
Um eine solche Botschaft zu geben, müssen wir selbst zerbrochen sein. Unsere Botschaft ist unsere Person (2.Kor. 4:10–13). Johannes 12:24–26 zeigt das Prinzip: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Nur ein zerbrochener Diener kann Christus in den Vordergrund stellen.
Die himmlische Bestätigung – das „gut gemacht“ des Herrn
Mt. 25:21, 23 zeigt, was wirklich zählt: „Recht so, du guter und treuer Sklave“. Jeremia 1:7–9, 18–19 und Dan. 4:26 zeigen, dass Gottes Bestätigung und Sein Schutz über denen sind, die Ihn an erste Stelle setzen. Das „gut gemacht“ des Herrn übertrifft alles Lob der Welt; Sein Lächeln übertrifft alle zornigen Gesichter der Erde; Sein Trost übertrifft alle Tränen der Erde.
Christus als unsere Zentralität und Universalität
Kol. 1:17–18 zeigt Christus als das Zentrum und den Zusammenhalt des Universums: „In Ihm besteht alles … damit Er Selbst in allen Dingen den ersten Platz einnehme“. Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben, Ihm in allem den ersten Platz einzuräumen, bedeutet, Ihn als unsere Zentralität – unser alles zusammenhaltendes Zentrum – und als unsere Universalität – unser Alles – zu nehmen. Er soll das Zentrum, der Inhalt und der Umfang unseres persönlichen Universums sein.
Ps. 27:4 zeigt die innere Haltung eines solchen Lebens: „Eines habe ich von Jehovah erbeten, danach will ich trachten: zu wohnen im Haus Jehovahs alle Tage meines Lebens, um die Lieblichkeit Jehovahs anzuschauen und nach Ihm zu forschen in Seinem Tempel“. Josua 9:14 warnt uns davor, ohne den Rat Jehovahs zu handeln. Phil. 4:6–7 zeigt, dass wir in allem betend vor Gott kommen sollen, damit der Friede Gottes unsere Herzen bewahrt.
Ein Leben unter dem Thron – ein klarer Himmel und ein regierender Christus
Zweite Korinther 2:13–14 zeigt Paulus als einen, der von Christus geführt und „in dem Triumphzug Christi“ mitgeführt wird. Er ist ein Gefangener Christi. Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben, Ihm in allem den ersten Platz einzuräumen, bedeutet, von unserem vermengten Geist beherrscht, regiert, geleitet und bewegt zu werden. Wir kümmern uns um die Ruhe in unserem Geist und beten: „Herr, gewinne den Sieg über mich. Mach mich zu Deinem Gefangenen. Lass mich niemals gewinnen. Besiege mich immer wieder!“
Hesekiel 1:22, 26 zeigt ein Bild: ein Himmelsgewölbe „wie das Aussehen eines ehrfurchtgebietenden Kristalls“ und darüber der Saphirthron Gottes. Ein klarer Himmel bedeutet: nichts steht zwischen uns und dem Herrn. Der Saphirthron bedeutet: wir leben unter der herrschenden Gegenwart Christi. Wenn wir Ihn als unseren König nehmen und Ihn in uns herrschen lassen, sind wir von einer himmlischen Atmosphäre erfüllt. Das ist das innere Umfeld, in dem der Baum des Lebens reichlich genossen wird.
Christus, der König der Herrlichkeit, und die Überwinder
Ps. 24:7–10 ruft: „Erhebt eure Häupter, ihr Tore … und der König der Herrlichkeit wird einziehen! … Jehovah der Heerscharen, Er ist der König der Herrlichkeit!“ Die Tore sind die Tore der Städte der Nationen, die Türen die Türen der Häuser des Volkes. Christus ist das Sehnen aller Nationen (Hag. 2:7). Alle erwarten im Innersten einen gerechten König, aber 2. Petrus 3:8–9 zeigt, dass Gott nicht nach unserer Zeitrechnung eilt. Darum sollen wir mit erhobenem Haupt und lang anhaltender Ausdauer auf Sein Kommen warten.
Der König der Herrlichkeit ist Jehovah der Heerscharen – der vollendete Dreieine Gott, verkörpert im siegreichen Christus (Lk. 21:27; Mt. 25:31). Jehovah ist Jesus (Mt. 1:21), und Jesus ist der fleischgewordene, gekreuzigte und auferstandene Dreieine Gott, stark im Kampf und siegreich (Offb. 5:5). Er wird in Auferstehung mit Seinen Überwindern zurückkommen, um die ganze Erde als Sein Königreich in Besitz zu nehmen (Dan. 2:34–35; 7:13–14; Joel 4:11; Offb. 11:15; 19:13–14).
Die Überwinder, sinnbildlich dargestellt durch Zion (Ps. 48:3), sind der Brückenkopf, durch den der Herr zurückkehren wird, um die Erde in Besitz zu nehmen. Ps. 45:17–18 zeigt, dass der Name Christi durch Seine überwindenden und mitregierenden Heiligen in allen Generationen in Erinnerung bleiben und von den Nationen gepriesen werden wird. Offb. 2:26 verspricht dem Überwinder, dass er mit Christus über die Nationen herrschen wird.
Unter dem Thron – Teilhaber der Erlösung und des Lebens
Offb. 4:3 beschreibt Christus auf dem Thron als „dem Aussehen nach wie ein Jaspisstein und ein Sarder“. Der Sarder (rot) bedeutet Erlösung; der Jaspis (dunkelgrün) bedeutet Leben in seiner Fülle. Offb. 21:10–11 zeigt, dass die heilige Stadt, das Neue Jerusalem, „die Herrlichkeit Gottes“ hat und „ihr Licht war gleich dem kostbarsten Stein, wie ein kristallklarer Jaspisstein“. Das bedeutet: Die Stadt trägt dasselbe Aussehen wie der Gott der Herrlichkeit.
Wenn wir uns dem Hauptsein Christi unterordnen und uns unter Seinem Thron befinden, sind wir Nutznießer all dessen, was Er in Seiner gerichtlichen Erlösung (Blut) und in Seiner organischen Errettung (Leben) ist (Röm. 5:10). So werden wir in dasselbe Bild umgewandelt (2.Kor. 3:18) und tragen dasselbe Aussehen wie Er.
Das ewige Recht am Baum des Lebens
Offb. 22:14 schließt mit einer seligen Zusage: „Gesegnet sind die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben und durch die Tore in die Stadt hineingehen können“. Wer seine Kleider im Blut Christi wäscht, hat das Recht, in Ewigkeit den Baum des Lebens als seinen ewigen Anteil in der heiligen Stadt, dem Paradies Gottes, zu genießen (vgl. Offb. 2:7).
So schließt die Bibel, wie sie begonnen hat: mit dem Baum des Lebens. In 1.Mose 2 stand der Mensch vor dem Baum des Lebens – mit der Möglichkeit, zu essen. In Offenbarung 22 essen die Erlösten tatsächlich und ewig. Dazwischen steht das Kreuz, das Blut, das Wasser, die Gemeinde, der innere Kampf, die erste Liebe, das Kreuz im täglichen Leben, der Thron, der König der Herrlichkeit und die Überwinder.
Gottes Herz ist, dass wir nicht nur über den Baum des Lebens wissen, sondern Ihn essen – heute. Dass wir Christus als unser Leben nehmen, Ihm den ersten Platz geben, uns vom Kreuz zerbrechen lassen und so in der Gemeinde schon jetzt das Paradies Gottes erfahren. Wer heute Christus als Baum des Lebens im Gemeindeleben genießt, wird im kommenden Königreich und in der Ewigkeit reichlich an diesem Baum teilhaben.
Möge der Herr uns innerlich rufen, wie in Psalm 73:25–26: „Wen habe ich im Himmel? Und außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde … meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.“ Das ist die Stimme eines Menschen, der den Baum des Lebens gefunden hat – und isst.