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Das Löwen-Lamm – Einführung

7 Min. Lesezeit

Das Buch der Offenbarung ist kein Rätselbuch, sondern ein Bild von einer Person: Jesus Christus. Die zweiundzwanzig Kapitel sind wie ein großes Porträt, das uns zeigt, wer Er ist und was Er tut (Offb. 1:1–2, 5). In Offenbarung 5 wird uns eine besonders eindrückliche Szene gezeigt: ein Löwe – und doch ein Lamm.

Johannes sieht im Himmel eine Schriftrolle in der Hand Gottes. Sie ist versiegelt, und niemand im Himmel, auf der Erde oder unter der Erde ist würdig, sie zu öffnen. Johannes weint darüber. Dann hört er eine Stimme: „Siehe, der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, hat überwunden“ (Offb. 5:5).

Der Löwe steht für Christus als starken Kämpfer gegen den Feind. Schon in Erste Mose 49:8–9 wird Juda als junger Löwe beschrieben – prophetisch auf Christus hin. Als „Wurzel Davids“ ist Christus nicht nur ein Nachkomme Davids, sondern seine Quelle. Deshalb konnte David Ihn „Herr“ nennen (Mt. 22:42–45), obwohl Christus nach dem Fleisch sein Nachfahre war.

Weil Christus überwunden hat, ist Er würdig und qualifiziert, die Schriftrolle mit ihren sieben Siegeln zu öffnen (Offb. 5:5–10). Diese Schriftrolle steht für Gottes Plan, Seine Ökonomie, Sein ganzes Vorhaben mit der Schöpfung. Nur einer, der den Feind besiegt und die Sünde getragen hat, kann diesen Plan ausführen.

Als Löwe aus dem Stamm Juda ist Christus gekommen und hat den rebellischen Satan, den Feind Gottes, besiegt. Als das Lamm Gottes hat Er die Sünde des gefallenen Menschen weggenommen. So hat Er alle Hindernisse beseitigt, die der Erfüllung von Gottes Vorsatz im Weg standen. Darum ist Er würdig, die Schriftrolle zu öffnen.

Das Löwen‑Lamm – stark im Kampf, sanft in der Erlösung

Nachdem Christus in den Himmel aufgefahren war, wurde Johannes eine Szene im Himmel gezeigt (Offb. 5:6). Ihm wird gesagt, er solle auf den Löwen achten – aber was er sieht, ist ein Lamm: „ein Lamm stehen, als wäre es gerade geschlachtet worden“. Das ist tief bedeutsam.

Für den Feind ist Christus der Löwe – der Kämpfer, der Sieger. Für uns ist Er das Lamm – der Erlöser, der Sein Blut für uns vergossen hat. Er hat gekämpft, um uns zu erlösen, und Er hat sowohl den Kampf gegen den Feind gewonnen als auch die Erlösung für uns vollbracht. Darum können wir Ihn mit Recht das „Löwen‑Lamm“ nennen.

Auffällig ist: Das Lamm steht. Was die Erlösung betrifft, sagt Hebräer 1:3 und 10:12, dass Christus Sich zur Rechten Gottes gesetzt hat – Sein Erlösungswerk ist vollendet. Was aber die Ausführung von Gottes Regierung und Verwaltung betrifft, steht Er noch. Er ist aktiv, wachsam, handelnd.

Dass das Lamm „als wäre es gerade geschlachtet worden“ erscheint, zeigt, wie frisch und gegenwärtig Sein Opfer vor Gott ist. Die Szene in Offenbarung 5 spielt unmittelbar nach Seiner Himmelfahrt. Vor Gott ist das Werk des Kreuzes nie alt oder fern – es ist immer lebendig und wirksam.

Johannes sieht weiter, dass das Lamm „sieben Hörner und sieben Augen“ hat (Offb. 5:6). Hörner stehen in der Bibel für Kraft im Kampf (5. Mose 33:17). Christus ist das erlösende Lamm, aber Er hat Hörner – Er ist der kämpfende Erlöser. Die Zahl sieben steht für Vollständigkeit: Sein Kämpfen im Vorangehen Gottes ist vollkommen.

Die Augen sind zum Beobachten und Erforschen. Als das Lamm hat Christus sieben Augen – siebenfache, vollkommene Beobachtung und Einsicht. Durch diese Augen vollstreckt Er Gottes Gericht über das Universum, damit Gottes ewiger Vorsatz erfüllt wird, der im Neuen Jerusalem vollendet wird.

Sacharja 3:9 beschreibt Christus als einen Stein mit sieben Augen, den Schlussstein für Gottes Bau (Sach. 4:7). Dort wie hier geht es um Gottes Haus, Gottes Bauwerk, das Er durch Christus vollendet. Die sieben Augen des Lammes sind „die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde hin ausgesandt sind“ (Offb. 5:6; 5:10). Sie durchlaufen die ganze Erde – nichts entgeht ihnen.

Der siebenfache Geist – Gottes Antwort auf den Niedergang

Die „sieben Geister Gottes“ werden in Offenbarung mehrfach erwähnt (1:4; 3:1; 4:5; 5:6). Sie sind nicht ein anderer Geist, sondern der eine Geist Gottes in einer siebenfach verstärkten Funktion. In Offenbarung 1:4–5 werden sie zusammen mit dem Vater und dem Sohn genannt – eindeutig der Heilige Geist.

Sieben ist in der Bibel die Zahl der Vollendung in Gottes Wirken. Die sieben Geister stehen daher für Gottes vollständiges, verstärktes Handeln auf der Erde. In Seinem Wesen ist der Geist einer, aber in Seinem Wirken, besonders in dunklen Zeiten, zeigt Er sich in einer siebenfachen Kraft und Intensität.

Sacharja 4:2 vergleicht dies mit einem Leuchter: Er ist ein Leuchter, aber er hat sieben Lampen. So ist der Geist einer, aber Seine Wirkung ist siebenfach. Als die Offenbarung geschrieben wurde, war die Gemeinde bereits im Niedergang. Es war ein finsteres Zeitalter. Gerade deshalb war der siebenfach verstärkte Geist Gottes nötig, um Gottes Werk voranzutreiben.

Auffällig ist auch die Reihenfolge in Offenbarung 1:4–5: Dort werden zuerst der, der ist und der war und der kommt (der Vater), dann die sieben Geister und dann Jesus Christus genannt. Der Geist steht hier an zweiter Stelle, nicht an dritter wie in Matthäus 28:19. Das unterstreicht, wie wichtig die verstärkte Funktion des Geistes in dieser Zeit ist.

In den Einleitungen der meisten neutestamentlichen Briefe werden Gnade und Friede vom Vater und vom Sohn gewünscht. In Offenbarung 1:4–5 wird ausdrücklich auch der Geist einbezogen: Gnade und Friede kommen von Ihm zu den Gemeinden. Das zeigt, wie sehr der Geist gebraucht wird, um dem Niedergang der Gemeinde entgegenzuwirken.

Darum wird in den Sendschreiben immer wieder betont: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (z.B. Offb 2:7, 11, 17, 29; 3:6, 13, 22). Die sieben Geister wirken in den Gemeinden – deshalb werden die Gemeinden trotz aller Finsternis vorangehen. Auch heute brauchen wir diesen siebenfachen Geist, den verstärkten Geist, den Geist der Wiedererlangung. Wir sollen Ihn sehen, Ihn erfahren und Ihm Raum geben.

Ein neues Lied für den würdigen Christus

Vor dem Thron Gottes erklingt ein neues Lied: „Du bist würdig, die Schriftrolle zu nehmen und ihre Siegel zu öffnen, denn Du bist geschlachtet worden und hast durch Dein Blut aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Nation Menschen für Gott erkauft“ (Offb. 5:9).

Dieses Lied ist neu, weil das Lamm, das darin gepriesen wird, gerade geschlachtet worden war. Die Erlösung ist frisch, die Anbetung ist frisch. Und der Inhalt ist klar: Die Würdigkeit Christi gründet sich auf Sein Opfer. Er hat durch Sein Blut Menschen aus allen Völkern für Gott erkauft. Gottes Plan umfasst die ganze Erde, jede Sprache, jede Kultur – und Christus ist der Mittelpunkt dieses Plans.

Im ganzen Universum gibt es niemanden außer Christus, dem überwindenden Löwen und dem erlösenden Lamm, der würdig wäre, das Geheimnis von Gottes Ökonomie zu öffnen. Als Löwe hat Er für Gott Satan besiegt. Als Lamm hat Er für uns die Sünde weggenommen. Nur Er ist qualifiziert, Gottes Plan zu enthüllen und auszuführen.

Es ist wichtig, dass wir Ihn so sehen: als das Löwen‑Lamm, das würdig ist, die Siegel des Geheimnisses der göttlichen Ökonomie zu öffnen. Diese Würdigkeit ist universal und unermesslich. Sie übersteigt unser Begreifen – und doch dürfen wir darauf antworten.

Christus ist unseres Lobpreises würdig – nicht nur unserer Lieder, sondern unseres ganzen Lebens. Wenn wir Ihn als Löwen‑Lamm sehen, als den kämpfenden Erlöser, der durch den siebenfachen Geist heute in den Gemeinden wirkt, dann wird unser Herz neu berührt. Dann können wir uns Ihm neu hingeben und mit allen im Himmel und auf Erden einstimmen: „Du bist würdig!“

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