Christus als der Sohn des Menschen, der in der Mitte der goldenen Leuchter wandelt – Vertiefung
Wenn die Offenbarung uns Christus als den Sohn des Menschen zeigt, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt (Offb. 1:9–13, 20; 2:1), öffnet Gott uns nicht nur eine prophetische Zukunftsschau, sondern das innerste Herz Christi für Seine Gemeinde heute. Diese Vision ist zutiefst praktisch: Sie zeigt, wie Christus heute in Seiner Gemeinde gegenwärtig ist, wie Er sie trägt, richtet, reinigt, nährt und zum Überwinden führt.
Um diese Vision wirklich zu sehen, genügt es nicht, sie nur zu studieren; wir müssen in derselben Stellung sein wie Johannes: „euer Bruder und Mitteilhaber an der Trübsal und am Königreich und am standhaften Ausharren in Jesus“ (Offb. 1:9). Nur wer mit Christus in Seiner Trübsal, in Seinem Königreich und in Seinem standhaften Ausharren teilhat, kann Ihn als den Sohn des Menschen inmitten der Leuchter erkennen.
Der Grund der Gemeinde: eine Gemeinde in einer Stadt – der praktische Boden der Einheit
Bevor Johannes die sieben Leuchter sieht, hört er die Stimme, die ihm sagt: „Was du siehst, das schreibe in eine Schriftrolle und sende sie an die sieben Gemeinden“ (Offb. 1:11). Diese sieben Gemeinden sind nicht sieben Denominationen, sondern sieben örtliche Gemeinden – jeweils eine Gemeinde in einer Stadt: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia, Laodizea. Das entspricht der Praxis des Neuen Testaments: „die Gemeinde, die in Jerusalem war“ (Apg. 8:1), „die Gemeinde, die in Antiochien war“ (Apg. 13:1). Immer eine Gemeinde für eine Stadt, nie mehrere Gemeinden in derselben Stadt.
Damit zeigt der Herr den „Grund der Gemeinde“: Die Gemeinde ist der eine Leib Christi, ausgedrückt in vielen Städten, aber in jeder Stadt nur einmal. Dieser Boden ist nicht eine menschliche Organisation, sondern der praktische Ausdruck der Einheit des Leibes.
Fünfte Mose 12:5 spricht im Bild davon: „ihr sollt die Stätte aufsuchen, die der HERR, euer Gott, aus all euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dort niederzulegen, daß er dort wohne, und dahin sollst du kommen“. Im Alten Bund gab es viele Städte, aber nur einen von Gott erwählten Ort für das gemeinsame Erscheinen vor Ihm. Im Neuen Bund ist dieser Ort nicht mehr ein geographischer Tempel, sondern der geistliche Boden der Einheit in jeder Stadt – der Ort, wo der Herr Seinen Namen niederlegt und wo Er wohnt.
Auf diesem Boden gibt es vier charakteristische Merkmale des Versammelns:
Das Volk Gottes ist eins
Psalm 133 beschreibt die Einheit der Brüder als etwas, worauf der HERR den Segen und das Leben befiehlt. Der Herr Jesus betet in Johannes 17:11, 21–23, dass die Seinen eins seien, „so wie Wir“ – wie der Vater und der Sohn eins sind. Diese Einheit ist nicht organisatorisch, sondern göttlich, aus der Herrlichkeit, die Christus uns gegeben hat (Joh. 17:22).
Paulus fleht die Korinther an: „dass ihr alle dasselbe redet und dass keine Spaltungen unter euch seien“ (1.Kor. 1:10). Und in Epheser 4:3 ruft er uns auf, „die Einheit des Geistes in dem vereinigenden Band des Friedens zu bewahren“. Die Einheit ist bereits durch den einen Geist geschaffen; wir sollen sie bewahren, nicht produzieren.
Wo der Herr die Gemeinden als Leuchter sieht, sieht Er sie in dieser Einheit. Spaltungen, Parteien, Gruppennamen widersprechen dem Wesen des Leibes. Wenn wir Christus als den Sohn des Menschen inmitten der Leuchter sehen wollen, müssen wir innerlich mit Seinem Verlangen nach praktischer Einheit übereinstimmen.
Der einzige Name: der Name des Herrn Jesus
Der Herr sagt: „Denn wo zwei oder drei in Meinen Namen hineinversammelt sind, dort bin Ich in ihrer Mitte“ (Mt. 18:20). Der Name, in dem sich Gottes Volk versammelt, ist der Name des Herrn Jesus Christus – kein anderer Name, keine menschliche Bezeichnung, keine Lehrparole.
In Korinth sagten einige: „Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi“ (1.Kor. 1:12). Paulus stellt die scharfe Frage: „Ist der Christus zerteilt?“ (V. 13). Wenn wir uns nach Menschen, Lehrmeinungen oder besonderen Betonungen benennen, zerteilen wir praktisch Christus. Das ist geistliche Unzucht: Wir verlassen die reine, ausschließliche Beziehung zu Christus als unserem einen „Mann“ und verbinden uns mit anderen Namen.
Erste Korinther 12:3 zeigt, dass nur im Heiligen Geist jemand wirklich sagen kann: „Jesus ist Herr!“ Die Wirklichkeit des Namens Jesu ist der Geist. Wo wir im Geist sind, sind wir im Namen Jesu; wo wir uns in anderen Namen versammeln, sind wir außerhalb der Realität des Geistes.
Gottes Wohnstätte im vermengten Geist
Im Neuen Testament ist die Wohnung Gottes nicht mehr ein Tempel aus Steinen, sondern „eine Wohnstätte Gottes im Geist“ (Eph. 2:22). Johannes 3:6 sagt: „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“ In unserer Wiedergeburt ist unser menschlicher Geist mit dem göttlichen Geist verbunden worden. Römer 8:16: „Der Geist Selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ Gott wohnt heute in unserem vermengten Geist.
Darum sagt Paulus: „Der Herr sei mit deinem Geist“ (2.Tim. 4:22). Und der Herr Jesus sagt: „Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen im Geist und in Wahrhaftigkeit anbeten“ (Joh. 4:24). Johannes in Offenbarung 1:10 bezeugt: „Ich war im Geist am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine laute Stimme…“ – die Vision der Leuchter beginnt damit, dass Johannes im Geist ist.
Wenn wir uns versammeln, um Gott anzubeten, müssen wir unseren Geist üben. Erste Korinther 14:15: „Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.“ Alles, was wir in der Gemeinde tun – beten, singen, prophezeien, dienen – muss aus dem vermengten Geist hervorkommen. Nur so erfahren wir die Gegenwart des Herrn inmitten der Leuchter.
Die praktische Anwendung des Kreuzes
Fünfte Mose 12:5–6, 27 zeigt, dass am von Gott erwählten Ort der Altar steht, auf dem Brandopfer und Schlachtopfer dargebracht werden. Der Altar ist das Kreuz Christi. Ohne das Kreuz gibt es keine wahre Anbetung.
Der Herr Jesus sagt: „Wenn jemand hinter Mir her kommen will, so verleugne er Sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge Mir“ (Mt. 16:24). Paulus bezeugt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). In der Anbetung bedeutet das: Wir weisen das Fleisch, das Selbst, das natürliche Leben ab und kommen zu Gott nur mit Christus und Christus allein. Wir bringen nicht unsere eigene Frömmigkeit, unsere Leistung oder unsere Gefühle dar, sondern Christus als unser Brandopfer und Schlachtopfer.
Wo der Herr als der Sohn des Menschen inmitten der Leuchter wandelt, ist immer das Kreuz wirksam. Er beschneidet, richtet, reinigt – nicht um uns zu zerstören, sondern um alles Natürliche zu entfernen, damit nur Christus leuchtet.
Mitteilhaber an der Trübsal, am Königreich und am standhaften Ausharren in Jesus
Johannes stellt sich vor als „Mitteilhaber an der Trübsal und am Königreich und am standhaften Ausharren in Jesus“ (Offb. 1:9). Diese drei Aspekte gehören untrennbar zusammen. Wer das Königreichleben praktiziert, wird Trübsal erfahren und braucht standhaftes Ausharren.
Mitteilhaber an der Trübsal in Jesus
„In Jesus“ bedeutet, dass wir in der Sphäre der Person Jesu leben – des Nazarener, der verworfen, verachtet und verfolgt wurde. In Apostelgeschichte 16:6–7 sehen wir, wie Paulus und seine Mitarbeiter vom Heiligen Geist und vom Geist Jesu geführt und zugleich beschränkt werden. Der Geist Jesu ist der Geist des leidenden, gehorsamen Menschen Jesus. Wenn wir diesem Jesus folgen, werden wir an Seinen Leiden teilhaben.
Apostelgeschichte 9:4–5 zeigt, dass der Herr Sich mit Seinen Gläubigen identifiziert: „Saul, Saul, was verfolgst du mich? … Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Wenn die Glieder leiden, leidet das Haupt mit ihnen. Hebräer 13:13 ruft uns: „Lasst uns darum hinausgehen zu Ihm, außerhalb des Lagers, und Seine Schmach tragen.“ Wer zu Ihm hinausgeht, teilt Seine Schmach.
Apostelgeschichte 14:22 sagt, dass wir „durch viele Bedrängnisse in das Königreich Gottes hineingehen müssen“. Philipper 3:10 spricht von der „Gemeinschaft Seiner Leiden“, indem wir Seinem Tod gleichgestaltet werden. Kolosser 1:24 geht noch weiter: Paulus freut sich in seinen Leiden und füllt „das aus, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt, in meinem Fleisch für Seinen Leib, der die Gemeinde ist“. Christus leidet heute in Seinem Leib weiter – nicht zur Erlösung, sondern zur Ausbreitung und zum Aufbau Seiner Gemeinde.
Das Hohelied gibt uns eine zarte Seite dieser Gemeinschaft: Der Geliebte springt über Berge, schaut durch die Fenster (Hld. 2:8–9) und ruft Seine Taube aus den Schlupfwinkeln der Felsen (V. 14). Die Gemeinschaft mit Christus führt uns aus unseren Verstecken heraus in die Öffentlichkeit Seiner Schmach.
Offenbarung 12:11 zeigt die Überwinder: „sie haben ihr Seelen-Leben nicht geliebt bis zum Tod.“ Und Erste Johannes 3:16 sagt: „Hieran haben wir die Liebe erkannt, daß er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.“ Trübsal in Jesus bedeutet, dass wir bereit sind, unser Seelenleben – unser natürliches Leben, unsere Bequemlichkeit, unsere Ehre – für Christus und für die Brüder hinzugeben.
Mitteilhaber am Königreich in Jesus
Das Königreich ist nicht nur eine zukünftige Herrschaft, sondern eine gegenwärtige Lebenssphäre. In Matthäus 16:18–19 verbindet der Herr die Gemeinde mit dem Königreich: Er baut Seine Gemeinde und gibt die Schlüssel des Königreichs der Himmel. Römer 14:17 definiert das Königreich Gottes als „Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“. Wo die Gemeinde in Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Geist lebt, ist das Königreich praktisch da.
Erste Korinther 3:7 erinnert uns, dass nicht der Pflanzende oder Begießende etwas ist, „sondern Gott, der das Wachstum gibt“. Und Zweite Korinther 3:18 zeigt, wie dieses Wachstum geschieht: indem wir mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und in dasselbe Bild umgewandelt werden „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist“. Das Königreichsleben ist das Gemeindeleben, in dem wir unter der Herrschaft Christi wachsen und umgewandelt werden.
Um dieses Leben zu praktizieren, ruft uns Zweite Timotheus 2:22: „Fliehe aber vor den jugendlichen Begierden und jage der Gerechtigkeit nach, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden zusammen mit denen, die den Herrn aus einem reinen Herzen anrufen.“ Das Königreich ist kein Einzelkämpferleben; wir jagen gemeinsam, „zusammen mit denen“, die den Herrn aus einem reinen Herzen anrufen.
Matthäus 18:15–22 zeigt, wie das Königreichsleben in der praktischen Sorge um sündigende Brüder gelebt wird. Wir gehen zu ihnen, um sie zu gewinnen (V. 15), wir nehmen Zeugen mit (V. 16), wir sagen es der Gemeinde (V. 17). In diesem Zusammenhang spricht der Herr von Binden und Lösen (V. 18), von gemeinsamem Gebet in Harmonie (V. 19) und von Seiner Gegenwart in der Mitte (V. 20). Und unmittelbar danach lehrt Er über grenzenlose Vergebung (V. 21–22). Königreichsleben heißt: Verantwortung, Autorität und Vergebung in der Gemeinde praktisch ausleben.
Mitteilhaber am standhaften Ausharren in Jesus
Daniel 7:25 zeigt die Taktik Satans: Er „wird die Heiligen des Höchsten zermürben“. Nicht nur offene Verfolgung, sondern zermürbende, langanhaltende Angriffe sollen uns entmutigen. Dagegen brauchen wir das standhafte Ausharren in Jesus.
Offenbarung 3:10 spricht von „dem Wort Meines standhaften Ausharrens“. Wenn wir in Christus bleiben und Sein Wort in uns bleibt, bewahren wir dieses Wort und erhalten Ausdauer, um Leiden und Angriffe zu ertragen. Zweite Thessalonicher 3:5 betet, dass der Herr unsere Herzen „in die Liebe Gottes und in das standhafte Ausharren des Christus“ richte. Wir brauchen nicht unser eigenes Ausharren zu produzieren; wir genießen und erfahren das Ausharren Christi selbst in uns.
Wer so an der Trübsal, am Königreich und am Ausharren in Jesus teilhat, ist innerlich in derselben Stellung wie Johannes – und kann Christus als den Sohn des Menschen inmitten der Leuchter sehen.
Christus als der Sohn des Menschen – der Hohepriester inmitten der Leuchter
Offenbarung 1:13 zeigt Christus „in der Mitte der Leuchter einen gleich dem Sohn des Menschen, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und an der Brust mit einem goldenen Gürtel umgürtet“. Hier sehen wir Christus als den himmlischen Hohenpriester, der Sich um die Gemeinden kümmert.
Sein Gewand und der goldene Gürtel
Das lange Gewand erinnert an das priesterliche Gewand (2.Mose 28:4) und an den Mann in Leinen in Daniel 10:5. Christus ist der wahre Hohepriester, der inmitten der Leuchter dient. Dass Er als „Sohn des Menschen“ erscheint, betont Seine Menschlichkeit. Er dient den Gemeinden in Seiner vollen, verherrlichten Menschlichkeit – Er kennt unsere Schwachheiten, unsere Gefühle, unsere Lage.
Der goldene Gürtel an der Brust steht für Seine Göttlichkeit und für Seine Liebe. Früher war Christus „an den Lenden gegürtet“, gestärkt für das Werk der Erlösung, um die Gemeinde hervorzubringen. Jetzt ist Er „an der Brust umgürtet“ – Er dient nicht mehr in der Anstrengung des Werkes, sondern in der Zuwendung der Liebe. Seine göttliche Energie (Gold) ist von Liebe motiviert und durch Liebe ausgeübt. Alles, was Er an den Gemeinden tut – richten, reinigen, ermahnen, trösten – geschieht aus Liebe und mit Liebe, um sie zu nähren.
Seine hegende und pflegende Fürsorge in Seiner Menschlichkeit
In Seiner Menschlichkeit kümmert sich Christus um die Gemeinden, um sie zu hegen und zu pflegen (Offb. 1:13a). Das Bild des Leuchters im Alten Testament hilft uns, das zu verstehen.
a) Er macht die Lampen zurecht
In 2. Mose 30:7 soll Aaron jeden Morgen die Lampen zurichten. Das bedeutet: Er sorgt dafür, dass sie gut brennen, dass genügend Öl da ist, dass der Docht richtig steht. Übertragen heißt das: Der Herr sorgt dafür, dass unser inneres Leben, unser Zeugnis, unser Leuchten vor Ihm in gutem Zustand ist.
Epheser 5:29 sagt von Christus: „Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, so wie auch Christus die Gemeinde.“ Seine Gegenwart schafft eine Atmosphäre der Zärtlichkeit und Wärme. Wie ein Hirte, wie ein Pfleger, wie ein liebender Ehemann schenkt Er uns Ruhe, Trost, Heilung, Reinigung und Ermutigung. In der Gemeinde, wo Er inmitten der Leuchter wandelt, können wir diese umhegende Atmosphäre genießen und dadurch die nährende Lebensversorgung empfangen (vgl. 1.Tim. 4:6; Eph. 4:11).
b) Er beschneidet die Dochte
Zweite Mose 25:38 erwähnt die „Dochtscheren“ des Leuchters. Der verkohlte Teil des Dochts – die Schnuppe – muss abgeschnitten werden, sonst raucht die Lampe und leuchtet schlecht. Geistlich steht diese Schnuppe für alles, was Gottes Vorsatz nicht entspricht: unser Fleisch, unser natürlicher Mensch, unser Selbst, unsere alte Schöpfung.
Wenn der Herr als der Sohn des Menschen inmitten der Leuchter wandelt, schneidet Er. Er benutzt Sein Wort, Umstände, Brüder und Schwestern, inneres Licht, um alles zu entfernen, was das Leuchten hindert. Das ist oft schmerzhaft, aber es ist priesterliche Liebe. Er will, dass wir klar, rein und hell leuchten.
Er beschneidet auch die Unterschiede zwischen den Gemeinden – Missetaten, Mängel, Verfehlungen, Fehler –, damit sie der Essenz, der Erscheinung und dem Ausdruck nach gleich sind (vgl. 1.Kor. 1:10; 2.Kor. 12:18; Phil. 2:2). Die Leuchter sind alle aus reinem Gold, alle von gleicher Gestalt. Der Herr arbeitet daran, dass die Gemeinden nicht durch menschliche Besonderheiten, Traditionen oder Eigenheiten voneinander abweichen, sondern gemeinsam den einen Christus ausdrücken.
Seine nährende Fürsorge in Seiner Göttlichkeit
In Seiner Göttlichkeit, dargestellt durch den goldenen Gürtel an der Brust, nährt Christus die Gemeinden (Offb. 1:13b). Er gibt nicht nur äußere Hilfe, sondern versorgt uns mit Sich Selbst als dem allumfassenden Christus in Seinem vollständigen Dienst in drei Stadien – in Seiner Menschwerdung, Seinem Tod und Seiner Auferstehung, und in Seiner himmlischen Herrlichkeit. Durch diese Versorgung wachsen wir im göttlichen Leben und reifen, um Seine Überwinder zu sein, die Seine ewige Ökonomie vollbringen.
Offenbarung 2:1 zeigt Ihn als den, „der die sieben Sterne in Seiner rechten Hand hält, der in der Mitte der sieben goldenen Leuchter wandelt“. Vers 7 zeigt Ihn als den sprechenden Geist: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ Als der wandelnde Christus lernt Er den Zustand jeder Gemeinde kennen; als der sprechende Geist beschneidet Er die Leuchter und füllt sie mit frischem Öl – der Versorgung des Geistes. Wo Er wandelt und spricht, da ist ständige Erneuerung.
Um an Seinem Vorangehen teilzuhaben und Seine Fürsorge zu genießen, müssen wir in den Gemeinden sein – praktisch in der örtlichen Gemeinde, auf dem Boden der Einheit, im Namen des Herrn, im Geist und unter dem Kreuz.
Die weiteren Merkmale des Sohnes des Menschen inmitten der Leuchter
Die Vision in Offenbarung 1 zeigt noch weitere Aspekte Christi, die alle mit Seinem Dienst an den Gemeinden zu tun haben.
Sein weißes Haupt und Haar – das himmlische hohe Alter
Offenbarung 1:14a: „Sein Haupt aber und Sein Haar waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee.“ Das erinnert an den „Alten an Tagen“ in Daniel 7:9. Weißes Haar spricht von Alter, Würde, Erfahrung, ewiger Weisheit (vgl. Hiob 15:10). Christus ist nicht nur der Sohn des Menschen, sondern auch der ewige Gott, voller Erfahrung und Einsicht. Sein Urteil über die Gemeinden ist nicht jugendlich impulsiv, sondern gereift, ausgewogen, vollkommen.
Das Hohelied 5:11 beschreibt den Geliebten: „Sein Haupt ist feines, gediegenes Gold, seine Locken sind Dattelrispen, schwarz wie der Rabe.“ Zusammengenommen sehen wir: Er ist zugleich ewig und frisch, voller Würde und voller jugendlicher Kraft. So steht Er inmitten der Leuchter.
Seine Augen wie eine Feuerflamme
Offenbarung 1:14b: „Seine Augen aber waren wie eine Feuerflamme.“ Offenbarung 5:6 zeigt das Lamm mit „sieben Augen“, und Daniel 10:6 beschreibt Augen wie Fackeln. Die sieben Augen sind für Gottes Vorangehen und Wirken auf der Erde – sieben ist die Zahl der Vollständigkeit im Handeln Gottes.
Dass diese Augen wie eine Feuerflamme sind, bedeutet: Er schaut, beobachtet, erforscht, richtet durch Erleuchten und infundiert zugleich. Sein Blick dringt durch alles Äußere hindurch, offenbart das Innere, verbrennt das Unreine und infundiert Sein eigenes Wesen in uns. Daniel 7:9–10 und Offenbarung 2:18; 19:11–12 zeigen, dass diese feurigen Augen besonders mit Seinem Gericht verbunden sind.
Für die Gemeinden heißt das: Nichts ist vor Ihm verborgen. Er sieht unsere Werke, unsere Motive, unsere verborgenen Gedanken. Aber Sein Blick ist nicht nur richtend, sondern auch infundierend: Während Er uns erleuchtet, teilt Er uns Sich Selbst mit, damit wir verändert werden.
Seine Füße wie glänzende Bronze
Offenbarung 1:15a: „Seine Füße waren gleich glänzender Bronze, als wären sie im Schmelzofen glühend gemacht.“ Hesekiel 1:7 und Daniel 10:6 sprechen ebenfalls von Füßen wie glänzendem Metall. Bronze in der Schrift steht für das Gericht Gottes (vgl. die eherne Schlange, den ehernen Altar). Dass die Füße wie glühende Bronze sind, bedeutet: Christus ist durch den „Schmelzofen“ Seines vollkommenen, leuchtenden Wandels gegangen und ist dadurch qualifiziert, das göttliche Gericht zu vollstrecken.
Sein Wandel auf der Erde war vollkommen; darum ist Sein Urteil über die Gemeinden gerecht. Wenn Er inmitten der Leuchter wandelt, bringt Er das göttliche Gericht in die Gemeinde – nicht zur Verdammnis, sondern zur Reinigung und Wiederherstellung.
Seine Stimme wie der Klang vieler Wasser
Offenbarung 1:15b: „Seine Stimme war wie der Klang von vielen Wassern“ (vgl. 14:2). Hesekiel 1:24; 43:2 sprechen vom Klang der Stimme des Allmächtigen wie das Rauschen großer Wasser. Seine Stimme ist mächtig, ernst, bedeutungsvoll (vgl. Offb. 10:3). Wenn Er zu den Gemeinden spricht, ist das nicht eine menschliche Meinung, sondern die Stimme des Allmächtigen. Sie kann trösten, warnen, richten, ermutigen – aber sie ist nie belanglos.
Die sieben Sterne in Seiner rechten Hand
Offenbarung 1:16a, 20 zeigt, dass die sieben Sterne die Boten der sieben Gemeinden sind. Das sind die geistlichen Menschen in den Gemeinden, die die Verantwortung für das Zeugnis Jesu tragen. Sie sind von himmlischer Natur und in himmlischer Stellung – wie Sterne am Himmel. Offenbarung 2:1 betont, dass Er „die sieben Sterne in Seiner rechten Hand hält“. Die rechte Hand ist die Hand der Macht und der Gunst.
Das bedeutet: Diejenigen, die in den Gemeinden Verantwortung tragen, sind in Seiner Hand. Er trägt sie, schützt sie, führt sie. Sie brauchen nicht zurückzuschrecken; Er übernimmt die Verantwortung für Sein Zeugnis. Zugleich sind sie Ihm unmittelbar verantwortlich: Wer in Seiner Hand ist, kann sich nicht selbstständig machen.
Das scharfe zweischneidige Schwert aus Seinem Mund
Offenbarung 1:16b: „Aus Seinem Mund ging ein scharfes zweischneidiges Schwert hervor.“ Hebräer 4:12 beschreibt das Wort Gottes als „lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“, das Seele und Geist scheidet und die Gedanken und Überlegungen des Herzens beurteilt. Epheser 6:17 nennt das „Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist“.
Das Schwert aus Seinem Mund ist Sein unterscheidendes, richtendes, tötendes Wort, um mit negativen Personen und Dingen abzurechnen. In den Sendschreiben der Offenbarung sehen wir, wie dieses Wort die Gemeinden prüft, lobt, tadelt, warnt, verheißt. Wo wir dieses Wort an uns heranlassen, werden wir innerlich geschieden – Seele und Geist werden getrennt, das Natürliche wird bloßgelegt und gekreuzigt, das Geistliche wird gestärkt.
Sein Angesicht wie die Sonne in ihrer Kraft
Offenbarung 1:16c: „Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, die in ihrer Kraft scheint“ (vgl. Dan. 10:6). Matthäus 17:2 zeigt den Herrn auf dem Berg der Verklärung: „Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne.“ Maleachi 3:20 (Luther 4:2) spricht von der „Sonne der Gerechtigkeit“, die aufgehen wird. Richter 5:31 sagt: „Die Ihn lieben, sollen sein wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Kraft.“ Matthäus 13:43 verheißt: „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters.“
Sein leuchtendes Angesicht bringt richtende Erleuchtung, um das Königreich herbeizuführen (Offb. 10:1). Wenn Er Sein Angesicht über die Gemeinden erhebt, werden alle Dinge offenbar. Diese Erleuchtung ist zugleich Gericht und Gnade: Sie richtet das Dunkle und bringt das Licht des Königreichs hervor.
Der Erste und der Letzte, der Lebendige
Offenbarung 1:17–18a: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“ Als der Erste und der Letzte ist Er der Ursprung und das Ziel, der Anfang und das Ende. Das gibt uns die Zusicherung, dass Er Sein Werk an den Gemeinden niemals unvollendet lässt. Was Er begonnen hat, führt Er zu Ende. Als der Lebendige ist Er die Quelle und der Inhalt des Lebens der Gemeinden. Er will, dass die Gemeinden als der Ausdruck Seines Lebens lebendig, frisch und stark sind.
Die Schlüssel des Todes und des Hades
Offenbarung 1:18b: „Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades.“ Der Tod ist der Einsammler, der Hades der Ort der Aufbewahrung. Aber Christus hat am Kreuz „den Tod zunichte gemacht“ (2.Tim. 1:10) und in Seiner Auferstehung den Hades überwunden (Apg. 2:24). Die Schlüssel bedeuten: Er hat die Autorität über Tod und Hades.
Matthäus 16:18–19 verbindet das mit der Gemeinde: „die Pforten des Hades werden nicht den Sieg über sie gewinnen.“ Wenn wir dem Herrn den Boden, die Möglichkeit und den Weg geben, Sich unter uns zu bewegen und zu handeln – indem wir uns üben, das Selbst zu verleugnen, das Kreuz auf uns zu nehmen und unser Seelenleben zu verlieren (Mt. 16:21–26) –, dann sind Tod und Hades unter Seiner Kontrolle. Der Tod kann in der Gemeinde nicht herrschen; Christus herrscht. Wo Er als der Sohn des Menschen inmitten der Leuchter wandelt, wird alles, was nach Tod riecht, durch Sein Leben überwunden.
Geistliche und praktische Bedeutung für unser heutiges Gemeindeleben
Die Vision von Christus als dem Sohn des Menschen inmitten der goldenen Leuchter ist keine abstrakte Lehre. Sie ruft uns in eine bestimmte Lebensweise:
- auf dem Boden der Einheit: eine Gemeinde in einer Stadt, frei von Spaltungen und menschlichen Namen
- im Namen des Herrn Jesus allein, in der Wirklichkeit des Geistes
- im vermengten Geist, wo Gott wohnt und wo wir Ihn anbeten
- unter der praktischen Anwendung des Kreuzes, wo das Selbst, das Fleisch und das natürliche Leben abgewiesen werden
In dieser Stellung erfahren wir:
- die Gemeinschaft Seiner Trübsal: wir teilen Seine Schmach, Seine Leiden für den Leib
- das praktische Königreichsleben: Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist, Wachstum und Umwandlung im Leben, gemeinsames Nachjagen mit denen, die den Herrn aus einem reinen Herzen anrufen, praktische Sorge um die Brüder
- das standhafte Ausharren in Jesus: wir widerstehen der zermürbenden Taktik Satans, bewahren das Wort Seines Ausharrens und genießen das Ausharren Christi selbst in uns
Und inmitten dieses Lebens sehen und erfahren wir Christus:
- als den Hohenpriester, der unsere Lampen zurechtmacht, uns hegt, pflegt, tröstet, heilt, reinigt und ermutigt
- als den, der unsere Dochte beschneidet, alles Natürliche und Negative abschneidet und die Unterschiede zwischen den Gemeinden wegnimmt
- als den, der uns mit Sich Selbst nährt, damit wir im göttlichen Leben wachsen und reif werden
- als den, dessen Augen uns erforschen und infundieren, dessen Füße das Gericht vollstrecken, dessen Stimme wie viele Wasser spricht, dessen Angesicht wie die Sonne leuchtet
- als den, der die Boten in Seiner rechten Hand hält, der mit dem Schwert Seines Mundes richtet und der als der Lebendige die Schlüssel des Todes und des Hades hat
Wenn wir uns Ihm so öffnen, wird die Gemeinde tatsächlich zu einem goldenen Leuchter – aus reinem göttlichen Wesen, in der Form Christi, mit dem Öl des Geistes gefüllt, hell leuchtend in der Nacht dieses Zeitalters. Und inmitten dieses Leuchters wandelt der Sohn des Menschen – sichtbar, erfahrbar, wirksam – zur Erfüllung von Gottes ewiger Absicht.