Der treue Zeuge Gottes für das Zeugnis Jesu – Einführung
Die Offenbarung beginnt mit einer gewaltigen Sicht: Jesus Christus ist „der treue Zeuge“ (Offb. 1:5). Das bedeutet nicht nur, dass Er über Gott spricht, sondern dass Er Gott selbst zum Ausdruck bringt. Sein ganzes Sein, Sein Reden, Sein Handeln – alles ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wer der dreieine Gott ist. Wenn Christus bezeugt, bezeugt Er nicht nur Worte, sondern Er offenbart Gott in Person.
Doch die Bibel bleibt nicht bei Christus allein stehen. Was Christus für Gott ist, das soll die Gemeinde für Christus sein. Christus ist das Zeugnis und der Ausdruck Gottes; die Gemeinde ist das Zeugnis und der Ausdruck Christi. So wird die Gemeinde zur Vervielfältigung des Zeugnisses Gottes in Christus. Das Buch der Offenbarung zeigt uns genau dieses Bild: den offenbarten Christus und die bezeugende Gemeinde, die „das Zeugnis Jesu“ ist (Offb. 1:2, 9; 19:10). Christus ist das Zeugnis Gottes, die Gemeinde ist das Zeugnis Jesu – der vergrößerte Christus als gemeinschaftlicher Ausdruck des Dreieinen Gottes.
Ein starkes Bild dafür sind die sieben goldenen Leuchter in Offenbarung 1. Sie stehen für die Gemeinden. Sie sind aus Gold – also göttlicher Natur –, sie leuchten in der Finsternis und sie sind einander gleich. Der Leuchter selbst ist ein Bild des Dreieinen Gottes: Der Vater ist die Substanz, im Sohn verkörpert; der Sohn ist die Verkörperung, durch den Geist zum Ausdruck gebracht; der Geist wird durch die Gemeinden verwirklicht und sichtbar. So werden die Gemeinden zum Zeugnis Jesu (2.Mose 25:31–40; Sach. 4:2–10; Offb. 1:10–12).
Damit wir als solche „Leuchter“ wirklich das Zeugnis Jesu tragen, brauchen wir eine innere Realität: Wir müssen mit dem Geist Jesu erfüllt sein (Apg. 16:7). Ein einfacher, aber tief wirksamer Weg dazu ist, den Namen des Herrn Jesus anzurufen (Röm. 10:12–13; Erste Korinther 12:3). So werden wir zu Menschen, die mit Christus verbunden sind – in der Trübsal, im Reich und im standhaften Ausharren (Offb. 1:9) – und die sogar die „Malzeichen Jesu“ an sich tragen (Gal. 6:17), das heißt: Sein Gepräge durch Leiden und Treue.
Geformt im Licht – wie Gott Leuchter hervorbringt
Der Leuchter im Alten Testament war aus einem Stück Gold „getrieben“ – nicht gegossen, sondern durch Schlagen und Formen gestaltet (2.Mose 25:31). Das ist ein eindrückliches Bild für unser Glaubensleben. Gott benutzt unsere Umstände, unsere Schwierigkeiten, unsere verborgenen Kämpfe, um uns zu formen. Unsere Teilhabe an den Leiden Christi ist kein Zufall, sondern Gottes Weg, aus uns einen Leuchter zu machen, der Ihn widerspiegelt (Kol. 1:24).
Entscheidend ist, wie wir auf diese Umstände reagieren. Wenn wir unseren Verstand darauf ausrichten, Gott zu kennen, und uns dem inneren Wirken des Geistes sowie den äußeren Situationen unterordnen, wird jeder Umstand zu einer Gelegenheit, Gott tiefer kennenzulernen (Hos. 6:1–3; Phil. 3:10). Wenn ein Mensch sein Leben lebt, ohne Gott wirklich kennenzulernen, hat er sein Leben vergeudet. Darum ist es so kostbar, wenn wir lernen, Gottes „Behandlungen“ in unseren Umständen anzunehmen (2.Kor. 4:16–18; 12:7–9).
Der entscheidende Punkt ist nicht, ob wir Leiden haben – die haben alle –, sondern ob wir inmitten dieser Leiden dem Herrn als dem großen Licht begegnen. Manches verstehen wir erst, wenn wir durch Dunkelheit gehen. In solchen Zeiten kann Gott uns „den Geist der Weisheit und Offenbarung“ schenken (vgl. Eph 1:17), damit wir Ihn in einer Weise erkennen, die wir ohne diese Wege nie kennengelernt hätten.
Der Leuchter leuchtet, damit Menschen eine Vision bekommen: die Vision des herrlichen Christus als des Sohnes des Menschen, der mitten unter den Gemeinden wandelt (Offb. 1:12–18; 2:1). Wenn wir Ihn so kennen – als den, der „in Ewigkeit lebendig ist“ –, werden wir gewiss, dass Er in unserem Geist immer bei uns ist. Er lebt, um für uns einzutreten (Hebr. 7:25), Er erscheint für uns vor Gott (Hebr. 9:24), und Er hat verheißen, uns niemals zu verlassen (5.Mose 31:6).
Dieses Leuchten ist nicht nur eine einmalige Erfahrung. Die sieben Lampen des Leuchters, die Augen wie Feuerflammen, die Füße wie glänzende Bronze, das Angesicht wie die Sonne (Offb. 1:14–16; 4:5; 5:6) zeigen uns: Wir brauchen Tag für Tag mehr von diesem Licht – in unserem persönlichen Alltag und im Gemeindeleben. Durch dieses Leuchten werden wir geweidet: gerettet, wiederhergestellt, belebt und sogar vergöttlicht, das heißt, mehr von Gottes Leben und Natur durchdrungen (Lk. 1:78–79; 2.Kor. 4:6–7; Spr. 4:18).
Im Licht leben – wie Gott uns erleuchtet
Erleuchtung ist kein Verdienst, sondern Gnade. Sie beruht auf der Barmherzigkeit Gottes (Röm. 9:15). Wenn Gott kommt und uns Seine Barmherzigkeit schenkt, wird das Licht Seines Angesichts zu unserem Licht, Sein Erscheinen zu unserer Vision, Seine Gegenwart zu unserem größten Gewinn (4.Mose 6:25–26).
Doch die Bibel zeigt auch, wie wir uns für dieses Licht öffnen können:
Wir brauchen zuerst ein Herz, das das Leuchten des Herrn will. Wenn wir unser Herz darauf ausrichten, einfältig zu sein und nur den Herrn zu suchen, schafft das Raum für Sein Licht (Ps. 27:8; 73:25; Phil. 2:12–16). Gott sucht nicht die Klugen und Starken, sondern die, die Ihn ehrlich wollen.
Dann ist es wichtig, dass wir uns dem Herrn öffnen und unser Herz Ihm zuwenden (2.Kor. 3:16). Wer sich vor dem Herrn verschließt, wird leicht zum Kritiker anderer. Wer sich aber selbst ins Licht stellt, hat weniger Zeit und Lust, andere zu richten (Mt. 7:1–5). Das Licht Gottes beginnt immer bei uns selbst.
Erleuchtung bedeutet auch, dass wir uns „anhalten“: unsere eigenen Ansichten, Gefühle, Ideen und Meinungen stoppen. Ein Mensch, der innerlich zur Ruhe gekommen ist, kann sehr schlicht das Wort des Herrn empfangen (Jes. 40:31; Mt. 5:3). Gott redet gern zu solchen, die wie Kinder sind – offen, vertrauend, nicht kompliziert (Lk. 18:15–17).
Wenn das Licht kommt, sollten wir nicht mit ihm diskutieren. Weder mit dem inneren Reden des Geistes noch mit dem, was der Geist durch andere zu uns spricht (Apg. 22:10; 2.Kor. 10:3–5). Wer ständig argumentiert, bleibt im Dunkeln. Wer sich beugt, wird erleuchtet.
Schließlich lädt uns Gott ein, „im Licht zu wandeln“ (1.Joh. 1:7). Das ist kein punktuelles Erlebnis, sondern ein Lebensstil. Im Licht zu leben bedeutet, mit einem gereinigten Gewissen vor Gott zu stehen, das Wort als Lampe für unseren Fuß zu nehmen (Ps. 119:105) und als „Licht der Welt“ zu leuchten (Mt. 5:14). So werden wir als Gemeinden zu den goldenen Leuchtern, die das Zeugnis Jesu tragen (Offb. 1:20).
Die große Volksmenge – das vollendete Zeugnis Jesu
In Offenbarung 7 sehen wir eine andere, tröstliche Seite des Zeugnisses Jesu: eine „große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen“ (Offb. 7:9). Sie stehen vor dem Thron und vor dem Lamm. Diese Volksmenge ist das Zeugnis Jesu in seiner Vollendung: der ganze Leib der Erlösten, die in die Himmel entrückt worden sind, um Gottes Fürsorge und das Weiden des Lammes zu genießen.
Diese Menschen sind „erkauft mit dem Blut des Lammes“ (Offb. 5:9). Sie kommen aus allen Völkern und Sprachen und bilden die Bestandteile der Gemeinde. Über sie wird gesagt: „Dies sind diejenigen, die aus der großen Trübsal kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes“ (Offb. 7:14). Die „große Trübsal“ meint hier nicht nur eine bestimmte Endzeitphase, sondern die vielfältigen Leiden, Verfolgungen und Bedrängnisse, die Gottes Volk durch alle Zeitalter hindurch erlebt (Joh. 16:33).
Das Blut des Lammes ist die Antwort auf alle Anklagen des Teufels (Offb. 12:11). Christus ist die geöffnete Quelle für all unsere Sünden und Unreinheiten (Sach. 13:1; Joh. 19:34). Wenn wir im Glauben zu diesem Blut kommen, werden unsere „Gewänder“ gewaschen – unser Verhalten wird gereinigt (1.Joh. 1:7). So erhalten wir das Recht, den Baum des Lebens zu genießen und in die Stadt des Lebens einzugehen, den Bereich der ewigen Segnungen Gottes (Offb. 22:14).
Die große Volksmenge steht mit Palmzweigen in den Händen vor dem Thron (Offb. 7:9). Palmen sind ein Zeichen des Sieges und der Zufriedenstellung. Sie sprechen von überwundener Trübsal und von Versorgung mit Wasser (vgl. Zweite Mose 15:27; Joh. 12:13). Im Dreieinen Gott als dem Tempel dienen diese Erlösten Gott „Tag und Nacht“ (Offb. 7:15). Ihr Dienst ist ein ewiges Fest, vergleichbar mit dem Laubhüttenfest, und sie sprossen im Leben wie Palmen (Ps. 92:13–14).
Unser Dienst heute ist eine Vorbereitung auf diesen ewigen Dienst. Gottes Ziel in der Zeit ist es, Sich Selbst Tag für Tag in uns hineinzuteilen. Wo Gott in uns hineinkommt und aus uns herausfließt, da geschieht wahrer Dienst (Joh. 7:37–39). Alles andere ist Beiwerk.
Über diese große Volksmenge wird gesagt: „Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten“ (Offb. 7:16). Hunger und Durst stehen für unerfüllte Hoffnung. Christus aber verheißt: „Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten“ (Joh. 6:35). Wenn wir Gott im Geist kontaktieren, trinken wir vom lebendigen Wasser (Joh. 4:13–14). Dieses Trinken ist zugleich wahre Anbetung (Joh. 4:23–24).
Weiter heißt es: „Die Sonne wird nicht mehr auf sie fallen noch irgendeine Hitze“ (Offb. 7:16). Der Lamm-Gott auf dem Thron „wird über ihnen zelten“ (V. 15). Das bedeutet: Er wird sie mit Sich selbst überschatten. Es gibt ein Leben, das unter Gottes Schatten verborgen ist – ein Leben, das in Gott selbst geborgen ist (Ps. 91:1; 17:8). Christus ist der König, der regiert, und zugleich der Mensch, der wie ein Zufluchtsort vor dem Sturm ist, wie Wasserbäche in der Wüste, wie der Schatten eines mächtigen Felsens im erschöpften Land (Jes. 32:1–2).
Schließlich lesen wir: „Das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie weiden und sie zu Quellen der Wasser des Lebens leiten; und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen“ (Offb. 7:17). Weiden bedeutet ernähren, führen, schützen. „Mir wird nichts mangeln“, sagt Psalm 23:1, weil der Herr mein Hirte ist. Wir können uns nicht selbst verbessern; wir brauchen einen Hirten, der uns ständig nährt – mit Seiner eigenen Erfahrung als Lamm Gottes, das im Haus und für das Haus Gottes ist (Ps. 23:2–6; Offb. 22:1).
Tränen gehören zu diesem Zeitalter. Aber Gott vergisst keine Träne; Er sammelt sie in Seinem Schlauch und hält sie in Seinem Buch fest (Ps. 56:9). Weil das Lamm uns mit dem Wasser des Lebens zufriedenstellt, werden die Wasser unserer Tränen abgewischt. Die Tage der Trauer sind nicht ewig. Die Welt vergeht, aber wir sind gesegnet, wenn wir heute schon vom fließenden Dreieinen Gott trinken, bis wir selbst zur Gesamtheit des ewigen Lebens werden – zum Neuen Jerusalem (Joh 4:14b).
So spannt sich der Bogen: vom treuen Zeugen Christus über die leuchtenden Gemeinden bis hin zur großen Volksmenge vor dem Thron. Gottes Ziel ist ein einziges: dass Er Selbst in Christus durch den Geist in einem Volk sichtbar wird, das Ihn widerspiegelt, Ihn genießt und Ihn ewig bezeugt – als das Zeugnis Jesu.