Die vollständige Errettung des Dreieinen Gottes und ihre Ergebnisse (4)
Wenn wir den ersten Petrusbrief überfliegen, wirken manche Verse zunächst schlicht und vertraut. Doch je länger wir an ihnen bleiben, mit ihnen beten und sie im Licht der ganzen Schrift betrachten, desto mehr Tiefe und Weite tun sich auf. Petrus spannt in wenigen Versen einen Bogen von den suchenden Propheten des Alten Testaments über die predigenden Apostel bis hin zu uns heutigen Gläubigen. Dahinter steht die Frage: Wie macht der Dreieine Gott seine große Errettung in unserer Zeit und in unserem ganz konkreten Leben wirksam?
Die vollständige Errettung als Gnade – mehr als unverdiente Gunst
Wenn Petrus von der Gnade spricht, die uns in der Errettung begegnet, denkt er weiter als an ein freundliches Zuwenden Gottes oder an das juristische Streichen einer Schuld. Er sieht Gnade und Errettung so eng beieinander, dass er „die Errettung eurer Seelen“ (1.Petr. 1:9) unmittelbar mit der „Gnade“ verbindet, die „für euch bestimmt“ ist (1.Petr. 1:10). In dieser Sichtweise ist Gnade ein anderes Wort für Gottes vollständige Errettung – aber eben nicht als abstraktes Konzept, sondern als Gott selbst, der in Christus zu uns kommt, sich uns mitteilt, uns innerlich umgestaltet und bis zur Vollendung trägt. Darum heißt es über den Sohn: „Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns … voller Gnade und Wirklichkeit“ (Johannes 1:14). Gnade ist hier kein Gegenstand, den man in Händen halten könnte, sondern eine Person, die mitten unter Menschen wohnt und sich ihnen schenkt. Der Dreieine Gott macht sich in Christus zugänglich, berührbar, genießbar – das ist die Atmosphäre, in der Petrus von Gnade spricht.
In Vers 10 weist Petrus darauf hin, dass die Propheten „von der Gnade, die zu euch kommen sollte“ geweissagt haben. In diesem Vers ist „Gnade“ ein Synonym für „Erlösung“. In 1:13 bezieht sich Gnade ebenfalls auf Gottes Erlösung. In Joh. 1:14 heißt es, dass das Wort Fleisch wurde und unter uns stiftshüttete, voller Gnade. Diese Gnade ist Gott im Sohn als unser Genuss. In 1. Korinther 15:10 sagt Paulus: „Aber durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle, doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.“ Die Gnade, auf die Paulus in diesem Vers dreimal Bezug nimmt, ist der auferstandene Christus, der zum lebengebenden Geist wird, um den verarbeiteten Gott in der Auferstehung in uns hineinzubringen, damit Er unser Leben und unsere Lebensversorgung ist, sodass wir in der Auferstehung leben. Daher ist Gnade der Dreieine Gott, der für uns zum Leben und zu allem wird. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft acht, S. 65)
Paulus beschreibt denselben Inhalt, wenn er bezeugt: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle, doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“ (1.Kor 15:10). Die Gnade, die mit ihm ist, ist kein äußerer Helfer, sondern der auferstandene Christus als lebensspendender Geist, der den verarbeiteten Gott in ihn hineinbringt und in der Tiefe seines Wesens wirkt. So wird Gnade zur inneren Lebensversorgung, zur Kraft der Auferstehung, zur Quelle eines Dienstes, der aus göttlicher Energie stammt. In diesem Licht bekommt Petrus’ Sprache Kontur: Wenn er von Gnade spricht, meint er den Dreieinen Gott, der sich in Christus und durch den Geist mit unserem Leben verbindet, unsere Seele durchdringt, uns heilig und makellos vor sich stellt (vgl. Epheser 1:4) und uns bis zur Offenbarung Jesu Christi treu bewahrt. Die Aussicht, von einer solchen Gnade umgeben und durchdrungen zu sein, ist nicht nur tröstlich, sie weckt eine stille Zuversicht: Unsere Errettung ist größer als unsere Schwäche, weil sie in Gottes Selbsthingabe in Christus gegründet ist.
Wer Gnade so versteht, entdeckt in der Errettung mehr als einen guten Start ins Glaubensleben. Die Gnade, von der Petrus spricht, begleitet den Glaubenden von der Wiedergeburt bis zur Errettung der Seele, von den ersten Schritten im Glauben bis zur letzten Offenbarung Jesu Christi. „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung … zu einem unverderblichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe“ (1.Petr. 1:3–4). Dieselbe Gnade, die uns neu geboren hat, bewahrt uns „mittels des Glaubens zu einer Errettung, die bereit steht, um in der letzten Zeit offenbart zu werden“ (1.Petr. 1:5). So spannt Gottes Gnade einen Bogen über unser ganzes Leben: Sie beginnt, wo wir kaum etwas verstehen; sie trägt, wo wir schwanken; sie vollendet, wo unsere Möglichkeiten enden. Wer sich in diesem Bogen weiß, kann seine Geschichte mit Gott nicht mehr nur in Kategorien von Erfolg oder Versagen lesen, sondern als Weg, auf dem der Dreieine Gott sich selbst immer reicher in uns hinein verschenkt. Darin liegt eine stille Ermutigung: Die eigentliche Stärke unseres Glaubenslebens liegt nicht in unserem Durchhaltevermögen, sondern in der Gnade, das heißt im Gott, der beschlossen hat, unser Leben, unsere Lebensversorgung und unser Alles zu sein.
so empfangt ihr das Ende eures Glaubens: die Errettung eurer Seelen. (1.Petr. 1:9)
Im Blick auf diese Errettung haben die Propheten eifrig gesucht und geforscht, die im Blick auf die für euch bestimmte Gnade geweissagt haben, (1.Petr. 1:10)
Wenn Gnade der Dreieine Gott ist, der sich in Christus und durch den Geist in unser Leben hinein schenkt, dann verändert sich der Blick auf unser Christsein: Es geht nicht zuerst darum, wie viel wir für Gott tun können, sondern wie weit wir Ihn an uns und in uns wirken lassen. Petrus lädt dazu ein, die eigene Geschichte nicht unter dem Vorzeichen des eigenen Gelingens zu deuten, sondern unter dem Vorzeichen dieser Gnade, die begonnen hat, uns zu retten, die im Inneren weiterarbeitet – bis zur Errettung der Seele – und die uns am Ende unversehrt ans Ziel bringt. In diesem Bewusstsein dürfen wir unser Leben ruhiger, dankbarer und hoffnungsvoller lesen, weil wir wissen: Die Gnade, die uns gesucht hat, ist dieselbe Gnade, die uns vollenden wird.
Die suchenden Propheten – der Geist Christi vorweg am Werk
Wenn Petrus auf die alttestamentlichen Propheten blickt, zeichnet er sie nicht als distanzierte Übermittler göttlicher Orakel, sondern als Suchende. „Im Blick auf diese Errettung haben die Propheten eifrig gesucht und geforscht, die im Blick auf die für euch bestimmte Gnade geweissagt haben“ (1.Petr. 1:10). Ihre Weissagungen über den kommenden Gesalbten ließen sie nicht unberührt; sie trieben sie zu innerem Forschen: Was bedeutet diese Errettung? Wann und in welcher Art von Zeit wird sie sich erfüllen? Petrus fasst dieses Verlangen so: Sie forschten „nach, auf welche Zeit oder welche Art von Zeit der Geist Christi in ihnen hindeutete, wenn Er im Voraus die Leiden Christi und die Herrlichkeiten danach bezeugte“ (1.Petr. 1:11). In dieser Formulierung verdichten sich mehrere Linien: die kommende Errettung, die Gnade für ein zukünftiges Volk, die Leiden des Messias und die nachfolgenden Herrlichkeiten. Die Propheten standen an einer Schwelle; sie sahen durch Gottes Offenbarung etwas von der zukünftigen Fülle, ohne selbst darin zu leben.
In 1:11 fährt Petrus fort und sagt in Bezug auf die Propheten: „die forschten, auf welche oder was für eine Zeit der Geist Christi in ihnen hindeutete, als er zuvor zeugte von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach“. Das Forschen der Propheten war die Voranwendung der Erlösung Gottes durch den Geist im Alten Testament. Die alttestamentlichen Propheten forschten danach, auf welche Zeit und was für eine Zeit der Geist in ihnen in Bezug auf das wunderbare Werk Christi durch Seine Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten hindeutete. Schließlich wurde offenbart, dass diese wunderbaren Dinge nicht ihnen, sondern den neutestamentlichen Gläubigen dienten (V. 12). (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft acht, S. 65)
Bemerkenswert ist, wie Petrus den Ursprung ihrer Einsicht beschreibt: Es war „der Geist Christi in ihnen“, der ihnen die Linien von Leiden und Herrlichkeit aufschloss. Damit verbindet der Apostel den Geist, der im Alten Testament wirkte, mit dem Christus, der in der Fülle der Zeit kam, litt und verherrlicht wurde. Daniel konnte beispielsweise davon sprechen, dass ein Gesalbter „ausgerottet werden“ wird (Daniel 9:26), und zugleich von den Wegen Gottes mit Jerusalem und Seinem Volk (Daniel 9:25). Solche Worte sind mehr als politische Prognosen; sie tragen die Spur des Geistes Christi, der die Linie des Kreuzes und der Herrlichkeit vorzeichnet. Petrus schreibt, dass den Propheten schließlich „offenbart“ wurde, „dass sie nicht sich selbst, sondern euch mit diesen Dingen dienten, die euch jetzt … verkündet worden sind“ (1.Petr. 1:12). Ihre Botschaft war eine vorwegnehmende Anwendung der vollständigen Errettung, die in Christus kommen sollte – sie war vorgreifender Dienst an Menschen, die erst Jahrhunderte später glauben würden.
Der Geist, der in den Propheten wirkte, ist derselbe Geist, den das Neue Testament als Geist Christi beschreibt: der Geist Gottes, der durch die Menschwerdung, den Tod und die Auferstehung Christi hindurchgegangen ist und nun alles trägt, was Christus vollbracht hat. Die Konstituierung dieses Geistes in der Geschichte ist an die Auferstehung gebunden, seine Wirksamkeit reicht jedoch über alle Zeitalter hinaus, weil Er der ewige Geist ist. Darum konnte Er schon in den Propheten so wirken, dass diese die Leiden Christi und die Herrlichkeiten danach vor Augen hatten, als wären sie schon geschehen. Gottes vollständige Errettung ist so tief im Wesen des Dreieinen Gottes verankert, dass sie rückwirkend ins Alte Testament hineinleuchtet und vorausweisend im Dienst der Propheten erkennbar wird. In dieser Perspektive erscheint die Bibel als ein einziger, durchgehender Strom: Der Geist Christi trägt die Verheißung in den Propheten, verwirklicht sie in der Person und im Werk Jesu und legt sie durch die neutestamentlichen Apostel aus. Wer diesem Strom nachspürt, entdeckt: Gottes rettender Weg ist nicht bruchstückhaft, sondern ein großer, sorgfältig geführter Zusammenhang, in den auch das eigene Leben hineingezogen ist. Diese Einsicht kann die Seele still machen: Der Gott, der schon die Propheten mit dem Blick auf Christus erfüllte, hat auch unsere Zeit im Blick und verknüpft sie mit der gleichen Gnade, von der sie geweissagt haben.
So entsteht eine stille Wertschätzung für das, was uns in der Schrift überliefert ist. Die Propheten haben nicht nur Worte gesammelt, sie haben mit ihrem Suchen und Forschen den Raum bereitet, in dem wir heute die Errettung klarer sehen dürfen. Petrus fasst das zusammen, wenn er sagt, dass diese Dinge „euch jetzt … verkündet worden sind, die euch durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist das Evangelium gepredigt haben, Dinge, in die die Engel hineinzuschauen begehren“ (1.Petr. 1:12). Wenn Engel mit Verwunderung in diesen Heilsplan schauen, ist das ein Hinweis darauf, wie kostbar er in Gottes Augen ist. Es kann innerlich froh machen zu wissen, dass die eigene Errettung nicht ein Nachgedanke ist, sondern seit Jahrhunderten im Herzen Gottes bewegt, durch Propheten angekündigt und durch Christus erfüllt wurde. In dieser langen Geschichte Gottes mit Seinem Volk einen Platz zu haben, schenkt eine tiefe, leise Dankbarkeit und stärkt das Vertrauen, dass derselbe Geist Christi auch die offenen Fragen unserer Zeit in dieses große Ganze einordnen wird.
Im Blick auf diese Errettung haben die Propheten eifrig gesucht und geforscht, die im Blick auf die für euch bestimmte Gnade geweissagt haben, indem sie danach geforscht haben, auf welche Zeit oder welche Art von Zeit der Geist Christi in ihnen hindeutete, wenn Er im Voraus die Leiden Christi und die Herrlichkeiten danach bezeugte. Ihnen wurde offenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch mit diesen Dingen dienten, die euch jetzt durch jene verkündet worden sind, die euch durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist das Evangelium gepredigt haben, Dinge, in die die Engel hineinzuschauen begehren. (1.Petr. 1:10-12)
So sollst du denn erkennen und verstehen: Von dem (Zeitpunkt an, als das) Wort erging, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen. Und 62 Wochen (lang) werden Platz und Stadtgraben wiederhergestellt und gebaut sein, und zwar in der Bedrängnis der Zeiten. … Und nach den 62 Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und wird keine (Hilfe) finden. (Dan. 9:25-26)
Der Blick auf die suchenden Propheten macht deutlich, wie durchgängig und sorgfältig der Dreieine Gott Seine vollständige Errettung vorbereitet und offenbart hat. Wer sich als Teil dieser langen Geschichte erkennt, muss die eigene Glaubenszeit nicht als isolierten Abschnitt erleben, sondern als Fortsetzung eines Weges, den der Geist Christi über Jahrhunderte geführt hat. Das kann eine gelassene Ehrfurcht wecken: Die Gnade, von der die Propheten sprachen, ist dieselbe Gnade, die uns heute in Christus begegnet. In dieser Gewissheit lässt sich auch eine unübersichtliche Gegenwart eher aushalten, weil der rote Faden von Gottes Rettungshandeln nicht reißt.
Der Geist Christi und unser Suchen im Wort
Petrus verbindet das Suchen der Propheten unmittelbar mit dem Wirken des Geistes Christi in ihnen: Sie forschten „nach, auf welche Zeit oder welche Art von Zeit der Geist Christi in ihnen hindeutete“ (1.Petr. 1:11). Dieses Bild ist nicht nur eine Rückschau ins Alte Testament, sondern auch ein Spiegel für die Gegenwart. Denn derselbe Geist Christi, der in den Propheten die Linien von Leiden und Herrlichkeit beleuchtete, ist heute der Geist, der in den neutestamentlichen Gläubigen wohnt und sie in Gottes vollständige Errettung hineinführt. Paulus beschreibt diesen Geist so: „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn der Geist Gottes wirklich in euch wohnt. Doch wenn jemand den Geist Christi nicht hat, ist er nicht Sein“ (Römer 8:9). Der Geist Gottes, der durch den Tod und die Auferstehung Christi hindurchgegangen ist, ist nun als Geist Christi in den Gläubigen gegenwärtig; in Ihm ist alles enthalten, was Christus vollbracht hat.
Für uns ist wichtig zu erfassen, dass das Konstituiertwerden des Geistes Gottes, um der Geist Christi zu werden, nach der Auferstehung Christi stattfand. Das bedeutet, dass das Konstituiertwerden des Geistes Christi haushaltsbezogen ist. Die Funktion des Geistes Christi ist jedoch ewig, denn Er ist der ewige Geist. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft acht, S. 70)
Wie bei den Propheten entfaltet dieser Geist sein Licht besonders dort, wo Menschen sich dem Wort Gottes suchend öffnen. Die Propheten „haben … eifrig gesucht und geforscht“ (1.Petr. 1:10); sie nahmen die ihnen gegebenen Worte nicht nur zur Kenntnis, sondern arbeiteten innerlich an ihnen, stellten Fragen, hielten vor Gott aus, bis ihnen manche Zusammenhänge klarer wurden. In ähnlicher Weise ist das Forschen in der Schrift für neutestamentliche Gläubige nicht nur intellektuelle Beschäftigung, sondern ein Ort, an dem der Geist Christi wirkt. Wenn das Herz beim Lesen des Evangeliums berührt wird, wenn ein bisher dunkler Vers auf einmal in eine konkrete Situation hinein spricht, wenn aus einer bekannten Wahrheit plötzlich eine lebendige Gewissheit wird, dann aktualisiert der Geist Christi das, was Christus objektiv vollbracht hat. Das Evangelium, von dem Petrus sagt, dass es „durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist“ verkündigt wird (1.Petr. 1:12), ist so nicht nur eine Botschaft über Christus, sondern zugleich ein Geschehen, in dem derselbe Geist innerlich an uns arbeitet.
In Römer 8 entfaltet Paulus, wie weit dieses Wirken geht: „Wenn aber Christus in euch ist, ist zwar der Leib der Sünde wegen tot, der Geist aber ist Leben der Gerechtigkeit wegen. Und wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird Er, der Christus von den Toten auferweckt hat, durch Seinen Geist, der in euch wohnt, auch euren sterblichen Leibern Leben geben“ (Römer 8:10–11). Gottes vollständige Errettung bleibt damit nicht auf den Bereich des Geistbesitzes beschränkt, sondern greift tief in die Seele hinein, erfasst Denken, Fühlen, Wollen und reicht bis in die körperliche Existenz. Der Geist Christi arbeitet geduldig daran, dass unser inneres Leben in Einklang mit der Wahrheit kommt, dass unser Vertrauen durch Prüfungen hindurch gereinigt wird und dass unsere Hoffnung auf die kommende Herrlichkeit nicht verblasst. Petrus beschreibt diese Dynamik, wenn er von einer lebendigen Hoffnung, von der Erprobung des Glaubens und vom Ende unseres Glaubens, der Errettung der Seelen, spricht (1.Petr. 1:3–9).
Aus dieser Sicht wird deutlich: Gottes Errettung ist nicht nur ein vergangenes Ereignis am Kreuz und nicht nur eine zukünftige Vollendung, sondern auch ein gegenwärtiger Prozess, in dem der Geist Christi die vollbrachte Erlösung in unser konkretes Leben hinein übersetzt. Das tägliche Ringen um Verständnis, die inneren Fragen, das stille Durchdenken der Schrift, das erneute Aufblicken in der Anfechtung – all das ist kein Nebenschauplatz, sondern gehört zur Anwendung der vollständigen Errettung. In diesem Licht wirkt der Weg durch Unsicherheit und Lernprozesse weniger bedrohlich: Er ist der Ort, an dem der Geist Christi das Evangelium persönlich macht. Diese Einsicht kann die Erwartung nähren, dass unser Suchen nicht ins Leere geht, weil der Geist Christi auch heute der ist, der „hindeutet“, klärt, ermutigt und in die Tiefe führt.
indem sie danach geforscht haben, auf welche Zeit oder welche Art von Zeit der Geist Christi in ihnen hindeutete, wenn Er im Voraus die Leiden Christi und die Herrlichkeiten danach bezeugte. (1.Petr. 1:11)
die ihr durch die Kraft Gottes sicher bewahrt werdet mittels des Glaubens zu einer Errettung, die bereit steht, um in der letzten Zeit offenbart zu werden, (1.Petr. 1:5)
Der Geist Christi verbindet das, was Christus objektiv vollbracht hat, mit der subjektiven Erfahrung der Glaubenden. Wo das Wort Gottes nicht nur gelesen, sondern innerlich bewegt wird, wo Fragen gestellt und vor Gott ausgehalten werden, da ist Raum für die Arbeit dieses Geistes. Die eigene Unvollkommenheit verliert in dieser Perspektive etwas von ihrem Schrecken: Sie wird zu einem Feld, auf dem Gottes vollständige Errettung angewendet wird. Es darf wachsen, was Petrus beschreibt – eine Liebe zu Christus, der man noch nicht sieht, ein Glaube, der durch Prüfungen hindurch gereinigt wird, und eine Hoffnung, die auf die kommende Herrlichkeit ausgerichtet bleibt. In diesem leisen, aber beständigen Wirken des Geistes Christi liegt die Zuversicht, dass unsere Errettung wirklich bis zur Vollendung reicht.
Herr Jesus Christus, wir danken Dir für die tiefe und umfassende Gnade Deiner vollständigen Errettung, die von den Propheten angekündigt und von den Aposteln bezeugt wurde und heute durch den Geist Christi in uns wirksam ist. Lass Dein Wort in unseren Herzen nicht oberflächlich bleiben, sondern öffne uns die Augen, damit wir Deine Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten klarer sehen. Stärke in uns die lebendige Hoffnung, die Du durch Deine Auferstehung geschenkt hast, und durchdringe unsere Gedanken, unsere Gefühle und unseren Willen mit Deinem rettenden Wirken, damit unsere Seele mehr und mehr in Einklang mit Dir kommt. In allen Zeiten und Umständen unseres Lebens sei Du selbst unsere Gnade, unsere Lebensversorgung und unsere Freude, bis Deine Errettung in uns zur Vollendung gelangt. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of 1 Peter, Chapter 8