In Christus wandeln, gewurzelt und in ihm auferbaut
Jeder Mensch wächst in einer bestimmten Kultur auf – mit Philosophien, Traditionen, Regeln und unausgesprochenen Erwartungen, die unser Denken und Handeln prägen. Vieles davon ist nicht offen böse, und doch wird es leicht zu einem stillen Ersatz für den lebendigen Christus: Wir orientieren uns an Gewohnheiten, Stimmungen oder Rollenbildern statt an ihm. Der Kolosserbrief entfaltet eine überraschend aktuelle Botschaft: Gottes Plan ist es, dass Christus selbst all diese tief verwurzelten Prägungen nach und nach ersetzt und zur Quelle und Form unseres ganzen Lebens wird.
Christus statt Kultur: Der allumfassende Ersatz
Wenn Paulus im Kolosserbrief von „Philosophie und leerem Betrug“, von „Überlieferung der Menschen“ und „Elementen der Welt“ spricht, zeichnet er das Bild eines dichten Gewebes, das unser Denken und Empfinden umspannt. Dieses Gewebe nennen wir Kultur: das, was uns sagt, was wichtig ist, was man tut und was man lässt, was Stärke ausmacht und was Schwäche, was angesehen ist und was verachtet werden darf. Darin können religiöse Formen genauso aufgehen wie säkulare Ideale, Familienbräuche genauso wie nationale Traditionen. In der Mitte dieses Geflechts steht nach Paulus nicht Christus, sondern der Mensch mit seinen Maßstäben. Darum mahnt er: „Hütet euch, dass niemand euch als Beute wegführe durch seine Philosophie und leeren Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß“ (Kol. 2:8). Beute zu sein heißt, gefangen zu werden, ohne es zu merken – innerlich bestimmt von etwas, das vielleicht fein und edel aussieht, aber nicht von Christus kommt und nicht zu Christus hinführt.
Der zentrale, grundlegende Gedanke des Kolosserbriefes ist, dass Christus gemäß Gottes Anordnung alle Elemente und Faktoren unseres natürlichen menschlichen Lebens durch sich selbst ersetzen soll. Diese Elemente und Faktoren lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Kultur. Unser menschliches Leben besteht aus den verschiedenen Aspekten unserer Kultur, und diese Kultur setzt sich aus einer Reihe von Faktoren und Elementen zusammen. Wir haben gesehen, dass der Kolosserbrief sich mit diesen Faktoren, Elementen und Bestandteilen unseres menschlichen Lebens befasst. Dieses Buch offenbart den umfassenden Christus, der an die Stelle all dieser Elemente in unserem menschlichen Leben tritt. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsundvierzig, S. 409)
Es ist bemerkenswert, dass Paulus nicht zuerst offensichtliche Sünden angreift, sondern das, was im religiösen Gewand daherkommt. Speisevorschriften, Festtage, Neumonde, Sabbate – alles Dinge, die aus der Geschichte des Volkes Gottes vertraut sind – nennt er „Schatten der zukünftigen Dinge“, während „der Leib aber Christi“ ist (Kol. 2:17). Der Schatten hat eine Form, aber nicht die Substanz; er deutet hin, aber er trägt nicht. Selbst die strenge Frömmigkeit von „berühre nicht, koste nicht, betaste nicht“ kann zu einem System werden, in dem nicht mehr Christus die Mitte ist, sondern die Regel. Wo das geschieht, wird der Mensch mit seiner Leistung wieder zum Maßstab, und Christus glitt leise an den Rand. Der Kolosserbrief öffnet unsere Augen dafür, wie tief solche Ersatzwerte reichen: Sie strukturieren, wer angeblich mehr zählt oder weniger – „Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier“ – und bilden doch nur eine Bühne, auf der das alte Leben sich darstellt. Inmitten all dessen ruft Gott eine neue Wirklichkeit hervor: einen neuen Menschen, „der zur völligen Erkenntnis nach dem Bild dessen erneuert wird, der ihn geschaffen hat“ (Kol. 3:10). In diesem Raum verliert jede kulturelle Distinktion ihre Herrschaft, denn „Christus ist alles und in allen“ (Kol. 3:11). So wird nicht unsere Kultur verfeinert, sondern unser Zentrum ausgetauscht. Christus tritt an die Stelle dessen, woran wir unseren Wert, unsere Identität und unsere Sicherheit geknüpft haben. Und während er in uns Gestalt gewinnt, beginnt ein neues Alphabet unseres Alltags: Gedanken, die aus ihm kommen; Worte, die von ihm her geformt sind; Entscheidungen, die sich an ihm messen. Darin liegt eine leise, aber starke Ermutigung: Nichts, was uns kulturell geprägt hat, ist zu tief verwurzelt, als dass Christus es nicht durch sich selbst ersetzen könnte. Wo er alles wird, entsteht ein Leben, das nicht gegen Kultur kämpft, sondern sie übersteigt, weil es von der Person des Herrn durchdrungen ist.
Hütet euch, dass niemand euch als Beute wegführe durch seine Philosophie und leeren Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß; (Kol. 2:8)
die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Leib aber ist Christi. (Kol. 2:17)
Christus als allumfassenden Ersatz zu erkennen, löst uns aus der heimlichen Macht kultureller Erwartungen und religiöser Muster. Wer im Licht der Schrift sieht, wie selbst gute und ehrwürdige Dinge zum Schatten ohne Substanz werden können, wenn sie den Platz Christi einnehmen, gewinnt innerliche Freiheit: Freiheit von der Suche nach Anerkennung in menschlichen Maßstäben, Freiheit von subtilem Druck, etwas „darstellen“ zu müssen, und Freiheit von einem Glaubensleben, das sich um Formen statt um den Herrn selbst dreht. Indem Christus als Mitte und Maß allen Denkens an die Stelle der alten Faktoren tritt, entsteht ein stiller Mut, anders zu werten, anders zu reagieren, anders zu leben – nicht demonstrativ, sondern weil ein anderer Inhalt in uns regiert. So wird unser Alltag zum Ort, an dem Christus die alten Unterscheidungen entmachtet und sich als das wahre Leben zeigt.
In Christus verwurzelt: ein organischer Lebensprozess
Paulus verbindet das Gebot, in Christus zu wandeln, mit einer Tatsache, die dem vorausgeht: „Darum, wie ihr den Christus, Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, nachdem ihr in ihm verwurzelt worden seid und in ihm aufgebaut und in dem Glauben gefestigt werdet“ (Kol. 2:6–7). Bevor er vom Wandeln spricht, erinnert er an die Wurzel. Das Bild ist schlicht und doch tief: Verwurzeltsein geschieht nicht durch Anstrengung der Pflanze, sondern durch die verborgene Arbeit des Lebens. Durch die neue Geburt hat Gott uns nicht nur von außen korrigiert, sondern in Christus hineingepflanzt. Wie ein wilder Zweig in einen edlen Baum eingepfropft wird und plötzlich vom Saft eines anderen Lebens lebt, so sind wir in eine neue Wirklichkeit versetzt worden. Unser früheres Verwurzeltsein in Familie, Herkunft, Bildung oder Charakter bleibt als Geschichte erkennbar, aber es verliert seine bestimmende Kraft, weil eine andere Wurzel unser Sein trägt.
Wir räumen ein, dass es nicht leicht ist, in Christus zu wandeln. Nachdem Paulus uns ermahnt hat, in Christus zu wandeln, fügt er sofort die Worte hinzu: „da ihr gewurzelt seid und auferbaut werdet in ihm“. Wenn wir in Christus wandeln wollen, müssen wir die Bedingungen erfüllen, in ihm gewurzelt zu sein und in ihm auferbaut zu werden. Unsere Grundlage dafür, in Christus zu wandeln, ist, dass wir in Christus gewurzelt worden sind. Einerseits sind wir bereits in Christus gewurzelt worden, andererseits sind wir dabei, in ihm auferbaut zu werden. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsundvierzig, S. 416)
Diese Verwurzelung ist zugleich abgeschlossen und im Werden. In der Bekehrung hat Gott etwas Endgültiges getan: Er hat uns „in ihm verwurzelt“ (Kol. 2:7). Zugleich wächst diese Wurzel weiter, indem Christus Raum in unserem Inneren gewinnt. Wie geschieht das? Die Schrift zeigt einen stillen, organischen Weg. Wenn wir das Wort Gottes nicht nur als Information hören, sondern darin den Herrn selbst erblicken, wenn sein Geist unsere inneren Reaktionen erhellt und wir im Gebet mit ihm ringen, dann „absorbiert“ unser innerer Mensch gleichsam Christus. Er wird nicht an der Oberfläche unserer Gewohnheiten angelagert, sondern dringt in Motive, Empfindlichkeiten, Abwehrmechanismen vor. Zuerst wachsen die Wurzeln nach unten, in das Verborgene – unser verborgenes Leben mit Gott wird schwerer, tragfähiger, weniger abhängig von Stimmungen und äußeren Eindrücken. Später zeigt sich dieselbe Lebenskraft nach oben, im sichtbaren Wandel. Jesus beschreibt dieses Geheimnis, wenn er sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun“ (Johannes 15:5). Verwurzeltsein in Christus heißt, dass unser inneres „Bleiben“ in ihm die Quelle dessen ist, was andere an uns sehen.
Wenn Veränderung so verstanden wird, verliert sie den Charakter eines moralischen Projektes. Es geht nicht darum, sich ein paar christliche Eigenschaften anzutrainieren, sondern darum, dass ein anderes Leben in uns Fuß fasst. Darum ist echte, bleibende Veränderung oft langsamer, als wir es wünschen, aber tiefer, als wir ahnen. Gott drängt nicht zu einem schnellen Bildwechsel, sondern führt uns in einen Lebensprozess, in dem Christus schrittweise kulturelle Reflexe und charakterliche Muster ersetzt. Vielleicht bleiben manche Schwächen der Oberfläche sichtbar, und doch hat sich im Inneren die Richtung verschoben: Das Vertrauen ruht weniger auf eigener Beherrschung, mehr auf dem Herrn; die heimliche Suche nach Bestätigung verliert an Schärfe, weil wir uns vor Gott schon „gekannt“ wissen; die Angst vor Versagen verliert an Macht, weil die Wurzel unseres Wertes nicht mehr in Leistung, sondern in Christus liegt. Diese Perspektive ist tief tröstlich: Unser Alltag mit seinen Brüchen und Spannungen ist kein Widerspruch zu Gottes Werk, sondern das Feld, auf dem die Wurzel Christi sich ausbreitet. Jeder unscheinbare Moment, in dem wir uns innerlich an ihn wenden, ist wie ein weiterer feiner Wurzelfaden, der in ihn hineinwächst.
So wird unser Leben nicht über Nacht anders, aber es wird anders gegründet. Wir dürfen damit rechnen, dass der Herr nicht müde wird, an dieser Verwurzelung zu arbeiten. Wenn wir auf unsere Geschichte zurückblicken, werden wir Spuren entdecken, an denen er uns bereits tiefer in sich hineingezogen hat – durch Freude und durch Verlust, durch Erfolg und durch Korrektur. Die Zusage, dass wir in ihm verwurzelt sind, ist deshalb zugleich Ruf und Trost: Ruf, weil dieses Verwurzeltsein nach Ausdruck drängt; Trost, weil die Tragfähigkeit nicht von unserer Stabilität abhängt, sondern von der Treue dessen, in dem wir verwurzelt wurden. Und je bewusster wir aus dieser unsichtbaren Wurzel leben, desto mehr wird unser alltäglicher Umgang, unser Reden und Reagieren von einem leisen, aber echten anderen Geschmack geprägt – dem Geschmack dessen, der unser Leben geworden ist.
Darum, wie ihr den Christus, Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, nachdem ihr in ihm verwurzelt worden seid und in ihm aufgebaut und in dem Glauben gefestigt werdet, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend in Danksagung. (Kol. 2:6-7)
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johannes 15:5)
Die Einsicht, bereits in Christus verwurzelt zu sein, verändert den Blick auf das eigene Wachsen. An die Stelle eines ruhelosen Optimierens tritt das Vertrauen, dass Gottes Lebenswerk in der Tiefe schon begonnen hat. Wer seine Kämpfe und Unreife nicht mehr gegen diese Verwurzelung stellt, sondern als Ort begreift, an dem Christus tiefer in ihn eindringt, kann mit mehr Geduld auf sich selbst blicken – ohne sich zu entschuldigen, aber auch ohne sich zu verdammen. Aus dieser Haltung wächst eine stille Bereitschaft, dem Herrn in Wort und Gebet Raum zu geben, damit die unsichtbare Wurzel weitergreift. Schritt für Schritt entsteht so ein Alltag, in dem die alten Prägungen an Bindekraft verlieren und die Person Christi unser inneres Gleichgewicht bestimmt.
In Christus wandeln und in ihm aufgebaut werden
Wenn Paulus sagt: „Darum, wie ihr den Christus, Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm“ (Kol. 2:6), fasst er das christliche Leben in einem einfachen, aber umfassenden Bild zusammen. Das griechische Wort für „wandeln“ beschreibt nicht einzelne fromme Handlungen, sondern den ganzen Lebenswandel: denken, reagieren, planen, genießen, leiden. In Christus zu wandeln heißt deshalb, dass unser gesamtes Sein in der Sphäre einer Person stattfindet. Christus ist dann nicht nur der Maßstab für besondere Entscheidungen, sondern der Raum, in dem sich unsere inneren Bewegungen vollziehen. So wie wir in einem Land leben und von dessen Luft, Sprache und Gewohnheiten geprägt werden, so soll unser inneres „Land“ Christus sein. „In ihm“ zu leben bedeutet: Unsere Gedanken finden in ihm ihren Ausgangspunkt und ihre Grenze, unsere Gefühle werden unter seinem Licht gelesen, unsere Entscheidungen von seinem Willen her gewichtet.
Das griechische Wort für „wandeln“ bedeutet leben, handeln, sich bewegen und unser Sein haben. Es schließt alles in unserem täglichen Leben ein. In Christus zu wandeln bedeutet, in Christus zu leben, uns in ihm zu bewegen, in ihm zu handeln und unser Sein in ihm zu haben. Wir sollten nicht in irgendetwas anderem als in Christus leben, wandeln, uns bewegen, handeln oder unser Sein haben. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsundvierzig, S. 413)
Dieses Wandeln zeigt sich oft am deutlichsten in den kleinen Reaktionen des Alltags. Früher bestimmte vielleicht eine uns eingeprägte Kultur, wie wir mit Konflikten umgehen: Schweigen, Rückzug, Ironie, harte Worte. Oder ein stiller Anspruch an das Leben – Erfolg, Respekt, Harmonie – lenkte unbemerkt unsere Stimmung. In Christus zu wandeln heißt nicht, diese Muster mit einem Schlag hinter sich zu lassen, sondern in konkreten Situationen aus der Gemeinschaft mit ihm heraus zu reagieren. Dort, wo Kränkung spontan zu Gegenschlag oder Rückzug führen würde, stören wir das alte Muster, indem wir uns innerlich Christus zuwenden und in seinem Licht sehen, was uns antreibt. Sein Geist erinnert an das, was von ihm her angemessen ist, und schenkt zugleich Kraft, dem zu entsprechen. Paulus beschreibt dieses Geheimnis so: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, im Glauben an den Sohn Gottes“ (Galater 2:19–20). Das eigene Ich verschwindet nicht, aber es hört auf, der heimliche Mittelpunkt zu sein.
Während wir so lernen, in Christus zu wandeln, setzt Gott ein zweites Bild daneben: das des Bauens. Paulus spricht davon, dass wir „in ihm aufgebaut“ werden (Kol. 2:7). Die Wurzel verweist auf das verborgene Leben, der Bau auf eine sichtbare Struktur. Gott hat nicht nur vor Augen, dass einzelne Gläubige innerlich reifen, sondern dass aus ihnen eine Wohnung entsteht, in der er sich auf der Erde ausdrückt. Petrus greift dieses Bild auf: „Zu ihm kommend, zu dem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst auch ihr euch selbst als lebendige Steine aufbauen zu einem geistlichen Haus“ (1. Petrus 2:4–5). Der Aufbau geschieht dort, wo Christus, der in uns lebt, Beziehungen formt, aushält, heilt und verbindet. Je mehr er unseren persönlichen Wandel prägt, desto leichter fügen wir uns zu anderen, die vom selben Leben getragen werden.
So sind persönlicher Wandel in Christus und der Aufbau des Leibes Christi untrennbar verbunden. Wo Christus mein inneres Zentrum wird, verliere ich nach und nach die Not, mich gegen andere zu behaupten oder hinter frommen Fassaden zu verbergen. Ich kann mich korrigieren lassen, ohne meinen Wert zu verlieren; ich kann anderen Raum geben, ohne mich übergangen zu fühlen; ich kann schenken, ohne mich aufzuwerten. Solche Haltungen sind keine natürlichen Tugenden, sondern Ausdruck des Lebens Christi in uns. In einer Gemeinschaft, in der viele auf diese Weise in Christus wandeln, wird etwas sichtbar, was keine Kultur hervorbringen kann: eine neue Menschheit, in der Christus „alles und in allen“ ist (Kol. 3:11). Dort spiegelt sich etwas von Gottes eigenem Wesen – Geduld, Treue, Heiligkeit und Barmherzigkeit – in konkreten Beziehungen. Darin liegt eine große Ermutigung: Unser oft unscheinbarer Kampf um einen Christus-gemäßen Umgang ist nicht privat, sondern Teil eines größeren Bauwerks. Jeder Schritt, in dem wir uns im Glauben an Christus ausrichten, fügt einen Stein in dieses Haus ein. So wird unser täglicher Wandel zum Ort, an dem Gott seine Gemeinde aufbaut und sich in ihr sichtbar macht.
Darum, wie ihr den Christus, Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, nachdem ihr in ihm verwurzelt worden seid und in ihm aufgebaut und in dem Glauben gefestigt werdet, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend in Danksagung. (Kol. 2:6-7)
Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Galater 2:19-20)
In Christus zu wandeln gewinnt Kontur, wenn es nicht als abstraktes Ideal verstanden wird, sondern als die konkrete Art, wie wir denken, reden und handeln. Wer seinen Tag als Weg innerhalb der Person Christi betrachtet, beginnt, innere und äußere Bewegungen an ihm zu messen: Was bringt mich in Einklang mit ihm, was entfernt mich? Auf diese Weise ankert der Glaube in alltäglichen Situationen – in Gesprächen, Entscheidungen, Spannungen – und führt dazu, dass Christus nicht nur geglaubt, sondern erfahren wird. Dort, wo er unser Verhalten prägt, wächst eine Gemeinschaft, in der sein Charakter Gestalt annimmt und der Leib Christi aufgebaut wird. Das macht Mut, auch unscheinbare Schritte ernst zu nehmen: Sie tragen mehr zum Aufbau der Gemeinde bei, als wir es oft sehen.
Herr Jesus, führe uns im Licht deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von dir geprägt wird und dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 46