Das Wort des Lebens
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In Christus erfunden werden

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Es gibt Menschen, die man sofort mit bestimmten Dingen verbindet: mit ihrer Kultur, ihrem Beruf, ihrem Humor oder auch mit ihrer Moral. Wenn andere unser Leben beobachten – wo „finden“ sie uns dann? In unserer Leistung, in christlicher Aktivität oder tatsächlich in Christus selbst? Paulus beschreibt in Phil. 3, wie er bereit war, alles zu verlieren, um Christus zu gewinnen und in Ihm erfunden zu werden. Diese Sehnsucht stellt auch unsere vertrauten Sicherheiten, Traditionen und unsere eigene Gerechtigkeit in Frage.

In Christus gefunden – ein neuer Lebensraum

Wenn Paulus davon spricht, in Christus erfunden zu werden, beschreibt er keinen frommen Zusatz zu einem ansonsten normalen Leben, sondern einen Wechsel des Lebensraums. Früher war sein innerer Aufenthaltsort das Gesetz: seine Gedanken kreisten um Vorschriften, seine Sicherheit lag in religiöser Leistung, seine Identität war im Judentum verwurzelt. Wer ihm begegnete, traf auf einen Mann „im Gesetz“. Nach seiner Begegnung mit dem auferstandenen Herrn wurde er jedoch versetzt – heraus aus diesem Bereich, hinein in Christus. Darum konnte er später von einem „Menschen in Christus“ sprechen (2.Kor 12:2). Sein Leben bekam eine neue „Adresse“: Christus selbst. Alles, was ihn vorher definierte, trat in den Hintergrund gegenüber dieser neuen Wirklichkeit.

In Vers 9 sehen wir, dass das ernste Verlangen des Paulus war, in Christus erfunden zu werden. Früher stand Paulus ganz in der jüdischen Religion unter dem Gesetz, und andere fanden ihn stets im Gesetz vor. Doch bei seiner Bekehrung wurde er aus dem Gesetz und aus seiner früheren Religion heraus in Christus hinein versetzt, und er wurde „ein Mensch in Christus“ (2.Kor. 12:2). Nun erwartete er, von allen, die ihn beobachteten – von den Juden, den Engeln und den Dämonen – in Christus gefunden zu werden. Das zeigt, dass er danach strebte, mit seinem ganzen Sein in Christus eingetaucht und mit Christus gesättigt zu sein, sodass alle, die ihn beobachteten, ihn in Christus entdecken konnten. Auch wir sollten danach streben, von anderen in Christus gefunden zu werden. In Christus gefunden zu werden bedeutet in Wirklichkeit, von anderen in Christus beobachtet, gesehen oder entdeckt zu werden. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zwanzig, S. 166)

In Philipper 3.zeigt Paulus, wie umfassend dieser Wechsel ist. Dort heißt es: „Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Der Ausdruck „alle Dinge“ umfasst Herkunft, Bildung, Frömmigkeit, moralische Erfolge und religiöse Ehrenplätze. In den Augen des Paulus verlieren sie ihren Glanz, weil eine weit größere Kostbarkeit aufgeleuchtet ist: die Person Christi. In Christus erfunden zu werden heißt dann: Wenn Gott, Engel oder Menschen unser Leben betrachten, treffen sie nicht zuerst auf unsere Prägungen, Stärken oder Schwächen, sondern auf Christus als inneren Mittelpunkt, als Atmosphäre, in der wir denken, fühlen und handeln. Das ist keine abstrakte Idee, sondern ein konkreter Trost: Unsere wechselhaften Gefühle, unsere kulturellen Muster und sogar unsere Versäumnisse müssen nicht mehr das letzte Wort haben. Der neue Lebensraum ist eine Person, die uns trägt, formt und durch uns sichtbar werden will – und in dieser Person dürfen wir Schritt für Schritt heimisch werden.

Je klarer dieser neue Lebensraum wird, desto entlarvender wirkt er auf unsere gewohnten Identitätsquellen. Wir merken, wie sehr wir uns oft auf Herkunft, Temperament, berufliche Rolle oder geistliche Erfahrung stützen. Doch gerade hier liegt eine tiefe Einladung: Nicht mehr das „Ich bin so“ soll regieren, sondern „Christus in mir“. Denn „von Ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott zur Weisheit geworden ist: sowohl zur Gerechtigkeit als auch zur Heiligung und zur Erlösung“ (1.Kor 1:30). In Christus erfunden zu werden bedeutet, von innen her von dieser Wirklichkeit durchdrungen zu werden, bis sie nach außen hin wahrnehmbar wird. Das kann leise und unspektakulär geschehen – in der Art, wie wir reagieren, vergeben, zuhören, sprechen. So entsteht allmählich eine stille, aber reale Spur: Menschen begegnen uns und geraten zugleich in die Gegenwart eines anderen. In dieser Spur liegt Ermutigung: Unser Alltag ist nicht zu gewöhnlich und unsere Persönlichkeit nicht zu kompliziert, als dass Christus sie durchdringen könnte. Er ist bereit, unser Lebensraum zu sein – auch mitten im Lärm, in Überforderung und in Schwachheit. Und dort, in Ihm, beginnt ein Leben, in dem wir nicht mehr nur „uns selbst“ ausdrücken, sondern den, der uns zuerst geliebt hat.

Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne (Phil. 3:8)

Ich kenne einen Menschen in Christus, der vor vierzehn Jahren (ob im Leib, weiß ich nicht, oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht; Gott weiß es) zum dritten Himmel entrückt wurde. (2.Kor 12:2)

In Christus gefunden zu werden ist ein leiser, aber radikaler Paradigmenwechsel: weg von einem Leben, das sich aus Herkunft, Leistung oder Frömmigkeit speist, hin zu einem Leben, dessen innerer Raum Christus selbst ist. Je mehr Sein Wert unser Herz gewinnt, desto mehr verlieren frühere Identitäten ihre bindende Kraft. Das ermutigt, unsere Geschichte und Prägung nicht zu verleugnen, sondern sie vor dem Herrn zu halten, bis Er selbst zum bestimmenden Klima unseres Inneren wird. In diesem neuen Lebensraum müssen wir uns nicht ständig beweisen; wir dürfen uns finden lassen – von Gott und von Menschen – an einem Ort, an dem Christus der eigentliche Inhalt unseres Daseins ist.

Christus als unsere Gerechtigkeit statt eigener Leistung

Paulus kannte die Welt der eigenen Gerechtigkeit aus nächster Nähe. Er hatte gelernt, das Gesetz nicht nur zu kennen, sondern in vorbildlicher Weise zu erfüllen. Vor Menschen war das beeindruckend, vor seinem eigenen Gewissen stabilisierend. Und doch erkennt er rückblickend, dass diese Gerechtigkeit letztlich auf ihm selbst ruhte. Sie war das Ergebnis seines Eifers, seiner Disziplin, seiner moralischen Kraft. In Philipper 3.beschreibt er den Wendepunkt: „und in Ihm angetroffen werde, wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist,“ (Phil. 3:9). Er will nicht länger in einem Zustand gefunden werden, in dem sein eigener moralischer Aufbau ihn trägt, sondern in einem Zustand, in dem Gott selbst seine Gerechtigkeit ist.

Er sagt, dass er nicht seine eigene Gerechtigkeit haben wollte, sondern die Gerechtigkeit, die durch den Glauben Christi ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott aufgrund des Glaubens ist. „Nicht indem ich meine eigene Gerechtigkeit habe …, sondern … die Gerechtigkeit, die aus Gott ist“ beschreibt den Zustand, in dem Paulus in Christus erfunden zu werden wünschte. Er wollte nicht in seiner eigenen Gerechtigkeit leben, sondern in der Gerechtigkeit Gottes und in einem solchen erhabenen Zustand gefunden werden, indem er Gott ausdrückte, indem er Christus lebte, nicht indem er das Gesetz hielt. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zwanzig, S. 167)

Der Glaube, von dem Paulus spricht, ist mehr als ein Für-wahr-Halten von Lehrsätzen. Er ist die Bewegung des Herzens auf Christus hin, weil Christus kostbar geworden ist. In dieser Bewegung wird Christus gewissermaßen in uns hineininfusiert: Sein Gehorsam, Seine Treue, Sein Vertrauen auf den Vater werden zum Inhalt dessen, was wir „Gerechtigkeit aus Gott“ nennen. Damit verschiebt sich der Mittelpunkt: Nicht mehr unser moralisches Können steht im Rampenlicht, sondern das Leben Christi, das in einem gewöhnlichen Menschen Gestalt gewinnt. „Von Ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott zur Weisheit geworden ist: sowohl zur Gerechtigkeit als auch zur Heiligung und zur Erlösung“ (1.Cor. 1:30). In dieser Gerechtigkeit erfunden zu werden heißt: Wenn Gott unser Leben ansieht, erkennt Er nicht eine sorgfältig aufgebaute Frömmigkeitsfassade, sondern das Wirken seines Sohnes in uns. Das entlastet und stellt zugleich in eine neue Würde. Wir müssen nicht glänzen, damit Gott zufrieden ist; Christus ist unsere Gerechtigkeit. Und gerade aus dieser geschenkten Stellung wächst eine neue Freiheit, das Gute nicht mehr als Bühne für uns selbst zu nutzen, sondern als Raum, in dem Christus sichtbar wird.

So entsteht ein feiner, aber entscheidender Unterschied im Alltag. Äußere Handlungen können sich ähneln: helfen, dienen, wahrhaftig sein. Doch einmal sind sie Ausdruck einer Selbstinszenierung, die sich auf moralische Leistungsfähigkeit stützt; ein anderes Mal sind sie Antwort auf ein inneres Berührtsein durch Christus. Im ersten Fall nährt jede gelungene Tat das Gefühl: „Ich habe es geschafft.“ Im zweiten Fall wächst die stille Dankbarkeit: „Er hat gewirkt.“ In dieser Perspektive wird jede Situation, in der unsere eigene Gerechtigkeit brüchig wird, zu einer Chance. Wenn unsere Vorstellungen von moralischer Stärke versagen, öffnet sich ein Raum, in dem die Gerechtigkeit aus Gott neu Gestalt gewinnen kann. Das ist nicht beschämend, sondern heilsam: Wir verlieren das Recht, auf uns selbst zu bauen, und entdecken die Freude, auf den zu vertrauen, der uns in seiner Gerechtigkeit geborgen hält.

und in Ihm angetroffen werde, wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist, (Phil. 3:9)

Von Ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott zur Weisheit geworden ist: sowohl zur Gerechtigkeit als auch zur Heiligung und zur Erlösung, (1.Cor. 1:30)

Die Gerechtigkeit, in der wir in Christus erfunden werden, nimmt uns den Druck, vor Gott und Menschen ein makelloses Bild abgeben zu müssen. Sie gründet sich nicht auf das, was wir moralisch leisten, sondern auf das, was Christus in uns ist. Wo unsere eigene Gerechtigkeit brüchig wird, reißt uns das nicht ins Bodenlose, sondern öffnet den Blick für die Tiefe dieser göttlichen Gerechtigkeit. Daraus erwächst eine stille Freiheit: Wir müssen nicht mehr ständig beweisen, wie „gut“ wir sind, sondern dürfen lernen, in der Wirklichkeit zu ruhen, dass Christus selbst unsere Gerechtigkeit ist – heute, mitten in den Unvollkommenheiten eines normalen Lebens.

Über die Tradition hinaus – Christus als einzige Ausdrucksform

Wenn Paulus von „allen Dingen“ spricht, die er als Verlust ansieht, öffnet er einen weiten Horizont: Er denkt nicht nur an offenkundige Sünden oder religiöse Vorzüge, sondern an den gesamten Strom von Tradition, Kultur und eingeübten Verhaltensmustern, der seit Jahrhunderten durch die Menschheitsgeschichte fließt. Dieser Strom prägt unser Denken und Fühlen – oft in Formen, die gut und respektabel erscheinen. Genau hier liegt die Subtilität: Vieles, was unser Leben strukturiert, ist nicht dunkel oder verwerflich, aber es ist auch nicht Christus. Satan nutzt diesen Strom, um uns an „Gutes“ zu binden, das doch an Christus vorbeiläuft. Darum kann Paulus sagen: „Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Nicht das Gute an sich wird verachtet, wohl aber seine Rolle als Ersatz für Christus.

Christus ist die Verkörperung der Fülle der Gottheit (Kol. 2:9) und die Wirklichkeit der Schatten aller positiven Dinge (Kol. 2:16–17). Ihn zu gewinnen bedeutet, all Seinen unerforschlichen Reichtum (Eph. 3:8) zu erfahren, zu genießen und in Besitz zu nehmen. Während wir Christus gewinnen, sollten wir auch in Ihm leben und solche werden, die in der Erfahrung in Ihm sind. Dann, wenn andere uns sehen oder beobachten, werden sie uns in Christus finden. Wir werden nicht in unseren eigenen Tugenden gefunden werden – wir werden in Christus und in Ihm allein gefunden werden. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zwanzig, S. 169)

Christus selbst tritt dieser Macht der Tradition entgegen, indem Er sich als der eigentliche Inhalt und die einzige tragfähige Ausdrucksform unseres Lebens offenbart. Die Schrift beschreibt Ihn so: „denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig,“ (Kol. 2:9). Alles, was Gott ist, wohnt in dieser Person. Darum heißt es auch, dass Rituale und Ordnungen „ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Leib aber ist Christi“ (Kol. 2:17). Was Menschen über Generationen hin aufgebaut haben – religiöse Formen, kulturelle Codes, Muster von „gutem Verhalten“ – kann höchstens Schatten werfen; der Körper, die Wirklichkeit, ist Christus selbst. Wo Er unser Inneres gewinnt, verlieren Schatten ihre zwingende Macht. Unsere Methoden, uns auszudrücken – sei es temperamentvoll oder kontrolliert, traditionell fromm oder modern geistlich – müssen nicht verschwinden, aber sie hören auf, das Zentrum zu sein. An ihre Stelle tritt eine Person, deren Leben sich durch unsere Worte, Blicke, Entscheidungen und Reaktionen hindurch Ausdruck verschaffen will.

So wird Christus nicht zu einem religiösen Zusatz zu unserer Kultur, sondern zu dem Maßstab, an dem sich Kultur, Gewohnheiten und Tugenden prüfen lassen. Selbst unsere natürlichen Stärken – Freundlichkeit, Geduld, Hilfsbereitschaft – können zu feinen Ersatzgötzen werden, wenn sie uns Sicherheit geben, ohne dass Christus dahintersteht. Wenn aber die „Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi“ unser Herz berührt, beginnt ein stiller Ablösungsprozess. Dinge, die einst selbstverständlich waren, verlieren ihren absoluten Anspruch. Gewohnheiten, an denen wir gewohnt hingen, erscheinen relativ. Nicht, weil sie plötzlich schlecht wären, sondern weil etwas Größeres aufgeleuchtet ist. In dieser Bewegung liegt keine Geringschätzung der Geschichte und Persönlichkeit, sondern ihre Neuordnung: Tradition und Kultur werden in den Rang von Werkzeugen zurückgestuft, Christus bleibt der Inhalt. Das ermutigt, auch lange eingeübte Muster nicht als unveränderliches Schicksal zu sehen. Wo Christus zum einzigen Maßstab und Ausdruck unseres Lebens wird, kann selbst ein tief verankertes „So bin ich eben“ in ein stilles „So möchte Er sich durch mich zeigen“ verwandelt werden – nicht aus Zwang, sondern aus der Freude an seinen unerforschlichen Reichtümern.

Die Schrift fasst diesen Reichtum so: „Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium zu verkünden“ (Eph. 3:8). Diese Reichtümer sind keine abstrakten Ideen, sondern konkrete Ausdrucksformen seines Lebens – Sanftmut, die nicht aus Temperament, sondern aus Ihm stammt; Wahrheit, die nicht hart macht, sondern heilend wirkt; Liebe, die über gewohnte Grenzen hinausgeht. Wenn solche Spuren sichtbar werden, wird deutlich, wie Christus die Macht der Tradition durchbricht, ohne unsere Persönlichkeit auszulöschen. Er nimmt sie auf, reinigt, ordnet und erfüllt sie mit sich selbst. In dieser Bewegung liegt eine tiefe Hoffnung: Kein Mensch ist zu sehr von Geschichte und Prägung bestimmt, als dass Christus ihn nicht zu einem neuen Ausdruck seiner selbst machen könnte. Und kein Alltag ist zu gewöhnlich, als dass darin nicht die leisen, aber deutlichen Konturen seiner Gegenwart erkennbar würden.

Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne (Phil. 3:8)

Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium zu verkünden (Eph. 3:8)

Über die Tradition hinauszugehen heißt nicht, die eigene Geschichte zu verachten, sondern sie in einem größeren Licht zu sehen. Christus nimmt Kultur, Gewohnheiten und Tugenden ernst, aber Er lässt sie nicht an die Stelle seiner selbst treten. Wo seine Kostbarkeit unser Herz gewinnt, verliert das „gute Alte“ seine Macht, uns zu definieren. Aus diesem Loslassen erwächst keine Leere, sondern Raum: Raum, in dem Christus selbst zur prägenden Ausdrucksform unseres Lebens wird. Das schenkt Hoffnung für eingefahrene Muster und tröstet zugleich: Die Kraft, anders zu leben, liegt nicht in einer radikalen Selbstüberwindung, sondern im stillen, wachsenden Genuss der Person, in der die ganze Fülle der Gottheit wohnt.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du mehr bist als jede Tradition, jede Kultur und jede eigene Gerechtigkeit und dass Deine Gerechtigkeit vor Gott vollkommen genügt. Öffne unsere Augen neu für die Kostbarkeit Deiner Person, damit alle anderen Dinge ihren Glanz verlieren und Du allein unser Herz ausfüllst. Befreie uns aus dem unsichtbaren Griff menschlicher Gewohnheiten und frommer Selbstsicherheit und Lass Dein Leben unsere Worte, Entscheidungen und unser ganzes Auftreten so durchdringen, dass Gott, Engel und Menschen uns nicht mehr in uns selbst, sondern in Dir finden. Stärke unseren Glauben, damit wir in Deiner Gerechtigkeit ruhen, aus Deiner überreichen Versorgung leben und Dich als unsere einzige Ausdrucksform widerspiegeln. Halte uns in Deiner Gnade nahe bei Dir, bis wir in Vollendung ganz in Dir erfunden werden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Philippians, Chapter 20

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