Das Wort des Lebens
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Fünf Aspekte Christi

11 Min. Lesezeit

Viele Christen wissen, dass Jesus der Sohn Gottes ist, aber nur wenige sehen, wie umfassend und konkret Er heute wirkt: als der, der die Gemeinde liebt, als Schöpfer des einen neuen Menschen, als Haupt über alle Dinge, als Geber von Gaben und als der, der sich in den Herzen der Glaubenden ein Zuhause macht. Wer diese Linien in der Schrift entdeckt, merkt, dass es nicht nur um persönliche Rettung geht, sondern um Gottes großen Plan, in Christus alles zusammenzufassen und durch eine lebendige Gemeinde sichtbar zu machen. Diese Sicht verändert, wie wir über die Gemeinde denken, wie wir unser eigenes Glaubensleben verstehen und wie wir Hoffnung für die Zukunft fassen.

Der gemeindeliebende und heiligende Christus

Wenn Paulus in Epheser 5 von der Liebe Christi zur Gemeinde spricht, öffnet sich ein weiter Horizont. Christus liebt nicht nur einzelne Fromme, sondern Er liebt ein Ganzes – Seine Gemeinde – so innig wie ein Bräutigam seine Braut. „Ihr Männer, liebt eure Frauen, so wie auch Christus die Gemeinde geliebt und Sich Selbst für sie hingegeben hat“ (Epheser 5:25). Diese Hingabe war mehr als eine Rettungsaktion aus der Verlorenheit; sie war der Beginn eines bleibenden Liebeswerkes. Am Kreuz hat Christus sich nicht nur zwischen die Gemeinde und das Gericht gestellt, sondern sich ihr als Eigentum, als Nahrung, als Reiniger und Gestalter geschenkt. Wer diesen Blick gewinnt, hört auf, Gemeinde vor allem als Ort der Versorgung eigener Bedürfnisse zu sehen. An die Stelle einer Konsumentenhaltung tritt die Ehrfurcht vor einem Geheimnis: Christus formt sich ein Gegenüber, das Ihm entspricht.

In 5:25–27 sehen wir, dass Christus Sich Selbst für die Gemeinde hingegeben hat – nicht nur, um die Gemeinde vor der Hölle zu erretten und sie in den Himmel zu bringen, sondern um sie zu heiligen und sie durch das Waschen des Wassers im Wort zu reinigen. Durch dieses Waschen wird Er die Gemeinde Sich Selbst verherrlicht darstellen, ohne Flecken, ohne Runzel oder irgendetwas dergleichen. Die Gemeinde, die Christus Sich Selbst darstellen wird, wird heilig und ohne Makel sein. Christi Absicht, Sich Selbst für die Gemeinde hinzugeben, war, sie zu heiligen. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft neunundsiebzig, S. 672)

Paulus beschreibt dieses Werk als ein sanftes, aber unbeirrbares Reinigen: Christus „heilige [die Gemeinde], indem Er sie durch die Waschung mit dem Wasser im Wort reinigt, damit Er die Gemeinde herrlich vor Sich Selbst hinstelle, die keinerlei Flecken oder Runzeln oder dergleichen habe, sondern dass sie heilig und makellos sei“ (Epheser 5:26–27). Das „Wasser im Wort“ ist mehr als Information; es ist die lebendige Wirkung des gesprochenen und gelesenen Wortes Gottes, das vom Geist durchdrungen ist. Wo dieses Wort uns erreicht, löst es Verkrustungen, bricht falsche Selbstbilder auf, spült Bitterkeit aus Beziehungen, klärt verfahrene Situationen. Christus trennt uns von dem, was gewöhnlich und selbstbezogen ist, indem Er uns Stück für Stück mit seinem eigenen Wesen durchdringt. So wird die Gemeinde nicht durch äußere Programme, sondern durch die stille, andauernde Berührung mit dem Reden Christi verwandelt – und mitten im Alltäglichen beginnt etwas von der Schönheit der kommenden Braut aufzuleuchten. Wer sich dieser liebenden Rede Christi nicht verschließt, entdeckt, dass jeder kleine Schritt der Reinigung zugleich ein Schritt in eine tiefere Freiheit und Freude hinein ist. Seine Heiligung engt nicht ein, sie öffnet einen Raum, in dem seine Liebe unter uns Gestalt annimmt.

Ihr Männer, liebt eure Frauen, so wie auch Christus die Gemeinde geliebt und Sich Selbst für sie hingegeben hat, (Eph. 5:25-27)

damit Er sie heilige, indem Er sie durch die Waschung mit dem Wasser im Wort reinigt, (Eph. 5:26)

Wo Christus als der gemeindeliebende und heiligende Herr wahrgenommen wird, verliert das Gemeindeleben seinen Charakter bloßer Organisation und wird zu einem Ort der leisen Wunder. Das Bewusstsein, dass Er selbst durch sein Wort an uns arbeitet, macht geduldig mit dem eigenen langsamen Wachstum und gnädig gegenüber den Unvollkommenheiten anderer. In einer solchen Atmosphäre wird es leichter, ehrlich zu bleiben, Versagen zu bekennen und alte Muster loszulassen, weil die treibende Kraft nicht unsere Perfektion, sondern seine beharrliche Liebe ist. So erwacht neue Hoffnung: Die Gemeinde, so unvollendet sie heute wirkt, ist in seinen Händen unterwegs zu einer herrlichen Gestalt, in der seine Heiligkeit und seine Zärtlichkeit sichtbar werden.

Der neue-Mensch-schaffende und alles-zusammenfassende Christus

Das Kreuz Christi reicht tiefer als unsere individuelle Schuldgeschichte. Paulus schreibt, dass Christus „in Seinem Fleisch das Gesetz der Gebote in Verordnungen außer Kraft setzte, damit Er in Sich Selbst die zwei zu einem neuen Menschen schaffe und so Frieden stifte“ (Epheser 2:15). Gemeint sind Juden und Heiden, zwei Welten, die religiös, kulturell und historisch voneinander getrennt waren. Christus hat nicht einfach eine Waffenruhe verordnet, sondern aus bisher Gegeneinanderstehenden in sich selbst einen neuen Menschen geschaffen. Die Gemeinde ist in diesem Sinn nicht ein Kompromissraum zwischen Gruppen, sondern ein gemeinsames Leben in Christus, in dem Herkunft, Status, Temperament oder Bildung nicht verschwinden, aber ihre trennende Macht verlieren. Wo dieser Christus Raum gewinnt, entsteht eine Qualität von Frieden, die sich nicht aus Harmoniebedürfnis speist, sondern aus der Realität, dass viele in einem Leib zusammengefügt sind.

Wir alle müssen Christus genießen und Ihn als den gemeindeliebenden Christus erfahren. Weil auch wir die Gemeinde lieben, sind wir eins mit Ihm für die Ausbreitung Seiner Wiedererlangung auf der ganzen Erde und bis zurück nach Jerusalem. Oh, wie liebt Christus die Gemeinde! Er ist in uns als der gemeindeliebende Christus. Seine Liebe zur Gemeinde macht uns bereit, unser Alles für die Wiedererlangung des Gemeindelebens hinzugeben. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft neunundsiebzig, S. 675)

Dieser Christus, der den neuen Menschen schafft, ist zugleich der erhöhte Herr, unter dessen Füßen die Geschichte zusammenläuft. Über Ihn heißt es: Gott „hat alles Seinen Füßen unterworfen und hat Ihm gegeben, Haupt über alles zu sein, der Gemeinde, die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Epheser 1:22–23). In einer zerrissenen Welt, in der Kräfte und Herrschaften einander bekämpfen, liegt bereits jetzt eine unsichtbare Ordnung vor: Christus ist als Haupt eingesetzt, und Gott führt alles auf Ihn zu. Epheser 2:16 fügt hinzu, dass Christus die beiden „in einem Leib durch das Kreuz mit Gott versöhne, nachdem Er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte“. Versöhnung mit Gott und Versöhnung untereinander sind in Ihm verschränkt. In der Gemeinde wird so eine andere Zukunft vorweggenommen: Wo Christus als Person des einen neuen Menschen im Zentrum steht, werden alte Fronten relativiert, das Recht auf Gekränktsein verliert an Gewicht, und eine neue Lernbereitschaft füreinander wächst. Damit wird mitten im anhaltenden Chaos der Welt ein Stück der kommenden Zusammenfassung aller Dinge unter Christus sichtbar – nicht spektakulär, aber in einer Versöhnung, die menschliche Möglichkeiten übersteigt.

Gerade darin liegt eine stille Ermutigung: Der Weg zu echter Einheit ist nicht über menschliche Homogenität oder Druck zu erreichen, sondern über das gemeinsame Leben aus Christus. Je mehr Er alleinige Mitte bleibt, desto freier wird die Gemeinde von den Kräften, die sie auseinanderziehen wollen. Das Wissen, dass die Geschichte letztlich auf seine sichtbare Herrschaft zuläuft, gibt Gelassenheit im Umgang mit den Brüchen der Gegenwart: Der Christus, der alles zusammenfasst, ist derselbe, der heute schon Feindschaft tötet und aus Fremden Mitbürger und Hausgenossen Gottes macht.

indem Er in Seinem Fleisch das Gesetz der Gebote in Verordnungen außer Kraft setzte, damit Er in Sich Selbst die zwei zu einem neuen Menschen schaffe und so Frieden stifte (Eph. 2:15)

und die beiden in einem Leib durch das Kreuz mit Gott versöhne, nachdem Er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. (Eph. 2:16)

In einer Zeit, in der gesellschaftliche und kirchliche Spaltungen zunehmen, schenkt der Blick auf den neuen-Mensch-schaffenden und alles-zusammenfassenden Christus einen tragfähigen Trost. Einheit erweist sich nicht als Ideal, das wir aus eigener Kraft erreichen müssen, sondern als eine Wirklichkeit, die Er bereits am Kreuz gestiftet hat und nun Schritt für Schritt in der Gemeinde sichtbar macht. Dieses Bewusstsein nimmt Schärfe aus Debatten, relativiert die Macht von Gruppenzugehörigkeiten und macht empfänglich für seine Art von Frieden. Dort, wo Menschen sich von diesem Christus bestimmen lassen, entsteht ein Vorgeschmack der kommenden Weltordnung: ein Miteinander, das nicht Naivität, sondern ein Echo seines versöhnenden Werkes ist.

Der Gaben schenkende und Wohnung machende Christus

Der erhöhte Christus bleibt nicht distanziert über der Gemeinde, sondern teilt ihr das mit, was Er in seiner Auferstehung und Himmelfahrt erlangt hat. Epheser 4 beschreibt Ihn als den, der Gaben macht und gibt: „Aber jedem Einzelnen von uns ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden. Darum sagt die Schrift: ‚Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben‘“ (Epheser 4:7–8). Diese Gaben sind nicht zuerst besondere Fähigkeiten, sondern Menschen, die in seiner Hand geformt wurden: „Und Er hat einige als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer“ (Epheser 4:11). Aus Unsicheren, Gebrochenen, zunächst ungeeigneten Personen macht Christus Träger seiner Versorgung für die Gemeinde. Dass Er „Haupt über alles zur Gemeinde“ ist (vgl. Epheser 1:22), bedeutet, dass alles, was Er erlangt hat, wie in einem ständigen Strom zu seinem Leib hin übertragen wird. Die Vielfalt der Dienste und Begabungen in der Gemeinde ist Ausdruck dieses fließenden Reichtums.

Kapitel 4 offenbart, dass Christus der Gaben-machende und Gaben-gebende Christus ist (4:7–8.11–12). Weil Christus das Haupt über alle Dinge zur Gemeinde ist, ist Er fähig, Gaben zu machen und sie der Gemeinde zu geben. Epheser 1:22 sagt, dass Christus das Haupt über alle Dinge zur Gemeinde ist. Das kleine Wörtchen „zur“ ist entscheidend. Es impliziert Übertragung. Alles, was Christus, das Haupt, erreicht und erlangt hat, wird zur Gemeinde, Seinem Leib, übertragen. In dieser Übertragung hat die Gemeinde mit Christus Anteil an all Seinen Errungenschaften. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft neunundsiebzig, S. 676)

Parallel dazu zeigt Epheser 3.Christus als den, der nicht nur von außen an der Gemeinde wirkt, sondern sich in den Herzen ein Zuhause bereitet. Paulus betet darum, „damit Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung mache, damit ihr, indem ihr in der Liebe verwurzelt und gegründet werdet“ (Epheser 3:17). Christus möchte nicht nur Besucher im Herzen sein, der gelegentlich vorbeikommt, sondern Bewohner, der sich ausbreitet, ordnet und prägt. Je tiefer Er in Denken, Fühlen und Wollen einzieht, desto mehr entsteht innerlich das, was äußerlich als Dienst und Gabe sichtbar wird. Die innere Wohnung Christi und die äußere Gabe an die Gemeinde gehören zusammen: Der Christus, der in der verborgenen Tiefe des einzelnen Menschen Wohnung macht, ist derselbe, der durch diese Menschen die Gemeinde mit allem versorgt, was sie zum Wachstum braucht. Wo Er im Inneren Raum bekommt, wird die Gemeinde von innen her aufgebaut, und seine Fülle beginnt mitten in gewöhnlichen Menschen sichtbar zu werden.

Darin liegt eine leise, aber starke Ermutigung: Das Gewicht geistlichen Dienstes liegt nicht auf der eigenen Leistung, sondern auf der Gegenwart Christi – im Himmel als Haupt, in der Gemeinde als der Gaben schenkende Herr und im Herzen als der Wohnung machende Freund. Wer sich von dieser Wirklichkeit prägen lässt, kann nüchtern von den eigenen Grenzen wissen und zugleich zuversichtlich sein, dass Christus nichts zurückhält, was seine Gemeinde wirklich braucht. So wächst ein Glaubensblick, der sowohl die verborgene Arbeit des Herrn im Inneren wie seine sichtbare Versorgung der Gemeinde im Auge behält – und in beidem seine Treue erkennt.

Aber jedem Einzelnen von uns ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden. (Eph. 4:7)

Darum sagt die Schrift: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ (Eph. 4:8)

Wo Christus als Gaben schenkender und Wohnung machender Herr wahrgenommen wird, verliert die Frage nach der eigenen Bedeutung an Schärfe. Es wird zweitrangig, ob der eigene Dienst im Vorder- oder Hintergrund stattfindet, weil entscheidend ist, dass der erhöhte Christus seine Gemeinde reichlich versorgt. Zugleich gewinnt die unscheinbare, oft verborgene Geschichte des Herzens an Gewicht: Gerade dort, wo Christus tiefer Wohnung macht, entstehen jene Gaben und Dienste, die andere tragen, trösten und ausrichten. Diese Sicht befreit von Vergleichen und Leistungsdruck und öffnet den Blick für die großzügige Weise, in der Christus seine Gemeinde durch viele Hände, Stimmen und Herzen baut.


Herr Jesus Christus, du bist der, der die Gemeinde liebt, der neue Menschen schafft, der alles unter dein gutes Haupt bringt, der Gaben schenkt und sich ein Zuhause in unseren Herzen bereitet. Wir danken dir, dass du größer bist als unsere engen Vorstellungen und dass du heute noch an deiner Gemeinde und an jedem Einzelnen wirkst. Stärke unseren inneren Menschen, damit du tiefer in uns wohnen kannst, und lass dein sanftes, reinigendes Wort jede Dunkelheit und jede Trennung überwinden. Wo wir Schwäche sehen, lass uns deine verwandelnde Kraft erwarten, und wo wir Zerbruch sehen, lass uns deine versöhnende Herrschaft erkennen. Erfülle deine Gemeinde mit deiner Fülle, damit in einer zerrissenen Welt deine Liebe, deine Einheit und deine Herrlichkeit sichtbar werden. Wir vertrauen dir, dass du dein Werk vollenden und uns sicher in deine ewige Gemeinschaft führen wirst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 79

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