Das Wort des Lebens
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Die überragende Größe der Kraft Gottes

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Viele Christen wissen, dass Gott mächtig ist, aber im Alltag fühlen sich nicht wenige eher schwach, überfordert oder von Umständen beherrscht. Paulus zeichnet im Epheserbrief ein anderes Bild: Hinter unserer Errettung, unserer Hoffnung und sogar hinter dem Leben der Gemeinde steht eine göttliche Kraft, die jede menschliche Vorstellung übersteigt. Wer beginnt zu sehen, wie Gott diese Kraft in Christus gezeigt und wie Er sie heute zu uns hin überträgt, gewinnt einen neuen Blick auf Schwierigkeiten, Versuchungen und das Gemeindeleben.

Hoffnung und Herrlichkeit – das Ziel von Gottes Ratschluss

Wenn Paulus im Epheserbrief von Gottes Berufung spricht, öffnet sich vor uns ein weiter Horizont. Er blickt zurück auf das „Wohlreden“ Gottes über uns – die Auswahl des Vaters, die Vorbestimmung zur Sohnschaft, die Erlösung durch den Sohn, das Versiegeln und Verpfänden des Geistes – und sieht darin kein loses Mosaik von Segnungen, sondern eine durchgehende Linie zu einem Ziel hin. Dieses Ziel ist, dass wir heilig sein sollen, als Söhne in die Reife hineinwachsen und Gott in Seiner Herrlichkeit widerspiegeln. Herrlichkeit ist hier nicht ein abstraktes Leuchten, sondern die Schönheit von Gottes Wesen, die in menschlichem Leben Gestalt annimmt: Liebe, die nicht mehr aus uns selbst schöpft, Licht, das aufdeckt ohne zu zerstören, Heiligkeit, die trennt und zugleich anzieht, Demut, die dient, Gerechtigkeit, die aufrichtet, Langmut, die trägt. Wenn Gott vorsätzlich bestimmt hat, uns zu Söhnen zu machen, dann heißt das: Er will Sein eigenes Wesen mitteilen, bis es in uns sichtbar wird.

Hoffnung, Herrlichkeit und Kraft stehen alle in Beziehung zu den Segnungen in den Versen 3 bis 14, in denen fünf Aspekte von Gottes Wohlreden vorgestellt werden: die Auswahl des Vaters, die Vorbestimmung des Vaters, die Erlösung des Sohnes, das Versiegeln des Geistes und das Verpfänden des Geistes. Die Auswahl des Vaters bestand darin, dass wir heilig sein sollten, und Seine Vorbestimmung darin, dass wir Seine Söhne werden sollten. Die Erlösung des Sohnes hatte das Ziel, dass wir in Christus aufgehauptet werden. Das Versiegeln des Geistes geschieht, damit wir in Gottes Bild verwandelt und völlig mit Ihm durchsättigt werden, sodass wir Sein Aussehen tragen. Außerdem ist das Verpfänden des Geistes Gottes Sich-selbst-in-uns-Hineinverpfänden als unser Genuss, unser Geschmack und unsere Garantie. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft sechzehn, S. 141)

Darum ist die Hoffnung der Berufung, von der Paulus spricht, kein vages „Es wird schon gut werden“, sondern eine innere Gewissheit über den Ausgang der Geschichte Gottes mit uns. In Römer 8 beschreibt er diese Perspektive als die Befreiung der Schöpfung aus der Knechtschaft der Vergänglichkeit „zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“. Dort heißt es: „dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft des Verderbens frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Römer 8:21). Gottes Plan geht also weiter, als unsere persönliche Rettung; Er sieht die ganze Schöpfung in das Licht der kommenden Herrlichkeit hineingenommen – und wir, als Seine Kinder, sind der Ort, an dem diese Herrlichkeit zuerst sichtbar werden soll.

Wenn die Schrift unsere Hoffnung so mit Herrlichkeit verbindet, dann wird deutlich: Hoffnung ist nicht in erster Linie das Hoffen auf veränderte Umstände, sondern auf einen vollendeten Menschen – auf Christus in uns, der in allem Gestalt gewinnt. Die Auswahl des Vaters, damit wir heilig seien, und die Vorbestimmung zur Sohnschaft zielen auf eine tatsächliche Verwandlung, nicht nur auf eine veränderte Stellung. Die Erlösung des Sohnes öffnet den Weg, dass in unserem gezeichneten, angefochtenen Leben ein anderer Ausdruck auftaucht, und das Versiegeln sowie Verpfänden des Geistes ist Gottes eigene Selbstbindung an dieses Ziel: Er gibt sich selbst als Unterpfand hinein, als Geschmack und Garantie, dass Er vollenden wird, was Er begonnen hat.

Aus dieser Sicht wird die Zukunft nicht zu einem ungewissen Nebel, sondern zu einem Raum, in dem Gottes Treue uns entgegenkommt. Selbst wenn die Gegenwart von Bruch, Schuld und Unreife geprägt ist, trägt die Berufung ein anderes Gewicht: Sie sagt uns zu, dass Gott uns nicht aus der Hand lässt, bevor nicht Sein eigenes Bild in uns erkennbar geworden ist. Wer so hofft, zieht seine Kraft nicht aus Optimismus, sondern aus der Zusage dessen, der „den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde“ (Apostelgeschichte 2:24). Der Gott, der den Tod nicht festhalten ließ, wird auch nicht zulassen, dass Seine Berufung an uns im Halbfertigen steckenbleibt. Diese Aussicht ermutigt, in den Spannungen des Alltags nicht zu resignieren, sondern den Blick immer wieder auf das Ziel zu richten, das größer ist als unser gegenwärtiges Empfinden: die Herrlichkeit Gottes, die in gewöhnlichen Menschen zu leuchten beginnt.

dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft des Verderbens frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. (Röm. 8:21)

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Wo Gottes Berufung als Hoffnung und Herrlichkeit gesehen wird, verliert das eigene Leben nach und nach den Charakter eines zufälligen Aneinanderreihens von Ereignissen. Dann wird auch Schweres in eine größere Geschichte eingespannt: die Geschichte, in der Gott zu Seinem Ziel kommt, indem Er Menschen prägt, reinigt und erfüllt. Aus dieser Perspektive wächst leise, aber beharrlich ein innerer Mut, sich nicht mit Oberflächlichkeit zufriedenzugeben, sondern Gottes Wirken in der Tiefe zuzulassen, weil die kommende Herrlichkeit mehr Gewicht bekommt als alles, was sie auf dem Weg dorthin zu kosten scheint.

Die vierfache Kraft Gottes in Christus

Um die überragende Größe der Kraft Gottes zu begreifen, lässt Paulus uns nicht bei unseren Erfahrungen stehen, sondern führt den Blick konsequent auf Christus. Er beschreibt eine vierfache Wirkungsweise dieser Kraft: Sie hat Jesus aus den Toten auferweckt, Ihn an die rechte Seite Gottes in den Himmeln gesetzt, alle Dinge unter Seine Füße gestellt und Ihn als Haupt über alle Dinge der Gemeinde gegeben. In der Auferweckung bricht Gottes Kraft zuerst durch die absolute Grenze menschlicher Existenz: Der Tod verliert seine Bindekraft. „Den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde“ (Apostelgeschichte 2:24). Wenn es „nicht möglich“ war, dass der Tod Christus festhielt, dann deshalb, weil Gottes Lebenskraft größer ist als jede Macht der Auflösung, der Trennung und des Endes.

In diesen Versen sehen wir vier Aspekte der Kraft, die in Christus wirkte: Auferstehungskraft, überragende Kraft, unterwerfende Kraft und aufhauptende Kraft. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft sechzehn, S. 144)

Doch die Auferstehung ist nur der erste Zug dieser gewaltigen Bewegung Gottes. Paulus betont, dass Christus nicht nur aus dem Grab herauskam, sondern erhoben wurde „zu seiner Rechten in den Himmeln“, weit über jede Herrschaft, Gewalt, Macht und jedes Regiment. Damit wird Christus als der erhöhte Mensch zum Zentrum eines unsichtbaren und sichtbaren Kosmos, in dem keine Autorität Ihn relativieren kann. Wenn Gott alle Dinge unter Seine Füße gestellt hat, sagt das nicht, dass alles schon sichtbar geordnet wäre; es heißt, dass jede Macht letztlich dieser Herrschaft unterliegt – auch wenn sie sich vorläufig noch widersetzt. Diese unterwerfende Kraft ist nicht blindes Niederwalzen, sondern die entschlossene Durchsetzung des Willens Gottes, wie er in Matthäus 6:10 bezeugt ist: „Dein Königreich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde.“

Der vierte Aspekt sprengt schließlich unser gewohntes Denken über Macht: Der erhöhte Christus wird als Haupt über alle Dinge der Gemeinde gegeben. Die höchste Stellung im Universum wird nicht als Distanz markiert, sondern als Gabe, als Beziehung. Gottes Kraft gipfelt darin, dass der, der alles in Händen hält, sich als Haupt mit einem konkreten, begrenzten, oft schwachen Leib verbindet. Die Auferstehungskraft, die überragende Hoheit, die unterwerfende und aufhauptende Kraft bilden zusammen ein Ganzes: Sie machen Christus nicht nur zum Sieger, sondern zum lebendigen Haupt eines Leibes, in dem dieser Sieg sich ausdrücken soll.

Wer dieses Bild vor Augen hat, erkennt: Gottes Kraft ist in Christus nicht als spektakuläres Feuerwerk demonstriert worden, das uns nur staunen lässt, sondern als die neue Grundordnung des Universums. Tod, Mächte und alle Dinge sind in eine Stellung gebracht, die vom erhöhten Christus her bestimmt ist, und die Gemeinde steht im engsten Zusammenhang mit dieser Realität. Diese Sicht ermutigt dazu, den erhöhten Christus nicht bloß als Gegenstand der Bewunderung zu sehen, sondern als den, der mit unüberbietbarer Kraft für Seine Gemeinde lebt und regiert. Es entsteht eine stille, tragende Zuversicht: Die Geschichte der Welt und die Geschichte der Gemeinde sind nicht dem Chaos überlassen, sondern werden von dem geleitet, den Gott über alles erhöht hat und der sich der Gemeinde als ihr Haupt geschenkt hat.

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Dein Königreich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde. (Mt. 6:10)

Wenn die vierfache Kraft Gottes in Christus vor Augen steht, verlieren viele Befürchtungen ihre absolute Macht. Bedrohliche Entwicklungen, persönliche Schwächen oder dunkle Mächte erscheinen nicht mehr als letzte Instanz, sondern als Wirklichkeiten, die bereits unter die Füße Christi gestellt sind. Daraus erwächst ein nüchterner, aber tiefer Trost: Das Haupt, das über allem steht, ist dasselbe, das sich mit der Gemeinde verbunden hat. In dieser Verbundenheit darf die Gemeinde ihr Leben, ihre Entscheidungen und ihren Weg wissen – unter der Hoheit dessen, dessen Kraft den Tod gesprengt und Ihn über alles erhöht hat.

Die überragende Kraft Gottes im Leben der Glaubenden und im Gemeindeleben

Die Kraft, die Gott an Christus erwiesen hat, bleibt nicht bei Ihm stehen wie eine Trophäe, die fern in den Himmeln aufbewahrt wird. Paulus schreibt, sie sei „zu uns hin“ wirksam, die wir glauben. Er greift dafür ein Bild aus dem Alltag auf: Wie elektrische Energie vom Kraftwerk aus unsichtbar und ununterbrochen in ein Gebäude übertragen wird, so wird die göttliche Kraft fortwährend in die Glaubenden hinein übertragen. Sie ist kein diffuses Gefühl von Stärke, sondern eine innere, zielgerichtete Wirksamkeit, die auf den ewigen Vorsatz Gottes ausgerichtet ist. Diese Kraft belebt, wo geistlicher Tod oder Lähmung herrscht, sie richtet auf, wo wir an unsere Grenzen gekommen sind, sie trägt durch Anfechtungen hindurch, die unseren eigenen Möglichkeiten überlegen sind. Wenn Paulus in Epheser 3:20 davon spricht, dass Gott „über alles hinaus tun kann, weit über das hinaus, was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt“, macht er deutlich: Der Ort, an dem sich diese Kraft heute zeigt, ist das innere Leben der Glaubenden.

Diese Kraft ist auf die Gläubigen gerichtet. Sie ist wie die elektrische Kraft, die fortwährend vom Kraftwerk zu unserem Gebäude für unser tägliches Leben übertragen wird. Nach demselben Prinzip wird die göttliche Kraft fortwährend in uns hinein übertragen, um uns zu dem Erbteil zu machen für die Erfüllung von Gottes ewigem Vorsatz. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft sechzehn, S. 143)

In diesem Wirken lernt der Glaube, nicht von der eigenen Schwäche her zu definieren, was möglich ist, sondern von der Kraft, die in Christus bereits gehandelt hat. Die gleiche Macht, die den Tod nicht festhalten ließ, beginnt, in Situationen hineinzuarbeiten, in denen wir gefangen zu sein scheinen – in ausgesprochenen und unausgesprochenen Bindungen, in Verletzungen, in verhärteten Beziehungen. Sie stellt Menschen und Umstände unter die Füße Christi, oft leise und gegen den Augenschein. So wird erfahrbar, dass die Herrschaft Christi nicht nur eine himmlische Größe bleibt, sondern sich in konkreten Lebensfeldern Bahn bricht, wenn sein Wort mehr Gewicht erhält als unsere unmittelbaren Eindrücke.

Für das Gemeindeleben bedeutet das, dass die Gemeinde nicht aus der Summe menschlicher Gaben und Energien lebt, sondern aus der fortwährenden „Übertragung“ der göttlichen Kraft vom Haupt zum Leib. Wo Christus praktisch als Haupt geehrt wird – indem man Ihn nicht nur bekennt, sondern Ihm Raum gibt, zu leiten, zu korrigieren und zu trösten –, dort beginnt sich diese Kraft gemeinschaftlich auszuwirken. Spannungen verlieren ihre zerstörerische Schärfe, weil nicht mehr das eigene Recht im Zentrum steht, sondern der Wille des Hauptes. Mutlosigkeit muss nicht das letzte Wort behalten, weil die Gemeinde lernt, aus dem Reichtum Christi zu leben und nicht aus der Armut ihrer Gefühle.

So wird die Gemeinde Schritt für Schritt zu einem Ort, an dem die „Aufhauptung“ aller Dinge in Christus vorweggenommen sichtbar wird: Menschen, die von Natur her auseinanderdriften würden, werden unter einem Haupt geordnet; Dienste werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander verflochten; Schwache werden nicht aussortiert, sondern mitgetragen. In all dem wirkt dieselbe Kraft, die Christus über alle Dinge erhöht hat. Diese Sicht schenkt eine stille Ermutigung, das Gemeindeleben – bei aller Brüchigkeit – nicht gering zu achten: Es ist das Feld, auf dem Gottes überragende Kraft heute sichtbar werden will, bis die Hoffnung der Herrlichkeit vollständig erfüllt ist.

Dem aber, der über alles hinaus tun kann, weit über das hinaus, was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt. (Eph. 3:20)

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Wo die überragende Kraft Gottes im eigenen Leben und im Gemeindeleben wahrgenommen wird, verändert sich der Blick auf Schwäche und Begrenzung. Niederlagen verlieren ihre endgültige Deutungshoheit, weil sie in einen größeren Horizont gestellt werden: den Horizont eines Gottes, der in der Verbundenheit mit Christus unaufhörlich wirkt. Daraus erwächst ein nüchterner Mut, das eigene Leben und das Miteinander in der Gemeinde nicht aus dem Maß der sichtbaren Möglichkeiten zu beurteilen, sondern aus der Wirklichkeit der Kraft, die vom Haupt her in den Leib hineinströmt.


Herr Jesus Christus, danke für die überragende Größe der Kraft Gottes, die Dich aus den Toten auferweckt, Dich über alles erhöht und alles unter Deine Füße gestellt hat. Öffne die Augen unseres Herzens, damit wir sehen, dass diese Kraft heute zu uns hin wirkt und unsere Hoffnung und Herrlichkeit zur Vollendung bringt. Erlöse uns von einem Blick auf unsere Schwachheit und unsere Umstände, und richte unseren Glauben neu auf Dich als das Haupt über alle Dinge. Lass diese Kraft in unserem persönlichen Leben und im Gemeindeleben wirksam werden, damit Deine Herrlichkeit inmitten Deiner Heiligen sichtbar wird und Dein ewiger Vorsatz erfüllt wird. Stärke uns im Inneren, dass wir in Dir stehen können, auch wenn vieles gegen uns zu sein scheint, und erfülle uns mit der Gewissheit, dass nichts Deine Herrschaft und Deinen Plan hindern kann. Dir sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus in alle Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 16

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