Das Wort des Lebens
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Auserwählt, heilig zu sein

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Viele Christinnen und Christen verbinden Heiligkeit mit makelloser Moral, strenger Selbstdisziplin oder einem besonderen geistlichen “Niveau”. Gleichzeitig spüren wir, wie weit unser Alltag oft von solchen Idealen entfernt ist. Was aber, wenn Heiligkeit in der Bibel etwas viel Tieferes meint – nicht zuerst Fehlerlosigkeit, sondern ein Leben, das von Gott selbst ausgeht, Ihm gehört und von Seiner Gegenwart geprägt ist? Epheser 1.öffnet den Blick dafür, dass Gottes ewiger Plan genau darauf zielt: Er hat uns in Christus erwählt, damit wir in Seiner Nähe, in Seinem Wesen und in Seiner Liebe zur Entfaltung kommen.

Gottes ewige Erwählung: in Christus, vor der Welt, für Sein Ziel

Wenn Paulus schreibt, dass Gott uns in Christus vor Grundlegung der Welt erwählt hat, öffnet sich ein Blick in eine Wirklichkeit, die älter ist als Sterne, Geschichte und persönliche Biografie. Noch bevor die erste Linie der Schöpfung gezeichnet wurde, stand in Gottes Herzen bereits ein Vorsatz fest: Menschen zu haben, die Ihm gehören, die Sein Wesen tragen und in Seiner Nähe leben. Epheser 1:4 fasst dieses Vorhaben in wenigen Worten: „Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe.“ Erwählung ist damit kein nachträglicher Notplan, keine Reaktion auf menschliches Versagen, sondern der erste Ausdruck von Gottes Wohlgefallen. Bevor die Welt uns überhaupt eine Rolle zuteilen konnte, hatte Gott uns bereits einen Platz in Seinem Herzen gegeben.

Epheser 1:4 sagt: „Wie Er uns in Ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor Ihm in Liebe.“ Im Anschluss an Vers 3 führen die Verse 4 bis 14 alle geistlichen Segnungen auf, mit denen Gott uns gesegnet hat. Gottes Auserwählen ist die erste Segnung, die Er uns zuteilwerden lässt; es ist der erste Punkt von Gottes Wohlreden über die Gemeinde. Gottes Auserwählen ist Seine Auswahl. Aus unzähligen Menschen hat Er uns ausgewählt. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft drei, S. 23)

Entscheidend ist: Er erwählte uns „in ihm“, das heißt, in Christus. Nicht unser frommes Bemühen, nicht unsere religiöse Geschichte, sondern Christus selbst ist die Sphäre, in der diese Erwählung Wirklichkeit wird. Außerhalb von Ihm bleibt sie für uns unerreichbar, in Ihm aber ist sie fester als jede irdische Sicherheit. Dass Gott uns vor Grundlegung der Welt erwählt hat, bedeutet zugleich, dass die Welt mit all ihrer Geschichte nicht das letzte Wort über uns hat. Ihre Maßstäbe, Erfolge, Niederlagen und Zuschreibungen sind nicht der Rahmen, in dem unser Leben endgültig gedeutet wird. Vor allen wechselnden Umständen steht dieser stille, starke Satz über unserem Dasein: Gott hat gesehen, hat gewählt, hat bestimmt – „dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“. Wer sich in dieser Wahrheit bergen lernt, bekommt einen neuen Halt im Inneren: Wir existieren nicht zufällig, wir tragen einen Ursprung im ewigen Vorsatz Gottes und sind eingeladen, in dieser Erwählung zur Ruhe zu kommen.

Dabei zeigt Epheser 1:4, wozu Gott uns erwählt hat: nicht zuerst zu Aufgaben, Gaben oder Diensten, sondern zu einem bestimmten Sein vor Ihm. Sein Ziel ist nicht, uns nur nützlich zu machen, sondern uns so zu formen, dass wir zu Seiner Gegenwart passen. „Heilig“ zu sein bedeutet in diesem Zusammenhang: aus der Masse herausgenommen, zu Gott hin abgesondert und von Ihm gekennzeichnet zu leben. „Ohne Makel“ weist auf ein Dasein hin, in dem nichts Fremdes mehr zwischen Gott und uns steht, keine Beimischung, die Seinen Glanz trübt. Das alles ist auf einen Ort hin ausgerichtet: „vor ihm“ – in Seinem Angesicht, unter Seinem Blick, in Seiner unmittelbaren Nähe. Gott erwählt uns nicht auf Distanz; Erwählung zielt auf Nähe.

Hinzu kommt der Raum, in dem dieses Leben sich abspielt: „in Liebe“. Gottes Erwählung ist kein kalter Verwaltungsakt, bei dem Namen auf eine Liste gesetzt werden. Sie geschieht im Licht Seiner Liebe, und sie führt hinein in eine Atmosphäre der Liebe, in der wir vor Ihm leben dürfen. Hebräer 6:17 deutet etwas von dieser Entschiedenheit an: „Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt.“ Gottes Vorsatz, Menschen in Christus zu erwählen und zu sich zu ziehen, ist unwandelbar; Er bindet sich selbst daran. Wer in dieser Erwählung leben lernt, beginnt Schritt für Schritt anders auf sich selbst zu blicken: nicht mehr vor allem durch die Brille des Versagens oder der Leistung, sondern im Licht eines Gottes, der von Ewigkeit her Ja gesagt hat. Dieses Ja nimmt uns nicht aus der Verantwortung, es schenkt uns vielmehr den Mut, unser Leben neu vor Ihm zu öffnen – im Vertrauen darauf, dass der, der erwählt hat, auch vollenden will.

wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe. (Eph. 1:4)

Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt, (Hebr. 6:17)

Gottes Erwählung vor Grundlegung der Welt möchte unser Selbstbild und unsere Lebensdeutung tief verändern: Wir sind nicht in erster Linie das Ergebnis unserer Geschichte, sondern Antwort auf Seinen ewigen Vorsatz. Indem wir lernen, unser Leben von diesem Ja Gottes her zu betrachten, entsteht Raum für ein ruhiges Vertrauen: Er hat begonnen, Er kennt die Spannungen und Brüche, und Er führt auf Sein Ziel hin – ein Leben, das vor Ihm, in Christus und in der Atmosphäre Seiner Liebe steht.

Was Heiligkeit wirklich ist: Gott getrennt sein und von Gott durchdrungen werden

Heiligkeit wird leicht auf moralische Fehlerlosigkeit reduziert. Man denkt an makelloses Verhalten, an Menschen, die „es geschafft haben“, nicht mehr zu sündigen. Die Schrift zeichnet ein anderes Bild. Sie beginnt bei Gott selbst: „Denn ich bin der HERR, euer Gott. So heiligt euch und seid heilig, denn ich bin heilig!“ (3.Mose 11:44). Heilig heißt hier zunächst: anders als alles Gewöhnliche, völlig ausgesondert, einzig. 1. Samuel 2:2. bekräftigt: „Keiner ist so heilig wie der HERR, denn außer dir ist keiner. Und kein Fels ist wie unser Gott.“ Heiligkeit ist also nicht zuerst eine menschliche Leistung, sondern die Beschreibung dessen, wie Gott in Seinem Wesen ist. Alles, was wirklich heilig ist, hat Anteil an Ihm oder steht in Seiner Nähe.

Viele meinen, Heiligkeit sei Sündlosigkeit. Nach diesem Verständnis ist jemand heilig, wenn er nicht sündigt. Dieser Gedanke ist völlig falsch. Heiligkeit ist weder Sündlosigkeit noch Vollkommenheit. Heilig bedeutet nicht nur geheiligt, zu Gott hin abgesondert, sondern auch anders, verschieden von allem, was gewöhnlich ist. Nur Gott ist anders, verschieden von alle Dinge. Daher ist Er heilig; Heiligkeit ist Seine Natur. Die Weise, wie Gott uns heilig macht, besteht darin, dass Er Sich Selbst, den Heiligen, in uns hinein mitteilt, damit unser ganzes Sein von Seiner heiligen Natur durchdrungen und mit ihr gesättigt wird. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft drei, S. 24)

Dieses „anders Sein“ Gottes tritt sichtbar hervor, wo Er Seine Gegenwart schenkt. Als Mose dem brennenden Dornbusch begegnet, hört er: „Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden!“ (2.Mose 3:5). Der Boden ist derselbe wie zuvor, doch weil Gott ihn mit Seiner Gegenwart berührt, bekommt er eine neue Qualität: heilig. Heiligkeit ist damit nicht nur ein moralischer Zustand, sondern eine Beziehungswirklichkeit: Dort, wo Gott sich niederlässt, wo Er wohnt, wo Er sich mitteilt, wird etwas aus dem Bereich des Gewöhnlichen herausgenommen und Ihm zugeordnet. Wenn später in der Geschichte Israels die Stiftshütte und das Allerheiligste eingeführt werden, ist genau dies der Gedanke: Gott schenkt einen Ort Seiner Gegenwart, und alles, was mit dieser Gegenwart verbunden ist, nennt Er heilig. Heiligkeit beschreibt somit ein Zugehören zu Gott, ein Hineingenommensein in die Sphäre Seines Wesens.

Das Neue Testament führt diese Linie weiter und vertieft sie. Der Geist, durch den Gott in die Welt und in Menschen hineinkommt, heißt nicht zufällig der Heilige Geist. In Lukas 1:35 heißt es: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, der Sohn Gottes genannt werden.“ Heiligkeit entsteht hier nicht aus menschlicher Anstrengung, sondern durch Gottes Hinzukommen, durch Sein Überschatten, Sein Wohnen. Wer durch Christus zu Gott gehört, wird daher nicht nur äußerlich neu sortiert, sondern innerlich von Gottes Wesen her geprägt. 2. Petrus 1:4 drückt das in einer erstaunlichen Formulierung aus: Gott hat uns Verheißungen geschenkt, „damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet“. Heilig zu sein heißt, an dieser Natur teilzuhaben, von ihr durchdrungen zu werden, mit ihr gleichsam „durchsättigt“ zu werden.

So zeigt sich, dass Heiligkeit zwei untrennbare Seiten hat. Einerseits werden Menschen aus der Masse herausgenommen und Gott zugeordnet: durch das Blut Christi, das unser Gewissen reinigt „von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen“ (Hebr. 9:14), und durch den Geist, der uns in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes hinein stellt (Mt. 28:19). Andererseits beginnt ein langsamer, oft unscheinbarer Prozess, in dem Gott unser Inneres umgestaltet. Paulus beschreibt ihn mit den Worten: „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2.Kor 3:18). Heiligkeit ist nicht zuerst ein starrer Zustand, sondern ein Weg der Umwandlung: je mehr Gottes Gegenwart unser Denken, Fühlen und Wollen erreicht, desto „anders“ werden wir – nicht künstlich, sondern aus Seinem Leben heraus.

Denn ich bin der HERR, euer Gott. So heiligt euch und seid heilig, denn ich bin heilig! Und ihr sollt euch selbst nicht unrein machen durch all das Kleingetier, das sich auf der Erde regt. (3.Mose 11:44)

Keiner ist so heilig wie der HERR, denn außer dir ist keiner. Und kein Fels ist wie unser Gott. (1.Sam. 2:2)

Heiligkeit neu von Gottes Wesen her zu verstehen, entlastet und richtet zugleich aus: Entlastet, weil nicht unsere Fehlerlosigkeit im Mittelpunkt steht, sondern Seine Gegenwart; ausgerichtet, weil deutlich wird, dass unser Leben nicht beliebig bleiben soll, sondern Schritt für Schritt in die Spur Seines heiligen Wesens hineinwächst. In dieser Spannung – angenommen und doch im Werden – dürfen wir gelassen leben: Gott trennt uns zu sich hin ab, und derselbe Gott ist es, der unser Inneres mit Seiner Natur füllt und uns so wirklich heilig macht.

Heilig, makellos und in Liebe vor Gott leben

Wenn Paulus von Gottes Erwählung spricht, endet er nicht bei einer abstrakten Stellung, sondern beschreibt eine konkrete Lebenswirklichkeit: „dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“ (Eph. 1:4). „Tadellos“ meint hier nicht ein Leben ohne jede äußere Schwäche, sondern ein Sein ohne fremde Beimischungen – wie ein Edelstein, der keine Partikel in sich trägt, die seinen Glanz brechen. In geistlicher Sprache sind solche Beimischungen unser ungekreuzigtes natürliches Leben, das Fleisch, das Selbst, aber auch Bindungen an Dinge, die uns von Gott wegziehen. Gottes Werk an uns zielt darauf, diese Mischungen nach und nach zu lösen und uns mit Seinem eigenen Wesen zu füllen. Epheser 5:26–27 beschreibt diesen Prozess mit dem Bild der Gemeinde als Braut: Christus gibt sich hin, „damit er sie heilige, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstelle, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern heilig und tadellos sei.“ Hier geht es nicht um makellose Fassade, sondern um eine innere Reinheit, in der Gottes Gegenwart ungehindert Raum findet.

Vers 4 sagt auch, dass wir in Ihm auserwählt wurden, um ohne Fehl zu sein. Ein Fehl ist wie ein fremdes Teilchen in einem kostbaren Edelstein. Die Auserwählten Gottes sollten nur mit Gott Selbst gesättigt sein und keine fremden Teilchen in Sich haben, wie etwa das gefallene natürliche menschliche Element, das Fleisch, das Selbst oder weltliche Dinge. Das bedeutet, ohne Fehl zu sein: ohne jede Beimischung zu sein und kein anderes Element zu haben als Gottes heilige Natur. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft drei, S. 32)

Das Ziel dieses Wirkens ist ausdrücklich „vor ihm“. Entscheidend ist nicht, wie wir vor Menschen dastehen, sondern wie wir in Seinen Augen sind. Gottes Heiligungshandeln nimmt uns deshalb nicht aus Seiner Nähe heraus, sondern führt uns gerade tiefer hinein. Je mehr Er Fremdes wegnimmt, desto unbeschwerter können wir in Seiner Gegenwart stehen. Zugleich geschieht all das „in Liebe“. Gott arbeitet nicht mit kalter Strenge an uns; Er verändert in der Atmosphäre der Liebe, die Er uns schenkt und in uns wachruft. 1. Johannes 4:19 fasst dies schlicht: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ Seine Liebe kommt uns zuvor, hält uns durch, trägt uns auch durch Phasen, in denen wir unser eigenes Herz als widersprüchlich erleben. In dieser Liebe verliert Heiligung den Charakter einer Bedrohung und wird zu einer Bewegung hin zu mehr Freiheit: weg von dem, was bindet, hin zu dem, der uns kennt und dennoch bleiben will.

Der Blick der Schrift reicht dabei weiter als das jetzige Stadium unseres Lebens. Schon jetzt wirkt Gott an unserem Inneren, doch die Vollendung umfasst auch unser ganzes Sein, Leib eingeschlossen. Paulus spricht davon, dass wir „die Erlösung unseres Leibes“ erwarten (Röm. 8:23). Wenn Gott vollendet, wird nichts Unheiliges, nichts Zerstörtes und Zerbrochenes mehr an uns haften; wir werden als ganze Menschen in die Herrlichkeit Christi hineingenommen. Offenbarung 21 gibt diesem Ziel ein großes Bild: „Und ich sah die Heilige Stadt, das Neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, wie eine für ihren Mann geschmückte Braut bereit gemacht“ (Offb. 21:2). Die Stadt ist heilig, weil sie von Gott erfüllt ist; sie ist Braut, weil sie in innigster Liebe mit Christus verbunden ist. „Und er trug mich im Geist weg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt, Jerusalem, wie sie von Gott aus dem Himmel herabkam“ (Offb. 21:10). Was hier als Stadt beschrieben wird, ist das Ziel der Geschichte Gottes mit Seinem Volk: eine Gemeinschaft, die ohne Makel, ganz von Gott durchdrungen und in reiner Liebe mit Ihm verbunden ist.

Im Licht dieses Zieles bekommt auch unser gegenwärtiger Weg eine andere Farbe. Vieles, was wir als schmerzhaftes Reinigen erleben, gehört zu diesem großen Werk, uns heilig und ohne Makel vor Gott hinzustellen. Gottes Liebe ist dabei kein weiches Gefühl, das alles so lässt, wie es ist, sondern eine tragende Kraft, die uns durch Prozesse der Klärung und der inneren Umgestaltung hindurchträgt. Römischer 6:22 bringt das in knapper Form zusammen: „Jetzt aber, nachdem ihr von der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes gemacht worden seid, habt ihr eure Frucht zur Heiligung, und das Ende ist ewiges Leben.“ Heiligung ist Frucht der Befreiung – und ihr Ende ist Leben, nicht Enge. Wer sich von dieser Perspektive Gottes berühren lässt, kann Schritt für Schritt lernen, das eigene Leben nicht nur an sichtbaren Erfolgen zu messen, sondern an der stillen, oft verborgenen Spur Seines Wirkens: Er führt dahin, dass wir eines Tages ohne Makel und in der Fülle Seiner Liebe vor Ihm stehen. Schon jetzt dürfen wir in kleinen Ansätzen aus dieser Zukunft leben – mit der Zuversicht, dass Er, der begonnen hat, sein Werk nicht auf halbem Weg abbricht.

wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe. (Eph. 1:4)

damit er sie heilige, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstelle, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern heilig und tadellos sei. (Eph. 5:26-27)

Heilig, makellos und in Liebe vor Gott zu leben ist weniger ein Zustand, den wir aus eigener Kraft erreichen müssten, als ein Weg, den Gott mit uns geht. Seine Liebe nimmt uns ernst, sie deckt Mischungen auf und löst sie, aber sie lässt uns dabei nicht los. Indem wir unser Leben von diesem Ziel her betrachten – einer Zukunft vor Gott ohne Makel – dürfen wir unsere gegenwärtigen Spannungen und Reinigungsprozesse gelassener tragen: Sie sind Teil der Geschichte, in der Gott uns Schritt für Schritt in die Freiheit Seines heiligen und liebenden Angesichts hineinführt.


Heiliger Gott, Du hast uns in Christus vor Grundlegung der Welt erwählt, damit wir heilig und ohne Makel in Deiner Nähe leben. Danke, dass Heiligkeit nicht unser eigenes Werk ist, sondern Dein Wirken an uns, wenn Du uns zu Dir hin absonderst und mit Deinem Wesen erfüllst. Lass Deine Liebe unser Herz immer wieder neu erreichen, sodass jede Furcht und jeder Stolz weichen und wir freier werden für Deine Gegenwart. Wo noch fremde Elemente in uns sind – unser eigenes Wollen, unser Festhalten an Gewohntem, unsere verborgen gehaltenen Reserven – dort wirke Du leise und beharrlich, bis Dein Charakter mehr Gestalt in uns gewinnt. Stärke den Glauben, dass Du Dein Werk der Heiligung vollendest und uns eines Tages ohne Makel vor Dich stellen wirst. In dieser Hoffnung wollen wir vor Dir leben und aus Deiner Gnade schöpfen, bis wir Dich von Angesicht zu Angesicht sehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 3

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