Das Wort des Lebens
lebensstudium

Drei Aspekte des Wohlredens

11 Min. Lesezeit

Viele Christen loben Gott mit vertrauten Worten über seine Größe und Barmherzigkeit – und doch bleibt das Gefühl, dass die Tiefe dessen, was Gott in Christus getan hat, darin kaum aufleuchtet. Epheser 1.öffnet eine andere Dimension des Lobpreises: Gott selbst spricht in seinem Wort wunderbar über uns, und wir werden eingeladen, mit diesem himmlischen Wohlreden einzustimmen. Wer diesen Blick gewinnt, sieht Schöpfung, Kreuz und Auferstehung in einem neuen Licht und entdeckt, wie reich er in Christus bereits gesegnet ist.

Gott, der Schöpfer, der Mensch wurde und Leben mitteilt

Wenn Paulus schreibt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (Epheser 1:3), spannt er in einem einzigen Satz den Bogen von der ersten Seite der Bibel bis zur Vollendung der Erlösung. Die Schrift setzt mit dem schlichten, machtvollen Wort ein: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1:1). Gott offenbart sich zuerst als der, von dem alles ausgeht, in dessen Wort die Welten entstehen. Doch derselbe Gott, der in Seiner Majestät ruft und es steht da, bleibt nicht auf der Höhe Seiner Unerreichbarkeit. Das Wort, durch das „alle Dinge … entstanden“ sind, wie es heißt: „Alle Dinge sind durch Ihn entstanden, und ohne Ihn ist nicht eines entstanden von dem, was entstanden ist“ (Johannes 1:3), tritt in Seine eigene Schöpfung ein.

Die erste Offenbarung Gottes in der Bibel ist die Schöpfung, denn die Bibel beginnt mit den Worten: „Im Anfang schuf Gott …“. Auf die Schöpfung folgt die Menschwerdung. Eines Tages wurde Gott, der Schöpfer, Mensch. Das Wort, das bei Gott war und Gott war, wurde Fleisch (Joh. 1:1, 14). Als Gott Selbst ein Mensch wurde, wurde der Gott, der alle Dinge geschaffen hat, Sein Gott. Das ist die Menschwerdung, nicht nur die Größe oder Barmherzigkeit Gottes. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zwei, S. 17)

Johannes fasst dieses Geheimnis so: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ – und dann, überraschend schlicht: „Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns“ (Johannes 1:1.14). Der ewige Schöpfer wird Mensch, ohne aufzuhören, Gott zu sein. In dieser Menschwerdung geschieht etwas Ungeheuerliches: In Seiner wahren Menschheit kann Christus sagen, dass Gott Sein Gott ist, und in Seiner ewigen Gottheit bleibt Er der Sohn, dessen Vater dieser Gott ist. Darum spricht Paulus von dem „Gott unseres Herrn Jesus Christus“ und zugleich vom „Vater unseres Herrn Jesus Christus“. In der Person Jesu Christi berühren sich der unendliche Schöpfer und der endliche Mensch so, dass unser Gottesbild nicht mehr nur aus Ferne, Größe und Barmherzigkeit besteht, sondern aus Nähe, Fleischwerdung und geteilter Geschichte.

Am Kreuz und in der Auferstehung geht dieser Weg noch tiefer. Der einziggeborene Sohn, der von Ewigkeit her beim Vater ist, wird in der Auferstehung zum „erstgeborenen unter vielen Brüdern“ (Römer 8:29). Er bleibt der eine Sohn des Vaters, und doch zieht Er andere in diese Beziehung hinein. Gott wird nicht nur angebetet als der Hohe und Erhabene, sondern erfahren als der Vater, der Sein eigenes Leben mitteilt. Wenn Paulus Gott preist, dann nicht nur für Seine Taten an der Welt, sondern für das, was Gott in Christus für uns geworden ist: unser Gott in der Niedrigkeit, unser Vater in der Gemeinschaft des Lebens.

Wer so redet, verlässt das schemenhafte Bild eines fernen, abstrakten Gottes. Im Lob über den „Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“ klingt die ganze Geschichte Gottes mit uns an: Schöpfung, Menschwerdung, Kreuz, Auferstehung, Sohnschaft. In dieser Sicht wird unser eigenes Wohlreden verwandelt. Es kreist nicht mehr nur um das, was wir empfinden oder benötigen, sondern antwortet auf das, was Gott sich hat kosten lassen, um sich uns mitzuteilen. Aus Ehrfurcht wächst Vertrauen, und aus Vertrauen eine stille, tiefe Freude: Der Schöpfer der Welten ist als Mensch in unsere Geschichte getreten, damit wir in Ihm Kinder des Vaters werden. In diesem Bewusstsein gewinnt jedes Lob einen neuen Klang – nicht laut und aufgesetzt, sondern getragen von der Gewissheit: Gott ist in Christus unendlich nah und unwiderruflich für uns.

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (1. Mose 1:1)

Alle Dinge sind durch Ihn entstanden, und ohne Ihn ist nicht eines entstanden von dem, was entstanden ist. (Joh. 1:3)

Wenn Gott im Lob als der „Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“ vor Augen steht, wird Anbetung zur Antwort auf Sein Herabkommen in Christus und nicht nur zum Echo unserer Bedürfnisse; in dieser Sicht wächst ein stilles Vertrauen, das die eigene Geschichte unter die größere Geschichte von Schöpfung, Menschwerdung und Kindschaft stellt und darin Trost, Würde und neue Freude findet.

Gottes Wohlreden über uns: geschaffen, erlöst, neu geboren

Wenn Paulus sagt, dass derselbe Gott, den wir preisen, „uns gesegnet hat“, dann beschreibt er nicht eine punktuelle Erfahrung, sondern einen ganzen Horizont göttlichen Wohlredens über Menschen. Das Neue Testament ist wie ein durchgehender Strom solcher Zusprüche. Schon sein Gruß ist mehr als höfliche Einleitung: „Gnade sei mit euch und Friede“ (Epheser 1:2). Hier redet Gott gut über Menschen, die sich selbst eher als unzulänglich, schuldig oder zerrissen kennen. Sein Reden hebt nicht oberflächlich darüber hinweg, sondern umschließt die ganze Spannweite unseres Daseins: geschaffen, gefallen, erlöst, neu geboren.

Der Gott, den wir segnen, hat uns gesegnet. Gottes gutes Reden über uns umfasst das gesamte Neue Testament. Im Neuen Testament redet Gott gut in Bezug auf uns. Die siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments sind erfüllt von Gottes schönem Reden über uns. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zwei, S. 20)

Gottes Wohlreden reicht bis in die Ewigkeit zurück: „wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“ (Epheser 1:4). Wir sind zuerst als Geschöpfe angesprochen – umgeben von der Güte der Schöpfung, getragen von Seiner Vorsehung. Dann als Erlöste: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen“ (Epheser 1:7). Und schließlich als Wiedergeborene: Menschen, die Anteil an Gottes Leben erhalten haben, nicht nur an Seinen Gaben. In dieser dreifachen Weise sind wir fähig gemacht, Seine Segnungen zu empfangen: Er bewahrt unsere Existenz, Er trägt unsere Schuld hinweg, Er teilt uns Sein Leben mit.

Bemerkenswert ist, an wen dieses Wohlreden ergeht. Engel werden als heilige Wesen beschrieben, sie kennen kein Sündenbekenntnis und keine Rechtfertigung. Aber von ihnen heißt es nirgends, daß Gott ihr Vater wäre. Über uns aber sagt der auferstandene Christus: „Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater und zu Meinem Gott und eurem Gott“ (Johannes 20:17). In einem Satz verbindet Er Seine einzigartige Sohnschaft mit unserer geschenkten Kindschaft. Gott spricht nicht nur über uns als Dienstknechte oder Objekte Seines Erbarmens, sondern als geliebte Kinder, die Er in Sein Haus, ja in Sein eigenes Leben hineinzieht.

Zwischen Gottes Reden und unserem Lob entsteht so ein feiner, innerer Zusammenhang. Gott segnet, indem Er spricht; Seine Zusagen sind selbst Segnungen. Wo ein Mensch dieses Wort nicht nur hört, sondern ihm vertraut, wird sein eigenes Reden erneuert. Das „Amen“, das der Glaube Gott zurückgibt, ist mehr als Zustimmung – es ist Teilhabe. Unser Lob wird dann nicht durch wechselnde Gefühle bestimmt, sondern wächst als Antwort auf festes, schriftgemäßes Wohlreden Gottes. So wird es ruhiger, tiefer und zugleich freier, weil es auf etwas ruht, das nicht schwankt.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. (Eph. 1:2)

Wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe. (Eph. 1:4)

Wer Gottes Wohlreden im Neuen Testament wahrnimmt – von der Erwählung vor Grundlegung der Welt über die Erlösung durch das Blut Christi bis zur zugesagten Sohnschaft – lernt, seine eigene Identität nicht mehr aus wechselhaften Eindrücken, sondern aus Gottes verlässlichem Wort zu empfangen; daraus entsteht ein Lob, das weniger von Stimmung als von Vertrauen bestimmt ist und das eigene Leben still, aber grundlegend neu ausrichtet.

Jede geistliche Segnung in den Himmelswelt in Christus

Wenn Paulus bekennt, dass Gott uns „mit jeder geistlichen Segnung in den Himmelswelt in Christus gesegnet hat“ (Epheser 1:3), verdichtet er die nachfolgenden Verse zu einem einzigen, großen Satz. „Jede“ Segnung – nichts Ausgewähltes für einige wenige, sondern ein umfassender Reichtum, der kein wesentliches Gut für das Leben mit Gott ausspart. „Geistlich“ hebt sie aus dem Bereich bloß äußerer Wohltaten heraus. Es geht um Segnungen, die vom Heiligen Geist getragen sind, von Ihm geprägt und durch Ihn vermittelt werden. Der Geist ist nicht nur der Kanal, durch den uns etwas zufließt, sondern die eigentliche Wirklichkeit dessen, was uns geschenkt ist.

Der dritte Aspekt dieses guten Redens ist, dass Gott „uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den Himmelsräumen in Christus“. Gott hat uns mit Seinem guten, feinen und schönen Reden gesegnet. Jede solche Rede ist ein Segen für uns. Die Verse 4 bis 14 berichten von solchem Reden, von solchen Segnungen. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zwei, S. 21)

Diese Segnungen sind „in den Himmelswelt“. Damit ist nicht nur ein Ort jenseits der sichtbaren Welt gemeint, sondern eine Art und Qualität. Was Gott uns schenkt, trägt einen himmlischen Charakter – frei von Vergänglichkeit, unabhängig von äußeren Umständen. Erwählung, Sohnschaft, Erlösung, Versiegelung mit dem Geist, das Erbe: all dies gehört zu dieser himmlischen Sphäre. Zwischen Vers 4 und 14 breitet Paulus diese Segnungen aus, nicht als lose Einzelgaben, sondern als zusammenhängendes Wohlreden des Dreieinen Gottes, der sich selbst mitteilt. Es heißt von Christus: „Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns … voller Gnade und Wirklichkeit“ (Johannes 1:14). In Ihm nimmt die himmlische Wirklichkeit Wohnsitz inmitten einer irdischen Geschichte.

Entscheidend ist die kleine Präposition, die den Satz trägt: „in Christus“. Gott segnet nicht irgendwo und irgendwie, sondern bindet alles an die Person Seines Sohnes. Christus ist die Sphäre, in die hinein Gott segnet; Er ist das Werkzeug, durch das Er segnet; und Er ist der Wert, um dessentwillen Er segnet. Außerhalb von Christus besitzen wir keinen Anspruch auf geistliche Segnungen – weder durch Herkunft noch durch Frömmigkeit. In Christus aber sind sie bereits zugesprochen, auch wenn ihre Tiefe oft erst tastend erschlossen wird. Der Glaube lernt, sich in diese Sphäre hineinzudenken und hineinzuleben: nicht länger aus der Perspektive des Mangels, sondern aus der Wirklichkeit des schon geschehenen Segens.

Gerade so gewinnen diese himmlischen Segnungen Erdennähe. Weil sie geistlich sind, erschöpfen sie sich nicht in inneren Stimmungen, sondern gestalten Charakter, Entscheidungen und Beziehungen. Wo ein Mensch entdeckt, dass er in Christus erwählt, angenommen und versiegelt ist, verändert das seine Art zu sehen: den eigenen Wert, die Gemeinde, die Welt. Der Blick hebt sich von dem, was fehlt, zu dem, was in Christus schon gegeben ist. Daraus wächst eine neue Freiheit im Lob: nicht, weil alles glattgeht, sondern weil der Ort unseres Lebens in Gott verankert ist.

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den Himmelswelt in Christus. (Eph. 1:3)

In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt – in ihm seid ihr auch, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. (Eph. 1:13)

Die Zusage, mit jeder geistlichen Segnung in den Himmelswelt in Christus gesegnet zu sein, lädt dazu ein, das eigene Leben nicht mehr primär unter dem Vorzeichen von Mangel und Bedürftigkeit zu sehen, sondern aus der Fülle dessen, was Gott in Christus schon zugesprochen hat; so wächst eine stille Dankbarkeit, die Alltag und Gemeinde erfahrbar prägt und das Lob von der Jagd nach neuen Eindrücken hin zur dankbaren Wahrnehmung des bereits empfangenen Reichtums führt.


Vater, wir danken Dir, dass Du nicht nur der große Schöpfer bist, sondern in Jesus Christus Mensch geworden bist und uns als liebender Vater Dein eigenes Leben mitteilst. Öffne unsere Augen durch Deinen Geist der Weisheit und Offenbarung, damit wir Dein Wohlreden über uns im Neuen Testament erkennen und in unserem Herzen bejahen. Lass uns mehr und mehr aus der Fülle leben, mit der Du uns in Christus in den Himmelswelt gesegnet hast, damit unser Lob von Deiner Offenbarung geprägt ist und Dich in Deiner Neutestamentlichen Ökonomie widerspiegelt. Stärke in uns die Gewissheit, dass wir nicht nur Geschöpfe, sondern Deine geliebten Söhne und Töchter sind, die Deine Gegenwart und Gnade tragen. In dieser Hoffnung und Freude preisen wir Dich, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 2

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