Die Diener des neuen Bundes (2)
Viele Christen sehnen sich danach, dass ihr Zeugnis von Christus mehr ist als richtige Lehre – es soll leuchten und Herzen erreichen. Paulus beschreibt im 2. Korintherbrief, wie Gott ganz gewöhnliche Menschen so verwandelt, dass durch ihr Leben das Evangelium der Herrlichkeit Christi sichtbar wird. Zwischen Verblendung durch den „Gott dieses Zeitalters“ und innerem Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes spannt sich eine gewaltige Spannung, in der sich entscheidet, ob unser Dienst nur Worte macht oder wirklich Licht trägt.
Das einzigartige Amt: Christus als Herr dienen, nicht sich selbst
Wenn Paulus schreibt: „Deswegen, weil wir diesen Dienst haben, wie uns Barmherzigkeit erwiesen worden ist, verlieren wir nicht den Mut“ (2.Kor 4:1), legt er eine tiefe Sicht auf das Amt des neuen Bundes offen. Er spricht nicht von vielen Diensten nebeneinander, sondern von einem einzigen „diesen Dienst“. Alle neutestamentlichen Apostel, alle von Christus gesandten Arbeiter, mögen verschieden in Gabe, Temperament und Aufgabenbereich sein, aber sie stehen unter demselben Mandat: Christus als Inhalt des neuen Bundes zu dienen. Dieses Amt ist keine menschliche Karriere, sondern eine göttliche Vertrauensgabe. Es ist eingebettet in Barmherzigkeit – nicht in Leistung. Wer sagen kann: Mir ist „Barmherzigkeit erwiesen worden“, der trägt seinen Auftrag nicht wie einen Titel, sondern wie ein anvertrautes Gut, das ihn zugleich ehrt und demütigt.
83 In der Gemeinde üben wir eine solche geistliche und himmlische Fotografie aus. Wörtlich bedeutet das griechische Wort, das in Vers 4 mit „scheinen“ übersetzt wird, zunächst deutlich sehen, unterscheiden; zweitens bedeutet es scheinen. Daher kann man den zweiten Teil dieses Verses so wiedergeben: „damit sie nicht sehen die Erleuchtung des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist“. Da der Gott dieses Zeitalters die Gedanken der Ungläubigen verblendet hat, können sie die Erleuchtung der Herrlichkeit des Evangeliums nicht sehen, so wie ein Blinder oder jemand mit verhüllten Augen das Licht der Sonne nicht sehen kann. 2. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neun, S. 83)
Gerade diese Sicht schützt Diener des neuen Bundes vor der Versuchung, sich selbst ins Zentrum zu stellen. Paulus fährt fort: „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen“ (2.Kor 4:5). Das eine Amt des neuen Bundes ist eindeutig gekennzeichnet: Christus Jesus als Herrn verkündigen – nicht die eigene Frömmigkeit, nicht persönliche Erlebnisse, nicht eine besondere geistliche Marke. Der Diener weiß: Christus ist der Herr über alle (vgl. Apg. 10:36), ich selbst bin höchstens ein Sklave um Jesu willen. So wird sein Dienst frei von Konkurrenzdenken, Selbstprofilierung und stiller Eifersucht. Wenn Christus der Inhalt, die Mitte und die Herrlichkeit des Dienstes ist, können andere wachsen, ohne dass er kleiner wird. In dieser inneren Haltung liegt eine stille Ermutigung: Wer klein vor Gott bleibt und groß von Christus denkt, wird bewahrt, auch unter Missverständnissen und Widerstand nicht zu verzagen. Denn die Würde seines Dienstes hängt nicht an seinem Namen, sondern an dem Herrn, den er verkündigt.
Deswegen, weil wir diesen Dienst haben, wie uns Barmherzigkeit erwiesen worden ist, verlieren wir nicht den Mut; (2.Kor 4:1)
Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen. (2.Kor 4:5)
Es ist tröstlich und befreiend, das eigene geistliche Tun in diesem Licht zu sehen: Es gibt nur ein Amt, den einen Dienst des neuen Bundes, und jeder Beitrag, so verborgen er auch sein mag, steht im Dienst desselben Herrn. Wo das Herz innerlich vor Christus niederkniet und Ihn als Herrn ehrt, verlieren Lob und Tadel der Menschen ihre Macht. Dann wird es möglich, anderen in echter Liebe zu dienen, ohne ständig die eigene Rolle zu sichern, und mitten in Schwachheit mutig weiterzugehen, weil die Barmherzigkeit Gottes größer ist als jede Begrenzung.
Leuchten statt nur lehren: Das Evangelium der Herrlichkeit Christi
Paulus beschreibt das Evangelium als „Evangelium der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist“ (2.Kor 4:4). Damit rückt er das Evangelium aus dem Bereich bloßer Lehrsätze in den Raum der Offenbarung: Hier geht es nicht zuerst um ein System von Wahrheiten, sondern um eine Person, in der die Herrlichkeit Gottes sichtbar wird. Wo dieses Evangelium wirklich zur Sprache kommt, geschieht mehr als Information – es geschieht Erleuchtung. Deshalb heißt es von den Ungläubigen, „in denen der Gott dieses Zeitalters die Gedanken der Ungläubigen verblendet hat, damit das Erleuchten durch das Evangelium der Herrlichkeit Christi … nicht auf sie scheine“ (2.Kor 4:4). Die Not besteht also nicht nur in fehlender Kenntnis, sondern in einer inneren Blindheit gegenüber der Ausstrahlung Christi.
85 Der Zweck von Gottes Scheinen in unseren Herzen besteht nicht darin, dass wir die Herrlichkeit auf dem Angesicht Moses’ erkennen. Gottes Scheinen dient dazu, uns zu erleuchten, damit wir die Herrlichkeit auf dem Angesicht Christi erkennen. Es dient dazu, uns zu erhellen, damit wir nicht das Gesetz Moses’ des alten Bundes erkennen, sondern das Evangelium Christi des neuen Bundes. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neun, S. 85)
Diener des neuen Bundes können dieser Blindheit nicht mit bloßer Eloquenz begegnen. Sie sind nicht primär Redner, sondern Lichtträger. Paulus sagt von sich und seinen Mitdienern: „Wir haben den geheimen Dingen, deren man sich schämen muß, entsagt und wandeln nicht in Arglist, noch verfälschen wir das Wort Gottes, sondern durch die Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott“ (2.Kor 4:2). Das Leuchten des Evangeliums geschieht gerade darin, dass sie Christus als Wahrheit leben. Ihr Umgang mit der Schrift ist lauter, frei von Manipulation und Beimischung fremder Elemente. So wird ihr ganzes Leben zu einem Spiegel, in dem die Herrlichkeit des Herrn sichtbar wird. „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2.Kor 3:18). Wer Christus anschaut, trägt sein Licht weiter, ohne selbst die Quelle des Lichtes zu sein – wie der Mond, der von der Sonne her leuchtet. Auch dort, wo Menschen verschlossen bleiben und die Worte scheinbar abprallen, bleibt dieser Dienst nicht vergeblich: Das stille, beständige Leuchten eines wahrhaftigen Lebens in Christus wird vom Heiligen Geist gebraucht, um Schleier zu lösen und Herzen aufzuwecken.
So entsteht ein Evangelium, das nicht nur erklärt, sondern erfahrbar wird. Jesu Wort „Heilige sie in der Wahrheit; Dein Wort ist die Wahrheit“ (Johannes 17:17) erhält hier einen konkreten Klang: Die Wahrheit wirkt heiligend, indem sie leuchtet. Sie deckt auf, richtet aus und macht Christus sichtbar. Lehre ohne Licht bleibt hart und trocken, Licht ohne Wahrheit wird schwärmerisch und unklar. Im Evangelium der Herrlichkeit Christi gehört beides zusammen: Die klare, nüchterne Wahrheit des Wortes und das strahlende Zeugnis eines Lebens, das von dieser Wahrheit durchdrungen ist. Diener des neuen Bundes stehen mitten in dieser Spannung, und gerade darin liegt eine leise Freude: Sie müssen nicht aus sich selbst leuchten, sondern dürfen sich dem aussetzen, der gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wirklichkeit und das Leben“ (Johannes 14:6). Wo Er Raum gewinnt, beginnt das Evangelium zu glänzen – oft unscheinbar, aber mit einer Kraft, die weit über Worte hinausreicht.
sondern wir haben den geheimen Dingen, deren man sich schämen muß, entsagt und wandeln nicht in Arglist, noch verfälschen wir das Wort Gottes, sondern durch die Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott. (2.Kor 4:2)
in denen der Gott dieses Zeitalters die Gedanken der Ungläubigen verblendet hat, damit das Erleuchten durch das Evangelium der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist, nicht auf sie scheine. (2.Kor 4:4)
Es ist eine tiefe Entlastung zu wissen, dass Gott nicht brillante Redner, sondern durchsichtige Träger Seines Lichts sucht. Ein schlichtes, aufrichtiges Leben vor Gott, das Sein Wort hochhält und nicht verfälscht, hat in Seinen Augen Gewicht, selbst wenn es unscheinbar erscheint. Dort, wo das Herz lernt, Christus immer wieder anzuschauen, wächst eine stille, aber spürbare Ausstrahlung. In einer Welt voller Blendlichter wird gerade diese leise, echte Helligkeit zu einem Zeichen, das Menschen auf den Herrn der Herrlichkeit hinweist.
Gottes inneres Leuchten: Der Schatz in zerbrechlichen Gefäßen
Wenn Paulus sagt: „Weil der Gott, der sagte: Aus der Finsternis leuchte das Licht, derjenige ist, der in unseren Herzen leuchtete, um die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi zu erleuchten“ (2.Kor 4:6), verbindet er die erste Schöpfung mit der neuen. Derselbe Gott, der in 1. Mose aus dem Chaos das Licht hervorrief, spricht nun in das innere Dunkel des menschlichen Herzens. Sein Leuchten bleibt nicht an der Oberfläche stehen, wie einst die Herrlichkeit auf dem Gesicht Moses, von der es heißt, dass „die Haut seines Gesichtes strahlte“ (2.Mose 34:30); es dringt bis ins Zentrum der Person vor. Dort, im Herzen, beginnt Er zu erhellen, wer Christus ist: das Angesicht, in dem die Herrlichkeit Gottes sichtbar wird. So wird der Mensch nicht durch äußeren Glanz beeindruckt, sondern von innen her verwandelt. Die neue Schöpfung beginnt nicht mit einer veränderten Fassade, sondern mit einem erleuchteten Inneren.
79 sich verhalten, um ihren Dienst auszuführen, und, von Vers 7 bis 18, welche Art von Leben sie führen. 1. Diesen Dienst des neuen Bundes haben In 4:1 spricht Paulus davon, „diesen Dienst“ zu haben. Dies ist der Dienst, der in 2:12 bis 3:18 beschrieben wird. „Diesen Dienst“ macht deutlich, dass wir, alle Apostel Christi, obwohl wir viele sind, einen einzigartigen Dienst haben – den Dienst des neuen Bundes zur Ausführung von Gottes neutestamentlicher Ökonomie. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neun, S. 79)
Aus diesem inneren Leuchten erwächst ein kostbarer Inhalt: „Doch wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Vortrefflichkeit der Kraft von Gott sei und nicht aus uns“ (2.Kor 4:7). Der Schatz ist Christus selbst – die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi, Seine Gegenwart als Leben, Gerechtigkeit und Kraft. Das Gefäß aber bleibt „irden“, gewöhnlich, zerbrechlich, staubnah. Gerade diese Spannung gehört zum Wesen des Dienstes im neuen Bund. Gott verzichtet bewusst auf glänzende, unangreifbare Gefäße, um sichtbar zu machen, dass die überragende Kraft von Ihm kommt. In den Schwächen, Begrenzungen und sogar Zerbrüchen des Gefäßes leuchtet der Schatz umso deutlicher. Die Diener des neuen Bundes tragen in ihrem Körper das Sterben Jesu mit sich, damit auch das Leben Jesu in ihnen offenbar wird (vgl. 2.Kor 4:10); sie führen ein gekreuzigtes Leben, in dem das Auferstehungsleben Christi durchdringt.
Dieses Bild des Schatzes in irdenen Gefäßen bewahrt vor zwei Irrwegen: vor Überheblichkeit und vor Mutlosigkeit. Wer den Schatz sieht, wird nicht stolz auf das Gefäß; wer das irdene Gefäß sieht, muss dennoch nicht verzweifeln, weil der Schatz bleibt. In Momenten der Schwachheit, in denen das „Irdene“ schmerzlich spürbar wird, trägt die Gewissheit: Die Vortrefflichkeit der Kraft kommt von Gott. Sein Licht erlischt nicht, weil das Gefäß matt ist. Und dort, wo Sein inneres Leuchten fortgeht, wächst im Verborgenen eine stille Zuversicht: Er, der das Licht aus der Finsternis hervorrief, wird auch weiterhin in den Herzen leuchten, bis die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes klarer, tiefer und fester geworden ist, als wir es jetzt überblicken können.
Weil der Gott, der sagte: Aus der Finsternis leuchte das Licht, derjenige ist, der in unseren Herzen leuchtete, um die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi zu erleuchten. (2.Kor 4:6)
Doch wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Vortrefflichkeit der Kraft von Gott sei und nicht aus uns. (2.Kor 4:7)
Die Vorstellung, ein irdenes Gefäß mit einem unermesslichen Schatz zu sein, hat etwas Zartes und Entlastendes. Sie nimmt der eigenen Unvollkommenheit den Schrecken und lenkt den Blick auf den, der das Licht entzündet hat und es bewahrt. Wo dieser Blick sich festigt, können die Brüche des Lebens zu Durchlässen für Gottes Licht werden. Dann liegt die Hoffnung nicht mehr im Zustand des Gefäßes, sondern in der Treue dessen, der in unseren Herzen leuchtet – und gerade so werden Diener des neuen Bundes zu stillen, aber kräftigen Zeugen der Herrlichkeit Christi.
Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 9