Das Wort des Lebens
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Vier entscheidende Punkte für die Teilhabe an Christus

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Viele Christen kennen den 1. Korintherbrief vor allem wegen seiner Probleme: Spaltungen, Unmoral, Missbrauch von Gaben. Doch hinter Pauls Korrekturen steht eine Tiefe, die leicht übersehen wird: Er begegnet den Schwierigkeiten der Gemeinde, indem er ihnen zeigt, wie reich ihre Teilhabe an Christus eigentlich ist. Wer diese Linie wahrnimmt, entdeckt mitten in einem problemgeladenen Brief eine Einladung zu einem vertieften Erleben von Christus, das weit über äußere Ordnungen hinausgeht.

Christus – ihr und unser Anteil

Wenn Paulus an die Gemeinde Gottes in Korinth schreibt, richtet er ihren Blick weg von sich selbst hin zu Christus als ihrem gemeinsamen Besitz. Es heißt: „an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, an die, die in Christus Jesus geheiligt worden sind, an die berufenen Heiligen, zusammen mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus an jedem Ort anrufen, ihres und unseres Herrn“ (1.Kor 1:2). In den Worten „ihres und unseres Herrn“ liegt mehr als eine freundliche Anrede; hier öffnet sich ein Horizont: Christus gehört nicht einer besonders geistlichen Gruppe, nicht einer bestimmten Tradition oder Gemeindeform, sondern er ist der Anteil aller, die seinen Namen anrufen. Jeder, der sich vor ihm beugt, ist in denselben Reichtum hineingestellt – auch wenn Reife, Erkenntnis und Lebensgeschichte sehr verschieden sind.

In 1:2 sehen wir, dass Gott uns auf der Grundlage Seiner Ökonomie Christus als unseren Anteil gegeben hat. Als unser Anteil ist Christus sowohl ihr Anteil als auch unser Anteil. Wir können Christus als unseren einzigartigen Anteil einfach dadurch genießen, dass wir Seinen Namen anrufen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zehn, S. 94)

Um dieses Bild zu vertiefen, greift das Neue Testament auf das gute Land zurück, das den Kindern Israels als Erbteil gegeben wurde. Israel sollte nicht von außen auf dieses Land schauen, sondern hineingehen, darin wohnen, daraus leben. So ist Christus uns gegeben als geistliches „gutes Land“: „und alle aßen dieselbe geistliche Speise, und alle tranken denselben geistlichen Trank; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; und der Fels war Christus“ (1.Kor 10:3–4). Nicht wenige Gläubige stehen innerlich wie an der Grenze dieses Landes: Sie glauben gewiss an Christus, aber sie leben vor allem aus eigenen Kräften, eigenen Ideen, eigenen Sicherheiten. Der Brief an die Korinther lädt ein, anders zu denken: Teilhabe an Christus ist kein Bonus für Fortgeschrittene, sondern Gottes Grundentscheidung über jeden Wiedergeborenen. Wo der Name des Herrn in Einfachheit angerufen wird, öffnet sich der Zugang zu seiner Fülle, und Christus beginnt, nicht nur Gegenstand unseres Bekenntnisses, sondern Inhalt unseres Lebens zu werden.

Darum beschreibt Paulus Christus selbst als unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligung und unsere Erlösung: „Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung“ (1.Kor 1:30). Was uns oft als hochgespannte Lehre begegnet, ist in Wirklichkeit eine Einladung zur täglichen Erfahrung: Wo wir aufhören, uns vor Gott durch eigene Leistung zu vertreten, und stattdessen auf Christus als unsere Gerechtigkeit bauen; wo wir Heiligung nicht als mühevolle Selbststeigerung, sondern als sein Wirken in uns verstehen; wo wir Erlösung nicht nur als vergangenes Ereignis, sondern als fortlaufendes Befreien aus der Macht der Sünde sehen – dort beginnt dieses „gute Land“ wirklich unter unseren Füßen tragfähig zu werden. Die Korinther waren eine angefochtene, zerrissene Gemeinde, und doch sagt Paulus keinem von ihnen, dass Christus nicht mehr ihr Anteil wäre. Gerade inmitten von Versagen und Unreife bekräftigt er: Euer Anteil ist derselbe wie der unserige.

Wer so auf Christus als gemeinsamen Anteil schaut, findet einen doppelten Trost. Zum einen muss niemand sich mehr selbst definieren durch Erfolg oder Scheitern im Glaubensleben: Der eigentliche Reichtum liegt außerhalb von uns in Christus, und er wird uns von Gott her zugesprochen. Zum anderen wächst ein leiser, aber kräftiger Sinn für Einheit: Wenn Christus „ihr und unser“ Anteil ist, dann verbindet uns mit anderen Gläubigen mehr als alle Unterschiede trennen. Dieser Blick nimmt dem Vergleich die Schärfe und dem Stolz den Boden, und er macht frei, gemeinsam in dieses Land hineinzugehen, das uns allen verheißen ist. Wer so lernt, Christus als seinen Anteil zu sehen, wird auch in dürftigen Zeiten nicht leer ausgehen, sondern entdeckt Schritt für Schritt: Der Herr hält sich selbst nicht zurück, sondern gibt sich reichlich – heute, hier, für mich und für uns.

an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, an die, die in Christus Jesus geheiligt worden sind, an die berufenen Heiligen, zusammen mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus an jedem Ort anrufen, ihres und unseres Herrn: (1.Kor 1:2)

und alle aßen dieselbe geistliche Speise, und alle tranken denselben geistlichen Trank; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; und der Fels war Christus. (1.Kor 10:3-4)

Christus als „ihr und unser“ Anteil zu sehen, löst das Herz aus der engen Perspektive des eigenen geistlichen Zustands und stellt es auf den weiten Grund des göttlichen Erbteils. So wird Glaube weniger ein Kampf um Leistung und mehr eine Bewegung hinein in das gute Land, das uns bereits gehört. Wer sich innerlich an diese Zusage hält, kann mit anderen Gläubigen dankbar auf denselben Herrn schauen, statt sich aneinander zu messen, und findet gerade darin neue Freiheit, Christus im Alltag als Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung zu erfahren.

Die Gemeinschaft des Sohnes Gottes und ein Geist mit dem Herrn

In der Anrede an die Korinther spannt Paulus einen Bogen von ihrer Berufung zu einer stillen, aber tiefen Wirklichkeit: „Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid hinein in die Gemeinschaft Seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“ (1.Kor 1:9). Gemeinschaft meint hier nicht zunächst unsere Aktivitäten, sondern ein von Gott gestiftetes Teilhaben am Sohn selbst. Wer berufen ist, steht nicht nur unter einem neuen Auftrag, sondern in einer neuen Beziehung: Gott zieht uns in den inneren Bereich des Sohnes hinein, in seinen Umgang mit dem Vater, in sein Vertrauen, seine Liebe, seine Hingabe. Die Korinther hatten viele Spannungen und Fragen, doch über all dem steht diese eine Zusage: Ihr seid hineingerufen in eine Gemeinschaft, die Gott selbst trägt.

Der Weg, den Herrn erfahrungsmäßig zu genießen, führt über Ihn als den Geist in unserem Geist. Heute ist Christus der lebengebender Geist, und wir haben einen wiedergeborenen menschlichen Geist. Wenn wir mit Ihm verbunden sind, werden wir ein Geist mit Ihm. Immer wenn wir ein Geist mit dem Herrn sind, sind wir in der Gemeinschaft des Christus. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zehn, S. 95)

Wie diese Gemeinschaft konkret wird, erklärt Paulus später mit einem dichten Satz: „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist“ (1.Kor 6:17). Der Heilige Geist, der aus dem verherrlichten Christus hervorgegangen ist, wohnt in den Gläubigen; unser menschlicher Geist ist durch Wiedergeburt lebendig geworden. In diesem inneren Bereich verbindet Gott uns mit Christus so innig, dass Paulus von einem „ein Geist“ sprechen kann. Anhängen meint nicht bloß eine äußere Nachfolge, sondern eine innere Hinwendung: sich an Christus halten, auf ihn setzen, ihn im Verborgenen des Herzens suchen. Immer, wenn wir innerlich unser Gewicht auf ihn verlagern, tritt diese gemeinsame Wirklichkeit hervor – nicht als Gefühlskonzert, sondern als eine stille, tragende Gegenwart, in der sein Leben in uns wirksam wird.

Je bewusster diese Gemeinschaft gelebt wird, desto mehr beginnt sie, unser Denken und Empfinden zu prägen. Paulus formuliert an anderer Stelle: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). Diese Aussage beschreibt keine plötzliche Entpersönlichung, sondern das Wachsen einer inneren Übereinstimmung. In der Gemeinschaft des Sohnes Gottes lernen wir, Situationen nicht nur mit unseren Augen zu sehen, sondern im Licht dessen, wie Christus sie sieht; wir lernen, auf seine leise Leitung im Geist zu achten und uns nicht mehr selbstverständlich von Impulsen des alten Menschen treiben zu lassen. So wird der Satz „ein Geist mit dem Herrn“ zu einer praktischen Hilfe mitten in Versuchung, Entmutigung oder innerer Zerrissenheit: Es gibt einen Ort in mir, an dem Christus gegenwärtig ist und mit mir verbunden bleibt, auch wenn vieles nach außen hin unübersichtlich ist.

Gerade darin liegt ein großer Trost und eine stille Ermutigung. Die Gemeinschaft des Sohnes Gottes hängt nicht an der Stabilität unserer Gefühle, sondern an der Treue dessen, der beruft. Auch wenn unser Empfinden schwankt, bleibt die Zusage bestehen: Gott hat dich hineingerufen, und er verbindet dich mit seinem Sohn tiefer, als du es überblickst. Wer dem Herrn anhängt, entdeckt mit der Zeit, dass diese Gemeinschaft nicht nur schwierige Stunden trägt, sondern auch den Alltag durchwirkt – in Entscheidungen, in Beziehungen, in Arbeit und Ruhe. Und während dieser unsichtbare Strom des Lebens fließt, wächst im Herzen eine leise Gewissheit: Ich bin nicht allein unterwegs, sondern laufe im gemeinsamen Schritt mit dem Sohn, in dessen Gemeinschaft ich berufen bin.

Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid hinein in die Gemeinschaft Seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1.Kor 1:9)

Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist. (1.Kor 6:17)

Die Berufung in die Gemeinschaft des Sohnes Gottes und die Wirklichkeit, ein Geist mit dem Herrn zu sein, verlagert den Schwerpunkt des Glaubens vom ständigen Kreisen um das eigene geistliche Befinden hin zu einer vertrauensvollen Hinwendung zu Christus selbst. Wer sich innerlich an ihn hängt, darf damit rechnen, dass seine Gegenwart auch dort trägt, wo das eigene Vermögen erschöpft ist. So wird die unsichtbare Gemeinschaft mit Christus zu einer stillen Kraftquelle, aus der Mut, Klarheit und Trost erwachsen – nicht weil wir vieles im Griff hätten, sondern weil wir in dem leben, der uns treu in seine Gemeinschaft hineingerufen hat.

Das Mahl des Herrn und der Genuss Christi als gutes Land

Als Paulus den Blick der Korinther auf das Mahl des Herrn lenkt, stellt er es in einen weiten geschichtlichen Zusammenhang. Er erinnert an Israel in der Wüste: „Denn ich will nicht, dass ihr unwissend darüber seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgezogen sind; und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden und alle aßen dieselbe geistliche Speise und alle tranken denselben geistlichen Trank“ (1.Kor 10:1–4). Ausgang, Taufe, Versorgung – alles war einheitlich, und doch „sind an den meisten von ihnen […] in der Wüste hingestreckt worden“ (1.Kor 10:5). Die Geschichte der Kinder Israels wird so zu einem Spiegel: Es ist möglich, viel von Gottes Handeln zu erfahren und dennoch das Ziel, das gute Land, nicht zu erreichen. Im Licht des Neuen Testaments ist dieses Land ein Bild für Christus selbst als unseren weiten Raum und reiches Erbteil.

Auch ihr Gläubigen in Korinth habt ein von Gott verheißenes Ziel, und dieses Ziel ist, in Christus als das gutes Land einzugehen. Es besteht jedoch durchaus die Möglichkeit, dass ihr Christus als das Land nicht erreicht, sondern in der Wüste zerstreut werdet und dadurch die Verheißung verfehlt, Christus als das Land zu erreichen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zehn, S. 93)

In dieses Bild hinein entfaltet Paulus die Bedeutung des Mahls: „Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1.Kor 10:16). Das Mahl des Herrn ist nicht nur ein Erinnern an vergangene Ereignisse, sondern gegenwärtige Teilhabe am gekreuzigten und auferstandenen Christus. So wie Israel in der Wüste Speise und Trank empfing, um auf dem Weg zum Land zu bestehen, so nährt Christus seine Gemeinde auf dem Weg in die Fülle seiner selbst. Der Kelch erinnert daran, dass sein Blut den Weg zu Gott endgültig geöffnet hat; das Brot weist auf seinen Leib hin, der hingegeben wurde, damit ein neuer Leib entstehen kann – der Leib Christi. Wer dieses Mahl im Glauben empfängt, bestätigt still: Christus ist meine Speise, mein Trank, meine Kraft; ohne ihn bleibe ich geistlich in der Wüste stehen.

Darum betont Paulus unmittelbar die Einheit, die aus diesem gemeinsamen Genuss wächst: „Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen; denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1.Kor 10:17). Am Tisch des Herrn treten nicht zuerst unsere Unterschiede hervor, sondern unsere gemeinsame Teilhabe an Christus. Der eine Kelch und das eine Brot machen sichtbar, was innerlich bereits gilt: Wir sind durch denselben Herrn erkauft, leben aus derselben Gnade und sind auf dasselbe Ziel hin unterwegs. Gleichzeitig liegt im Mahl eine ernsthafte Warnung: Wer sich am Tisch des Herrn niederlässt und zugleich leichtfertig mit Götzen, Unzucht oder Zwietracht spielt, lebt in einem inneren Widerspruch, der die Teilhabe an Christus verdunkelt. Die Geschichte Israels zeigt, wie Gier, Götzendienst und Murren den Weg ins Land blockieren können; der Tisch des Herrn ruft uns zu einer anderen Haltung, in der Dankbarkeit, Vertrauen und Hingabe wachsen.

So ist das Mahl des Herrn eine stille, aber kraftvolle Ermutigung für den Weg. Es sagt uns: Ihr seid nicht bestimmt, geistlich in der Wüste zu kreisen, sondern in die Fülle Christi hineinzuwachsen. Jeder bewusste Gang zum Tisch des Herrn ist wie ein Schritt hinein in das gute Land, das euch verheißen ist – nicht aus eigener Tüchtigkeit, sondern aus seiner Treue. Wer in diesem Sinn das Brot bricht und den Kelch des Segens nimmt, darf neu damit rechnen, dass Christus selbst seine Gemeinde trägt, nährt und zusammenhält. Inmitten aller Schwachheit bleibt sein Tisch ein Ort, an dem die Verheißung hörbar wird: Das Ziel ist nicht Ferne, sondern Teilhabe – nicht Mangel, sondern der reiche Christus als unser alles einschließendes Land.

Denn ich will nicht, dass ihr unwissend darüber seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgezogen sind; und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden und alle aßen dieselbe geistliche Speise, und alle tranken denselben geistlichen Trank; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; und der Fels war Christus. (1.Kor 10:1-4)

An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden. (1.Kor 10:5)

Das Mahl des Herrn verbindet die ernste Warnung vor einem Leben, das sich in der geistlichen Wüste verliert, mit der tröstlichen Zusage, dass Christus sich selbst als Speise und Trank darreicht. Wer diesen Tisch nicht als leeres Ritual, sondern als Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn versteht, findet dort Orientierung und Stärkung für den Weg in seine Fülle. So wird jeder Empfang von Brot und Kelch zu einer stillen Bekräftigung: Ich lebe nicht aus eigener Kraft, sondern aus dem, was Christus für mich getan hat und heute für mich ist – und ich bin mit allen verbunden, die an demselben Brot teilhaben.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Corinthians, Chapter 10

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