Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Gebet des Lebens (2)

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Viele Christen sehnen sich nach Einheit, erleben aber in der Praxis eher Distanzen, Missverständnisse und Trennungen. Das große Gebet des Herrn in Johannes 17 öffnet uns den Blick dafür, dass echte Einheit nicht durch Absprachen oder Organisation entsteht, sondern aus dem Leben Gottes selbst hervorgeht. Wenn wir entdecken, was es bedeutet, Gott wirklich als unseren Vater zu kennen und in Seinem Leben zu leben, verändert dies unser Beten, unsere Beziehungen und unser Verständnis von Gemeinde radikal.

Der Vater als Quelle des göttlichen Lebens

Wenn Jesus in Johannes 17 mit erhobenen Augen zum Himmel spricht, wendet Er sich nicht an einen fernen, namenlosen Gott, sondern an „Vater“. Damit öffnet Er ein inneres Geheimnis: Gott ist nicht nur Ursprung der Schöpfung, sondern Quelle eines göttlichen Familienlebens. In 1. Mose begegnen wir Ihm zuerst als mächtigem Schöpfer, der durch Sein Wort Licht, Erde und Leben hervorruft. Später offenbart Er sich als Jehova, der den Bund schließt und treu zu Seinem Volk steht. Im Sohn aber tritt die tiefste Wirklichkeit ans Licht: Der Ewige lässt sich „Vater“ nennen und teilt Sein eigenes Leben mit Menschen. Wenn Jesus sagt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab, damit jeder, der in Ihn hineinglaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3:16), spricht Er nicht nur von einer neuen Zukunft, sondern von einer neuen Quelle im Innern. Ewiges Leben ist nicht bloß endlose Dauer, sondern die Teilnahme am Leben des Vaters selbst. Darum ist „Vater“ kein frommer Ehrentitel, den wir ehrfürchtig aussprechen, während wir innerlich doch Waisen bleiben. Wer an den Sohn glaubt, wird, wie Johannes schreibt, aus Gott geboren und erhält Anteil an Gottes Natur; Petrus bezeugt, dass wir „nicht aus verderblichem Samen wiedergeboren worden seid, sondern aus unverderblichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1. Petrus 1:23). Der Vater hat Leben in Sich Selbst und teilt dieses Leben aus – nicht als Idee, sondern als wirkende, verwandelnde Kraft. In Seinen Augen sind wir daher nicht entfernte Angeheiratete eines himmlischen Haushalts, sondern echte Kinder in Leben und Natur. Wo dieses Bewusstsein in uns Raum gewinnt, verändert sich das Gebet: Es wird weniger Bittgang zu einem fernen Herrscher und mehr Heimkehr zum Vaterhaus, in dem wir „Abba, Vater“ sagen dürfen. In dieser Beziehung wächst eine stille, aber starke Freiheit. Wer den Vater als Quelle seines Lebens entdeckt, muss sich nicht mehr an religiösen Äußerlichkeiten festhalten, um sich seiner Stellung zu versichern. Die Sicherheit liegt in der treuen Liebe dessen, der uns hervorbringt, trägt und zur Reife führen will. Die Geschichte Gottes mit Seinem Volk – von 1. Mose bis zur Offenbarung – ist die Geschichte eines Vaters, der für Seine Familie sorgt und sie durch alles hindurch zu Seinem Ziel bringt. So kann das Herz, das den Vater kennt, inmitten von Unsicherheit ruhen: Nicht die eigene Kraft hält das Leben, sondern die Quelle selbst. Und je mehr wir aus dieser Quelle trinken, desto stärker wird die Gewissheit: Das Gebet des Lebens ist kein einsamer Ruf in den Himmel, sondern die Antwort eines Kindes auf den liebevollen Ruf des Vaters.

Der Vater ist die Quelle des Lebens. Darauf weist das Wort des Herrn in 5:26 hin, wo es heißt: „Der Vater hat Leben in Sich Selbst.“ In der ganzen Schrift, besonders im Evangelium nach Johannes, steht der Vater für die Quelle des Lebens. Selbst in einer menschlichen Familie ist der Vater die Quelle des Lebens dieser Familie. So wie der Vater einer Familie die eigentliche Quelle und der Ursprung des Lebens ist, so macht der Name Vater deutlich, dass der Vater die Quelle des Lebens ist. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft neununddreißig, S. 471)

Diese innige Wirklichkeit ist auch die Grundlage aller geistlichen Einheit. Einheit entspringt nicht zuerst gemeinsamen Ansichten, gleichen Formen oder harmonierenden Temperamenten, sondern der einen Lebensquelle. Wie Kinder einer irdischen Familie durch das Leben ihres Vaters verbunden sind, so sind alle, die aus Gott geboren sind, innerlich miteinander verwandt. Wenn Jesus den Vater offenbart, öffnet Er zugleich die Tür in eine Familie, in der jeder den gleichen Ursprung hat. Wo das Herz lernt, in dieser Kindschaft zu leben, beginnt es, die anderen nicht mehr nach äußeren Kriterien zu sortieren, sondern in ihnen dieselbe Spur des väterlichen Lebens zu erkennen. So entsteht eine Einheit, die nicht mühsam konstruiert, sondern organisch gewachsen ist. Sie ist zart und zugleich erstaunlich tragfähig, weil sie aus dem gleichen göttlichen Leben gespeist wird. Der Vater, der uns neu geboren hat, ist derselbe, der unsere Geschwister neu geboren hat. In dieser einfachen Einsicht liegt eine große Befreiung: Wir müssen Einheit nicht machen, wir dürfen sie aus der Hand des Vaters empfangen. Und gerade diese Haltung schenkt einen tiefen Trost für den Weg: Wer in der Nähe des Vaters lebt, braucht Spaltungen nicht zu dramatisieren und Unterschiede nicht zu leugnen. Er darf darauf vertrauen, dass derselbe Vater, der das Leben gegeben hat, es auch wachsen, heilen und zusammenführen wird – bis das Gebet des Sohnes erfüllt ist und die Familie Gottes sichtbar eins wird in der Liebe des Vaters.

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab, damit jeder, der in Ihn hineinglaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. (Joh. 3:16)

da ihr nicht aus verderblichem Samen wiedergeboren worden seid, sondern aus unverderblichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. (1.Petr. 1:23)

Das ruhige Sich-Einlassen auf Gott als unseren Vater verändert, wie wir uns selbst, die anderen Gläubigen und die Gemeinde sehen. Wo Sein Leben zur inneren Mitte wird, verliert die Frage, wer recht hat, an Gewicht, und die Frage, aus welcher Quelle wir leben, rückt in den Vordergrund. So wächst eine Einheit, die nicht durch Druck, sondern durch gemeinsames Vertrauen in die treue Liebe des Vaters getragen wird – und unser Gebet wird zum Ausdruck dieses vertrauten, kindlichen Herzens.

Eins in der Familie Gottes durch das Leben des Vaters

In der Mitte des Gebets von Johannes 17 steht ein Satz, der tief in das Herz Gottes blicken lässt: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir“ (Johannes 17:11). Der Name des Vaters ist mehr als eine Anrede; in ihm schwingt die ganze Wirklichkeit Seiner Person mit – Sein Wesen, Sein Leben, Sein Herz. Wenn Jesus bittet, dass wir in diesem Namen bewahrt werden, geht es um ein Bleiben im Bereich des göttlichen Lebens. Wie leibliche Geschwister durch das gleiche väterliche Leben verbunden sind, werden die Glaubenden durch das Leben des Vaters zu einer neuen, geistlichen Familie zusammengefügt. Diese Einheit ist darum nicht in erster Linie eine Übereinstimmung in Lehrmeinungen oder in Gemeindestrukturen. Sie gründet in der gemeinsamen Neugeburt aus Gott. Das göttliche Leben, das uns geschenkt wurde, ist eins; es kennt keine konfessionellen Grenzen und keine kulturellen Schubladen. In diesem Licht gewinnt das Wort aus 1. Petrus neue Tiefe: Wir sind „auserwählt … nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters in der Heiligung des Geistes“ (1. Petrus 1:2). Was uns verbindet, ist der Vater, der uns kennt, der Geist, der uns heiligt, und das Leben, das in uns wirkt. Wo dieses Bewusstsein wächst, verlieren äußere Unterschiede ihre trennende Macht; sie bleiben real, aber sie werden von einer tieferen Verwandtschaft unterlaufen.

In diesen Versen sehen wir im Griechischen, dass der Vater zwei Arten von Worten hat: logos, das beständige Wort, in Vers 6, und rhema, die augenblicklichen Worte, in Vers 8. Sowohl das logos als auch das rhema gebraucht der Herr, um den Gläubigen ewiges Leben mitzuteilen. Das logos, das beständige Wort, ist immer dasselbe. Das geschriebene Wort in der Bibel ist das logos. Wenn du jedoch das logos liest, wird der Geist einen Satz, eine Wendung oder sogar ein einziges Wort gebrauchen, um dich zu inspirieren, und dieses Wort wird dann zum augenblicklichen Wort. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft neununddreißig, S. 475)

Johannes macht deutlich, dass dieses Leben durch das Wort vermittelt wird. Das geschriebene, beständige Wort – das logos – ist wie ein ständig fließender Strom. Doch während wir diesem Strom begegnen, macht der Geist einzelne Worte oder Sätze zum augenblicklichen Wort – zum rhema –, das uns persönlich trifft, tröstet, korrigiert und lebendig macht. Petrus beschreibt diese Wirkweise, wenn er sagt, wir seien „durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ wiedergeboren (1. Petrus 1:23). So werden wir alle an derselben Quelle geschult, getröstet und zurechtgebracht; und gerade das baut eine tiefe, praktische Einheit. Im Alltag zeigt sich das auf einfache, aber kraftvolle Weise. Wo jeder aus seinem eigenen Empfinden, aus seinem Temperament oder aus alten Verletzungen lebt, wachsen Misstrauen, Fraktionen und stille Distanzen. Wo aber das Leben des Vaters Raum gewinnt, rückt etwas anderes in den Mittelpunkt: Wir beginnen, einander nicht zuerst nach dem zu beurteilen, was uns trennt, sondern nach dem gemeinsamen Ursprung. Dann wird die Frage leiser, wer recht behält, und lauter die Frage, wie das göttliche Leben in uns beiden weiterwirken kann. So wird die Familie Gottes konkret erfahrbar – als ein Ort, an dem Unterschiedlichkeit nicht geleugnet, aber vom gemeinsamen Leben des Vaters getragen wird.

Aus dieser Sicht wird Einheit zu einer Freude und nicht zu einer Last. Sie ist nicht das Resultat mühsamer Verhandlungen, sondern die Frucht eines gemeinsam geteilten Lebens. Wenn Glaubende aus verschiedenen Hintergründen zusammenkommen und dennoch ein inneres „Wir gehören zusammen“ spürbar wird, zeigt sich die Realität des Vaterslebens mitten in einer zerissenen Welt. Dann wird auch verständlicher, warum der Herr so intensiv um diese Einheit betet: In ihr scheint die Wirklichkeit des Vaters auf, und durch sie werden wir als Sein Leib aufgebaut. Wer so auf Einheit blickt, wird nicht so leicht von Enttäuschungen in der Gemeinde überwältigt. Verletzungen und Missverständnisse bleiben schmerzlich, aber sie sind nicht das letzte Wort. Das letzte Wort hat der Vater, der Sein Leben in uns gelegt hat und es nicht zurücknimmt. Aus dieser Sicherheit wächst die Bereitschaft, neu aufeinander zuzugehen, zu vergeben, zuzuhören und dem inneren Zeugnis des Geistes mehr zu vertrauen als den eigenen Berechnungen. Die Familie Gottes wird dann nicht zu einem idealen Ort ohne Spannungen, sondern zu einem Raum, in dem das Leben des Vaters stärker ist als alle Trennungen – und genau darin liegt ihre geistliche Schönheit.

die auserwählt wurden nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters in der Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung des Blutes Jesu Christi: Gnade euch und Friede werde euch vermehrt. (1.Petr. 1:2)

da ihr nicht aus verderblichem Samen wiedergeboren worden seid, sondern aus unverderblichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. (1.Petr. 1:23)

Wo das Leben des Vaters zur gemeinsamen Mitte wird, verändert sich der Blick auf die Gemeinde. Statt in erster Linie Differenzen und Defizite zu sehen, wächst das Empfinden für eine tiefe Verwandtschaft, die Gott selbst gestiftet hat. Das schenkt Geduld, macht versöhnungsbereit und nährt die Hoffnung, dass der Vater, der uns zusammengebracht hat, auch fähig ist, uns über alle Hindernisse hinweg zu einer erfahrbaren, freudigen Einheit zu führen.

Gebet als Teilnahme an der Freude und Herrlichkeit des Vaters

Wenn der Herr am Ende Seines Weges betet, leuchtet in Johannes 17 eine überraschende Tonlage auf: Mitten in Ernst und Kampf spricht Er von Freude. „Jetzt aber komme Ich zu Dir; und dies rede Ich in der Welt, damit sie Meine Freude völlig in Sich haben“ (Johannes 17:13). Das Gebet des Sohnes zum Vater ist nicht von Schwere allein erfüllt; es ist durchzogen von einer Freude, die aus der Gewissheit des Vaters und aus der geschauten Herrlichkeit kommt. Jesus nimmt Seine Jünger gleichsam in dieses Gespräch hinein, damit dieselbe Freude, die Sein eigenes Herz trägt, auch in ihnen Wohnung nimmt. Diese Freude hängt eng mit der Herrlichkeit zusammen, von der Er in demselben Gebet spricht. Er weiß sich in der Liebe des Vaters geborgen, noch bevor die Welt war, und Er weiß, dass diese Liebe nun viele Söhne hervorbringt, die „bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen“ (vgl. Johannes 17:24). Herrlichkeit ist hier nicht zuerst äußere Pracht, sondern die strahlende Wirklichkeit des göttlichen Lebens in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist. Indem Jesus betet, öffnet Er eine Tür in diese Wirklichkeit. Gebet wird so nicht nur zur Bitte um Bewahrung und Hilfe, sondern zum Eintritt in die Freude des Sohnes und in die Herrlichkeit des Vaters.

In Vers 13 sagte der Herr zum Vater: „Jetzt aber komme Ich zu Dir; und dies rede Ich in der Welt, damit sie Meine Freude völlig in Sich haben.“ Die Fülle der Freude liegt in der wirklichen Einsheit. Wenn wir im Namen des Vaters durch das Leben des Vaters eins sind und gemeinsam den Vater genießen, werden wir die Freude des Herrn völlig in uns haben. Das ist der Grund, warum wir, wenn wir wirklich eins sind, mit Lobpreis zum Vater erfüllt sind. Dieser Lobpreis ist einfach das Überfließen der inneren Freude. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft neununddreißig, S. 480)

Das Vaterunser gibt uns einen einfachen, aber tiefen Zugang zu diesem Geheimnis: „Ihr nun sollt auf diese Weise beten: Unser Vater, der Du in den Himmeln bist, geheiligt werde Dein Name“ (Matthäus 6:9). Wo Gott als Vater angeredet wird und Sein Name geheiligt, das heißt als einzigartig und kostbar behandelt wird, tritt das Herz in denselben Raum ein, in dem auch Jesus betet. Dort verschiebt sich das Gewicht unserer Anliegen. Äußere Nöte, die uns zuvor überwältigt haben, werden nicht verdrängt, aber sie treten in den Hintergrund einer größeren Wirklichkeit: Wir gehören zu einem Vater, dessen Herrlichkeit und Plan größer sind als unsere aktuellen Fragen. In dieser Perspektive beginnt das Gebet, aus der engen Bahn des „Ich“ herauszutreten und sich am Herzen des Vaters auszurichten. Je mehr das geschieht, desto stärker wird das Gebet zu einer Teilnahme an dem, was Christus bewegt. Dann geht es nicht nur um persönliche Entlastung, sondern um den Aufbau des Leibes Christi, um die Einheit der Kinder Gottes und um das Kommen des Reiches. Die Freude, von der Jesus spricht, ist die Freude über ein geeintes Volk, das den Vater gemeinsam genießt und Ihn widerspiegelt. Wo solche Einheit wächst, wird Anbetung fast unvermeidlich: Das Herz findet Worte des Lobes, weil die innere Freude überläuft. Diese Sicht bewahrt das Gebetsleben vor der Verengung. Es muss nicht mehr an der eigenen Bedürftigkeit hängen bleiben, sondern darf hineingezogen werden in die weiten Räume der väterlichen Liebe. Gerade dann, wenn äußere Umstände dunkel sind, kann dieses Hineingenommenwerden in die Freude und Herrlichkeit des Vaters zu einer tiefen inneren Stärkung werden. Die Situation ändert sich vielleicht nicht sofort, aber der Blick: Wir sehen uns selbst, die Gemeinde und die Welt im Licht eines Vaters, der Seinen Sohn gegeben hat und der uns in dieselbe Herrlichkeit hineinführen will. Aus dieser Gewissheit kann ein stilles, aber kraftvolles „Amen“ wachsen – ein Einverständnis mit Gottes Weg, das getragen ist von der Freude des Sohnes und von der Hoffnung auf den Tag, an dem die Herrlichkeit des Vaters unverhüllt aufgehen wird.

So wird Gebet zu einem Weg, auf dem der Vater unser Herz formt und weitet. Während wir mit unseren Anliegen kommen, lässt Er uns mehr von Seinem eigenen Anliegen schmecken: die Familie Gottes zu sammeln, zu heiligen und zur Einheit in der Liebe zu führen. In dieser Bewegung verlieren wir uns nicht, sondern werden gerade darin am tiefsten gefunden. Denn dort, wo wir mit Christus im Geist zum Vater treten, berühren wir den Ort, an dem wir eigentlich zuhause sind. Wer diesen Weg ein Stück weit geht, entdeckt: Gebet ist weniger Anstrengung, etwas bei Gott zu erreichen, als vielmehr die stille Kunst, sich von Ihm erreichen zu lassen. In dieser Begegnung wächst eine Freude, die nicht an Stimmungen gebunden ist, und eine Hoffnung, die nicht an sichtbare Veränderungen geknüpft ist. Sie gründet in der Gewissheit, dass der Vater uns in Seinen eigenen Lebensraum hineinzieht – jetzt schon im Verborgenen und bald in der sichtbar werdenden Herrlichkeit.

application_de”: “Wenn das Gebet aus der engen Bahn der eigenen Bedürfnisse in die weiten Räume der väterlichen Liebe geführt wird, verliert es seine Schwere und gewinnt an Tiefe. Die Freude des Sohnes und die Herrlichkeit des Vaters werden dann nicht nur Themen, über die wir sprechen, sondern Atmosphären, in denen wir beten. So entsteht ein Gebetsleben, das trägt: in den Spannungen der Gemeinde, in den Fragen des Alltags und in der Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn – genährt von der Gewissheit, dass wir in jeder Bitte schon im Hause des Vaters stehen.

Relevante Schriftstellen: Johannes 17:13, Johannes 17:22-24, Matt. 6:9, Johannes 15:11, Offb. 22:20.

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Heiliger Vater, wir danken Dir, dass Du uns nicht nur geschaffen, sondern in Deinem Sohn zu Deinen Kindern gemacht hast. Öffne unsere Herzen tiefer für das Wunder, dass wir Dich in Wahrheit Abba, Vater nennen dürfen, weil Dein eigenes Leben in uns wohnt. Lass dieses göttliche Leben in uns stärker sein als unsere Verletzungen, Meinungen und Ängste, damit Deine Einheit unter Deinen Kindern sichtbar wird. Erneuere unser Gebetsleben, sodass wir mit dem Sohn in Deinem Sinn beten, Deine Freude empfangen und Deine Herrlichkeit widerspiegeln. Stärke in uns die Gewissheit, dass wir zu Deiner Familie gehören und Du Dein Werk der Einheit und des Aufbaus vollenden wirst. In Deinem Frieden und Deiner Hoffnung wollen wir bleiben, bis der Herr wiederkommt. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of John, Chapter 39