Das Wort des Lebens
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Die Himmelfahrt des Menschen-Erretters (1)

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Wenn Christen an die Himmelfahrt Jesu denken, sehen sie oft nur das Bild, wie der Herr in den Himmel aufgenommen wird – aber was geschah geistlich in diesem Augenblick, und was bedeutet das heute für uns? Die Bibel zeigt, dass dieser Moment weit mehr war als ein Abschied: Es war der Beginn eines neuen Abschnitts im Dienst des Menschen-Erretters, in dem Er als der Erhöhte die ganze Geschichte lenkt und seine Gemeinde baut. Wer diese himmlische Seite Christi sieht, gewinnt neuen Trost, neue Ehrfurcht und neue Hoffnung.

Die Himmelfahrt als Einsetzung in das himmlische Amt

Wenn der Menschen-Erretter in den Himmel auffährt, geschieht mehr als ein triumphaler Abschied von der Erde. Vor unseren Augen steht der Abschluss eines göttlichen Weges und zugleich der feierliche Beginn eines neuen Amtes. Der, durch den alles geschaffen wurde, der in 1. Mose bereits als verheißener Same der Frau erscheint, hat die lange Strecke von Menschwerdung, verborgenem menschlichem Leben, Kreuz und Auferstehung durchmessen. Nun wird Er als Gott und Mensch, als Schöpfer und Geschöpf, als der, der erniedrigt und erhöht wurde, offiziell in ein himmlisches Amt eingeführt. Der Hebräerbrief fasst diesen Übergang mit einer dichten Formulierung: „doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte.“ (Hebr. 2:9). Die Krönung mit Herrlichkeit und Ehre ist der äußere Ausdruck dieser Einsetzung: Der Weg des Leidens endet in der öffentlichen Bestätigung Gottes über den Menschensohn.

Die Himmelfahrt des Menschen-Heilandes ist Seine Inauguration in Sein himmlisches Amt durch den Prozess der Schöpfung, der Menschwerdung, des menschlichen Lebens, der Kreuzigung und der Auferstehung als Gott und Mensch, als der Schöpfer und das Geschöpf und als der Erlöser, der Heiland und der lebensspendende Geist, um Gottes Verwaltung auszuführen und Gottes neutestamentliche Ökonomie (Haushaltung) durchzuführen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft sechsundsiebzig, S. 642)

Diese Einsetzung ist nicht symbolisch, sondern hat konkrete Folgen für Gottes Handeln in der Geschichte. Der erhöhte Christus tritt sein Amt an, um Gottes Verwaltung auszuführen und Seine neutestamentliche Heilsabsicht voranzubringen. Seine Himmelfahrt ist daher nicht das Ende seiner Wirksamkeit, sondern der Wechsel von der irdischen zur himmlischen Wirkungsweise. Von dort aus setzt Er durch den lebengebenden Geist die weltweite Verkündigung des Evangeliums in Gang, baut die Gemeinde als seinen Leib auf und lenkt die Ereignisse der Weltgeschichte im Hinblick auf Gottes Ziel. Darum kann der Hebräerbrief sagen, dass Er Sich „zur Rechten des Thrones Gottes niedergesetzt hat“ (Hebr. 12:2): Er sitzt nicht in untätiger Ruhe, sondern auf dem Thron der wirksamen Gnade. Wer auf den aufgefahrenen Christus blickt, entdeckt hinter allen sichtbaren Bewegungen der Zeit eine stille, aber feste Hand. Diese Einsicht darf Herz und Denken weiten: Der, der für uns am Kreuz hing, ist jetzt der inaugurierte Herr der Geschichte, und in seiner Verwaltung ist kein Detail unseres Lebens vergessen. So wird die Himmelfahrt zu einer Quelle leiser, aber tragfähiger Zuversicht – der Weg des Lammes ist nicht nur vollendet, er trägt uns in eine Zukunft, die von seinem himmlischen Amt her gesichert ist.

doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte. (Hebr. 2:9)

indem wir wegschauen und unseren Blick auf Jesus richten, den Urheber und Vollender unseres Glaubens, der für die vor Ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und die Schande verachtete und Sich zur Rechten des Thrones Gottes niedergesetzt hat. (Hebr. 12:2)

Die Himmelfahrt als Einsetzung des Menschen-Erretters in ein himmlisches Amt lädt dazu ein, die eigene Sicht auf Geschichte und persönliches Leben neu zu ordnen. Nicht Zufall, blinde Mächte oder menschliche Strategien haben das letzte Wort, sondern der, der durch Leiden zur Herrlichkeit gelangt ist. Wo diese Perspektive das Herz durchdringt, verwandelt sich Resignation in stille Erwartung: Der Gekreuzigte ist eingesetzt, um die neutestamentliche Heilsordnung Gottes zu vollenden – darin finden Glaubende Halt, selbst wenn der Weg im Dunkeln verläuft.

Der einzigartige Status des Erhöhten: Gott, Mensch, Schöpfer, Geschöpf

Der Christus, der heute erhöht im Himmel ist, entzieht sich jeder einfachen Kategorie. Er ist nicht bloß eine Macht, nicht nur ein Vorbild, nicht lediglich ein Prinzip der Liebe. In Ihm begegnet uns eine Person mit einem einzigartigen Status. Er ist wahrer Gott – in Ihm ist der Vater zugegen, und der Geist geht von Ihm aus – und zugleich wahrer Mensch, der durch Geburt, Wachstum, Müdigkeit, Freude und Leid gegangen ist. Als Gott ist Er der Schöpfer aller Dinge; als Mensch ist Er wirklich Teil der geschaffenen Wirklichkeit geworden. Die Schrift scheut sich nicht, diese Spannung stehen zu lassen: Der, der alles trägt, trägt auch Narben; der, der aus sich selbst Leben hat, kennt Hunger und Durst. Gerade in dieser Vereinigung von Gottheit und Menschheit liegt der Trost der Hebräer, die wissen sollen: Der erhöhte Hohepriester ist nicht fern von ihren Schwachheiten.

Als derjenige, der durch Seine Himmelfahrt in Sein himmlisches Amt inauguriert wurde, hat der Menschen-Heiland einen wunderbaren Status. Er ist sowohl Gott als auch Mensch, sowohl der Schöpfer als auch ein Geschöpf. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft sechsundsiebzig, S. 643)

Zu diesem Doppelstatus tritt hinzu, dass der erhöhte Christus zugleich Erlöser, Erretter und lebengebender Geist ist. Als Erlöser hat Er am Kreuz die Schuldfrage geklärt, als Erretter zieht Er Menschen aus der Macht der Finsternis heraus, und als lebengebender Geist wohnt Er in den Glaubenden, verbindet sie mit sich und macht sie teilhaftig seines Lebens. Wenn Er in der Himmelfahrt in sein Amt eingesetzt wird, ist es genau dieser Christus, der dort handelt: der Dreieine Gott in menschlicher Gestalt, der die Wunden der Geschichte kennt und im Innersten seines Volkes lebt. Dadurch bekommt jedes Gebet eine neue Tiefe. Wer sich an Ihn wendet, spricht nicht mit einem anonymen „da oben“, sondern mit dem, der seine Tränen kennt und doch auf dem Thron sitzt. Die Erkenntnis dieses einzigartigen Status bleibt nicht theoretisch; sie führt in Anbetung und Dankbarkeit. Und sie schenkt eine stille Freude: Über unserem begrenzten, oft brüchigen Menschsein steht ein verherrlichter Menschensohn, der Gott selbst ist und doch nicht aufgehört hat, unser Bruder zu sein. In dieser Verbindung von Nähe und Majestät liegt eine Hoffnung, die den Alltag durchdringt.

doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte. (Hebr. 2:9)

Der Blick auf den einzigartigen Status des erhöhten Christus löst das Herz aus der Enge eines rein diesseitigen Denkens. Weil unser Herr zugleich Gott und Mensch, Schöpfer und Geschöpf, Erlöser und lebengebender Geist ist, gibt es keinen Bereich unseres Lebens, den Er nicht versteht, und keinen Bereich, in den Er nicht hineinwirken könnte. Diese Gewissheit darf Glaubende innerlich aufrichten: Sie sind nicht nur von einem fernen Gott gehalten, sondern getragen von dem, der ihr Menschsein teilt und doch den Himmel erfüllt.

Gekrönt, enthront und bevollmächtigt für Gottes Verwaltung

Die Schrift beschreibt die Himmelfahrt des Menschen-Erretters mit königlichen Bildern. Sie spricht von Krönung, Thron und Herrschaft und macht damit deutlich: Der Weg durch Leiden und Tod mündet in eine reale, wirksame Regierung. Der Hebräerbrief hält uns den Gekreuzigten vor Augen, „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Hebr. 2:9), und fügt hinzu, dass Er Sich „zur Rechten des Thrones Gottes niedergesetzt hat“ (Hebr. 12:2). Diese Bilder sind keine religiöse Ausschmückung; sie bezeichnen eine neue Stellung und Vollmacht. Der erhöhte Christus ist nicht nur geehrt, Er ist enthront. Er nimmt den Platz ein, von dem aus Gottes Ratschluss ausgeführt, seine Gerechtigkeit gewahrt und seine Gnade ausgeteilt wird.

Als derjenige, der durch den Prozess der Schöpfung, der Menschwerdung, des menschlichen Lebens, der Kreuzigung und der Auferstehung hindurchgegangen ist, ist der Menschen-Heiland mit Seinem wunderbaren Status in Sein himmlisches Amt inauguriert worden, um Gottes Ökonomie auszuführen. Christus ist jetzt auf dem Thron, um das gesamte Universum zu verwalten. Er ist der einzigartige Verwalter, der König der Könige und der Herr der Herren. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft sechsundsiebzig, S. 645)

Von diesem Thron aus übt der Menschensohn ein umfassendes Amt aus. Die Offenbarung zeigt den „Thron Gottes und des Lammes“, als gäbe es nicht zwei, sondern nur einen Thron (Offb. 22:1). So eng sind Gott und das Lamm in ihrer Regierung verbunden. Der erhöhte Christus ist der einzigartige Administrator des Universums, „König der Könige und Herr der Herren“. Petrus fasst die Konsequenz der Himmelfahrt in einer Predigt zusammen: „Das ganze Haus Israel wisse darum mit Gewissheit, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ (Apg. 2:36). „Herr“ bezeichnet seine umfassende Verfügungsmacht über alles Geschaffene; „Christus“ beschreibt Ihn als den Gesalbten, der Gottes Heilsabsicht ausführt – in der Ausbreitung des Evangeliums, im Aufbau seiner Gemeinde, in der unsichtbaren Leitung von Völkern und Zeiten hin auf das neue Jerusalem.

Aus dieser himmlischen Verwaltung erwächst den Glaubenden eine stille, aber tragfähige Hoffnung. Die Weltgeschichte wirkt oft chaotisch, und auch das eigene Leben kennt Brüche, Umwege, scheinbare Sackgassen. Doch über allem steht ein Thron, und auf diesem Thron sitzt ein Menschensohn mit durchbohrten Händen. Seine Herrschaft ist nicht kalt und distanziert; sie ist durch das Kreuz hindurchgegangen und deshalb von Gnade gezeichnet. Wer sich dieser Realität stellt, muss die Schwere der Zeit nicht leugnen und kann dennoch von Herzen sagen: Meine Geschichte ist nicht herrenlos, die Geschichte der Welt ist es ebenso wenig. Die Himmelfahrt als Krönung, Inthronisierung und Bevollmächtigung Christi schenkt einen Ort, an dem das Herz zur Ruhe kommt – im Wissen, dass der erhöhte Herr seine Verwaltung nie aus der Hand gibt und alle Wege auf die Vollendung seiner guten Heilsordnung zulaufen.

doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte. (Hebr. 2:9)

indem wir wegschauen und unseren Blick auf Jesus richten, den Urheber und Vollender unseres Glaubens, der für die vor Ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und die Schande verachtete und Sich zur Rechten des Thrones Gottes niedergesetzt hat. (Hebr. 12:2)

Die Gewissheit, dass Christus jetzt gekrönt, enthront und bevollmächtigt über allem steht, macht nicht passiv, sondern befreit von lähmender Angst. Unter seinem Blick verlieren auch unverständliche Wegstrecken nicht ihren Sinn, selbst wenn er uns verborgen bleibt. Wer seinen Alltag im Licht dieses Thrones betrachtet, entdeckt: Keine Entscheidung und keine Not muss isoliert getragen werden. Über allem regiert der Menschensohn, und in der Gemeinschaft mit Ihm wächst jene Ruhe und jener Mut, die nicht aus uns stammen, sondern aus seiner unerschütterlichen Herrschaft.


Herr Jesus Christus, du erhöhter Menschen-Erretter, wir beten dich an als den, der als Gott und Mensch, als Schöpfer und Geschöpf, als Erlöser und lebengebender Geist in das himmlische Amt eingesetzt wurde. Danke, dass du mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt bist und doch unsere Schwachheit, unseren Kampf und unsere Fragen kennst. Lass die Gewissheit deiner Regentschaft tief in unsere Herzen sinken, damit Angst, Verzagtheit und Resignation weichen und ein stilles Vertrauen auf dich wächst. Richte unseren Blick immer wieder von den sichtbaren Umständen auf deinen Thron, von dem aus du deine Gemeinde baust und alle Dinge zum Besten führst. Erfülle uns mit dem Trost deines Geistes, damit wir mitten im Alltag aus deiner himmlischen Wirklichkeit leben und deine Herrlichkeit widerspiegeln. Dir gehört das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 76