Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Auferstehung des Menschen-Erretters (3)

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Viele Christen verbinden Auferstehung vor allem mit dem leeren Grab und der objektiven Tatsache, dass Christus den Tod überwunden hat. Aber das Neue Testament zeichnet ein noch tieferes Bild: Derselbe Herr, der für uns starb und auferstand, kommt in einer neuen Weise zu seinen Jüngern, nicht mehr nur äußerlich unter ihnen, sondern innerlich in ihnen wohnend. Wer dieses Geheimnis des dreieinen Gottes in der Auferstehung Christi entdeckt, beginnt zu verstehen, warum Auferstehung nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit, sondern die Quelle eines gegenwärtigen, geistdurchtränkten Lebens ist.

Die Umgestaltung Christi zum lebengebenden Geist

Die Auferstehung des Menschen-Erretters ist mehr als ein machtvolles Wunder am Grab; sie ist ein Wendepunkt im Sein Christi. Paulus fasst dies in wenigen, dichten Worten zusammen: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist“ (1. Korinther 15:45). Der, der als Sohn Gottes vor aller Zeit in göttlicher Herrlichkeit existierte, trat in 1. Mose angekündigt und in den Evangelien sichtbar in unser Fleisch ein, lebte als wirklicher Mensch, starb einen wirklichen Tod – und ging in der Auferstehung in eine neue Seinsweise über. Nicht so, dass Er aufhörte, der ewige Sohn zu sein, sondern so, dass alles, was Er in der Menschwerdung, im menschlichen Leben und am Kreuz geworden und durchgangen ist, nun in der Gestalt des Geistes zu uns kommen kann. Die Schrift spricht darum zugleich von einem „anderen Beistand“ und vom Kommen Jesu selbst: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit … Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen; Ich komme zu euch“ (Johannes 14:16.18).

Der erste Punkt in Bezug auf den subjektiven Aspekt der Auferstehung des Menschen-Erretters ist, dass die Auferstehung Christi Seine Umgestaltung in den lebengebenden Geist war, damit Er in Seine Gläubigen hineinkommen konnte (1. Kor. 15:45b; Joh. 14:16–20). Die Auferstehung Christi als Seine Umgestaltung ist eine schwer zu erklärende Angelegenheit, denn dies betrifft die Göttliche Dreieinigkeit. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsiebzig, S. 612)

In dieser Umgestaltung des Christus zum lebengebenden Geist wird die Distanz zwischen dem verherrlichten Herrn und dem glaubenden Menschen endgültig überbrückt. Der Auferstandene bleibt der gleiche Jesus, mit den Nägelmalen und der durchbohrten Seite, und doch ist Er nicht mehr nur neben den Seinen, sondern in ihnen. Petrus preist Gott: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1. Petrus 1:3). Diese lebendige Hoffnung ist nicht bloß ein Licht am Ende des Lebens, sondern eine innere Quelle: der lebengebende Geist, der in unsern Geist hineinkommt, um unser Leben und alles zu sein. Darin liegt tiefer Trost und stille Ermutigung: Der, der für uns gestorben ist, bleibt nicht in einer fernen Vergangenheit; Er ist uns näher als unser eigener Atem. Wer an Ihn glaubt, trägt den Menschen-Erretter im Inneren – als Geist, der Leben spendet, erneuert, trägt und leise, aber wirksam unsere ganze Existenz durchdringen will.

So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist. (1.Kor 15:45)

und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, (Joh. 14:16)

Wer die Auferstehung so sieht, beginnt sich selbst nicht mehr als von Christus getrennten, mühsam nachahmenden Christen zu verstehen, sondern als einen Menschen, in dem der lebengebende Geist real wohnt. In Versuchungen, in Müdigkeit, in innerer Leere ist dann nicht zuerst eigener Wille gefragt, sondern das stille Sich-Ausrichten auf den, der in uns lebt. So wird Auferstehung vom Dogma zur Gegenwart: Der Dreieine Gott, wie Er sich in Christus offenbart hat, macht unser Herz zu Seiner Wohnung und unser alltägliches, oft unspektakuläres Leben zu einem Ort göttlicher Lebendigkeit.

Der dreieine Gott: nicht getrennt, sondern wohnend ineinander

Wer die Auferstehung Christi betrachtet, stößt unweigerlich auf das Geheimnis des dreieinen Gottes. Die Worte Jesu durchkreuzen jede Vorstellung, der Vater bleibe im fernen Himmel, während der Sohn einsam auf der Erde wirkt und der Geist erst später, gewissermaßen als dritte, unabhängige Instanz, hinzukommt. Jesus sagt offen: „Und Er, der Mich gesandt hat, ist mit Mir; Er hat Mich nicht allein gelassen, denn Ich tue allezeit die Dinge, die Ihm gefallen“ (Johannes 8:29). Und in der Stunde der Verlassenheit durch die Jünger bezeugt Er: „Doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Johannes 16:32). Hier wird sichtbar, dass Sendung nicht Trennung bedeutet, sondern Gegenwart: Wenn der Sohn kommt, kommt der Vater mit. Wenn der Sohn handelt, handelt der Vater in Ihm.

Das Neue Testament offenbart, dass, als der Sohn kam, Er mit dem Vater kam. In Bezug darauf sagt Johannes 8:29: „Und der, welcher mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen.“ Als der Sohn auf der Erde war, war Er nicht allein, denn der Vater war immer mit Ihm: „Ich bin nicht allein, weil der Vater bei mir ist“ (Joh. 16:32). Der Herr Jesus sagte sogar zu Seinen Jüngern, dass Er im Vater sei und der Vater in Ihm: „Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist“ (Joh. 14:11a). Dass der Sohn im Vater ist und der Vater im Sohn ist eine Sache der Innewohnung, ein Wort, das wir kennen müssen für den Ausdruck der tieferen Wahrheit in Bezug auf den dreieinen Gott, wie sie in den Schriften offenbart ist. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsiebzig, S. 613)

Noch deutlicher wird dies, wenn der Herr den Jüngern sein innerstes Verhältnis zum Vater öffnet: „Glaubt Mir, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist; aber wenn nicht, glaubt doch der Werke selbst wegen“ (Johannes 14:11). Christus redet nicht nur von einem Miteinander, sondern von einem Ineinander: Der Vater in Ihm und Er im Vater. Diese gegenseitige Innewohnung ist auch der Schlüssel zum Verständnis des Geistes, den Er verheißen hat. Denn im selben Abschnitt kündigt Er den „Geist der Wirklichkeit“ an, der „bei euch bleibt und in euch sein wird“, und fügt unmittelbar hinzu: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen; Ich komme zu euch … An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch“ (Johannes 14:17–20). Der Geist kommt – und damit kommt der Sohn; der Sohn kommt – und mit Ihm der Vater. In der Auferstehung tritt der dreieine Gott nicht auseinander, sondern tritt als der eine, in sich wohnende Gott in die Glaubenden ein. So wird Auferstehung zur Offenbarung der innigsten Einheit Gottes und gleichzeitig zur Zusage, dass diese Einheit wie ein stilles, göttliches Milieu unser Inneres erfüllt.

Wenn der Geist in uns Wohnung nimmt, zieht darum nicht eine anonyme Kraft ein, sondern der Vater mit dem Sohn im Geist. Wer so von Gott denkt, wird innerlich gesammelt und frei von der Angst, irgendwo „nur mit einer Seite Gottes“ zu tun zu haben. In jeder Berührung mit dem Geist Christi berührt der Glaube den ganzen Dreieinen. Das macht unser geistliches Leben zugleich ehrfürchtig und geborgen: Wir stehen nicht vor wechselnden Gesichtern Gottes, die wir auseinanderhalten müssten, sondern werden hineingenommen in das liebende Ineinander von Vater, Sohn und Geist, das in der Auferstehung in unsere Geschichte getreten ist.

Und Er, der Mich gesandt hat, ist mit Mir; Er hat Mich nicht allein gelassen, denn Ich tue allezeit die Dinge, die Ihm gefallen. (Joh. 8:29)

Siehe, es kommt die Stunde und ist gekommen, daß ihr euch zerstreuen werdet, ein jeder in seine Heimat und mich allein lassen werdet; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. (Joh. 16:32)

So wird unser Beten stiller und zugleich gewisser: Wenn im Namen Jesu geredet wird, ist der Vater nicht fern, und wo der Geist im Herzen wirkt, ist Christus nicht abwesend. Der dreieine Gott handelt ungeteilt, auch wenn Er sich in drei Personen zu erkennen gibt. Wer sich diesem Geheimnis anvertraut, findet Halt mitten in der Zersplitterung des Alltags: In der inneren Wohnung des Geistes ist eine göttliche Einheit gegenwärtig, die stärker ist als alle äußere Zerstreuung. Aus dieser Einheit heraus können Herz und Gedanken neu gesammelt werden – nicht durch Anstrengung, sondern durch die leise Gewissheit: Gott selbst, Vater, Sohn und Geist, wohnt in mir.

Der allumfassende Geist in uns: Menschwerdung, Leben und Kreuz im Glaubenden wirksam

Die Umgestaltung Christi zum lebengebenden Geist bedeutet, dass dieser Geist alles in sich trägt, was Christus in der Fleischwerdung, im menschlichen Leben und am Kreuz erfahren hat. In der Menschwerdung wurde dem ewigen Sohn etwas hinzugefügt, das Er zuvor nicht hatte: die wirkliche menschliche Natur. So wurde Er zum Gott-Menschen, ganz göttlich und ganz menschlich, und ging in einem unscheinbaren, aber gehorsamen „menschlichen Leben“ durch alle Spannungen, Versuchungen und Mühen dieser Welt. Dann kam der Weg ans Kreuz, wo Er einen allumfassenden Tod starb – als Lamm Gottes für die Sünde, als letzter Adam, der die alte Menschheit mit sich hinabträgt, als Friedensstifter, der Feindschaft in sich selbst richtet. Jesus selbst deutet dieses Sterben mit dem Bild des Samenkorns: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24).

Als Gott ferner durch die Menschwerdung kam, wurde Ihm etwas hinzugefügt - das Element der Menschheit. Vor der Menschwerdung war der Sohn Gottes lediglich göttlich; Er hatte nicht die menschliche Natur. Aber als Er durch die Menschwerdung kam, wurde Ihm die Menschheit hinzugefügt. Auf diese Weise wurde Er ein Gott-Mensch, eine Person, die sowohl göttlich als auch menschlich ist. Dieser Gott-Mensch erlebte ein menschliches Leben auf der Erde dreiunddreißig und ein halbes Jahre lang. Dann ging Er ans Kreuz und starb einen allumfassenden Tod. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsiebzig, S. 617)

In der Auferstehung bleibt all dies nicht hinter Jesus zurück, als wären Menschsein, Leidensweg und Kreuz nur eine vorübergehende Phase gewesen. Gerade in der Auferstehung werden diese Erfahrungen gleichsam in den Geist „hineingenommen“, so dass der Geist, der jetzt in den Glaubenden wohnt, der Geist des Gott-Menschen mit seinem gelebten Gehorsam, seiner Sanftmut, seiner Leidensbereitschaft und der Kraft seines Todes und seiner Auferstehung ist. Der Dreieine Gott kommt als dieser allumfassende, lebengebende Geist in uns hinein, um nicht nur neues Leben zu schenken, sondern unser Denken, Fühlen und Wollen von innen her umzuwandeln. Wo ein Gläubiger an seine Grenzen stößt – in Ungeduld, Angst, Bitterkeit, Schuld oder innerer Abgestumpftheit – ist in ihm bereits der Geist gegenwärtig, der das Menschsein Jesu nachbilden kann und die Wirksamkeit des Kreuzes freisetzt.

So wird Auferstehung zur heutigen, sehr konkreten Wirklichkeit: Der Menschen-Erretter ist nicht ferne Autorität, sondern nahes, wohnendes Leben. In Konflikten mit anderen kann derselbe Geist, der Jesus am Kreuz „Vater, vergib ihnen“ sagen ließ, versöhnende Gedanken in uns aufsteigen lassen. In Zeiten der Dunkelheit wirkt Er die Erinnerung: Christus ist schon durch tiefere Dunkelheiten gegangen, und Seine Auferstehung trägt uns hindurch. Und wo Schuld und Versagen drücken, ist in uns der Geist der Auferstehung, der das alte Kapitel nicht nur moralisch bewertet, sondern wirklich hinter das Kreuz zurücklegt und ein neues Beginnen schenkt. Wer sich diesem Wirken öffnet, erlebt, dass der Weg mit Christus nicht in einer fernen Vergangenheit begann, sondern jeden Tag neu von innen her weitergeschrieben wird – vom lebengebenden Geist, der unser Leben, unsere Lebensversorgung und am Ende wirklich „alles in allem“ sein will.

Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12:24)

Siehe, es kommt die Stunde und ist gekommen, daß ihr euch zerstreuen werdet, ein jeder in seine Heimat und mich allein lassen werdet; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. (Joh. 16:32)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 72