Die Vervielfältigung des Gott-Menschen (2)
Manche Christen wissen, dass sie „wiedergeboren“ sind, und doch fragen sie sich, warum ihr Inneres so oft hinterherhinkt und alte Muster immer wieder hochkommen. Die neutestamentlichen Schriften zeichnen ein größeres Bild: Gott will nicht nur einzelne gerettete Menschen, sondern eine Vervielfältigung des einen Gott-Menschen, Christi. Zwischen der neuen Geburt und dieser Reife liegt ein Weg der Verwandlung, auf dem Christus selbst in unserem Innersten wirkt und unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen durchdringt.
Verwandelt durch den pneumatischen Christus in unserer Seele
Mit der Wiedergeburt setzt Gott einen radikalen Anfang: In unserem tiefsten Inneren, in unserem Geist, geschieht eine neue Geburt „aus dem Geist“. Der Herr Jesus sagt: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Johannes 3:6). Damit schenkt Gott uns nicht nur Vergebung oder ein neues religiöses Programm, sondern sein eigenes Leben und seine Wesensnatur. Dennoch bleibt unsere Seele – unser Denken, unser Empfinden, unser Wollen – zunächst weitgehend so, wie sie durch Herkunft, Prägung und Sünde geformt wurde. Zwischen dem, was in unserem Geist schon wahr ist, und dem, was in unserer Seele noch gewohnheitsmäßig lebt, entsteht eine Spannung. Genau in diese Spannung hinein tritt der pneumatische Christus, der „Herr, der der Geist ist“ (2. Korinther 3:17), um unser Inneres zu verwandeln.
Nachdem wir von neuem geboren worden sind, aus dem Geist in unserem Geist geboren, müssen wir verwandelt werden. Wir müssen durch den pneumatischen Christus in unserer Seele mit Seinen göttlichen Attributen verwandelt werden, um unsere menschlichen Tugenden für Seinen Ausdruck in unserer Menschheit zu erhöhen, zu stärken, zu bereichern und zu erfüllen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundsechzig, S. 535)
Diese Verwandlung ist kein poliertes Benehmen und keine verfeinerte Selbstdisziplin. Sie ist ein Lebensprozess, vergleichbar mit einem organischen Austausch: Das göttliche Leben dringt in die Substanz unserer Seele ein, absorbiert das Alte und bringt Neues hervor. Paulus beschreibt: „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist“ (2. Korinther 3:18). Während wir Christus im Glauben betrachten, arbeitet Er als Geist in unseren Gedanken, korrigiert unsere inneren Reaktionen, richtet unsere Gefühle aus und beugt unseren eigenwilligen Entschluss. Wahrhaftigkeit wird nicht nur ein Prinzip, sondern Ausdruck des Wahrhaftigen in uns; Liebe ist nicht mehr bloß Pflicht, sondern Ausströmung des Liebenden selbst; Sanftmut und Standhaftigkeit sind nicht bloß Charakterstärken, sondern menschliche Tugenden, die von seinen göttlichen Eigenschaften getragen und erhöht werden.
So wird die Wiedergeburt – ein punktueller Akt – zur Tür in einen lebenslangen Weg der Verwandlung. Gott lässt uns nicht auf halbem Weg stehen, als geistlich Neugeborene mit unreifer Seele, sondern sein Ziel ist, dass das, was Er in unseren Geist gelegt hat, die ganze Seele durchdringt und schließlich sogar unseren Leib berührt. In dieser inneren Umgestaltung vervielfältigt sich der eine Gott-Mensch Jesus in vielen Gott-Menschen. Er ist das Urbild; wir werden dem Bild des Sohnes gleichgestaltet, wie Paulus sagt, wenn er begehrt, „in Ihm angetroffen“ zu werden, nicht mit eigener Gerechtigkeit, sondern mit der „Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist“ (Philipper 3:9). Dieser Prozess mag uns manchmal langsam erscheinen, doch gerade in dieser Langsamkeit liegt Trost: Christus trägt die Verantwortung für die Verwandlung, wir dürfen Ihn anschauen, Ihn aufnehmen und in kleinen, oft unscheinbaren Schritten erleben, wie Er uns von innen her erneuert. Jede solche innere Bewegung ist ein Vorgeschmack der kommenden Herrlichkeit und ein stilles, wirksames Zeugnis, dass der Gott-Mensch sich tatsächlich vervielfältigt.
Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. (Joh. 3:6)
Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist. (2.Kor 3:17-18)
Die Verwandlung durch den pneumatischen Christus lädt dazu ein, das eigene Innenleben nicht mehr als fixierte Größe hinzunehmen, sondern als Feld seines Wirkens zu verstehen. Es entlastet, wenn Versagen und Unreife nicht mehr das letzte Wort haben, sondern durchdrungen werden von der Gegenwart dessen, der als Herr-Geist in uns Wohnung genommen hat. Mitten in widersprüchlichen Regungen, verletzten Gefühlen und festgefahrenen Gedanken bleibt gewiss: Der, der angefangen hat, sein Leben in uns einzupflanzen, wird nicht aufhören, unsere Seele in dasselbe Bild zu verwandeln, das wir im Glauben betrachten. Diese leise, aber beharrliche Verwandlung macht Mut, den eigenen Weg nicht nach dem Maß heutiger Stärke zu beurteilen, sondern nach dem treuen Wirken dessen, der seine Herrlichkeit gerade in der Schwachheit unserer Seele offenbaren will.
Christus als Gott-Mensch leben durch den überreichen Geist
Das Leben derer, die die Vervielfältigung des Gott-Menschen sind, ist kein abstraktes Ideal, sondern eine konkrete Lebensweise, wie sie in Paulus sichtbar wird. Er fasst sein Dasein in dem Satz zusammen: „Denn zu leben ist für mich Christus“ (Philipper 1:21). Christus ist für ihn nicht nur eine geistliche Ressource für Notfälle, sondern der eigentliche Inhalt seiner Existenz – innen als Leben, außen als Lebensführung. Hinter dieser Aussage steht die Wirklichkeit, die er in Galater 2:20 bezeugt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat.“ Das eigene Ich ist nicht ausgelöscht, aber es tritt aus der Mitte zurück. Der eigentliche Träger des Lebens wird Christus selbst, der als Geist in ihm wohnt.
Das Leben des Paulus war, Christus zu leben. Christus war nicht nur sein Leben innerlich, sondern auch sein Leben äußerlich. Er lebte Christus, weil Christus in ihm lebte (Gal. 2:20). Er war eins mit Christus sowohl im Leben als auch im Lebenführen. Er und Christus hatten ein Leben und ein Lebenführen. Sie lebten zusammen als eine Person. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundsechzig, S. 537)
Dieser Christus, den Paulus lebt, ist der erniedrigte und erhöhte Gott-Mensch. Über ihn heißt es: „Lasst diesen Sinn in euch sein, der auch in Christus Jesus war, der, als Er in der Gestalt Gottes existierte, es nicht als ein gewaltsam festzuhaltendes Raubgut ansah, Gott gleich zu sein, sondern Sich Selbst entleerte, indem Er die Gestalt eines Sklaven annahm und in der Gleichgestalt der Menschen wurde; und in der äußeren Erscheinung als ein Mensch befunden, erniedrigte Er Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, und zwar zum Tod am Kreuz“ (Philipper 2:5–8). Gerade dieser Weg der Selbstentleerung, des Dienstes und des Gehorsams wird zur inneren Gesinnung derer, die Christus als Gott-Mensch leben. Sie klammern sich nicht mehr an Status, Recht oder Gesichtswahrung, sondern finden ihre Würde darin, dass der Sohn Gottes in ihnen wohnt.
Möglich wird dieses Leben allein „durch die überströmende Versorgung mit dem Geist Jesu Christi“ (Philipper 1:19). Dieser Geist trägt in sich die Gottheit und Menschheit Christi, seine Leiden, sein Kreuz und seine Auferstehung. Wenn Paulus davon spricht, „eure eigene Errettung mit Furcht und Zittern“ zu bewirken, begründet er dies unmittelbar: „Denn Gott ist es, der sowohl das Wollen als auch das Vollbringen in euch wirkt für Sein Wohlgefallen“ (Philipper 2:12–13). Gottes inneres Wirken macht das Leben des Gott-Menschen praktisch. Reaktionen, die früher selbstverständlich waren – Murren, verurteilendes Grübeln, starrer Eigenwille –, verlieren ihre Macht, weil ein anderer in uns reagiert. Dieser innere Gott-Mensch rettet nicht nur von äußeren Sünden, sondern von verborgenen Beweggründen und Haltungen, indem Er in Alltagssituationen seine eigene Gesinnung in uns hervorbringt. So wächst eine stille, aber kraftvolle Freiheit: Die Umstände bleiben oft die gleichen, doch der, der in uns lebt, bestimmt zunehmend, wie wir ihnen begegnen.
Wer so Schritt für Schritt lernt, Christus als Gott-Mensch zu leben, entdeckt, dass das eigene Leben nicht verarmt, sondern vertieft wird. Persönlichkeit, Begabungen und Geschichte werden nicht ausgelöscht, sondern zu Gefäßen, in denen Christus seine Demut, seine Standhaftigkeit, seine Barmherzigkeit und seinen Gehorsam zum Ausdruck bringt. Es entsteht eine Art gemeinsames Leben: „Sie lebten zusammen als eine Person“, wurde über Paulus und Christus gesagt. In dieser Einheit liegt große Ermutigung: Auch wenn die eigene Geschichte gebrochen ist, ist der, der im Fleisch als wahrer Mensch lebte und am Kreuz gehorsam blieb, derselbe, der heute als Geist in uns wirkt. Er kennt den Weg durch Demütigungen, durch Missverständnisse, durch verborgene Kämpfe. Sein überreicher Geist macht uns fähig, in denselben Situationen nicht nur zu bestehen, sondern als Gott-Menschen zu leben, die seine Gesinnung in einer lauten Welt leise sichtbar machen.
denn ich weiß, dass mir dies zur Errettung dienen wird durch euer Flehen und die überströmende Versorgung mit dem Geist Jesu Christi, (Phil. 1:19)
Denn zu leben ist für mich Christus und zu sterben ist Gewinn. (Phil. 1:21)
Christus als Gott-Mensch zu leben bedeutet, den Alltag nicht länger als Bühne der eigenen Selbstbehauptung zu sehen, sondern als Raum, in dem der in uns wohnende Christus seine Gesinnung und sein Leben entfalten darf. Das entlastet von dem Druck, ständig aus eigener Kraft „christlich“ funktionieren zu müssen. Wo der überreiche Geist Jesu Christi unser Wollen und Vollbringen prägt, wird selbst das unscheinbarste Tun – ein Wort, das nicht zurückschlägt; eine Entscheidung, die auf Dienst statt auf Gewinn zielt; ein stiller Gehorsam, wo niemand zuschaut – zum Ausdruck des Gott-Menschen in uns. In diesem Bewusstsein wächst Zuversicht: Unser Leben ist nicht zu gewöhnlich, zu kompliziert oder zu beschädigt, als dass Christus es nicht als Bühne seiner Menschheit und Gottheit gebrauchen könnte. Er, der sich bis zum Kreuz erniedrigte, scheut auch unsere inneren Tiefen nicht, sondern füllt sie mit seiner Gegenwart und macht daraus ein Zeugnis seines Lebens.
In Christus gefunden werden und seine Herrlichkeit widerspiegeln
Wenn Christus als Gott-Mensch in uns lebt und der pneumatische Christus unsere Seele durchdringt, bleibt dies nicht im Verborgenen. Gott zielt darauf, dass wir als Menschen „in Christus“ gefunden werden. Paulus formuliert diesen Wunsch mit großer Schärfe: Er möchte „in Ihm angetroffen“ werden, „wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist“ (Philipper 3:9). Dass jemand „in Christus“ entdeckt wird, bedeutet mehr als eine korrekte Glaubenszugehörigkeit. Es beschreibt einen Menschen, dessen ganzes Wesen von Christus durchtränkt ist, so dass Beobachter, bewusst oder unbewusst, vor allem Ihn wahrnehmen. Die eigene Gerechtigkeit, die aus Leistung, moralischer Strenge oder religiöser Korrektheit stammt, tritt zurück. Stattdessen wird Christus selbst zur gelebten Gerechtigkeit – Gott, der aus uns heraus gerecht lebt.
Wenn wir Christus als den Gott-Menschen leben, werden wir in Christus befunden werden (Phil. 3:9). Als einer, der die Vervielfältigung des Gott-Menschen war, wünschte Paulus, von allen seinen Beobachtern in Christus befunden zu werden. Er sehnte sich danach, dass sein ganzes Sein in Christus eingetaucht und mit Christus durchtränkt wäre, sodass alle Seine Gläubigen ihn völlig in Christus entdecken würden. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundsechzig, S. 541)
Mit diesem Ziel verbindet Paulus sein Verlangen, „Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde“ (Philipper 3:10). Die Kraft der Auferstehung ist kein abstraktes Wunder, sondern eine innere Energie, die aus dem bereits vollbrachten Tod und der Auferstehung Christi zu uns fließt. Gemeinschaft seiner Leiden und Gleichgestaltetwerden seinem Tod bedeuten, dass unser natürliches Leben immer wieder in Situationen hineingeführt wird, in denen es loslassen, sterben, aufgeben muss – nicht um des Leidens willen, sondern damit ein anderer leben kann. Gerade dort, wo unser altes Ich zurücktritt, gewinnt die Auferstehungskraft Raum, und Christus zeigt sich in einem neuen Maß durch uns.
Diese innere Realität hat eine sichtbare Auswirkung. Paulus beschreibt die Kinder Gottes „inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation“ als solche, „unter der ihr wie Lichtkörper in der Welt scheint, indem ihr das Wort des Lebens darreicht“ (Philipper 2:15–16). Wer in Christus gefunden wird, leuchtet – nicht durch spektakuläre Taten, sondern durch eine andere Art des Seins. In einer Atmosphäre von Zynismus und Selbstbehauptung werden Wahrhaftigkeit, Geduld, Reinheit und Gerechtigkeit zu etwas Ungewohntem. Philipper 4:8 zeichnet diese Ausstrahlung in sorgfältigen Strichen: „die Dinge, die wahr sind, … ehrwürdig … gerecht … rein … lieblich … wohllautend … wenn es irgendeine Tugend und irgendeinen Lobpreis gibt“. Wo Christus unsere Tugenden mit seinen göttlichen Eigenschaften erfüllt, werden diese Worte zu einer Beschreibung unseres Handelns, Redens und Schweigens. Und mitten in den Spannungen des Alltags wird erfahrbar: „Alles vermag ich in Ihm, der mich stark macht“ (Philipper 4:13).
So zeigt sich das Ziel des Gott-Menschen-Lebens nicht zuerst in außergewöhnlichen Diensten, sondern in einem beständigen, leuchtenden Alltag. Die Vervielfältigung des Gott-Menschen wird sichtbar, wo viele Gläubige – mit sehr unterschiedlichen Geschichten – auf dieselbe Weise in Christus entdeckt werden: Sie tragen seine Herrlichkeit, ohne sie zu reklamieren; sie leben seine Gerechtigkeit, ohne sich darauf etwas einzubilden; sie strahlen sein Licht aus, ohne sich selbst in Szene zu setzen. Diese Perspektive schenkt leise Freude: Kein Tag, keine Beziehung, keine unscheinbare Aufgabe ist vergeblich, wenn der in uns wohnende Christus sich darin ausdrücken darf. In all dem bleibt die Hoffnung lebendig, dass der, der uns jetzt schon wie Lichtkörper scheinen lässt, eines Tages seine Herrlichkeit völlig aufgehen lassen wird – und dann wird offenbar werden, wie reich die Spur seines Lebens durch unser oft so gewöhnliches Dasein verlief.
und in Ihm angetroffen werde, wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist, um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, (Phil. 3:9-10)
damit ihr ohne Tadel und unverdorben seid, Kinder Gottes ohne einen Makel inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation, unter der ihr wie Lichtkörper in der Welt scheint, indem ihr das Wort des Lebens darreicht, damit ich am Tag Christi den Ruhm habe, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin und mich nicht vergeblich abgemüht habe. (Phil. 2:15-16)
In Christus gefunden zu werden und seine Herrlichkeit zu widerspiegeln, verleiht selbst den einfachsten Lebensbereichen ein neues Gewicht. Es geht nicht darum, ständig auffällig zu sein, sondern darum, inmitten einer verdrehten Umgebung als Mensch erkennbar zu werden, in dem ein anderer lebt. Wo das Wort des Lebens nicht nur auf den Lippen, sondern in der Haltung und im Umgang mit Menschen spürbar ist, beginnt dieses Leuchten. Die Zusage, dass wir „wie Lichtkörper in der Welt“ scheinen, ist keine Überforderung, sondern eine Verheißung: Christus selbst ist das Licht, wir sind nur die Träger. Gerade deshalb darf Hoffnung wachsen, dass unser begrenztes, gebrochenes Leben zu einem Spiegel seiner Herrlichkeit wird – nicht auf einmal, aber von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, bis sein Bild deutlicher ist als unser eigenes.
Herr Jesus Christus, Du einzigartiger Gott-Mensch, danke, dass Du durch Deinen Geist in uns wohnst, um uns zu verwandeln und Dich in uns zu vervielfältigen. Stärke in uns das innere Schauen Deiner Herrlichkeit, damit Deine Gedanken unser Denken prägen und Deine Gesinnung unser Herz erfüllt. Wo unser natürliches Leben Dich verdunkelt, lass die Kraft Deiner Auferstehung wirksam werden, damit Dein Leben freigesetzt und sichtbar wird. Erfülle unsere menschlichen Tugenden mit Deinen göttlichen Eigenschaften, sodass andere in unserem Alltag Deine Liebe, Deine Demut und Deine Standhaftigkeit erkennen. Möge Dein Licht durch uns leuchten in einer dunklen Welt, zur Ehre des Vaters und zur Ermutigung derer, die Dich suchen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 63