Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Vervielfältigung des Gott-Menschen (1)

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Viele Christen wissen, dass Jesus für sie gestorben und auferstanden ist, aber nur wenige verbinden das mit ihrem Alltag, ihren Reaktionen und ihrem inneren Erleben. Die Bibel zeigt jedoch, dass der verherrlichte Christus heute als lebengebender Geist real in Menschen wohnt und in ihnen wirkt. Wo das geschieht, bleibt der Glaube nicht bei einer schönen Lehre stehen, sondern das Leben des einzigartigen Gott-Menschen beginnt, sich in vielen alltäglichen Situationen auszudrücken.

Der lebengebende Geist – der „Extrakt“ des allumfassenden Christus

Wenn das Neue Testament von dem lebengebenden Geist spricht, öffnet es uns den innersten Kern dessen, was Gott in Christus getan hat. Johannes beginnt sein Evangelium mit der feierlichen Aussage: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Johannes 1:1). Derselbe, der von Ewigkeit her Gott ist, wurde in der Zeit Mensch, nahm die Gestalt eines Sklaven an und lebte als wirklicher Mensch unter wirklichen Menschen. „Lasst diesen Sinn in euch sein, der auch in Christus Jesus war, der, als Er in der Gestalt Gottes existierte, es nicht als ein gewaltsam festzuhaltendes Raubgut ansah, Gott gleich zu sein, sondern Sich Selbst entleerte, indem Er die Gestalt eines Sklaven annahm und in der Gleichgestalt der Menschen wurde“ (Philipper 2:5–7). In diesem Gott-Menschen berühren sich göttliche Herrlichkeit und nüchternes menschliches Alltagsleben: Hunger, Müdigkeit, Tränen und Freude – durchdrungen von unbestechlicher Liebe, Wahrheit und Demut. Nichts an diesem Leben war Theater; es war die konkrete Gestalt der unsichtbaren Liebe Gottes inmitten unseres Staubs.

Der lebengebende Geist ist tatsächlich ein Extrakt des allumfassenden Christus. Wie wir an anderer Stelle aufgezeigt haben (siehe The Fulfillment of the Tabernacle and the Offerings in the Writings of John, S. 2), kann ein Extrakt definiert werden als eine Flüssigkeit, die aus einer Pflanze oder einem anderen organischen Stoff gewonnen wird und deren Essenz in konzentrierter Form enthält. Ein Synonym für „Extrakt“ ist „Spiritus“ - die Essenz einer Substanz, die in flüssiger Form extrahiert wurde. … In ähnlicher Weise umfasst der allumfassende lebengebende Geist alles, was Christus ist, alles, was Er durchgemacht hat, und alles, was Er vollbracht, erreicht und erlangt hat. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsechzig, S. 528)

Doch dieses vollkommene Leben blieb nicht für sich. Es ging durch das Kreuz hindurch, durch einen Tod, der nicht nur ein tragisches Ende, sondern die Zusammenfassung und Durchsetzung von Gottes Ratschluss war. Am Kreuz berühren sich Gericht und Gnade, Sünde und Versöhnung, menschliche Schwachheit und göttliche Macht. In diesem Tod brachte Christus alles, was Er in seiner Person trug – die Fülle der Gottheit, die veredelte Menschheit, seinen Gehorsam, seine Liebe – in eine endgültige, alles einschließende Hingabe hinein. Und dann, in der Auferstehung, geschah die große Verwandlung: „So steht auch geschrieben: ‚Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele‘; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist“ (1. Korinther 15:45). Der historische Jesus wurde nicht „vergeistigt“, sodass nur eine Erinnerung zurückbliebe; vielmehr wurde Er in der Kraft der Auferstehung zum lebengebenden Geist, in dem die Fülle seiner Person wie in einem konzentrierten „Extrakt“ gegenwärtig ist.

Wenn die Schrift von der „überströmenden Versorgung mit dem Geist Jesu Christi“ spricht (Philipper 1:19), berührt sie genau diesen Punkt. In diesem Geist ist nicht nur eine abstrakte göttliche Energie enthalten, sondern die gelebte Geschichte des Gott-Menschen: seine göttlichen Eigenschaften und seine durch Leiden gereinigten und erhöhten menschlichen Tugenden. Alles, was Er durchgemacht hat – Versuchungen, Zurückweisung, Kreuz, Grab, Auferstehung und Erhöhung – ist in diesem Geist wirksam gegenwärtig. Darum heißt es über die Zeit nach seiner Verherrlichung: „Dies aber sagte Er über den Geist, den jene empfangen sollten, die in Ihn hineinglauben; denn der Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war“ (Johannes 7:39). Die Verherrlichung des Sohnes öffnete die Tür, dass sein ganzes Werk in der Gestalt des Geistes zu uns kommen kann.

So steht Christus heute nicht nur entfernt über den Himmeln, unerreichbar auf einem Thron, den wir nur aus der Ferne bewundern könnten. Derselbe, der am Kreuz Unsere Schuld trug und im Grab unsere Aussichtslosigkeit teilte, begegnet uns als pneumatischer Christus im Innersten unseres Seins. Er ist der allumfassende Geist, der alles in sich trägt, was wir für Reinigung, Erneuerung und Wachstum im Leben brauchen. Wo dieser Geist in einem Menschen Wohnung nimmt, wird das Leben des Gott-Menschen mehr als ein Vorbild – es wird innere Wirklichkeit. In dieser stillen, aber kraftvollen Gegenwart liegt eine tiefe Ermutigung: Wir sind nicht auf uns selbst zurückgeworfen, um ein „christliches Leben“ nachzuahmen, das immer außer Reichweite bleibt. Der Gott-Mensch selbst, in der Form des lebengebenden Geistes, ist uns so nahe, dass Er in unsere Reaktionen, unsere Gedanken und unsere Beziehungen hineinwirken will. Seine Nähe ist nicht bedrückend, sondern befreiend: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Raum zum Atmen, zum Neuwerden und zum Wachsen in das Maß des Gott-Menschen hinein.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh. 1:1)

Lasst diesen Sinn in euch sein, der auch in Christus Jesus war, der, als Er in der Gestalt Gottes existierte, es nicht als ein gewaltsam festzuhaltendes Raubgut ansah, Gott gleich zu sein, sondern Sich Selbst entleerte, indem Er die Gestalt eines Sklaven annahm und in der Gleichgestalt der Menschen wurde; (Phil. 2:5-7)

Wer erkennt, dass der lebengebende Geist der konzentrierte „Extrakt“ des allumfassenden Christus ist, beginnt, sein Christsein weniger als moralische Anstrengung und mehr als Teilnahme an einer gegenwärtigen Person zu verstehen. In der stillen Gewissheit, dass dieser Geist alle Erfahrungen und Tugenden des Gott-Menschen in sich trägt, darf der Gläubige lernen, mitten in den Spannungen des Alltags auf diese innere Gegenwart zu achten und sich von ihr durchdringen zu lassen, statt an der eigenen Begrenzung zu verzweifeln.

Neu geboren aus dem allumfassenden Geist – der Anfang der Vervielfältigung

Im Gespräch mit Nikodemus, dem gelehrten und moralisch geachteten Pharisäer, legt Jesus einen radikalen Schnitt durch alle menschlichen Maßstäbe. Er spricht nicht zuerst über Verbesserungen, sondern über Geburt. „Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden“ (Johannes 3:7). In einem Satz relativiert der Herr alles, worauf Nikodemus sich stützen konnte: Abstammung, Gesetzeskenntnis, religiöse Praxis. Vor Gott genügt die beste Ausprägung der alten Herkunft nicht. Sie bleibt Teil der alten Schöpfung, die aus „Fleisch“ geboren ist: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Johannes 3:6). Damit wird deutlich: Das Problem des Menschen ist nicht nur das, was er tut, sondern das, was er ist – Träger eines Lebens, das nicht göttlich ist.

Der erste Schritt in der Vermehrung des Gott-Menschen durch den allumfassenden, lebengebenden Geist ist die Wiedergeburt. In Johannes 3 sprach der Herr Jesus mit Nikodemus über die Wiedergeburt. Zu diesem sittlichen, gebildeten und religiösen Herrn sagte Er: „Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden“ (Joh. 3:7). Von neuem, oder wieder, geboren zu werden bedeutet, aus einem anderen Wesen, nämlich aus dem göttlichen Wesen, geboren zu werden. Es war, als ob der Herr zu Nikodemus sagte: „Du bist aus dem menschlichen Wesen geboren worden, und jetzt musst du aus einem anderen Wesen geboren werden – aus dem Wesen Gottes. Nikodemus, du musst von Gott geboren werden.“ (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsechzig, S. 529)

Wenn Jesus von Neugeburt spricht, meint Er nicht eine sentimentale „zweite Chance“, sondern die Mitteilung eines anderen Wesens. Der Geist, von dem Er redet, ist nicht irgendeine religiöse Stimmung, sondern der allumfassende, lebengebende Geist, der aus dem gekreuzigten und auferstandenen Christus hervorgegangen ist. Johannes greift das Bild der in der Wüste erhöhten Schlange auf: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden“ (Johannes 3:14). Wer den erhöhten Menschensohn im Glauben anschaut, empfängt durch den Geist das ewige Leben. Dieses Empfangen ist in Gottes Augen nicht nur ein Ereignis, sondern eine Geburt: Der Mensch wird aus der Essenz Gottes, aus seinem eigenen Leben, neu hervorgebracht. So beginnt die Geschichte der Gott-Menschen nicht mit einem Entschluss zur Nachfolge, sondern mit einem Akt des Schöpfers, der in unseren Geist hinein ein neues Leben pflanzt.

Dieser Akt der Neugeburt ist zugleich der Anfang der Vervielfältigung des einen Gott-Menschen. Was in Jesus Christus einmalig und unüberbietbar sichtbar wurde – die Einheit von göttlicher Natur und wahrer Menschlichkeit – beginnt sich in vielen zu wiederholen. Der allumfassende Geist, der alle Erfahrungen Christi „in sich trägt“, kommt in das Innerste eines Glaubenden und bringt dort die göttliche Art hervor. Paulus beschreibt das Ziel dieses Vorgangs so: „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist“ (2. Korinther 3:18). Die Neugeburt öffnet diesen Prozess: Ein neuer innerer Mensch, gezeugt aus Gott, ist da – und dieser neue Mensch trägt den Keim des Gott-Menschen in sich.

Von außen betrachtet verändert sich zunächst wenig: Der neu geborene Mensch bleibt eingebunden in dieselbe Familie, denselben Beruf, dieselben Grenzen. Und doch ist in seinem Geist eine unsichtbare Linie überschritten: Er gehört nun zu einer anderen „Art“. In 1. Mose wird erzählt, wie alles nach seiner Art hervorgebracht wird – Bäume, Tiere, Menschen. In der Neugeburt bringt Gott eine neue Art hervor: Menschen, die Anteil an seiner Natur haben, ohne aufhörten, wirkliche Menschen zu sein. Dieses Bewusstsein schützt vor Stolz und vor Minderwertigkeit zugleich. Stolz findet keinen Raum, weil alles aus Gnade geboren ist; Minderwertigkeit verliert die letzte Stimme, weil der Vater im Himmel der Ursprung dieses neuen Lebens ist. So wird aus einem einzelnen Gott-Menschen in der Geschichte Gottes ein wachsendes Volk von Gott-Menschen, deren Anfang nicht in ihrer Entscheidung, sondern in Gottes Zeugung liegt. Darin liegt eine tiefe Ermutigung: Selbst wenn vieles an uns noch unvollendet erscheint, ist in der Neugeburt eine Quelle gelegt worden, die nicht aus uns stammt und nicht versiegen wird.

Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden. (Joh. 3:7)

Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. (Joh. 3:6)

Wer Neugeburt als das Hineingeborenwerden in die göttliche Art versteht, darf aufhören, sein geistliches Leben ausschließlich an äußeren Leistungen zu messen. Die Gewissheit, aus Gott selbst gezeugt zu sein, schenkt stille Würde und gelöste Hoffnung: Auch wenn das neue Leben in vielen Bereichen noch verborgen scheint, trägt es die DNA des Gott-Menschen in sich und ist dazu bestimmt, sich zu entfalten und die Züge Christi in einem gewöhnlichen menschlichen Leben sichtbar werden zu lassen.

Der pneumatische Christus in uns – sein inneres Wirken statt äußerer Hilfe

Viele Vorstellungen vom christlichen Leben kreisen darum, dass Christus irgendwo „oben“ ist und uns von dort her, in besonderen Momenten, Hilfe schickt. Das Neue Testament zeichnet ein viel näher liegendes Bild. Der erhöhte Herr wirkt nicht nur von außen, sondern von innen her, als pneumatischer Christus, der in unserem Geist Wohnung genommen hat. Paulus kann darum sagen: „Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3:17). Der, der am Kreuz starb und aus dem Grab hervorkam, bleibt nicht in einer fernen Sphäre; Er teilt sich als lebengebender Geist mit und verbindet sich mit dem inneren Menschen. In dieser Verbundenheit steckt eine andere Art von Hilfe, als wir sie aus unseren natürlichen Erwartungen kennen.

Da Gott Seinen Geist ausgegossen hat, besteht das, was die Menschen tun müssen, um gerettet zu werden, darin, den Namen des Herrn anzurufen. Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden, und gerettet zu werden bedeutet tatsächlich, den Geist zu empfangen. … Jesus ist der Name des Herrn, und der Geist ist Seine Person. Daher empfangen wir, wenn wir den Namen des Herrn anrufen, Seine Person, den Geist. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zweiundsechzig, S. 531)

Wenn die Apostelgeschichte von der Ausgießung des Geistes spricht, knüpft sie dies an eine einfache Verheißung: „Und es wird geschehen, dass jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet werden wird“ (Apostelgeschichte 2:21). Der Name Jesu ist nicht nur ein Klang, sondern die „Adresse“ seiner Person; der Geist ist die Weise, wie diese Person sich uns mitteilt. Wer Ihn anruft, empfängt Ihn – nicht bloß einen Impuls, sondern seine Gegenwart. In diesem Geist ist das Element seines allumfassenden Todes: wie eine stille, aber wirksame „Medizin“, die innerlich die Wurzeln von Sünde, Bitterkeit und Selbstsucht antastet und abtötet. Gleichzeitig ist das Element seiner Auferstehung dasein: schöpferische Lebenskraft, die Neues hervorbringt, Mut in der Angst, Sanftmut in der Gereiztheit und Treue in der Müdigkeit. So rettet uns Christus oft nicht durch spektakuläre äußere Eingriffe, sondern durch sein beständiges, inneres Wirken, das unsere Reaktionen verwandelt, bevor wir überhaupt handeln.

Zu diesem inneren Wirken gehören auch die veredelten menschlichen Tugenden des Herrn. Der Geist Jesu Christi trägt nicht nur göttliche Macht, sondern auch die Menschlichkeit des Erlösers in sich: seine Geduld mit Schwachen, seine Klarheit ohne Härte, seine Zartheit im Umgang mit Zerbrochenen. Wenn Paulus schreibt: „Lasst diesen Sinn in euch sein, der auch in Christus Jesus war“ (Philipper 2:5), dann ist das keine Aufforderung, sich eine fremde Gesinnung zu erarbeiten, sondern eine Hinwendung zu dem Geist, der diese Gesinnung bereits in sich trägt und in uns wirken will. Dasselbe gilt, wenn er von seinem eigenen Ziel spricht, „in Ihm angetroffen“ zu werden und Ihn „zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden“ (Philipper 3:9–10): Die Kraft der Auferstehung ist keine abstrakte Größe, sondern das Wirken des inwohnenden Geistes, der uns Schritt für Schritt in das Muster des Gott-Menschen hineinzieht.

So wird das Christsein zu einem Leben der inneren Aufmerksamkeit. Nicht jede Schwierigkeit löst sich nach außen hin sofort; nicht jeder Dorn im Fleisch wird weggenommen. Aber mitten in den Unveränderlichkeiten beginnt eine stille Verwandlung: Reaktionen, die früher von Stolz, Angst oder Groll bestimmt waren, werden mehr und mehr von der Gegenwart des inwohnenden Christus durchlichtet. In dieser unscheinbaren, aber tiefgreifenden Veränderung beginnt die Vervielfältigung des Gott-Menschen sichtbar zu werden – nicht in einer spektakulären Überhöhung des Menschen, sondern in einer veredelten Menschlichkeit, die nach innen hin von Gottes Leben getragen ist. Das Bewusstsein, dass der Herr als lebengebender Geist wirklich in uns wohnt und wirkt, schenkt Gelassenheit: Kein Tag ist geistlich leer, keine Versuchung ist endgültig, kein Versagen ist das letzte Wort. Im Innersten ist eine Person am Werk, deren Geduld größer ist als unsere Zerrissenheit und deren Leben stärker ist als jeder Schatten von Tod.

Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2.Kor 3:17)

Und es wird geschehen, dass jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet werden wird.“ (Apg. 2:21)

Wer den inwohnenden Christus als lebengebenden Geist erkennt, beginnt, sein tägliches Ringen nicht mehr nur als Abfolge äußerer Probleme zu sehen, sondern als Raum für ein leises, aber kraftvolles Wirken von innen her. In dieser Sicht kann selbst eine unveränderte Situation zur Gelegenheit werden, in der sich der Sinn Christi formt, seine Auferstehungskraft trägt und seine Menschlichkeit durch unser Verhalten hindurchscheint – ein unscheinbarer, aber realer Ausdruck des Gott-Menschen im Alltag.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du als der allumfassende, lebengebende Geist in unsere Begrenztheit hineingekommen bist und uns neu geboren hast. Du kennst unsere Schwachheiten, unsere inneren Kämpfe und alles, was in uns dem Leben entgegensteht, und doch wohnst Du selbst in uns als Auferstehungsleben. Lass dein Wirken in unserem Geist nicht nur eine Lehre bleiben, sondern eine tägliche Erfahrung, in der dein Tod das Alte in uns beendet und deine Auferstehung alles Neue hervorbringt. Stärke in uns das Vertrauen, dass Du nicht fern bist, sondern in uns als pneumatischer Christus lebst, um deine göttlichen Attribute und veredelten menschlichen Tugenden durch uns auszudrücken. So möge dein Leben als Gott-Mensch in vielen kleinen und großen Situationen unseres Alltags sichtbar werden, zur Ehre des Vaters und zur Ermutigung der Menschen um uns her. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 62