Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Auferstehung und Himmelfahrt des Menschen-Erretters (1)

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Wenn ein Mensch stirbt, scheint damit alles gesagt zu sein – doch bei Jesus von Nazareth war das Gegenteil der Fall. Sein Grab wurde nicht zum Endpunkt, sondern zum Wendepunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen. Lukas schildert, wie der auferstandene Herr enttäuschte und verwirrte Jünger auf dem Weg nach Emmaus begleitet, mit ihnen redet und ihnen die Schrift öffnet. In diesen Begegnungen wird sichtbar, was Gottes Ja zu Jesus in der Auferstehung bedeutet und wie der verherrlichte Christus heute mitten im Alltag seiner Nachfolger wirkt, auch wenn er ihren Augen oft verborgen bleibt.

Auferstehung als Gottes Rechtfertigung und Jesu Sieg

Die Auferstehung Jesu ist nicht einfach die Rückkehr eines Toten ins Leben, sondern Gottes öffentliches Urteil über diese einzigartige Person und ihr Werk. Jesus sagt: „Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen“ (Johannes 10:18). Darin leuchtet die Souveränität seines Auferstehungslebens: Er ist nicht ein passives Opfer der Geschichte, sondern der Herr über Leben und Tod. Wenn er ankündigt: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten“ (Johannes 2:19), spricht er von sich selbst als dem wahren Tempel Gottes. In seiner Selbstauferstehung begegnet uns die stille, aber unerhörte Behauptung: In diesem Menschen wirkt die Macht Gottes so, dass selbst das Grab ihn nicht festhalten kann.

Dass der Herr Sich Selbst auferweckte, zeigt die Kraft Seines Lebens, die Fähigkeit Seines Auferstehungslebens. Dass Gott Ihn jedoch aus den Toten auferweckte, war ein Zeichen dafür, dass Er von Gott gerechtfertigt und gerecht gesprochen wurde. Gott hat Christus von den Toten auferweckt als Beweis dafür, dass Er das, was der Herr war und was Er auf der Erde tat, rechtfertigte. Der Menschen‑Erretter lebte auf eine Weise, die andere seltsam fanden. Seine Lebensweise war völlig anders als Religion, Kultur und Gesellschaft. Er lebte und wirkte auf eine sehr ungewöhnliche Weise. Wäre Gott nicht gekommen, um Ihn aus den Toten aufzuerwecken, hätte dies bedeutet, dass Gott Ihn nicht gerechtfertigt hätte. Aber dass Gott Christus aus den Toten auferweckte, war ein Zeichen für Gottes Rechtfertigung und Rechtsprechung. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundfünfzig, S. 466)

Doch das Neue Testament legt genauso Gewicht darauf, dass „Gott ihn aus den Toten auferweckt hat“ (Apg. 2:24). Hier steht nicht die innere Kraft Jesu im Vordergrund, sondern das Urteil des Vaters. Gott stellt sich zu ihm, zu seinem verborgenen Weg, zu seinem Leiden und zu seiner scheinbaren Niederlage. Römer 4:25 fasst dies zusammen: Christus „ist unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden“. Hätte er im Grab bleiben müssen, wäre es ein Zeichen gewesen, dass sein Leben gescheitert und sein Kreuzestod unzureichend ist. Die Auferweckung durch Gott bedeutet: Alles, was Jesus war, wie er gelebt hat, wie er gelitten hat – Gottes eigenes Urteil ist Ja. Das Gericht, das er am Kreuz auf sich nahm, reicht aus; die Schuld ist getragen, der Menschen‑Erretter ist gerechtfertigt, und in ihm wird ein neuer Raum der Annahme für sündige Menschen eröffnet.

Damit wird die Auferstehung zu mehr als einer persönlichen Rettung Jesu. Sie ist Gottes große Rechtfertigung seines Sohnes und damit zugleich die Begründung unserer Rechtfertigung. Wenn Gott ihn nicht im Tod gelassen hat, dann ist die Welt, die ihn verworfen hat, im Unrecht, und dieser eine Gerechte im Recht. Untrennbar damit verbunden ist sein Sieg über die Mächte, die ihn ins Grab bringen wollten: die religiöse und politische Welt, Satan, der Tod, Hades und das Grab. Petrus bezeugt, dass Gott „die Wehen des Todes löste, da es ja unmöglich war, dass er von ihm festgehalten würde“ (Apg. 2:24). In Johannes 11:25 deutet Jesus dies im Voraus, wenn er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.“ Der Tod trifft auf eine Wirklichkeit, die ihn übersteigt, und muss weichen.

Wer die Auferstehung so sieht, findet darin eine tiefe Gewissheit. Nicht zuerst meine Glaubensstärke, sondern Gottes Ja zu Christus trägt meinen Glauben. Der Erhöhte ist der, den Gott selbst gerechtfertigt hat, und in seinem Licht verliert vieles, was gegen uns spricht, seine endgültige Macht. Aus dieser Perspektive wird die Auferstehung zu einem stillen, aber unerschütterlichen Trost: Die Geschichte dieses Menschen ist gelungen, seine Rettung ist gültig, sein Sieg ist endgültig. Und wer sich an ihn hängt, nimmt Anteil an einer Rechtfertigung, die außerhalb der eigenen Bruchstücke liegt und doch das eigene Leben umfasst. Das kann Mut machen, die eigene Schwachheit und Anklage nicht als letztes Wort zu nehmen, sondern sich an den zu halten, den Gott aus dem Grab in die Herrlichkeit gerufen hat.

Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen. (Joh. 10:18)

Jesus antwortete und sagte zu ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten. (Joh. 2:19)

Die Auferstehung Jesu spricht eine befreiende Wahrheit hinein in unsere Unsicherheit: Nicht unsere religiöse Leistung, nicht unser wechselhaftes Empfinden entscheidet, sondern Gottes Urteil über seinen Sohn. Wo das Herz von Schuld, Scheitern und den Stimmen der Anklage bedrängt ist, darf es sich daran erinnern, dass Gott bereits ein endgültiges Ja gesprochen hat – zu Christus und in ihm zu denen, die an ihn glauben. Aus dieser Gewissheit wächst ein stiller Mut, den eigenen Weg nicht von den Niederlagen her zu lesen, sondern von der Auferstehung her: Gottes Zustimmung zu seinem Sohn ist der feste Grund, auf dem auch unser fragiles Vertrauen stehen darf.

Vom verherrlichten Christus zum lebengebenden Geist

In der Auferstehung tritt Christus in eine neue Daseinsweise ein, ohne ein anderer zu werden. Vorher war seine göttliche Herrlichkeit wie hinter einem Schleier verborgen, eingeschlossen in der Niedrigkeit seines menschlichen Fleisches. Er lebte als wahrer Mensch, hungrig, müde, verwundbar, und doch trug er in sich die Fülle der Gottheit. Durch den Tod wird diese Hülle zerschlagen, und die Auferstehung ist das Hervortreten dessen, was er immer schon war: der Sohn in der Herrlichkeit des Vaters. Darum fragt er die beiden Jünger: „Musste der Christus nicht diese Dinge erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lukas 24:26). Auferstehung und Verherrlichung fallen zusammen – der Weg in die Tiefe des Leidens führt in die Weite der Offenbarung Gottes.

Die Auferstehung Christi war auch Seine Verherrlichung. Die Auferstehung Christi brachte Ihn in die Herrlichkeit (Luk. 24:26; 1. Kor. 15:43a; Apg. 3:13a.15a). Die göttliche Natur des Herrn, Sein göttliches Wesen, war in Seinem Fleisch verborgen und eingeschlossen. Durch den Tod wurde die Begrenzung Seiner Menschheit, Seines Fleisches, aufgebrochen, und dann wurde Er in der Auferstehung freigesetzt als der eigentliche Gott mit Seiner Natur und Seinem Reichtum. Weil Er in der Auferstehung aus der Begrenzung Seines Fleisches freigesetzt wurde, wurde Er verherrlicht. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundfünfzig, S. 467)

Die Schrift fasst dieses Geheimnis mit einem überraschenden Ausdruck. In 1. Korinther 15:45 heißt es: „Der letzte Adam wurde zu einem lebengebenden Geist.“ Gemeint ist nicht, dass Christus aufhört, wahrer Mensch zu sein, sondern dass seine menschliche und göttliche Wirklichkeit in der Auferstehung eine neue Gestalt gewinnt: Er wird der pneumatische Christus, der lebengebende Geist, der sich selbst in die Seinen hinein mitteilt. Er ist nicht mehr nur der Meister, der neben ihnen geht, sondern der Herr, der in ihnen wohnt. Zugleich behält er eine reale, verherrlichte Leiblichkeit; er lässt sich sehen, seine Wunden berühren, isst vor ihren Augen (vgl. Lukas 24:39–43). Ein und derselbe Christus begegnet uns als der Verherrlichte zur Rechten Gottes und als der, der im Geist in den Herzen der Glaubenden Wohnung nimmt.

Das erklärt auch die eigenartige Art seiner Gegenwart nach Ostern. Auf dem Weg nach Emmaus „nahte Jesus selbst und ging mit ihnen“ (Lukas 24:15), und doch wissen wir nicht, woher er kommt oder wohin er geht. „Ihre Augen aber wurden gehalten, so daß sie ihn nicht erkannten“ (Lukas 24:16). Später, als ihnen beim Brechen des Brotes die Augen aufgehen, „wurde er vor ihnen unsichtbar“ (Lukas 24:31). Er ist nicht fort, sondern auf eine andere Weise da. Als lebengebender Geist ist er nicht mehr an einen Ort gebunden; er kann sich zeigen und sich entziehen, ohne je abwesend zu sein. Für die Jünger bedeutet das: Der, den sie äußerlich verloren haben, ist ihnen innerlich näher als je zuvor.

Für Glaubende heute liegt darin eine stille, aber starke Ermutigung. Der auferstandene Christus ist nicht ein fernes Vorbild, sondern die gegenwärtige Quelle ihres Lebens. Wo seine Gegenwart gesucht wird, bleibt man nicht auf der Oberfläche moralischer Nachahmung stehen, sondern empfängt etwas von seiner Kraft, seiner Sanftmut, seiner Treue als inneres Leben. Der Gedanke, dass der Herr als lebengebender Geist in uns wohnt, ist nicht dazu gegeben, um in abstrakten Formeln zu verharren, sondern um alltägliche Situationen zu durchdringen: Müdigkeit, Angst, Ratlosigkeit treffen nicht nur auf uns, sondern auf den, der in uns lebt. So kann auch im unscheinbaren Alltag eine Spur seiner Auferstehung sichtbar werden – nicht in spektakulären Gesten, sondern in jenem leisen, beharrlichen Leben, das aus seiner Gegenwart schöpft.

Musste der Christus nicht diese Dinge erleiden und in Seine Herrlichkeit eingehen? (Lk. 24:26)

So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam zu einem lebengebenden Geist. (1.Kor 15:45)

Die Verwandlung Christi zum lebengebenden Geist eröffnet eine Beziehung, die tiefer geht als jede äußerliche Nähe: Er bleibt nicht außerhalb, als eine Gestalt der Vergangenheit, sondern teilt sich uns als Gegenwart mit. Wer darum weiß, steht nicht allein vor der eigenen Unbeständigkeit, sondern ist von einem inneren Du umgeben, das trägt. Aus dieser inneren Gemeinschaft wächst eine andere Weise des Lebens – nicht aus angestrengter Nachahmung, sondern aus empfangenem Leben. Die Auferstehung wird dann nicht nur ein Datum im Kirchenjahr, sondern ein leiser, beständiger Strom, der unseren Tag durchzieht und uns daran erinnert: Der Herr, der gelitten hat und verherrlicht wurde, ist nicht weit, sondern in der Nähe des Herzens.

Geöffnete Schrift, geöffnete Augen: Der auferstandene Herr bei seinen Jüngern

Der Weg nach Emmaus beginnt in einer Atmosphäre der Enttäuschung. Zwei Jünger verlassen Jerusalem, den Ort der Verheißung, weil ihre Erwartungen zerschellt sind. Sie reden über das Geschehene, ordnen, erklären, versuchen Sinn zu finden. Lukas berichtet: „Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging; aber ihre Augen wurden gehalten, so daß sie ihn nicht erkannten“ (Lukas 24:15–16). Der auferstandene Herr kommt zu ihnen, ohne sich aufzudrängen. Er tritt in ihr Gespräch ein, nimmt ihre Trauer und ihre Verwirrung ernst, bevor er sie korrigiert. Seine Frage – „Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt?“ – öffnet einen Raum, in dem ihre enttäuschte Hoffnung ausgesprochen werden darf.

Lukas 24:15 und 16 sagen: „Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.“ Hier ging der Menschen-Heiland in der Auferstehung mit den zwei Jüngern. Dies unterscheidet sich von Seinem Gehen mit Seinen Jüngern vor Seinem Tod (19,28). Vers 15 sagt einfach, dass Jesus sich näherte und mit den zwei Jüngern ging. Uns wird nicht gesagt, woher Er kam. Nachdem der Menschen-Heiland in die Auferstehung eingetreten war, wurde Er allgegenwärtig. Da Er allgegenwärtig ist, können wir uns nicht von Ihm fernhalten. Als die Jünger in Jerusalem waren, war Er bei ihnen. Als sie Jerusalem nach Emmaus verließen, ging Er mit ihnen. Es ist eine Tatsache, dass der auferstandene Christus bei uns ist, wo immer wir auch sein mögen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundfünfzig, S. 470)

Wenn er sie dann „Unverständige und trägen Herzens“ nennt (Lukas 24:25), weist er sie nicht ab, sondern lenkt ihren Blick neu. Ihr Problem ist nicht, dass sie zu viel gehofft hätten, sondern dass ihre Hoffnung zu eng war: „Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen solle“ (Lukas 24:21). Sie erwarteten politische Befreiung, Gott hatte eine tiefere Erlösung im Blick. Darum beginnt Jesus, ihnen die Schrift aufzuschließen: „Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf“ (Lukas 24:27). Er ordnet ihre Geschichte neu, indem er sie in Gottes größere Geschichte stellt – eine Geschichte, in der Leiden nicht das Ende ist, sondern der Weg zur Herrlichkeit. Das Ergebnis ist kein schneller Trost, sondern ein inneres Feuer: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?“ (Lukas 24:32).

Bemerkenswert ist, wie eng in dieser Szene die Gegenwart Christi mit der Öffnung der Schrift und dem Brechen des Brotes verbunden ist. Zuerst wird ihr Verstand durch das Wort erhellt, dann werden beim Mahl ihre Augen aufgetan: „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, nahm er das Brot und segnete es; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn“ (Lukas 24:30–31). In der Auslegung der Schrift und im einfachen, gemeinsamen Essen wird der Auferstandene erkennbar. Als er vor ihnen unsichtbar wird, bleibt doch seine Gegenwart durch das Wort, das in ihnen brennt, und durch die Gemeinschaft, in der sie dieses Wort teilen. Lukas zeichnet so eine Form seiner Gegenwart: Er ist mitten unter ihnen, wo die Schrift auf Christus hin geöffnet wird und wo sein Mahl in schlichter Gemeinschaft gefeiert wird.

Die Reaktion der beiden Jünger zeigt, welche Bewegung aus solcher Begegnung erwächst. Sie bleiben nicht in Emmaus, in der stillen Ecke der Resignation. „Und sie standen zur gleichen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück“ (Lukas 24:33). Dieselben, die eben noch enttäuscht auf Distanz gegangen waren, werden zu Zeugen; sie erzählen, „was auf dem Weg geschehen war und wie er von ihnen erkannt worden war am Brechen des Brotes“ (Lukas 24:35). Die Gegenwart des auferstandenen Herrn verschiebt ihr Gewicht: Weg von der eigenen Enttäuschung, hin zu dem, was Gott getan hat. Darin liegt eine leise Ermutigung auch für heute. Manchmal führt der Weg durch Fragen und Dunkelheiten, in denen Christus unerkannt neben uns geht. Doch wo sein Wort das Herz wieder zu wärmen beginnt und Gemeinschaft um dieses Wort entsteht, wird sichtbar, dass er nicht fern ist. Aus solcher Erfahrung wächst keine laute Triumphstimmung, sondern eine erneuerte Bereitschaft, den eigenen Ort nicht von der Enttäuschung her zu bestimmen, sondern von der leisen, aber realen Nähe des Auferstandenen.

Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging; aber ihre Augen wurden gehalten, so daß sie ihn nicht erkannten. (Lk. 24:15-16)

Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. (Lk. 24:21)

Die Emmaus-Geschichte zeigt einen Herrn, der enttäuschten Jüngern nicht mit Vorwürfen begegnet, sondern mit Gegenwart und Wort. Er geht mit, bevor er erklärt; er hört zu, bevor er zurechtrückt. Wo wir unsere Wege eher als Rückzug empfinden, kann gerade dort sein unaufdringliches Näherkommen stattfinden – im Hören auf die Schrift, im einfachen Mahl, im geteilten Gespräch. Dass damals ihren Augen im Brechen des Brotes aufgingen, kann heute Zuversicht schenken: Christus bindet seine Gegenwart nicht an besondere Orte, sondern an sein Wort und an die Gemeinschaft der Seinen. In dieser Verbundenheit darf Enttäuschung sich verwandeln, nicht indem alle Fragen gelöst werden, sondern indem das Herz neu erfährt: Der Auferstandene bleibt auf dem Weg, auch wenn wir ihn nicht immer erkennen.


Herr Jesus Christus, auferstandener und verherrlichter Menschen-Erretter, danke, dass deine Auferstehung Gottes kraftvolles Ja zu deinem Leben und deinem Kreuz ist und dass wir in dir vor dem Vater angenommen sind. Öffne unsere Augen für die Schrift und lass unsere Herzen neu brennen, wenn du zu uns redest, auch dort, wo wir enttäuscht oder mutlos unterwegs sind. Lass uns deine stille Gegenwart mitten in unserem Alltag wahrnehmen, ob du dich sichtbar zeigst oder für unsere Sinne verborgen bleibst, und erfülle uns mit der Kraft deines Auferstehungslebens. So stärke unseren Glauben, richte unsere Hoffnung aus und erfülle uns mit der Freude, dass du lebendig bist und mit uns gehst bis in deine Herrlichkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 54