Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Tod des Menschen-Erretters (3)

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Der Tod Jesu am Kreuz ist uns vertraut – und bleibt doch in seiner Tiefe kaum zu fassen. Das Lukasevangelium zeigt, wie der scheinbar entehrte Gekreuzigte in Wahrheit als der von Gott gesandte Mensch-Erretter einen einmaligen Tod starb, in dem unzählig viele Probleme der Menschheit und der Schöpfung gelöst wurden. Wer diesen allumfassenden Tod im Licht der ganzen Schrift betrachtet, entdeckt: Am Kreuz geschah weit mehr, als dass uns nur persönlich vergeben wurde; die Grundlage für ein neues Leben, eine neue Menschheit und eine neue Schöpfung wurde gelegt.

Der allumfassende Tod des Mensch-Erretters

Am Kreuz versammelte Gott in einer Stunde, was uns in der Schrift sonst nur in vielen Linien entgegentritt. Der Mensch‑Erretter starb nicht als eine Figur unter vielen, sondern als der Allumfassende, in dem sich alle Ratschlüsse Gottes kreuzen. Johannes bezeugt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1:29). In diesem einen Lamm begegnet uns der Sündenträger, der Stellvertreter, der Reine für die Unreinen. Doch derselbe, der als Sündopfer da hängt, ist zugleich der Mensch im Fleisch, von dem Petrus sagt, er sei „im Fleisch getötet“ worden (vgl. 1. Petrus 3:18). Er nimmt die Gestalt des gefallenen Menschen an, ohne dessen Natur zu teilen – „in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde“ (vgl. Röm. 8:3) –, damit sein Tod bis in die Wurzel unserer gefallenen Fleischlichkeit hineinreicht. Was an uns unbeherrschbar, triebhaft, widerspenstig scheint, wird nicht durch moralische Anstrengung gezähmt, sondern im Tod Christi gerichtet.

460 1. Petrus 3:18 sagt uns, dass Er „im Fleisch getötet“ wurde. Als Mensch im Fleisch hatte Er nur die Gleichgestalt, die Form eines gefallenen Menschen; Er hatte nicht die Natur eines gefallenen Menschen. Das bedeutet, dass Er in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde war (Röm. 8:3), aber nicht die eigentliche Natur der Sünde hatte. Weil der Menschen‑Erretter als Mensch im Fleisch starb, ging Sein Tod mit dem gefallenen Fleisch ins Gericht. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundfünfzig, S. 460)

Dieser Tod umfasst aber noch mehr als unsere persönliche Sünde und unser Fleisch. Paulus sagt: „Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde abgetan sei“ (vgl. Röm. 6:6). Am Kreuz hängt nicht nur ein Einzelner, dort hängt in Gottes Augen die ganze alte Geschichte Adams. Christus tritt stellvertretend als Haupt der alten Schöpfung an, als „Erstgeborener aller Schöpfung“ (Kol. 1:15), und trägt sie durch den Tod hindurch. Zugleich erfüllt sich die uralte Verheißung aus 1. Mose 3:15: Der Samen der Frau zertritt dem Schlangenhaupt. Der Mensch‑Erretter wird als erhöhte „Schlange“ dargestellt (Johannes 3:14–15), in der Gestalt, aber nicht im Wesen des Verfluchten, um dem alten Feind in seinem eigenen Feld zu begegnen. So heißt es über ihn, dass er „durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel“ (Hebräer 2:14) und dass jetzt „das Gericht dieser Welt“ geschieht und „der Fürst dieser Welt hinausgeworfen“ wird (Johannes 12:31). Was uns oft noch so mächtig erscheint – Sünde, Fleisch, der alte Mensch, die alte Schöpfung, Satan und sein satanisches System –, ist in Gottes Gericht bereits getroffen und entwaffnet. Daraus erwächst eine tiefe Ermutigung: Unter der Oberfläche unserer wechselnden Gefühle bleibt die Tatsache, dass der Tod des Mensch‑Erretters allumfassend, endgültig und unwiderruflich ist. Je mehr dieser Blick unser Herz prägt, desto mehr verliert das Dunkel seinen Schrecken, weil wir wissen: Das Entscheidende ist schon geschehen.

In diesem allumfassenden Tod behandelt Christus auch die Trennlinien, die Menschen voneinander und von Gott scheiden. Paulus beschreibt ihn als den, „der unser Friede ist, der aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen hat …, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen, indem er Frieden stiftete“ (Epheser 2:14–15). Am Kreuz prallen die Ordnungen der Religion, die Überheblichkeit der Nationen, die Macht der Tradition und die Feindschaften ganzer Völker auf den einen, der sie in sich trägt und aufhebt. Wo wir nur Gegensätze sehen – Jude und Heide, fromm und gottlos, stark und schwach –, sieht Gott in Christus bereits den einen neuen Menschen. Der Tod des Mensch‑Erretters ist darum nicht nur ein individueller Rettungsweg, sondern die Geburt eines neuen Menschseins, in dem Herkunft, Rang und Leistung ihre trennende Gewalt verlieren.

Schließlich ist dieser Tod nicht nur Gericht, sondern Quelle von Leben. Jesus selbst legt sein Sterben mit einem Bild aus der Schöpfung aus: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24). Das Kreuz ist der Boden, in den dieses Weizenkorn fällt; der Tod ist die Furche, in die es sich hineinverschenkt. Was in ihm verborgen war – das göttliche, unzerstörbare Leben –, wird in der Zerstörung seiner äußeren Hülle freigesetzt. So ist sein Sterben keine Erschöpfung, sondern der Anfang reicher Frucht. In der Tiefe dieses Geheimnisses liegt Trost für unsere eigenen Sterbestunden – seien es das Absterben von Selbstbildern, das Loslassen von Sicherheiten oder das Ende eigener Pläne. In all dem ist einer vorangegangen, dessen allumfassender Tod alles Negative bereits getragen und überwunden hat. Wer sich an ihn hält, steht nicht am Rand eines sinnlosen Verlustes, sondern an der Schwelle eines Lebens, das weiter reicht, als wir es jetzt sehen.

Am folgenden Tag sah er Jesus zu sich kommen und sagte: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! (Joh. 1:29)

Der allumfassende Tod des Mensch‑Erretters lädt ein, die verschiedensten Spannungen unseres Lebens unter einem Blick zu sammeln: Sünde, Fleisch, alte Muster, geistliche Mächte und menschliche Trennungen sind nicht mehr unberührte Territorien, sondern vom Kreuz her schon angefochten und gerichtet. In Momenten, in denen das Alte sich ungebrochen meldet, darf das Herz innerlich an diesen einen Ort zurückkehren, an dem das Lamm, der Mensch im Fleisch, der Erstgeborene aller Schöpfung und der Friedensstifter in einer Person für uns handelte. Dort beginnt eine stille Freiheit: Wir müssen das Böse nicht mehr selbst besiegen, sondern wir dürfen lernen, aus einem Werk zu leben, das größer ist als unser Scheitern. Diese Perspektive nimmt Druck und öffnet Raum für Vertrauen – Vertrauen darauf, dass Gott in Christus weiter und tiefer gegangen ist, als wir unsere eigene Verstrickung je überschauen können.

Mit Christus gekreuzigt und begraben

Der Bericht des Lukas lenkt den Blick von der Grausamkeit der Kreuzigung hinüber in die stille Würde des Begräbnisses. „Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in feines Leinentuch und legte ihn in eine in Felsen gehauene Gruft, worin noch nie jemand gelegen hatte“ (Lukas 23:53). Was vor den Augen der Menschen geschieht, ist die sorgfältige Bestattung eines Gerechten, bezeugt durch Joseph von Arimathia und begleitet von den Frauen, die alles genau sehen (vgl. Lukas 23:55–56). Im Licht der Briefe aber erscheint unter dieser Szene eine tiefere Wirklichkeit: In diesem Grab liegt nicht nur der Leib Jesu, sondern Gott betrachtet hier das Ende einer ganzen alten Menschheit. Paulus sagt: „Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde abgetan sei“ (vgl. Röm. 6:6). Was am Kreuz verurteilt wurde, wird im Grab besiegelt. Begräbnis bedeutet: Es gibt keinen Weg zurück in das Alte, keine offene Hintertür zurück in Adam.

463 Ein für allemal vollbracht Der allumfassende Tod Christi wurde ein für allemal vollbracht. Es ist nicht nötig, dass Er noch einmal stirbt. Der allumfassende Tod des Herrn ist ewig. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundfünfzig, S. 463)

Darum sprechen die apostolischen Zeugnisse immer vom doppelte Mit‑Sein mit Christus: mit ihm gekreuzigt und mit ihm begraben (vgl. Röm. 6:4; Kolosser 2:12). Im Mitgekreuzigtsein wird die Macht der Sünde gerichtet; im Mitbegraben‑Sein wird das alte Leben als Geschichte abgeschlossen. Vor Gott ist das, was uns noch so lebendig bedrängt – frühere Schuld, eingeübte Verhaltensweisen, die alte Identität –, bereits ins Grab Christi gelegt und dort zur Ruhe gekommen. Lukas vermerkt still: „Den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot“ (Lukas 23:56). Diese äußere Sabbatruhe spiegelt eine tiefere: Gott ruht in dem vollbrachten Werk seines Sohnes. Der Vorhang des Tempels ist zerrissen (Lukas 23:45), weil das Fleisch, das trennte, im Tod Christi geendet hat. Der Hebräerbrief deutet dies als „neuen und lebendigen Weg … durch den Vorhang, das heißt sein Fleisch“ (Hebräer 10:20). Wo früher eine Barriere stand, ist jetzt ein Zugang; wo früher eine laufende Rechnung bestand, ist jetzt ein abgeschlossenes Konto.

In dieser Perspektive gewinnt auch unser eigenes Leben vor Gott eine neue Kontur. Wir sind nicht länger Träger einer unendlichen Baustelle, deren Altlasten wir mit immer neuer Anstrengung entsorgen müssten. Wir stehen auf dem Boden einer bereits vollzogenen Beendigung. Das bedeutet nicht, dass wir die Nachwirkungen des alten Menschen nicht mehr spüren; wohl aber, dass sie ihren Rechtsgrund verloren haben. Wenn die alte Stimme sich meldet, tut sie das aus einem Grab heraus, das Gott längst versiegelt hat. Der Glaube nimmt diesen göttlichen Stand ernst und lernt, in ihm zu ruhen. Die Frauen, die wohlriechende Öle bereiten, können am Sabbat nichts tun – sie ruhen, weil Gottes Ordnung sie dazu anhält. Ähnlich wird unser inneres Tun durch die Einsicht begrenzt, dass etwas Größeres als unsere Aktivität schon geschehen ist. Darin liegt Trost: Die entscheidenden Schritte unserer Geschichte sind nicht mehr offen, sie sind in Christus vollendet.

Aus dieser Ruhe erwächst zugleich eine leise, aber tragfähige Hoffnung: Was begraben ist, bleibt nicht im Dunkel, sondern ist der Boden für Auferstehung. Wer mit Christus begraben ist, ist in Gottes Plan schon in die Bewegung seines neuen Lebens hineingenommen. Der Tod des alten Menschen und die Beendigung der alten Schöpfung sind keine trostlosen Endpunkte, sondern Vorbedingungen für ein Leben, das nicht mehr von Schuld, sondern von Gnade bestimmt ist. Wer sich im Alltag an diesen Stand erinnert, muss sich nicht mehr ständig neu rechtfertigen, sondern darf aufatmen: Die Geschichte des „Ich muss“ ist in Christus zur Ruhe gekommen. An ihre Stelle tritt die Geschichte des „Es ist vollbracht“, die den Boden für ein stilles Vertrauen bereitet. So wird das Grab, das auf den ersten Blick nur Verlust und Abschied bedeutet, in Gottes Licht zu einem Raum des Friedens, in dem das Alte schweigt und das Neue schon in der Ferne anbricht.

Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in feines Leinentuch und legte ihn in eine in Felsen gehauene Gruft, worin noch nie jemand gelegen hatte. (Lk. 23:53)

Mit Christus gekreuzigt und begraben zu sein, heißt im Glauben zu bejahen, dass die tiefste Wahrheit unseres Lebens nicht mehr von unserer Vergangenheit, sondern von seinem vollbrachten Werk bestimmt ist. In Zeiten, in denen alte Anklagen oder vertraute Muster wieder lauter werden, darf das Herz sich innerlich an das Bild der Felsengruft erinnern, in der alles Alte bereits zur Ruhe gebracht ist. Dort, im Schweigen des Grabes, klingt das Wort Gottes lauter als die Erinnerung: Der Vorhang ist zerrissen, der Weg ist offen, das Urteil ist gesprochen. Diese Gewissheit nimmt der Selbstanklage den Boden und schenkt eine Ruhe, die nicht aus Gelingen, sondern aus der Treue Gottes kommt. Wer sich von dieser Ruhe berühren lässt, entdeckt, dass aus dem Ende, das Gott in Christus gesetzt hat, leise eine neue Freiheit erwächst – eine Freiheit, in der das Alte nicht mehr das letzte Wort hat.

Leben aus dem freigesetzten göttlichen Reichtum

Aus dem allumfassenden Tod des Mensch‑Erretters entspringt ein Strom des Lebens, der bis in unseren Alltag hineinreicht. Jesus selbst beschreibt diesen Übergang mit dem einfachen Bild des Weizenkorns: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24). In seinem Sterben löst sich die äußere Hülle, damit das in ihm wohnende göttliche Leben freigesetzt wird. Dieses Leben bleibt nicht bei ihm allein; es wird geteilt, es vervielfältigt sich, es schafft „viel Frucht“. So wird verständlich, dass sein Tod nicht nur Schuld tilgt, sondern eine ganze Fülle göttlicher Reichtümer öffnet: Er schenkt Vergebung, aber auch Befreiung aus der Macht der Sünde; er schafft Frieden mit Gott und zugleich Frieden zwischen Menschen, die einander fremd oder feindlich waren; er beendet die Herrschaft des alten Menschen und eröffnet eine neue Lebensweise im Geist.

461 Der Teufel, der die Macht des Todes hatte (Hebr. 2:14). Daher behandelte der Menschen-Heiland als der, der als Schlange unter Gottes Gericht starb, den Teufel und mit seiner Welt das satanische System. Der Erstgeborene aller Schöpfung Als der Herr Jesus am Kreuz starb, starb Er als der Erstgeborene aller Schöpfung (Kol. 1:15). (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundfünfzig, S. 461)

Paulus fasst diesen Reichtum zusammen, wenn er von Christus sagt, dass Gott „durch das Kreuz die beiden in einem Leib mit Gott versöhnt hat und so die Feindschaft tötete; und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und Frieden den Nahen. Denn durch ihn haben wir beide in einem Geist den Zugang zum Vater“ (Epheser 2:16–18). Der freigesetzte göttliche Reichtum zeigt sich also darin, dass Menschen aus völlig unterschiedlichen Hintergründen in denselben Zugang, denselben Geist, denselben Vater hineingenommen werden. Wo dieses Leben wirksam wird, verlieren Herkunft, Kultur und Vergangenheit ihre absolute Bedeutung; die Zugehörigkeit zu Christus und zu seinem Leib rückt ins Zentrum. Versöhnung wird nicht zur bloßen moralischen Forderung, sondern zur Frucht eines Lebens, das stärker ist als Verletzung und Misstrauen. Die Gewissheit, dass sein Werk „ein für alle Mal“ vollbracht ist (vgl. Hebräer 10:10), trägt mitten in Anfechtungen, weil sie uns von der Last befreit, uns selbst retten zu müssen.

Dieser freigesetzte Reichtum bleibt nicht abstrakt; er nimmt Gestalt an in konkreten Haltungen und Bewegungen des Herzens. Wo das Leben des Gekreuzigten Raum gewinnt, wird der Griff der Sünde lockerer, weil ein stärkeres Leben in uns wirkt. Das Bedürfnis, sich abzugrenzen, verliert an Schärfe, weil wir uns in einem größeren „Wir“ verortet wissen. Die innere Unruhe, die aus unerledigter Schuld oder aus der Angst vor Versagen stammt, wird durch die stille Gewissheit ersetzt, dass der alte Mensch vor Gott bereits gerichtet und begraben ist. Aus dieser Gewissheit wächst eine Sanftheit, die nicht aus Schwäche, sondern aus Sicherheit kommt – aus der Sicherheit, dass die Grundlage unserer Identität nicht in unserer Leistung, sondern in seinem Tod und seiner Auferstehung liegt.

So wird der Tod des Mensch‑Erretters zu einer immer offenen Quelle von Gnade, Trost und neuer Ausrichtung. Jedes Mal, wenn wir innerlich an diesen Tod erinnert werden, öffnet sich zugleich der Zugang zu seinem Leben. Das Kreuz bleibt nicht Symbol eines vergangenen Ereignisses, sondern wird zum Ort der Begegnung mit einem gegenwärtigen Herrn, der im Geist seine Reichtümer austeilt. In dieser Begegnung lernen wir Schritt für Schritt, aus dem Überfluss zu leben, den er in seinem Sterben freigesetzt hat – nicht aus Mangel, sondern aus Fülle; nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen. Und gerade dort, wo unsere eigenen Ressourcen an ihr Ende kommen, zeigt sich die Tragfähigkeit dieses göttlichen Lebens am deutlichsten. Der Blick auf den Mensch‑Erretter, der einen allumfassenden Tod starb, führt so hinein in eine Hoffnung, die nicht mehr an unsere Möglichkeiten gebunden ist, sondern an die unerschöpfliche Fülle dessen, was er für uns vollbracht hat.

Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12:24)

Leben aus dem freigesetzten göttlichen Reichtum bedeutet, den Alltag nicht mehr allein als Schauplatz eigener Bemühungen zu sehen, sondern als Raum, in dem das Leben des gekreuzigten und auferstandenen Christus sich leise Bahn bricht. In Momenten von Schuld, Spannung oder Erschöpfung darf innerlich der Weg zurück zum Weizenkorn gegangen werden, das in die Erde fiel und viel Frucht brachte. Dort wird deutlich: Wir sind nicht auf uns selbst zurückgeworfen, sondern stehen unter einer Fülle, die schon bereitliegt. Diese Einsicht verändert den Blick auf uns selbst und auf andere – sie macht geduldiger, weil Gottes Wirken Zeit hat, und sie macht mutiger, weil die Quelle nicht in uns, sondern in ihm liegt. So wächst aus der Betrachtung seines allumfassenden Todes eine Lebenshaltung, die von Vertrauen, Versöhnungsbereitschaft und stiller Zuversicht geprägt ist.


Herr Jesus Christus, Mensch-Erretter, dein allumfassender Tod übersteigt unser Begreifen, und doch dürfen wir glauben, dass du für Sünde, Fleisch, alte Schöpfung, den Teufel und alle trennenden Mauern ein für alle Mal bezahlt hast. Danke, dass in deinem Kreuz alles, was uns von Gott trennt und uns gefangen hält, gerichtet wurde und dass dein göttliches Leben für uns freigesetzt ist. Lass diese Wahrheit in unserem Herzen lebendig werden, damit wir aus deinem vollbrachten Werk heraus zur Ruhe kommen und in der Freiheit und Würde leben, in die du uns hineingenommen hast. Stärke den Glauben, dass unser altes Leben mit dir gekreuzigt und begraben ist und dass nichts uns aus deiner Hand reißen kann. Fülle dein Volk neu mit der Freude des Jubeljahres, das dein Tod eröffnet hat, und lass dein Leben in uns Frucht bringen zur Ehre des Vaters. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 53