Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Darbietung des Menschen-Erretters Seiner Selbst zum Tod für die Erlösung (4)

13 Min. Lesezeit

Kurz vor seinem Tod spricht der Herr Jesus mit einer beeindruckenden Klarheit über die kommenden Ereignisse – von der Zerstörung des Tempels über Kriege, Erdbeben und Verfolgung bis hin zu seiner Wiederkunft. Für die Jünger damals war das verstörend und tröstlich zugleich: Gott verliert die Kontrolle nicht, selbst wenn alles erschüttert wird. Wer diese Worte heute liest, spürt: Die Geschichte entwickelt sich nicht blind, sondern folgt dem Plan des Menschen-Erretters, der sich selbst für die Erlösung hingibt und seine Leute mitten in allen Erschütterungen bewahrt.

Der Menschen-Erretter bereitet durch Prophetie auf seinen Tod vor

Als einige Jünger über den Tempel staunen, über seine Steine und Weihgeschenke, richtet der Herr ihren Blick in eine erschütternde Zukunft: „Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird“ (Lk. 21:6). Gerade auf dem Weg zu seinem eigenen Tod spricht der Menschen-Erretter nicht zuerst über das, was man ihm antun wird, sondern über das, was über Stadt, Tempel und Welt kommen wird. Er entlarvt die scheinbare Stabilität religiöser und politischer Ordnungen als etwas Vorläufiges. Sein Kreuz wird nicht am Rand der Geschichte stehen, sondern im Zentrum eines gewaltigen Umbruchs, der bis zum Ende dieses Zeitalters reicht. Indem er die Zerstörung des Tempels ankündigt, trennt er das Vertrauen auf äußere heilige Orte von dem Vertrauen auf seine eigene Person. Was die Jünger für unerschütterlich halten, wird fallen; aber der, der dies voraussagt, geht bewusst in den Tod, um eine Erlösung zu schaffen, die durch keinen Tempelsturz aufgehoben werden kann.

Lukas 19:28-22,46 ist ein Abschnitt, der mit der Darbietung des Menschen-Heilandes zum Tod für die Erlösung zu tun hat. In 21:5-22,46 bereitet der Herr die Jünger auf Seinen Tod vor. In 21:5-36 tut Er dies, indem Er ihnen von den kommenden Dingen erzählt. Diese Dinge schließen ein: die Zerstörung des Tempels (V. 5-6), die Plagen zwischen Seiner Himmelfahrt und der großen Drangsal (V. 7-11), die Verfolgung Seiner Jünger im Kirchenzeitalter (V. 12-19), die große Drangsal und Sein Kommen (V. 20-27) und die Erlösung der Jünger und die Entrückung der Überwinder (V. 28-36). (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundvierzig, S. 403)

Die langen Linien seiner Prophetie – Kriege, Erdbeben, Pest, Hungersnöte, Verfolgung, die große Trübsal, seine Wiederkunft – zeigen, wie weit sein Blick reicht. Auf die Frage der Jünger nach dem „Wann“ und nach dem „Zeichen“ antwortet er mit einer Auslegung der Geschichte aus Gottes Perspektive (vgl. Lk. 21:7–11). Er weiß um das, was die Völker erschüttern wird, noch bevor ein römisches Heer Jerusalem umzingelt; er kennt die Drangsale der Gemeinde, noch bevor ein Jünger vor einen Statthalter gezerrt wird. Sein Weg nach Golgatha ist darum keine tragische Verstrickung in politische Machtspiele, sondern bewusste Hingabe. Der, der sich dem Tod präsentiert, ist derselbe, der am Ende dieses Zeitalters als Sohn des Menschen in einer Wolke mit großer Herrlichkeit erscheinen wird (Lk. 21:27). Für Glaubende heute liegt darin stille Stärke: Weltgeschichte, Krisen, Katastrophen, sogar der Zusammenbruch religiöser Sicherheiten laufen nicht aus dem Ruder, sondern unterstehen dem, der sich freiwillig ans Kreuz gab. Sein Tod ist nicht der Abbruch, sondern der Wendepunkt. Wer ihn so sieht, lernt, nicht an Steinen und Systemen zu hängen, sondern an einem Herrn, dessen Worte nicht vergehen, wenn Himmel und Erde vergehen (Lk. 21:33).

So wird die Prophetie in Lukas 21 zu einem Dienst der Vorbereitung: Der Menschen-Erretter rüstet innerlich zu, indem er das Kommende ans Licht bringt. Er nimmt Illusionen, um eine tiefere Zuversicht zu schenken. Wer erkennt, dass sein Kreuz mitten in Gottes großem Heilsweg steht, braucht sich nicht von jeder Erschütterung der Zeit mitreißen zu lassen. Inmitten von Kriegsgerüchten, von Instabilität und religiöser Verwirrung darf das Herz leiser werden: Über all dem steht einer, der im Voraus spricht, der im Voraus liebt und der im Voraus trägt. Seine Hingabe zum Tod ist der stärkste Beweis, dass er die Geschichte bis zur Wiederkunft hindurch nicht aus der Hand gibt.

Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird. (Lk. 21:6)

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. (Lk. 21:27)

Diese Sicht lädt ein, die eigene Gegenwart nicht isoliert, sondern in der langen Linie des Handelns Christi zu sehen: Er, der freiwillig in den Tod ging, bleibt auch Herr über alle Umbrüche, durch die ein Leben oder eine Generation hindurchmuss, und gerade darin wird sein Kreuz zum ruhigen Mittelpunkt, um den sich alles andere ordnet.

Bewahrt und befähigt inmitten von Verfolgung

Nachdem der Herr von Kriegen und Erdbeben geredet hat, wird sein Ton sehr persönlich: „Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen“ (Lk. 21:12). Plötzlich geht es nicht mehr um anonyme Weltgeschichte, sondern um Jünger, die geschlagen, vor Synagogen und Gefängnisse geführt, vor Könige und Statthalter gestellt werden – um seines Namens willen. Noch schwerer wiegt, dass die Brüche mitten durch familiäre Nähe gehen: „Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden“ (Lk. 21:16). Der Menschen-Erretter romantisiert die Nachfolge nicht. Er verschweigt nicht, dass Treue zu ihm Spannungen, Ablehnung, Verlust bedeuten kann. Gerade damit nimmt er seinen Jüngern die Illusion, sie könnten gleichzeitig unangefochten mit ihm und unauffällig in der Welt leben.

In 21:12–19 spricht der Herr über die Verfolgung Seiner Jünger im Gemeindezeitalter. In dieser gegenwärtigen Zeit, dem Gemeindezeitalter, werden treue Christen Verfolgung erleiden. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundvierzig, S. 405)

Mitten in diese ernsten Zusagen legt er jedoch drei tröstende Linien, die seine Gegenwart im Leiden offenbaren. Zuerst heißt es überraschend: „Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen“ (Lk. 21:13). Was menschlich ein Versagen, ein Einbruch, ein Machtbeweis der Verfolger zu sein scheint, wird in Gottes Hand zur Bühne seines Evangeliums. Prozesse, Vernehmungen, Verleumdungen sind nicht nur Niederlagen, sondern Gelegenheiten, in denen der Name Jesu hörbar wird, wo er sonst nie angekommen wäre. Dann lenkt der Herr den Blick weg von nervöser Selbstverteidigung hin zu seiner unmittelbaren Hilfe: „Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt; denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen oder widerstehen können“ (Lk. 21:14–15). Er verspricht nicht brillante Rhetorik, sondern ein Reden, das er selbst trägt. Parallelstellen machen deutlich, dass der Vater, der Heilige Geist und der Sohn gemeinsam in solchen Stunden wirken – der Dreieiner Gott steht hinter einem einfachen Zeugen, der vielleicht zittert, aber nicht allein ist.

Schließlich weitet er die Perspektive über den sichtbaren Schaden hinaus: „Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen“ (Lk. 21:18). Dass zuvor vom Töten einiger Jünger die Rede ist (Lk. 21:16), macht klar: Diese Zusage zielt nicht auf Unverletzbarkeit des Leibes, sondern auf die unzerstörbare Bewahrung in Gottes Sicht. Kein Schlag, keine Zelle, kein Scheitern kann den verborgenen Wert nehmen, den ein Mensch in Christus vor Gott hat. Die Jünger mögen in der öffentlichen Meinung alles verlieren, aber im Blick des Vaters geht ihnen nichts von ihrem wahren Leben verloren. Aus dieser Gewissheit erwächst ein stiller Mut, der nicht aus Härte kommt, sondern aus Geborgenheit. Verfolgung bleibt ernst, manchmal dunkel; doch in diesem Dunkel spricht einer, der seinen Zeugen nahe bleibt, ihre Worte formt, ihre Grenzen kennt und ihre Geschichte in sein eigenes Zeugnis hineinnimmt.

Wer so auf den Menschen-Erretter schaut, beginnt Druck und Hass anders zu lesen. Äußere Bedrohung muss nicht das letzte Wort behalten; sie kann zum Ort werden, an dem die innere Gemeinschaft mit Christus dichter wird als je zuvor. Seine Zusage, Mund und Weisheit zu geben, nimmt die Last von den Schultern, sich selbst retten zu müssen. Und die Gewissheit, dass kein Haar verloren geht, schenkt eine Ruhe, die nicht vom Ausgang der Situationen abhängt. In diesen Spannungen wächst eine Form von Freiheit, die gerade dort aufleuchtet, wo sie niemand erwartet hätte – mitten in Ketten, vor Richtertischen, in zerbrochenen Beziehungen – getragen von einem Herrn, der seine Jünger nicht nur sendet, sondern mit ihnen durch die Feuer geht.

Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen. (Lk. 21:12-13)

Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt, denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen oder widerstehen können. (Lk. 21:14-15)

Aus dieser Sicht kann Verfolgung – in welcher Gestalt sie auch kommen mag – als Raum verstanden werden, in dem Christus seine Nähe, seine Worte und seine Bewahrung neu sichtbar macht; nicht jede Wunde wird vermieden, aber nichts geht verloren, was im Licht seines Namens getragen wurde.

Durch Ausharren die Seele gewinnen und der Wiederkunft entgegenleben

Wenn Jesus die große Not beschreibt, die über Land und Volk kommt, lässt er die Dunkelheit nicht am Rand, sondern in ihrer ganzen Schwere stehen: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe gekommen ist“ (Lk. 21:20). Er spricht von „großer Not“ und von „Zorn über diesem Volk“ (Lk. 21:23), von einem Jerusalem, das von den Nationen zertreten wird, „bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden“ (Lk. 21:24). Dazu kommen kosmische Erschütterungen, Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, Menschen, die vor Furcht verschmachten (Lk. 21:25–26). Die Endzeit ist kein romantisches Bild, sondern eine Zeit, in der die Kräfte der Himmel selbst ins Wanken geraten. Und doch kulminiert alles darin, dass „sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit“ (Lk. 21:27). Das Kreuz, auf das er jetzt zugeht, ist der Ausgangspunkt dieser Wiederkunft: Durch seinen Tod und seine Auferstehung bereitet er den Weg für das Gericht über das Böse und für das Kommen des Reiches Gottes in Herrlichkeit.

Vers 19 sagt: „Durch euer Ausharren werdet ihr eure Seelen besitzen.“ Das griechische Wort, das hier mit „besitzen“ wiedergegeben ist, kann auch mit „erwerben“ übersetzt werden. Das Wort des Herrn hier bedeutet, dass die treuen Gläubigen in Christus ihre Seelen bewahren, retten, besitzen werden. Obwohl sie sowohl an Leib als auch an Seele verfolgt werden und leiden mögen, wird dieses Leiden eine Errettung für ihre Seelen im kommenden Zeitalter sein. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundvierzig, S. 407)

Inmitten dieser großen Linien richtet er das Wort an die Jünger ganz persönlich: „Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren“ (Lk. 21:19). Der Körper kann geschlagen, eingesperrt, getötet werden, doch im Ausharren geschieht etwas Verborgenes an der Seele. Der Herr deutet Leiden nicht nur als Prüfung, sondern als Weg, auf dem die Seele gewonnen, gerettet, innerlich gefestigt wird. Es geht nicht um die Frage, ob ein Glaubender ewig verloren gehen könnte, sondern um die Frage, wie seine Seele in den kommenden Zeitaltern dasteht. Wer im Druck an Christus festhält, wird nicht nur durchgebracht, sondern geht verwandelt aus ihm hervor. So wird das Ausharren zur Brücke zwischen der gegenwärtigen Nachfolge und der künftigen Teilhabe an der Freude des Herrn. Wenn er sagt: „Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht“ (Lk. 21:28), verbindet er das Ausharren mit einer wachsenden Hoffnung – je dunkler es wird, desto näher rückt die Vollendung der Erlösung.

Diese Hoffnung ist konkret, keine vage Tröstung. Der Blick auf den Feigenbaum und alle Bäume, die ausschlagen, dient als Gleichnis dafür, dass die sichtbaren Zeichen eine unsichtbare Jahreszeit anzeigen: „So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist“ (Lk. 21:31). Wie der Frühling im Holz schon wirksam ist, bevor alle Blüten sichtbar sind, so ist das kommende Zeitalter im Verborgenen bereits vorbereitet. Die Linie von 1. Mose bis zur Offenbarung zeigt, wie Gott durch Wasserflut, Wüstenwege, Exil, Kreuz und Gericht hindurch auf eine neue Schöpfung zielt, in der er bei seinem Volk wohnt. In diesem Licht bekommt das Wort vom Ausharren eine freundliche Schwere: Es lädt ein, das eigene Heute nicht nur als mühsame Strecke, sondern als Reifungsweg einer Seele zu sehen, die für kommende Herrlichkeit tauglich werden soll.

So verbindet der Menschen-Erretter das Ernsteste mit dem Tröstlichsten: Er verschweigt keine Not, aber er redet ihr auch nicht das letzte Wort zu. Die Jünger werden eingeladen, mit erhobenem Haupt durch Zeiten zu gehen, die andere verzweifeln lassen. Ausharren heißt dann nicht, mit verbissener Zähigkeit auszuhalten, sondern in der stillen Gewissheit zu bleiben, dass jeder Schritt, jede Träne, jede durchstandene Versuchung in einer größeren Geschichte aufgehoben ist. Die Aussicht, die eigene Seele zu gewinnen, macht das Heute nicht leichter, aber heller: Der kommende Herr sieht das Verborgene, und nichts, was in Treue zu ihm durchlitten wird, bleibt ohne Widerhall in der Freude seiner Wiederkunft.

Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren. (Lk. 21:19)

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht. (Lk. 21:27-28)

Wo Ausharren gefragt ist – in langem Warten, in chronischer Belastung, in Phasen der Dunkelheit – darf im Hintergrund diese Verheißung mitklingen: Nichts davon ist vergeblich, weil der kommende Christus selbst der Garant ist, dass jede treu durchtragene Wegstrecke in die Gewinnung der Seele und in eine tiefere Teilnahme an seiner kommenden Herrlichkeit einmündet.


Herr Jesus Christus, Menschen-Erretter, du bist den Weg nach Jerusalem gegangen, im vollen Wissen um Kreuz, Leiden und Tod, und hast dich selbst hingegeben, um uns zu erlösen. Deine Worte über Kriege, Katastrophen und Verfolgung zeigen, dass dir nichts entgleitet und dass du deine Jünger inmitten aller Erschütterungen im Blick behältst. Stärke den Glauben dort, wo Angst und Unsicherheit vor der Zukunft Raum gewinnen, und erfülle das Herz mit der Gewissheit, dass deine Hand über der Geschichte steht. Wo deine Nachfolger um deines Namens willen missverstanden, abgelehnt oder verfolgt werden, lass sie deine Gegenwart erfahren, dein Wort zur rechten Zeit finden und in deinem Frieden bewahrt sein. Gib ein Ausharren, das die Seele nicht verbittern, sondern reifen lässt, und richte den Blick immer wieder auf deine Wiederkunft in Herrlichkeit, in der deine Erlösung voll offenbar wird. Lass aus deinem Kreuz und deiner Auferstehung eine neue Hoffnung erwachsen, die stärker ist als jede Finsternis, und bewahre bis zu dem Tag, an dem deine Freude in deinem Reich ohne Ende sein wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 47