Das Wort des Lebens
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Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (16)

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Wenn Jesus in Lukas 17 auf dem Weg nach Jerusalem beschrieben wird, begegnen wir keinem distanzierten Lehrer, sondern einem Herrn, der mitten durch Konflikte, Undankbarkeit und religiöse Verblendung geht. Gerade dort zeigt sich, wie seine menschliche Sanftmut mit seinen göttlichen Eigenschaften verbunden ist: Er warnt vor dem zerstörerischen Stolperstein geistlicher Überheblichkeit, reinigt in höchster Barmherzigkeit zehn Aussätzige und offenbart, dass das Königreich Gottes nicht in sichtbaren Zeichen, sondern in seiner Person und Gegenwart beginnt. Diese Linie führt bis zur ernsten, aber hoffnungsvollen Aussicht auf seine Wiederkunft und die Entrückung der Überwinder – und stellt uns die Frage, wie wir heute im Licht dieses unsichtbaren, aber sehr realen Reiches leben.

Vergebung, Glaube und Demut statt pharisäischer Geistlichkeit

Zu Beginn von Lukas 17 richtet der Herr den Blick seiner Jünger auf scheinbar unscheinbare Bereiche: die Gefahr, anderen Anstoß zu geben, die Notwendigkeit der Vergebung, das verborgene Werk des Glaubens und das Bewusstsein, nur Sklaven zu sein. Hinter diesen vier Punkten steht der dunkle Hintergrund der Pharisäer. Sie waren eifrig in religiöser Tätigkeit, kannten die Schrift, verteidigten ihre Überlieferungen – und doch heißt es: „Es ist unmöglich, daß nicht Verführungen kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen!“ (Lukas 17:1). Der pharisäische Geist baut mit religiöser Aktivität und reißt zugleich durch Härte, Stolz und Anstoß wieder ab. Der Menschen-Erretter stellt dem ein anderes Muster gegenüber: Wer in seiner Gegenwart lebt, achtet darauf, dass sein Reden, sein Verhalten, sogar seine inneren Haltungen andere nicht ins Straucheln bringen, sondern schützen und aufbauen. Nicht aus Menschenfurcht, sondern weil er den Bruder als kostbar vor Gott wahrnimmt und die Gemeinschaft des Leibes Christi nicht leichtfertig gefährdet.

Daraus können wir sehen, dass die Lehre in 17,1-10 vom Herrn vor dem Hintergrund gegeben wurde, der durch die Pharisäer gebildet wurde. In diesen Versen scheint der Herr zu Seinen Jüngern zu sagen: „Seid nicht wie die Pharisäer, die andere zu Fall bringen und doch denen nicht vergeben, die sie beleidigen. Die Pharisäer sind ohne Glauben und sind doch stolz auf sich selbst, indem sie meinen, dass sie nützlich seien.“ Als solche, die den Herrn im Jubeljahr des Neuen Testaments genießen, sollten wir andere nicht zu Fall bringen. Im Gegenteil, wir sollten unser Bestes tun, um andere zu vollenden, zu schützen und zu bewahren. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtunddreißig, S. 326)

In dieser Atmosphäre spricht der Herr über Vergebung. Er zeichnet keinen idyllischen Gemeindehof, sondern rechnet mit wiederholter Verletzung: „Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben“ (Lukas 17:4). Vergebung wird hier nicht als spontanes Gefühl beschrieben, sondern als ein entschiedener, geistlicher Schnitt. Die Kränkung ist real, die Wunde vielleicht tief, aber sie wird nicht das letzte Wort behalten. Durch Vergebung wird die innere Verknüpfung mit der Tat des anderen gelöst, der Stachel seiner Sünde verliert die Macht, das Herz dauerhaft zu beherrschen. So wird nicht nur der Täter entlastet, sondern auch der Verletzte aus inneren Ketten von Bitterkeit, Misstrauen und ständigem inneren Nachsprechen befreit. Wer in diesem Sinn vergibt, verharmlost nicht das Böse, sondern stellt es unter das Urteil Gottes und nimmt ihm zugleich das Recht, die eigene Seele zu vergiften.

An diesem Punkt spüren die Jünger ihre Grenze – und ihre Antwort ist überraschend nüchtern: „Mehre uns den Glauben!“ (Lukas 17:5). Vergebung in der Tiefe, wie der Herr sie beschreibt, ist nicht primär eine Frage der psychologischen Technik, sondern des Glaubens. Wer vergibt, übergibt dem souveränen Gott die Sache, die er menschlich nicht ordnen kann. Er vertraut, dass Gott der gerechte Richter ist, dass keine Träne übersehen wird und dass jede Ungerechtigkeit in Gottes Zeit und Weise begegnet wird. Darum ist Vergebung nicht naive Gutmütigkeit, sondern Ausdruck eines tiefen Vertrauens: Die Geschichte meiner Verletzungen steht letztlich in Gottes Händen, nicht in den Händen dessen, der mich verletzt hat. Aus diesem Glauben heraus wird der Jünger frei, dem anderen die Schuld nicht mehr ständig vorzuhalten und sich selbst nicht länger an das Unrecht zu binden.

Gerade dort, wo Glaube lebendig wird und Dienst wächst, legt der Herr ein weiteres Fundament: Demut. Er erzählt von einem Sklaven, der vom Feld kommt, dem nicht gedankt wird, obwohl er seine Pflicht getan hat. Und er schließt: „So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren“ (Lukas 17:10). Das ist keine bittere Selbstabwertung, sondern die nüchterne Sicht eines Herzens, das weiß, wem es alles verdankt. Auch der reichste Dienst, auch die treueste Vergebung, auch der stärkste Glaube bleiben Antwort auf Gnade – niemals Leistung, auf die man sich vor Gott stützen könnte. Wer so denkt, hört auf, sich mit anderen zu vergleichen, erwartet keinen Applaus und keine Stillung seiner inneren Leere durch Anerkennung. Er dient vor dem Auge des Herrn, und das genügt.

ER sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Verführungen kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen! (Lk. 17:1)

Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben. (Lk. 17:4)

Wer sich von Lukas 17 so ansprechen lässt, entdeckt, dass der Herr nicht in erster Linie an unserer Erfolgsbilanz interessiert ist, sondern an der inneren Qualität unseres Weges: ob wir Menschen zum Stolpern bringen oder tragen; ob Verletzungen zu bitteren Festungen oder zu Orten der Gnade werden; ob wir im Dienst vor allem unsere Bedeutung sichern oder in der stillen Freiheit der „unnützen Sklaven“ leben. Gerade dort, wo manches zerbrochen ist, kann der Menschen-Erretter seinen Weg der Vergebung, des Glaubens und der Demut in uns fortsetzen – und aus einem Herzen, das sich ihm so öffnet, wird mehr aufgebaut als jede sichtbare Leistung je erreichen könnte.

Die Reinigung der zehn Aussätzigen und die höchste Moral der Gnade

Auf dem Weg nach Jerusalem führt der Herr seine Jünger mitten durch Samaria – jenen Landstrich, der ihn zuvor abgewiesen hatte. Genau dort begegnen ihm zehn Männer, gezeichnet vom Aussatz und vom Gesetz an den Rand gedrängt: „Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ (Lukas 17:12–13). Sie stehen in der Distanz, die ihre Krankheit ihnen aufzwingt, und doch durchbricht ihr Rufen diese Distanz. Bemerkenswert ist, was der Herr nicht tut: Er erinnert sie nicht an die Ablehnung Samarias, fordert keine Besserungsversprechen, stellt keine Bedingungen. Ohne Vorbehalt antwortet er: „Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt“ (Lukas 17:14). Die Reinigung geschieht auf dem Weg des Gehorsams, und sie geschieht für alle zehn, ohne Unterschied.

Ich bin überzeugt, dass Lukas dies berichtet hat, um den höchsten Maßstab moralischer Haltung in der rettenden Gnade des Herrn aufzuzeigen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtunddreißig, S. 329)

Lukas betont, dass hier die höchste Moral der Gnade sichtbar wird. Menschen würden abwägen: Wer hat mich vorher abgelehnt? Wer hat es verdient? Wer wird wohl dankbar sein? Der Menschen-Erretter handelt anders. Seine Gnade ist nicht blind, aber sie ist nicht kleinlich. Er weiß um die Geschichte Samarias, er kennt das Herz eines jeden dieser Männer – und doch lässt er die Sonne seiner Gnade „aufgehen über Böse und Gute“, wie es an anderer Stelle von Gott heißt. Diese Haltung entlarvt das enge Maß menschlicher Moral. Wir neigen dazu, Beziehungen zu bilanzieren, aufzurechnen und unsere Zuwendung an erwartete Gegenleistung zu knüpfen. Der Herr handelt vor Augen der Jünger in einer anderen Ordnung: Er rettet, weil sein Herz barmherzig ist, nicht weil die Menschen berechenbar wären.

Die Geschichte wendet sich, als einer der Geheilten innehält: „Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter“ (Lukas 17:15–16). Neun gehen ihren Weg, vielleicht voller Freude über die neue Chance, aber ohne Umkehr zum Geber der Gnade. Einer kehrt zurück – ausgerechnet ein Samariter, also einer, den fromme Juden leicht als religiös minderwertig abgestempelt hätten. Die Undankbarkeit der Neun verändert den Herrn nicht; sie offenbart vielmehr, wie schmal der Weg ist, auf dem Menschen aus empfangener Gnade in eine Beziehung der Anbetung eintreten. Gnade ist großzügig, aber nicht billig: Sie lädt in die Nähe ein, in der der Mensch Gott Ehre gibt, nicht nur seine Gaben genießt.

Auf den knienden Samariter spricht der Herr ein letztes, tiefer gehendes Wort: „Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet“ (Lukas 17:19). Alle zehn wurden äußerlich gereinigt, aber von diesem einen sagt er, dass sein Glaube ihn gerettet hat. Zwischen Reinigung und Rettung spannt sich ein feiner, aber entscheidender Bogen. Die Gnade Gottes bleibt nicht bei äußerer Ordnung stehen – Heilung, Klärung, Befreiung von sichtbaren Folgen –, sie zielt auf die innere Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. Wo Dankbarkeit aufbricht, wo ein Mensch sich innerlich vor Christus niederbeugt, wird Gnade zur Rettung der ganzen Person, nicht nur zur Linderung der Not. So zeigt der Menschen-Erretter, was er meint, wenn er Menschen heilt: Es geht ihm um Herzen, die Heimat finden.

Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Und als er (sie) sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt. (Lk. 17:12-14)

Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter. (Lk. 17:15-16)

Wer sich in den zehn Aussätzigen wiederfindet, darf wissen: Vor dem Menschen-Erretter zählt weder Herkunft noch bisherige Reaktion auf ihn mehr als sein gegenwärtiger Ruf an uns. Er schiebt uns nicht zurück in die Ferne, sondern spricht ein Wort, das auf einen neuen Weg führt. Und wer sich in dem einen Samariter wiederfindet, wird entdecken, dass Dankbarkeit kein moralischer Zusatz ist, sondern der Raum, in dem Gnade zur tiefen Rettung wird. In dieser Bewegung – vom Rufen aus der Distanz zum Niederfallen zu seinen Füßen – verwandelt sich ein von Scham gezeichnetes Leben in ein Leben, das im Licht steht und Gott Ehre gibt.

Das Königreich Gottes als Gegenwart Christi und die Entrückung der Überwinder

Als die Pharisäer den Herrn nach dem Zeitpunkt des Kommens des Königreiches fragen, antwortet er mit einer überraschenden Wendung: „Das Königreich Gottes kommt nicht mit Beobachtung; noch werden sie sagen: Siehe, hier ist es! oder: Dort! Denn siehe, das Königreich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17:20–21). In ihrer Vorstellung war das Reich Gottes ein politisches, sichtbares Geschehen, das man wie ein äußeres Ereignis registrieren könnte. Der Menschen-Erretter stellt dem die innere Wirklichkeit entgegen: Das Königreich Gottes ist zuerst sein eigenes Kommen in Niedrigkeit. Er selbst ist der König und zugleich der Samen des Reiches, der mitten unter ihnen steht. Wer ihn in seiner Person verkennt, kann das Reich Gottes vor Augen haben und doch daran vorbeileben.

Die Antwort des Herrn auf die von den Pharisäern aufgeworfene Frage bezüglich des Reiches Gottes zeigt an, dass das Reich Gottes nicht materiell, sondern geistlich ist. Es ist der Erretter in Seinem ersten Kommen (V. 21-22), in Seinem zweiten Kommen (V. 23-30), in der Entrückung Seiner überwindenden Gläubigen (V. 31-36) und in Seinem Vernichten des Antichristen (V. 37), um die ganze Erde für Seine Herrschaft dort wiederzugewinnen (Offb 11:15). (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtunddreißig, S. 330)

Nach seiner Auferstehung vertieft sich diese Wirklichkeit. Der Herr sagt seinen Jüngern: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch“ (Johannes 14:20). Was in Lukas 17 als „mitten unter euch“ beschrieben ist, wird durch den Geist zu „in euch“. Paulus kann darum schreiben: „Wenn aber Christus in euch ist, ist zwar der Leib der Sünde wegen tot, der Geist aber ist Leben der Gerechtigkeit wegen“ (Römer 8:10). Das Königreich Gottes ist in seinem Kern nichts anderes als die gegenwärtige Herrschaft des dreieinen Gottes in Christus im Inneren derer, die zu ihm gehören. Es ist eine verborgene, aber reale Wirklichkeit: Gottes Regierung in unserem Denken, Mögen, Planen; Gottes Friede und Freude, die unsere Maßstäbe verschieben. Darum heißt es auch: „denn das Königreich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14:17).

Doch der Herr bleibt nicht bei dieser unsichtbaren Gegenwart stehen. Er lenkt den Blick der Jünger auf seine zukünftige Offenbarung: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem (Ende) unter dem Himmel bis zum anderen (Ende) unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag“ (Lukas 17:24). Zwischen seiner ersten und seiner zweiten Ankunft liegt eine Zeit, in der er viel leiden und von diesem Geschlecht verworfen werden muss (Lukas 17:25). Diese Zeit ist geprägt von einem alltäglichen Leben, das Gott nicht mehr im Blick hat: wie in den Tagen Noahs und Lots, in denen die Menschen aßen, tranken, kauften, verkauften, pflanzten und bauten – bis das Gericht unvermittelt hereinbrach (Lukas 17:27–29). Nicht die Normalität an sich ist das Problem, sondern die Selbstgenügsamkeit, die in dieser Normalität Gott ausblendet.

In diesen Zwischenraum stellt der Herr die Frage nach den Überwindern. Er spricht von Menschen, die an jenem Tag nicht zurückkehren, um ihre Sachen zu holen, und mahnt: „Erinnert euch an Lots Frau“ (Lukas 17:31–32). Ihr Herz hing an dem, was sie hinter sich ließ, und sie wurde im Rückblick zur Salzsäule. Darauf folgt das ernste Wort: „Wer auch immer sein Seelen-Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren, und wer auch immer es verliert, wird es am Leben erhalten“ (Lukas 17:33). Überwinder sind nicht „bessere Christen“ in äußerlichem Sinn, sondern Menschen, deren inneres Zentrum sich verschoben hat: weg von der Bewahrung des eigenen Seelenlebens hin zu einem Leben, das der Herrschaft Christi Raum gibt – auch wenn es kostet. Sie sind nicht deshalb wach, weil sie besonderen Durchblick hätten, sondern weil sie ihr Herz nicht an das hängen, was vergeht.

Und als Er von den Pharisäern befragt wurde, wann das Königreich Gottes komme, antwortete Er ihnen und sagte: Das Königreich Gottes kommt nicht mit Beobachtung; noch werden sie sagen: Siehe, hier ist es! oder: Dort! Denn siehe, das Königreich Gottes ist mitten unter euch. (Lk. 17:20-21)

An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch. (Joh. 14:20)

Das Bewusstsein, dass das Königreich Gottes Christus selbst in uns ist, nimmt dem Glauben die Nervosität: Wir müssen nicht das große Reich bauen, wir dürfen dem König Raum geben. Und zugleich macht es wach: Was jetzt unauffällig als innere Herrschaft Christi beginnt, hat ein Ziel in seiner sichtbaren Wiederkunft. In dieser Spannung gewinnt der Alltag Gewicht – nicht als Bühne für spektakuläre Leistungen, sondern als Ort, an dem ein Herz lernt, den König höher zu achten als das eigene Seelenleben. So reifen Menschen heran, die nicht von Furcht vor der Zukunft, sondern von der Gegenwart des Menschen-Erretters getragen sind und die seinem Kommen mit stiller, klarer Freude entgegensehen.


Herr Jesus Christus, Menschen-Erretter, danke, dass du mitten in menschlicher Härte, religiöser Überheblichkeit und Undankbarkeit deine Gnade nicht zurückhältst, sondern in höchster Liebe dienst, reinigst und lehrst. Du kennst unsere Neigung, andere zu verletzen, Kränkungen festzuhalten, uns selbst zu überschätzen und doch gleichzeitig in Angst und Unglauben zu leben, und dennoch kommst du uns mit barmherzigem Herzen entgegen. Stärke in uns den Geist der Vergebung, damit die Macht von Verletzungen über unserem Leben gebrochen wird, und lehre uns ein verborgenes Leben des Glaubens, das deine souveräne Hand in allen Umständen anerkennt. Bewahre uns in einer tiefen, nüchternen Demut, damit wir in deinem Dienst nicht durch Stolz zerstören, was durch deine Gnade aufgebaut wurde, sondern dir still und treu dienen als solche, die alles von dir und nichts aus sich selbst erwarten. Lass dein Königreich in uns Raum gewinnen, bis du, der König, sichtbar wiederkommst und wir in deiner Gnade als Überwinder in die volle Freude deines Reiches hineingenommen werden. Richte unseren Blick auf deine Gegenwart in uns und auf die Hoffnung deiner Wiederkunft, damit wir in dieser Zeit nicht betäubt, sondern wach, hoffnungsvoll und in dir geborgen leben. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 38