Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (1)

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Wenn Jesus sich von Galiläa nach Jerusalem aufmacht, geht es nicht um eine gewöhnliche Reise, sondern um den Weg zu dem von Gott bestimmten Ort und Zeitpunkt Seines Opfertodes. Unterwegs begegnet Er Ablehnung, zögerlicher Nachfolge und einer gewaltigen Ernte, für die kaum Arbeiter da sind. Gerade hier wird sichtbar, wie sehr der Sohn des Menschen zugleich in tiefster menschlicher Verletzbarkeit und in unerschütterlicher göttlicher Zielgerichtetheit lebt und wirkt.

Der fest entschlossene Weg nach Jerusalem

Lukas zeichnet einen stillen, aber gewichtigen Wendepunkt, wenn er schreibt: „Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen“ (Lukas 9:51). Der Menschen-Erretter hat Jahre im verachteten Galiläa verbracht, fern vom Tempel und von der Stadt, die sich als Zentrum von Gottes Geschichte mit Israel verstand. Nun wendet Er sich dorthin, wo Er menschlich gesehen auf den Höhepunkt der Ablehnung zuläuft – und zugleich an den Ort, an dem der ewige Plan des Vaters zur Reife kommt. Seine Entschlossenheit entspringt nicht einem blinden Fatalismus, sondern der klaren Einsicht in Gottes Ratschluss: Er weiß, dass Er verworfen, ausgeliefert und getötet werden wird, und doch geht Er. „Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen“ (Markus 10:33). Die innere Richtung seines Angesichts zeigt die Einheit Seines menschlichen Willens mit dem Willen des Vaters.

Der Menschen-Erretter hatte mehr als drei Jahre lang in der verachteten Gegend von Galiläa gedient, weit entfernt vom heiligen Tempel und der heiligen Stadt, dem Ort, wo Er sterben musste zur Vollbringung von Gottes ewigem Plan. Als das Lamm Gottes (Joh 1:29) war es notwendig, dass der Herr auf dem Berg Morija, der der Berg Zion ist, Gott dargebracht wurde, wo Abraham Isaak opferte und Gottes Versorgung eines Widders als Ersatz für seinen Sohn genoss (1. Mo 22:2, 9-14) und wo der Tempel in Jerusalem gebaut wurde (2. Chr 3:1). (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundzwanzig, S. 195)

Jerusalem ist für diesen Weg nicht zufällige Kulisse, sondern theologisch verdichteter Ort. Der Berg Morija, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte und an dem Gott einen Widder als Stellvertretung gab, wird im Lauf der Schrift zu dem Platz, an dem Opfer und Gegenwart Gottes konzentriert sind. „Und Salomo fing an, das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war“ (2. Chronik 3:1). Was in 1. Mose 22 im Schatten geschah, findet in Jesus seine Wirklichkeit: Der Sohn, der nicht verschont wird, und doch die göttliche Vorsorge, die einen Stellvertreter bereitstellt. Johannes fasst das in einem Satz: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1:29). Am Ort des Tempels soll das wahre Passahlamm zur festgesetzten Zeit geopfert, der Messias „abgeschnitten“ und wie die erhöhte Schlange aufgerichtet werden, damit viele leben (Johannes 3:14).

Dass Jesus sein Angesicht auf diesen Ort hin ausrichtet, lässt die Tiefe seiner Liebe leuchten. Er kennt die Linien der Schrift, Er durchschaut das Komplott der Menschen und den Schmerz des Kreuzes, und doch lässt Er sich nicht ablenken. Seine menschliche Empfindsamkeit ist nicht abgeblockt, sondern von göttlicher Entschlossenheit durchdrungen. Darin zeigt sich eine Schönheit, die den Leser nicht in Distanz lässt: Dieser Weg nach Jerusalem ist nicht nur eine historische Route, sondern der Weg, auf dem unsere Versklavung endet und das Königreich Gottes sich öffnet. Wer auf den geht, der so bewusst nach Jerusalem aufbricht, sieht sich eingeladen, die eigene Geschichte im Licht dieses Entschlusses zu betrachten. Es gibt Wege, vor denen man am liebsten fliehen möchte; der Menschen-Erretter geht voraus, dorthin, wo es weh tut, und verwandelt gerade diesen Ort in den Punkt, an dem Gottes Versorgung „auf dem Berg des HERRN“ sichtbar wird. Das macht Mut, Gottes Plan nicht als kalte Notwendigkeit, sondern als von Liebe getragene Wirklichkeit anzunehmen.

ES geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen. (Lk. 9:51)

Und Salomo fing an, das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an der Stelle, die David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters. (2.Chr. 3:1)

Der fest entschlossene Weg Jesu nach Jerusalem verbindet die großen Linien der Schrift mit der konkreten Last unseres Lebens: Er zeigt, dass Gott seinen ewigen Plan nicht an unserer Schwachheit vorbeiführt, sondern mitten durch Leid, Verwerfung und Tod hindurch zur Vollendung bringt. In der Entschlossenheit des Menschen-Erretters liegt eine leise, aber starke Einladung, die eigenen Wege nicht länger nur unter dem Vorzeichen von Risiko und Verlust zu sehen, sondern im Licht eines Gottes, der gerade am Moria unseres Lebens vorsorgt. Je mehr sein Blick nach Jerusalem unser Bild von Liebe und Gehorsam prägt, desto freier können wir uns in Gottes Hände fallen lassen – im Vertrauen, dass kein Weg, den Er führt, in sinnloser Dunkelheit endet, sondern in einer Tiefe von Gemeinschaft, die uns schon jetzt in das Reich Gottes hineinnimmt.

Verworfen und doch rettend – Jesu Umgang mit Ablehnung

Auf dem Weg nach Jerusalem führt die Route Jesu nicht über neutrale Zwischenstationen, sondern durch vermintes Gelände. Zwischen Juden und Samaritern liegen alte Verletzungen und religiöse Auseinandersetzungen. Gerade dort sendet Er Boten voraus, „um für ihn Unterkunft zu bereiten“ (Lukas 9:52), und gerade dort stößt Er auf kalte Ablehnung: „Und sie nahmen ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach Jerusalem hin gerichtet war“ (Lukas 9:53). An diesem kleinen Dorf wird sichtbar, wie tief die Trennung sitzt: Die Ausrichtung auf den Ort von Gottes Heilshandeln wird zum Grund für Abweisung. Jakobus und Johannes, innerlich noch gezeichnet vom brennenden Eifer des Elias, wollen die Zurückweisung mit Gericht beantworten: „Herr, willst du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren soll, wie auch Elia tat?“ (Lukas 9:54). In ihrem Herzen mischen sich Loyalität zu Jesus, verletzter Stolz und ein Bild von Gott, das mehr an Vergeltung als an Rettung denkt.

Als die Samariter den Menschen-Erretter abgelehnt hatten, „sagten die Jünger Jakobus und Johannes: Herr, willst du, dass wir sagen, Feuer solle vom Himmel herabkommen und sie verzehren?“ (V. 54). … Der Herr wandte sich diesen Jüngern zu und wies sie zurecht. Es scheint, als hätte der Herr ihnen gesagt: „Wisst ihr nicht, dass wir das Jubeljahr verkündigen? Das Jubeljahr besteht nicht darin, Feuer herabzurufen, um Menschen zu verzehren. Anstatt Feuer vom Himmel herabzurufen, bringen wir anderen Frieden.“ (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundzwanzig, S. 197)

Die Antwort des Menschen-Erretters ist ebenso schlicht wie durchdringend: Er wendet sich um und weist sie zurecht, und sie gehen in ein anderes Dorf (Lukas 9:55–56). Zwischen den Zeilen wird deutlich, was an anderer Stelle ausdrücklich wird: Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, Menschenleben zu vernichten, sondern zu retten. In Seiner Reaktion zeigt sich eine andere Art von Macht – nicht die Macht, die sich im Feuer vom Himmel beweist, sondern die Macht der Sanftmut, die Ablehnung trägt, ohne Bitterkeit zu nähren. Seine menschlichen Tugenden sind keine freundlichen Manieren, sondern der Ausdruck göttlicher Langmut. Er lässt sich zurückweisen, ohne das Dorf abzuschreiben; Er geht weiter, ohne den Weg des Gerichts zu wählen, obwohl Er als der kommende König diesen Weg gehen könnte. In Ihm wird sichtbar, wie Gottes Eifer für die Heiligkeit nie von Seinem Verlangen nach Rettung getrennt ist.

Wer diesen Abschnitt betrachtet, spürt vielleicht eigene Reaktionen wieder: die spontane Härte gegenüber denen, die nicht „mit uns“ sind, die Versuchung, Vorsicht, Distanz oder offenen Widerstand mit geistlichem Feuer zu beantworten. Der Weg Jesu durch Samarien stellt dem ein anderes Herz gegenüber. Der, der auf Jerusalem zugeht, nimmt es hin, nicht aufgenommen zu werden, und bleibt doch innerlich dem Auftrag treu, Frieden zu bringen. „Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch“ (Lukas 9:50). So entsteht ein Raum, in dem Gnade nicht billig ist, aber auch nicht rasch zur Drohung wird. Für den Leser kann es befreiend sein, zu entdecken, dass der Menschen-Erretter auch die eigenen harten Reflexe kennt und korrigiert – nicht um uns zu beschämen, sondern um uns in den Geist der Jubelzeit hineinzunehmen, in der Schuldner frei werden und Entfremdete heimkehren. Seine Weigerung, Feuer zu rufen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der stille Triumph einer Liebe, die mehr retten will, als wir ertragen können.

Darum endet diese Begebenheit nicht im Dunkel der Ablehnung, sondern in einer leisen Bewegung weiter nach vorn. „Und sie gingen nach einem anderen Dorf“ (Lukas 9:56): unspektakulär, ohne Drama, und doch voller Würde. Der Dienst des Menschen-Erretters bricht nicht zusammen, wenn Türen verschlossen bleiben, und seine Jünger sollen lernen, dass Gottes Jubeljahr nicht vom guten Willen der Menschen abhängt, sondern von der Treue dessen, der geht. In dieser Ruhe liegt eine Ermutigung für alle, die mit Zurückweisung, Missverständnissen oder harter Kritik leben müssen. Jesu Umgang mit Samarien zeigt, dass Ablehnung nicht das letzte Wort haben muss. Wo Er weitergeht, bleibt die Möglichkeit offen, dass seine Gnade eines Tages gerade dort ankommt, wo sie zunächst abgewiesen wurde. Das bewahrt davor, Menschen vorschnell innerlich abzuschreiben – und es tröstet, wenn man selbst einmal das Dorf ist, das Ihn nicht aufnimmt: Er kehrt zwar weiter, aber sein Herz bleibt ein rettendes Herz.

Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her; und sie gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, um für ihn (Unterkunft) zu bereiten. (Lk. 9:52)

Und sie nahmen ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach Jerusalem hin gerichtet war. (Lk. 9:53)

Die Ablehnung durch die Samariter entlarvt unseren Hang zu raschem Gericht und schenkt zugleich einen tiefen Blick in das Herz des Menschen-Erretters. Seine Sanftmut unter Zurückweisung, seine Weigerung, aus Verletzung heraus zu handeln, und seine still beharrliche Ausrichtung auf die Rettung machen deutlich, in welchem Geist das Reich Gottes kommt. Wer sich von dieser Szene formen lässt, entdeckt, dass göttliche Leidenschaft nicht in zerstörerischer Härte gipfelt, sondern in einer langen Geduld, die auch den Widerstand des anderen noch im Horizont der Jubelzeit Gottes sieht. So kann der Leser ermutigt weitergehen – mit weniger innerem Feuer gegen Menschen und mit mehr innerem Feuer für das leise, rettende Wirken dessen, der auch heute Dörfer durchzieht und Frieden statt Vernichtung bringt.

Nachfolge und Aussendung im Licht der Jubelzeit Gottes

Unmittelbar nach der Episode in Samarien treten drei Gestalten hervor, an denen sich zeigt, wie der Menschen-Erretter Nachfolge versteht. Ein Mann erklärt spontan: „Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst“ (Lukas 9:57). Hinter dieser Bereitschaft steht wohl die Faszination der Menge, die Kraft seiner Worte, vielleicht der Wunsch, Teil von etwas Großem zu sein. Jesus antwortet nicht mit Applaus, sondern mit einem nüchternen Bild: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege“ (Lukas 9:58). Er öffnet ihm damit den Blick in seine menschliche Armut – nicht als Defizit, sondern als Raum, in dem sich die göttliche Liebe verschenkt. Wer Ihm folgt, bindet sich an einen Herrn, der auf Erden keinen gesicherten Platz hat. Die Begeisterung wird an der Wirklichkeit gemessen: Nachfolge bedeutet, sich in das Schicksal des Menschen-Erretters hineinzustellen, dessen Weg nicht über Bequemlichkeit und Anerkennung, sondern über Verzicht und Verwundbarkeit führt.

Der Herr Jesus sagte zu ihm: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Nistplätze, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege.“ … Der Erretter warnte ihn, indem er darauf hinwies, dass Er, obwohl die Volksmengen von Ihm angezogen wurden, keinen Ort hatte, um zu ruhen. Dies zeigt an, dass es den in Vers 57 genannten viel Leiden kosten würde, dem Herrn zu folgen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreiundzwanzig, S. 198)

Dem zweiten ruft Jesus selbst zu: „Folge mir nach!“ (Lukas 9:59). Die Antwort klingt verständlich: er möchte zuerst seinen Vater begraben. Jesus entgegnet mit einem Wort, das hart wirken kann: „Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes“ (Lukas 9:60). Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass es nicht um mangelnde Pietät geht, sondern um eine innere Gewichtung: Es gibt Dinge, die kulturell, familiär und emotional höchste Priorität haben, die aber vor dem Hintergrund des anbrechenden Königreiches Gottes relativ werden. Der Ruf des Menschen-Erretters stellt den Mann in eine neue Ordnung, in der der Dienst am Reich Gottes nicht mehr einfach an den Rand geschoben werden kann. Beim dritten, der erst Abschied von seiner Familie nehmen möchte, zeichnet Jesus das Bild vom Pflüger, der nicht zurückblickt, wenn seine Furche gerade werden soll (Lukas 9:61–62). Nachfolge verträgt kein ständiges Rückwärtsdenken; sie verlangt eine Ausrichtung, die innerlich gesammelt nach vorn geht.

Auf diese persönlichen Begegnungen folgt die überraschende Weitung: „Danach aber bestimmte der Herr siebzig andere und sandte sie je zwei vor seinem Angesicht her in jede Stadt und an jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte“ (Lukas 10:1). Der Weg nach Jerusalem ist kein einsamer Heroismus, sondern eine Bewegung, in die viele hineingezogen werden. Jesus beschreibt die Situation mit einem einfachen Bild: „Die Ernte ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte aussende“ (Lukas 10:2). Die Jünger, die soeben noch mit der Realität der Nachfolge konfrontiert wurden, hören nun, dass Gott selbst der Herr der Ernte ist und dass sie ausgesandt werden, um dem Menschen-Erretter vorauszugehen. Sie sollen leicht unterwegs sein, nicht auf eigene Absicherung bauen, den Häusern Frieden zusprechen und in den Orten, die sie aufnehmen, heilend und befreiend wirken. In ihrer menschlichen Schwachheit tragen sie die Botschaft der Jubelzeit Gottes: Schulden werden erlassen, Gefangene gehen frei, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.

In dieser Verbindung von Nachfolge und Aussendung spiegelt sich etwas vom inneren Herzschlag des Menschen-Erretters. Er ruft nicht zu einem privaten Weg der Perfektion, sondern formt Menschen, die er anschließend in seine eigene Sendung hineinnimmt. Seine Worte über den Preis der Nachfolge sind keine Drohung, sondern eine ehrliche Klärung, damit die Aussendung nicht auf einem falschen Fundament steht. Wer sich von Ihm in diese Spannung hineinnehmen lässt – zwischen dem Verzicht eines Herrn ohne Ruheplatz und der Fülle eines Gottes, der eine große Ernte bereitet hat –, erkennt allmählich, dass beides zusammengehört: menschliche armselige Verfügbarkeit und göttliche überfließende Versorgung. So wächst ein Lebensstil, der nicht von äußerem Erfolg definiert wird, sondern von der stillen Freude, an der Ausbreitung des Königreiches Gottes teilzuhaben. Diese Freude ist es, die vielen Propheten und Königen verwehrt blieb, wie Jesus sagt: „Denn ich sage euch, daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört“ (Lukas 10:24).

Als sie aber auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. (Lk. 9:57-58)

Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Er aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes. (Lk. 9:59-60)

Die Begegnungen Jesu mit den drei potenziellen Nachfolgern und die Aussendung der Siebzig stellen die Frage nach Prioritäten, Bindungen und innerer Beweglichkeit, ohne sie in moralischen Druck zu verwandeln. Sie zeigen einen Herrn, der ehrlich über den Preis spricht und zugleich weit genug ist, viele in seine Sendung hineinzunehmen. Für den Leser entsteht darin ein Raum, in dem eigene Lebensentscheidungen im Licht einer größeren Geschichte betrachtet werden können: Der, der keinen Ort für sein Haupt hatte, eröffnet ein Reich, in dem selbst unscheinbare Schritte Bedeutung bekommen. Wer sich von dieser Sicht prägen lässt, entdeckt, dass Nachfolge und Aussendung nicht primär von der Stärke des Menschen, sondern von der Großzügigkeit des Menschen-Erretters getragen sind – und dass es deshalb Hoffnung gibt, auch mit halbem Herzen neu zu beginnen, weil der Ruf in die Jubelzeit Gottes stärker ist als unsere Unschlüssigkeit.


Herr Jesus Christus, Du Menschen-Erretter, Du bist den Weg nach Jerusalem nicht im Ungewissen gegangen, sondern in der klaren Kenntnis des Leidens, das Dich dort erwartete, und dennoch bist Du aus Liebe zu uns nicht zurückgewichen. Danke, dass Du in Deiner sanften, demütigen Menschlichkeit und in Deiner starken, göttlichen Entschlossenheit allen Hass und alle Ablehnung getragen hast, um uns in die Freiheit und den Frieden Deines Reiches zu bringen. Stärke das Vertrauen in unseren Herzen, dass Dein Plan gut ist, auch wenn der Weg eng und leidvoll erscheint, und fülle unsere Inneren mit Deinem Frieden, der jede Bitterkeit und jeden Vergeltungsgeist überwindet. Lass Deine Liebe uns so durchdringen, dass wir mitten in einer ablehnenden Welt Träger Deines Friedens und Zeugen Deiner Jubelzeit sind, bis Du wiederkommst und alles vollendest. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 23