Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (2)
Wer sich von Gott gebrauchen lässt, erlebt manchmal erstaunliche Dinge: Gebet wird erhört, Türen gehen auf, Widerstände weichen. Schnell entsteht der Eindruck, dass diese sichtbaren Wirkungen das Eigentliche sind. Doch Jesus selbst verschiebt in Lukas 10 den Blick seiner Jünger weg von spektakulären Erfahrungen hin zu einer viel tieferen Wirklichkeit: Gottes ewiger Plan, der Sieg über Satan und das unaussprechliche Vorrecht, dass unsere Namen in den Himmeln verzeichnet sind.
Autorität über den Feind – aber Freude aus der Errettung
Die siebzig Jünger kommen von ihrem Dienst zurück und sind von einem Gedanken beherrscht: „Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen“ (Lukas 10:17). Sie haben zum ersten Mal erfahren, dass das unsichtbare Reich reagiert, wenn der Name Jesu ausgesprochen wird. In ihrem Staunen liegt etwas sehr Menschliches: Wir sind tief beeindruckt, wenn durch unser Tun sichtbar etwas geschieht. Jesus verweigert ihnen diese Freude nicht, aber er richtet ihren Blick. Er verbindet ihr Erleben mit einer viel größeren, verborgenen Wirklichkeit: „Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lukas 10:18). Hinter ihrer kleinen Missionsreise steht ein kosmischer Sturz; ihr Dienst ist hineingestellt in Gottes Gericht über den „Fürsten dieser Welt“, von dem es heißt: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden“ (Johannes 12:31).
Nachdem Er den Jüngern gesagt hatte, dass Er den Satan sah, wie er wie ein Blitz aus dem Himmel fiel, und nachdem Er gesagt hatte, dass Er ihnen Vollmacht über alle Kraft des Feindes gegeben habe, sagte der Herr: „Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind, sondern freut euch, dass eure Namen in den Himmeln eingeschrieben sind“ (V. 20). Gewiss ist es entscheidender, gerettet zu sein, unsere Namen in den Himmeln eingeschrieben zu haben, als Dämonen auszutreiben. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundzwanzig, S. 204)
Der Herr bestätigt ihre Vollmacht: „Siehe, Ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und auf Skorpione zu treten und über die ganze Kraft des Feindes“ (Lukas 10:19). „Schlangen“ und „Skorpione“ sind Bilder für satanische Mächte und dämonische Angriffe; sie stehen für das Wirken dessen, der nach Epheser 2:2. als „Fürst der Macht der Luft“ beschrieben wird und gegen den wir „nicht gegen Fleisch und Blut“ kämpfen (Epheser 6:11–12). Diese Vollmacht ist real; sie gründet darin, dass Christus selbst in unsere menschliche Natur eingegangen ist, „damit Er durch den Tod den vernichte, der die Macht des Todes hat, das heißt den Teufel“ (Hebräer 2:14). Der Sieg über den Feind ist keine Leistung der Jünger, sondern Auswirkung des Werkes des Menschen-Erretters.
Genau hier setzt die Korrektur Jesu ein. Nach der großen Zusage folgt das kleine, aber entscheidende „Doch“: „Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind; freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind“ (Lukas 10:20). Die Freude über geistliche Wirkung ist nicht falsch, sie ist nur nicht die erste Freude. Was die Jünger erlebt haben, ist Frucht; der Stamm liegt tiefer. Bevor ein Dämon weicht, hat Gott bereits beschlossen, einen Sünder zu retten. Bevor ein Name im Mund der Jünger den Feind erschüttert, ist dieser Name schon längst in den Himmeln eingeschrieben. Der sichtbare Sieg im Dienst ist ein Nachklang der unsichtbaren Gnade. Wer das versteht, ordnet seine Erfahrungen neu ein: Er wird dankbar für jede Vollmacht, aber er baut sein Herz nicht darauf.
In dem Satz von den eingeschriebenen Namen klingt Gottes ewige Entscheidung an. Ein Name wird nicht im Vorübergehen in den Himmel geschrieben; er steht dort, weil Gott in Christus erwählt und angenommen hat. Paulus fasst diese Tiefe so: Gott „hat uns in ihm auserwählt vor Grundlegung der Welt“ und uns „zur Sohnschaft“ vorherbestimmt (Epheser 1:4–5). Wenn Jesus sagt, dass unsere Namen in den Himmeln angeschrieben sind, dann spricht er von einem festen, unwiderruflichen Ort in Gottes Herzen. Die Jünger feiern, dass Dämonen ihnen gehorchen; der Herr führt sie zu dem größeren Wunder, dass der Vater sie kennt, ruft und nie fallenlässt. Es ist, als ob er ihnen sagen wollte: Die Dämonen mögen heute weichen und morgen wieder toben; dein Name bleibt. Der Feind mag sich erheben; dein Eintrag in den Himmeln steht.
DIE Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. (Lk. 10:17)
Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. (Lk. 10:18)
Wenn die Aufmerksamkeit des Herzens vom eigenen Erleben geistlicher Macht weg und hin zu der schlichten Tatsache wandert, dass der eigene Name in den Himmeln geschrieben steht, wird der Dienst entlastet und der Glaube tief. Stolz und Entmutigung verlieren an Gewicht, weil nicht unser Erfolg, sondern Gottes unwiderrufliche Gnade die Mitte bleibt; aus dieser Gewissheit heraus darf jede scheinbar kleine Treuehandlung als Teil eines bereits vollendeten Sieges verstanden werden.
Der Menschen-Erretter preist den Vater – die Dreieinigkeit offenbart sich
Nachdem Jesus den Blick der Jünger von der Macht über die Geister auf die eingeschriebenen Namen gelenkt hat, öffnet Lukas uns einen seltenen Einblick in das Herz des Herrn. „In dieser Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“ (Lukas 10:21). Der Menschen-Erretter, der eben noch unterwegs war als der müde Dienende, wird hier als der Sohn gezeigt, der im Heiligen Geist jubelt. In einem Satz stehen drei: der Sohn spricht, im Geist, zum Vater. Die Göttliche Dreieinigkeit tritt nicht als Theorie vor uns, sondern als lebendige Beziehung: im Geist wendet sich der Sohn voller Freude dem Vater zu. Was ihn bewegt, ist nicht zuerst der Sieg über Satan, sondern das, was der Vater beschlossen und offenbart hat.
Lukas 10:21 und 22 sagen: „In derselben Stunde frohlockte Er im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und wer der Vater ist, als nur der Sohn und der, welchem der Sohn es offenbaren will.“ Das Gebet des Herrn hier bezieht die Dreieinigkeit in ihrer Ökonomie ein. Im Heiligen Geist pries der Sohn den Vater, den Herrn des Himmels und der Erde. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundzwanzig, S. 205)
Jesus nennt Gott „Vater“ und zugleich „Herr des Himmels und der Erde“. Der, der sich um Spatzen und Lilien kümmert, ist derselbe, der die Galaxien trägt. Und dieser allmächtige Herr handelt auf eine Weise, die menschliche Maßstäbe durchbricht: „daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir“ (Lukas 10:21). Das Entscheidende liegt nicht auf der Ebene menschlicher Klugheit. Nicht die „Weisen und Verständigen“ der damaligen Religionswelt sehen, was Gott tut, sondern Menschen, die in ihren eigenen Augen klein und angewiesen sind. Jesus freut sich über dieses Wohlgefallen des Vaters. Seine Freude entzündet sich daran, dass Gott sich in seiner Freiheit klein macht und sich Menschen zuwendet, die nichts vorzuweisen haben als ihre Offenheit.
Auf dieses Lob folgt eine gewaltige Aussage: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der Vater ist, als nur der Sohn, und wem der Sohn (ihn) offenbaren will“ (Lukas 10:22). Hier wird die innere Beziehung zwischen Vater und Sohn aufgeschlossen. Der Vater hat dem Sohn „alles“ übergeben – nicht nur Macht, sondern die gesamte Heilsökonomie, den ganzen ewigen Plan. zugleich heißt es, dass nur der Vater den Sohn wirklich erkennt und nur der Sohn den Vater. In dieser gegenseitigen Erkenntnis berührt sich unendliche Liebe mit unendlichem Wissen. Für Menschen bleibt diese Beziehung undurchdringlich, solange der Sohn nicht offenbart. Petrus durfte später bekennen: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“, und Jesus bezeugte ihm: „weil nicht Fleisch und Blut dir dies offenbart hat, sondern Mein Vater, der in den Himmeln ist“ (Matthäus 16:17).
Offenbarung ist deshalb kein Ergebnis geistlicher Technik, sondern ein Geschenk der Dreieinigkeit. Der Sohn offenbart, was der Vater beschlossen hat, und der Geist macht es im Herzen lebendig. So betet Jesus kurz vor seinem Kreuz: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast“ (Johannes 17:6), und später: „Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun“ (Johannes 17:26). Wer erkennt, wer Christus ist, wird dadurch zugleich in die Beziehung zum Vater hineingenommen. Es ist nicht nur Wissen über Gott, sondern Anteil am Gespräch zwischen Vater und Sohn.
In dieser Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. (Lk. 10:21)
Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der Vater ist, als nur der Sohn, und wem der Sohn (ihn) offenbaren will. (Lk. 10:22)
Wo der eigene Anspruch auf Durchblick und geistliche Stärke zurücktritt und ein kindliches Vertrauen an die Stelle der Selbstsicherheit tritt, öffnet sich Raum für das Wirken der Göttlichen Dreieinigkeit: Der Vater offenbart im Sohn durch den Geist; daraus erwächst eine schlichte, aber tiefe Freude, die weniger aus dem eigenen Verstehen als aus der empfangenen Nähe Gottes lebt und den Glaubenden auch in unbeantworteten Fragen innerlich trägt.
„Diese Dinge“ und die eingeschriebenen Namen – Gottes ewiger Plan für uns
Zwischen der Freude über die eingeschriebenen Namen und dem Jubel Jesu im Geist taucht in Lukas 10 eine unscheinbare Formulierung auf, die eine ungeheure Tiefe birgt. Jesus spricht von „dies“ – dem, was der Vater verborgen und geoffenbart hat –, dann von „alles“ – was ihm vom Vater übergeben ist –, und wenig später von „den Dingen“, die Propheten und Könige sehen wollten. „Glückselig die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch, daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört“ (Lukas 10:23–24). In diesem Dreiklang von „dies“, „alles“ und „den Dingen“ wird angedeutet, dass ein umfassendes Heilsgeschehen im Gange ist, das weit über die sichtbare Mission der Jünger hinausreicht.
„Dies“ in Vers 21, „alles“ in Vers 22 und „die Dinge“ in den Versen 23 und 24 beziehen sich alle auf die Dinge, die mit dem Einschreiben unserer Namen in den Himmeln zu tun haben. Das Einschreiben unserer Namen in den Himmeln umfasst sehr viel. Tatsächlich sind die vierzehn Briefe des Paulus nötig, um zu beschreiben, was mit dem Einschreiben unserer Namen in den Himmeln verbunden ist. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft vierundzwanzig, S. 207)
„Diese Dinge“ sind nicht nur die Wunder und die Vollmacht über Dämonen. Sie umfassen den ganzen Heilsplan Gottes, der nun in der Person des Menschen-Erretters sichtbar wird. Propheten und Könige des Alten Bundes hatten von dieser Herrlichkeit geahnt. Abraham freute sich, „daß er meinen Tag sehen sollte“ (Johannes 8:56); David sang von einem Herrn, der zu seinem Herrn spricht und ihn zu seiner Rechten setzt (Psalm 110:1); Jesaja kündigte einen Knecht an, durch dessen Wunden Heilung kommt. Doch sie sahen nur Schatten, Vorgriffe, Verheißungen. Die Jünger hingegen gehen mit dem Sohn Gottes auf staubigen Wegen, hören seine Stimme, sehen seine Werke. Sie stehen an der Schwelle dessen, was später in den Briefen entfaltet werden wird.
Wenn Jesus ihre Aufmerksamkeit auf die eingeschriebenen Namen lenkt, berührt er damit den innersten Kern dieses Plans. Dass ein Name im Himmel notiert ist, bedeutet, dass Gott diesen Menschen in seinen ewigen Ratschluss aufgenommen hat. Paulus beschreibt es so: Gott hat uns „in Christus“ gesegnet „mit jeder geistlichen Segnung in den Himmeln“, „wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt“ (Epheser 1:3–4). Vor jeder sichtbaren Geschichte, vor 1. Mose 1, bevor Licht und Finsternis geschieden wurden, stand schon der Entschluss Gottes, Menschen in Christus zu kennen, zu lieben, zu heiligen und zu verherrlichen. Die Eintragung des Namens ist das Zeichen dieser Erwählung; sie ist gewisser als jede wechselnde Erfahrung.
Zu „allen Dingen“, die dem Sohn übergeben sind, gehört darum die gesamte Durchführung dieses ewigen Plans: die Rechtfertigung der Gottlosen, das Wachstum im Leben bis zur Reife, die Bildung des Leibes Christi, die zukünftige Herrlichkeit, in der Gott „alles in allem“ sein wird. Die Jünger tasten in Lukas 10 erst an die Oberfläche, aber sie stehen bereits in dieser Bewegung. Ihre Vollmacht über Dämonen ist ein Aspekt, ihre Freude über die Offenbarung des Vaters ein weiterer; das Ganze aber umfasst alles, was Gott „in der Fülle der Zeiten“ in Christus zusammenfassen will (Epheser 1:10). Auch das gehört zu den „Dingen“, die Propheten und Könige ersehnten, ohne sie in dieser Dichte zu sehen: dass Gott nicht nur einzelne rettet, sondern eine neue Menschheit schafft, deren Namen im Himmel verzeichnet sind und die in Ewigkeit mit dem Sohn verbunden ist.
Und er wandte sich zu den Jüngern allein und sprach: Glückselig die Augen, die sehen, was ihr seht! (Lk. 10:23)
Denn ich sage euch, daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Lk. 10:24)
Die Einsicht, dass die eigenen Tage, Entscheidungen und Mühen mit „den Dingen“ verbunden sind, die Gott vor Grundlegung der Welt in Christus beschlossen hat, schenkt dem Alltag eine verborgene Würde: Das scheinbar Gewöhnliche wird Teil einer Geschichte, die Propheten und Könige nur aus der Ferne erahnten, und die Gewissheit des im Himmel eingeschriebenen Namens trägt leise durch Zeiten, in denen weder Gefühl noch Sichtbarkeit die Größe von Gottes Plan erkennen lassen.
Vater, Herr des Himmels und der Erde, danke, dass Du unsere Namen in den Himmeln eingeschrieben hast und dass nichts und niemand Deinen Ratschluss über unserem Leben auslöschen kann. Herr Jesus, Du Menschen-Erretter, wir beten Dich an, weil Du den Feind besiegt hast und uns nicht nur Autorität im Kampf, sondern vor allem Anteil an Deinem eigenen Leben und Deiner Gemeinschaft mit dem Vater schenkst. Heiliger Geist, öffne unsere Augen für „diese Dinge“, die Du für uns bereitet hast, damit unsere Freude tiefer wird als alle sichtbaren Erfahrungen und in Dir fest verankert bleibt. Richte unser Herz darauf aus, wie Kinder vor Dir zu stehen und uns von Dir lehren zu lassen, bis wir in der Fülle Deiner himmlischen Berufung leben. Stärke alle, die müde oder entmutigt sind, durch die Gewissheit, dass ihr Name bei Dir verzeichnet ist und dass Dein Plan mit ihnen nicht scheitern wird. Lass aus dieser Hoffnung stille Anbetung, neue Zuversicht und ein Leben zur Ehre Deiner Göttlichen Dreieinigkeit hervorgehen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 24