Das Wort des Lebens
lebensstudium

Ein Leben ganz gemäß und für Gottes neutestamentliche Ökonomie (1)

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Viele Christen wünschen sich ein gerechtes, heiliges und siegreiches Leben, merken aber zugleich, dass ihnen der große Zusammenhang der Bibel oft verborgen bleibt. Wenn man das Markusevangelium aufmerksam liest, entdeckt man, dass die einzelnen Geschichten nicht nur lose aneinandergereihte Wunderberichte sind, sondern ein zusammenhängendes Bild: das durchgehende Leben des Gott-Menschen Jesus, der in jedem Schritt nach einem verborgenen Plan lebte. Dieser Plan ist das, was das Neue Testament Gottes Ökonomie nennt – Gottes Vorsatz, alles in Christus zusammenzufassen und durch die Gemeinde auf seine endgültige Herrlichkeit hin auszurichten. Wer diese Linie erkennt, bekommt eine Vision, die den eigenen Alltag im Licht des Reiches Gottes und des ewigen Ziels Gottes ordnet.

Was ist Gottes neutestamentliche Ökonomie?

Wenn das Neue Testament von Gottes „Ökonomie“ spricht, greift es ein Wort aus der Welt des Hauses und der Verwaltung auf. Gemeint ist kein kühler Geschäftsplan, sondern der Weise, wie Gott als Hausherr mit sich selbst und mit seiner Schöpfung umgeht – wie er austeilt, ordnet, hineinwirkt. 1. Mose beginnt mit Himmel und Erde, mit Licht, Leben, Mensch und Garten. Aber schon die ersten Kapitel lassen ahnen, dass Gott mehr im Sinn hat als eine intakte Schöpfungsordnung und moralisch anständige Menschen. Der Mensch wird als Gefäß erschaffen, als Bild und Gegenbild, berufen, Gott zu tragen und darzustellen. Im Neuen Testament tritt ans Licht, was in 1. Mose angelegt ist: Gottes Ökonomie ist sein Vorsatz, sich selbst als göttliches Leben in den Menschen hineinzuteilen, sodass Christus in einer Menschheit wohnt, die zu seiner Ausdrucksfülle wird. Darum heißt es in Epheser 1, dass Gott Christus „zum Haupt über alles der Gemeinde gegeben hat, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph. 1:22–23). Nicht ein fromm aufpolierter „alter Mensch“, sondern der Christus, der alles in allem erfüllt, ist das Ziel.

Um dieses Leben zu verstehen, müssen wir wissen, was Gottes neutestamentliche Ökonomie ist. Anders ausgedrückt: Man braucht das gesamte Neue Testament, um das Leben zu erklären, das der Herr Jesus geführt hat. Das bedeutet, dass alle übrigen sechsundzwanzig Bücher des Neuen Testaments nötig sind, um das Evangelium nach Markus zu bestimmen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft zweiundfünfzig, S. 446)

Wer Gottes Handeln so sieht, merkt, wie begrenzt eine bloß allgemeine Frömmigkeit ist. Man kann viel religiöse Aktivität entfalten, sich moralisch mühen, sogar gewissenhaft Bibel lesen – und doch an Gottes Ökonomie vorbeileben, wenn Christus nicht Mitte und Inhalt des inneren Lebens ist. Markus setzt ganz bewusst mit einem „Anfang“ ein: „ANFANG des Evangeliums Jesu Christi“ (Mk. 1:1). Gott eröffnet einen neuen Abschnitt seiner Haushaltung. Er sendet Johannes, um die alte Ordnung zur Reife und damit an ihr Ende zu bringen, und lässt seinen Sohn in den Jordan hinabsteigen, um eine neue Art von Leben einzuführen – ein Leben, in dem Gott sich selbst verteilt, nicht bloß Gebote erteilt. Diese Sicht klärt und sortiert: Gottes Ziel ist die Gemeinde als Leib Christi heute, das Königreich Gottes im kommenden Zeitalter und das Neue Jerusalem in Ewigkeit. Wer sich von dieser Ökonomie erfassen lässt, entdeckt eine neue Freiheit: Das eigene Leben muss nicht mehr aus selbstgemachter Frömmigkeit bestehen, sondern darf Schauplatz werden, an dem Christus Raum gewinnt, seine Fülle austeilt und eine Spur in Richtung auf Gottes ewige Vollendung legt.

Und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. (Eph. 1:22-23)

ANFANG des Evangeliums Jesu Christi; (Mk. 1:1)

Gottes neutestamentliche Ökonomie entlarvt ein Christsein, das sich mit „fromm genug“ zufriedengibt, als zu klein. Es geht nicht zuerst um Leistungssteigerung, sondern um Austeilung: Der Dreieine Gott will sich in Christus als Leben in uns hinein ausbreiten, bis unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Miteinander vom Leib Christi her geprägt ist. Wo diese Vision innerlich aufleuchtet, bekommt der Alltag ein anderes Gewicht: Gewohnheiten, Pläne, Beziehungen werden danach gewogen, ob sie Christus als Inhalt tragen und auf seine Fülle zulaufen. So wird selbst ein unscheinbarer Tag hineingenommen in das große Ganze von Gemeindeleib, Königreich und Neuem Jerusalem.

Jesus – das vollkommene Leben nach Gottes Ökonomie

Im Markusevangelium tritt Jesus nicht zuerst als großer Lehrer oder Wundertäter hervor, sondern als der verborgene Gott-Mensch, der sich zum Diener macht. Sein Leben ist kein religiöses Ausnahmebiographikum, sondern die menschgewordene Ausführung von Gottes Ökonomie. Schon die Eröffnungsszene ist sprechend: Während Johannes zur Buße ruft, stellt sich der sündlose Sohn in die Reihe der Büßer. „Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft“ (Mk. 1:9). Er steigt hinab, als wollte er sagen: Ich bejahe den Weg, auf dem der alte Mensch ans Ende kommt, und stelle mich ganz unter das Wirken des Vaters und des Geistes. Darauf „sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren“ (Mk. 1:10). Der geöffneten Himmel und die herabkommende Taube machen deutlich: Von jetzt an ist alles, was er tut, durchdrungen vom Fluss der Göttlichen Dreieinigkeit. Sein Dienen ist die bewegliche Form der göttlichen Austeilung.

Im Evangelium nach Markus sehen wir eine Person, den Gott-Menschen, der ein Leben führte, das ganz und gar gemäß der neutestamentlichen Ökonomie Gottes war und ihr diente. Um dieses Leben zu verstehen, müssen wir wissen, was die neutestamentliche Ökonomie Gottes ist. Wenn wir das Neue Testament im Hinblick auf Gottes Ökonomie gründlich studieren, erkennen wir, dass es im Leben des Herrn Jesus keinen Fehler, keinen Mangel und keine Unzulänglichkeit gibt. Das Leben, das Er führte, entsprach in allem der Ökonomie Gottes und war ganz für sie. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft zweiundfünfzig, S. 446)

Aus diesem Ursprung heraus entfaltet Markus ein dichtes Panorama von Worten und Taten, in denen sich Gottes Ökonomie konkretisiert. Jesus verkündigt das Evangelium Gottes und ruft: „Die Zeit ist erfüllt und das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk. 1:14–15). Er bringt nicht neue Riten, sondern die Gegenwart der Herrschaft Gottes selbst, die als Same in Herzen fällt. Wenn er in der Synagoge lehrt, staunen die Menschen, „denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“ (Mk. 1:22); das ist mehr als Auslegungskunst, es ist das einsprechende Wort des Hauptes, das seinen Leib im Inneren formt. Wenn er Dämonen austreibt, Kranke heilt, Aussätzige reinigt, zeigt sich Gottes Plan, den Menschen von allem zu lösen, was ihn für die Gemeinschaft mit Gott unbrauchbar macht. Selbst seine Haltung zu Familie und Herkunft ist von der Ökonomie bestimmt: Auf den Ruf seiner Angehörigen antwortet er mit der Frage, wer seine Mutter und Brüder seien, und erklärt: „Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und Schwester und Mutter“ (Mk. 3:35). Blutslinien treten zurück hinter die eine Linie des göttlichen Willens, der einen neuen Menschen hervorbringt.

Das Evangelium nach Markus treibt auf einen Höhepunkt zu, an dem deutlich wird, wie radikal dieses Leben für Gottes Ökonomie eingesetzt ist. Auf dem Berg der Verklärung wird Jesus in einem Licht gesehen, das nicht von dieser Welt ist: „Und er wurde vor ihnen umgestaltet, und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß, so wie kein Walker auf der Erde weiß machen kann“ (Mk. 9:2–3). Für einen Augenblick bricht die kommende Herrlichkeit durch – aber anstatt diese Szene festzuhalten, führt der Weg hinab, nach Golgatha. Am Kreuz bringt er alles, was der alten Schöpfung angehört, unter das Urteil. In der Auferstehung setzt der Vater sein Siegel darauf, dass dieses Leben wohlgefällig und vollkommen gemäß seiner Ökonomie war. Und in der Himmelfahrt „wurde der Herr … in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes“ (Mk. 16:19). Von dort aus wirkt er weiter: „Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte“ (Mk. 16:20). Das irdische Leben Jesu mündet in ein himmlisches Gegenüber: das Haupt in der Herrlichkeit, der Leib auf der Erde. Nichts an seinem Weg ist zufällig; alles steht im Dienst der Austeilung, damit ein Volk entstehe, das denselben Geist trägt und Schritt für Schritt in derselben Ökonomie lebt.

Wer sein Leben im Licht dieses Evangeliums betrachtet, sieht Jesus nicht mehr nur als unerreichbares Vorbild, sondern als den, der sein eigenes Leben in uns fortsetzen will. Der Gott-Mensch, der vollkommen gemäß Gottes Ökonomie gelebt hat, ist jetzt der, der im Geist in uns wohnt und uns in denselben Fluss hineinnimmt. Seine Taufbereitschaft, sein Hören auf die Stimme des Vaters, sein Dienst aus der Kraft des geöffneten Himmels, sein Weg der Selbsthingabe bis ans Kreuz – all das wird im Gläubigen zur inneren Bewegung des Geistes. So wird das Markusevangelium zu einer Einladung, das eigene Christsein nicht als lose Sammlung frommer Episoden zu sehen, sondern als einen Weg, der von demselben Herrn geleitet wird, der einst am See von Galiläa rief: „Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mk. 1:17). In dieser Nachfolge wächst ein Leben heran, das in kleinen und großen Schritten dieselbe Ausrichtung gewinnt: ganz gemäß und für Gottes neutestamentliche Ökonomie.

Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft. Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren. Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (Mk. 1:9-11)

Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sagte: Die Zeit ist erfüllt und das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mk. 1:14-15)

Das Leben Jesu nach Markus ist nicht nur Stoff für Bewunderung, sondern Maßstab und innere Quelle für unser eigenes Leben. Je klarer sichtbar wird, dass jeder Abschnitt seines Weges von Gottes Ökonomie her bestimmt war, desto deutlicher werden auch die Bruchkanten in unserem Denken: Wo leben wir noch aus Selbstbehauptung, wo aus dem geöffneten Himmel? Wo suchen wir religiösen Erfolg, wo die unscheinbare Treue, durch die Gott sich austeilt? Die gute Nachricht liegt darin, dass derselbe Herr, der ohne Fehler gemäß Gottes Plan lebte, jetzt als Geist in uns wohnt und uns in seine Bewegungen hineinzieht. So wird Nachfolge weniger zur moralischen Anstrengung und mehr zu einem lernenden Mitgehen mit dem, der sein Leben in uns wiederholen will – im Alltag, im Gemeindeleben, im Verborgenen wie im Sichtbaren.

Der neue Mensch und die himmlische Vision für unser Leben

Wenn Gottes neutestamentliche Ökonomie darauf zielt, Christus als Leben auszuteilen, dann bleibt diese Bewegung nicht bei einzelnen Gläubigen stehen. Sie nimmt Gestalt an in einem „neuen Menschen“, einer erneuerten Menschheit in Christus. Paulus beschreibt es so: Christus hat in seinem Fleisch „die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, abgebrochen …, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen, Frieden stiftend“ (Eph. 2:14–15). In diesem neuen Menschen ist Christus nicht Zubehör, sondern Inhalt. Er ist „alles und in allen“ (Kol. 3:11). Das Neue Testament entfaltet, was 1. Mose in Keimform zeigte: Der Mensch ist dazu bestimmt, Träger und Ausdruck Gottes zu sein. In der Gemeinde als Leib Christi beginnt dieser neue Mensch konkret zu leben. Hier ordnen sich natürliche Unterschiede – Herkunft, Begabung, Temperament – einem höheren Maßstab unter: der Wirkung Christi im Inneren. Je mehr seine Austeilung Raum gewinnt, desto mehr wächst aus vielen Einzelnen eine Einheit, die nicht organisiert, sondern gewachsen ist.

Das Evangelium nach Markus ist nicht einfach nur ein Geschichtenbuch. Es vermittelt eine himmlische Vision – eine Vision, die unsere Schritte lenken, unser Leben bestimmen und uns in Gottes Vollendung hineinführen soll. Diese Vision vermag es, uns in Gottes Ökonomie zu bewahren, damit wir das Gemeindeleben mit dem Ziel führen, das Tausendjährige Reich und das Neue Jerusalem zu erreichen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft zweiundfünfzig, S. 453)

Diese Linie zieht sich bis an das Ende der Schrift. Epheser 1.zeigt, wie der Dreieine Gott seine Auserwählten segnet und alles auf den Leib Christi als „Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ zulaufen lässt (Eph. 1:22–23). Die Offenbarung zeigt die Vollendung: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (Offb. 21:2). Die Stadt ist Bild einer vollendeten Gemeinschaft: Gott wohnt bei den Menschen, und die Menschen sind durchdrungen von ihm. Zwischen diesen Polen – Gemeinde heute und Neues Jerusalem in Ewigkeit – steht das kommende Zeitalter des Königreiches, in dem Christus sichtbar regiert und die, die mit ihm gewachsen sind, seine Herrschaft mitleiten. So gehört zusammen, was wir oft trennen: das unscheinbare Gemeindeleben vor Ort, die verborgene Herrschaft Christi im Jetzt und die leuchtende Stadt, die einmal offenbar werden wird. Markus legt diese Spannung hinein in eine „himmlische Vision“, die den Alltag ergreift.

Sprüche beschreibt eindrücklich, was geschieht, wenn eine solche Sicht fehlt: „Ohne Offenbarung wird ein Volk zügellos“ (Spr. 29:18a). Wo der Blick für Gottes Ökonomie verloren geht, wird das geistliche Leben leicht fragmentarisch: hier ein Dienst, dort eine fromme Gewohnheit, daneben persönliche Projekte – aber kein innerer Zusammenhang. Die Vision von Gemeinde, Königreich und Neuem Jerusalem zieht einen roten Faden durch alles. Sie stellt Fragen an unsere Maßstäbe: Reicht es, „geistlich erfolgreich“ zu sein, wenn das eigene Tun nicht in den Aufbau des Leibes Christi mündet? Ist ein „ungewöhnliches Erlebnis“ wirklich ein Gewinn, wenn es uns nicht tiefer in die Realität des neuen Menschen hineinführt? Umgekehrt können schlichte Treue, kleine Akte der Liebe, unspektakuläre Entscheidungen plötzlich ein großes Gewicht bekommen, weil sie im Licht der Vollendung stehen. Wer mit dieser Perspektive lebt, beginnt zu spüren, dass Gott in seinem Alltag an etwas arbeitet, das über alle persönlichen Horizonte hinausreicht.

Im Licht dieser himmlischen Vision bekommt auch das Markusevangelium einen anderen Klang. Wenn Jesus den Aussätzigen berührt, den Besessenen befreit, die Jünger sammelt, die Menge lehrt, dann sind das nicht nur Momentaufnahmen der Barmherzigkeit, sondern Bausteine am Haus des neuen Menschen. Er wirkt in Menschen hinein, damit sie ihm ähnlich werden und als Glieder eines Leibes miteinander verwoben werden. Heute setzt der auferstandene und erhöhte Herr dieses Werk fort. Er ruft in ein konkretes Gemeindeleben hinein, in dem der kommende Tag schon jetzt schimmert. Das Neue Jerusalem liegt noch vor uns, aber im Geist steht seine Wirklichkeit im Raum: überall dort, wo Christus Raum gewinnt, wo das Königreich Gottes in seiner Wirklichkeit spürbar wird und wo der Leib Christi erbaut wird. Daraus wächst eine stille Ermutigung: Kein Schritt mit dem Herrn ist verloren, kein verborgenes Ja zu seinem Weg ist vergeblich. Alles, was aus seiner Austeilung lebt, findet seinen Platz in dem, was Gott vollenden wird.

Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, in seinem Fleisch abgebrochen hat, indem er das Gesetz der Gebote in Satzungen außer Kraft gesetzt hat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen, Frieden stiftend. (Eph. 2:14-15)

Und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat; wo nicht Grieche und Jude ist, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen. (Kol. 3:10-11)

Die himmlische Vision von neuem Menschen, Königreich und Neuem Jerusalem verortet das eigene Leben in einer Geschichte, die von Gott her geschrieben wird. Sie befreit von dem Druck, sich selbst ein großes geistliches Profil schaffen zu müssen, und schenkt zugleich Ernsthaftigkeit: Was wir heute denken, sprechen und miteinander leben, ist Teil dessen, was Gott einmal vollendet darstellen wird. Je mehr diese Sicht unser Inneres durchdringt, desto weniger leben wir in Zerstreuung und desto mehr in einer leisen, entschiedenen Ausrichtung: Christus Raum zu geben, den Leib zu erbauen und in der Gewissheit voranzugehen, dass kein Schritt mit ihm vergeblich ist.


Herr Jesus Christus, danke, dass dein ganzes Leben auf der Erde ein vollkommenes Bild von Gottes neutestamentlicher Ökonomie ist und dass du in allem den Willen des Vaters erfüllt hast. Du bist durch deinen allumfassenden Tod gegangen, bist in einer wunderbaren Auferstehung hervorgekommen und sitzt jetzt in der Himmelfahrt zur Rechten Gottes, um alles auszuführen, was du vollbracht hast. Öffne unsere Augen für die himmlische Vision deines Plans, damit unser Blick nicht in dem stehen bleibt, was bloß religiös, moralisch oder äußerlich erfolgreich scheint. Erhelle unser Herz mit dem Licht deines Wortes, damit Christus in uns Gestalt gewinnt, die Gemeinde als dein Leib erbaut wird und unser Leben auf das kommende Reich und das Neue Jerusalem ausgerichtet ist. Wo Dunkelheit, Verwirrung oder Zerstreuung sind, lass dein Licht heller scheinen, bis der Tag vollkommen ist und du für alle sichtbar als alles in allem offenbar wirst. Halte uns in dieser Vision fest, bewahre uns durch sie und trage uns durch alle Widerstände hindurch zu deinem herrlichen Ziel. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 52