Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Auferstehung und Himmelfahrt des Sklaven‑Erlösers und Seine universale Ausbreitung des Evangeliums durch Seine Jünger

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Die Jünger Jesu standen nach der Kreuzigung vor einem Scherbenhaufen: enttäuschte Hoffnungen, Schuldgefühle, Angst vor der Zukunft. Gerade in diese Situation hinein bricht die Nachricht von der Auferstehung – zuerst entdeckt von wenigen, verunsicherten Frauen – und stellt alles auf den Kopf. Aus einem scheinbar gescheiterten Leben wird der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Gottes Heilsplan. Das Evangelium nach Markus zeigt, wie der erniedrigte Sklaven‑Erlöser durch seine Auferstehung und Himmelfahrt erhöht wird und von dort aus sein Evangelium durch ganz gewöhnliche Jünger in die ganze Welt hinausträgt.

Auferstehung: Gottes Bestätigung des vollbrachten Werkes

Am Anfang steht ein Stein, der nicht mehr vor der Gruft liegt. Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome finden am ersten Tag der Woche nicht den Leichnam, den sie salben wollten, sondern einen geöffneten Raum und ein Wort aus dem Himmel: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“ (Mk. 16:6). Die leere Gruft ist kein frommes Symbol für Trauernde, sondern ein göttliches Siegel. In der Auferstehung spricht Gott selbst über den Tod seines Sohnes sein endgültiges Urteil: Es war genug. Nichts fehlt, nichts muss ergänzt werden. Der Tod des Sklaven‑Erlösers hat die Forderung der Gerechtigkeit erfüllt und die Macht der Sünde durchbrochen, sonst hätte der Tod ihn behalten können.

Die Auferstehung des Sklaven-Heilandes ist der Beweis dafür, dass Gott mit dem zufrieden ist, was Er durch Seinen Tod vollbracht hat. Sie bestätigt auch die Wirksamkeit Seines erlösenden und Leben mitteilenden Todes (Apg. 2:24; 3:15). (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft einundfünfzig, S. 438)

Genau dies betont Petrus, wenn er von Jesus sagt: „den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde“ (Apg. 2:24). Nicht möglich – weil sein Tod ein vollkommener Sünd‑ und Übertretungs‑Opfer‑Tod war, der keinen Anspruch des Todes offenließ. Und derselbe Petrus bekennt: „den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind“ (Apg. 3:15). Der, der sich als Sklave hingab, ist in Wahrheit der Fürst des Lebens. Sein Tod war nicht das Ende seines Lebensflusses, sondern die Geburtsstunde eines neuen Lebens für viele.

So wird Auferstehung zur Bestätigung nicht nur der Wirksamkeit der Erlösung, sondern auch zur Quelle eines anderen Lebens. Wer an Christus glaubt, bleibt nicht vor der Tür einer begnadigenden Amnestie stehen, sondern tritt in eine neue Verwandtschaft ein. Johannes fasst das in schlichten Worten: „So viele Ihn aber aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die in Seinen Namen hineinglauben“ (Johannes 1:12). Aus Vergebenen werden Kinder; aus Schuldnern werden Söhne und Töchter, die Anteil an dem Leben haben, das den Tod bereits hinter sich hat. Auferstehung ist dann nicht bloß ein Datum der Heilsgeschichte, sondern die verborgene Wurzel eines neuen Seins.

Die leere Gruft bleibt darum nicht nur ein historischer Ort, sondern ein geistlicher Bezugspunkt: Gott hat öffentlich bezeugt, dass das Werk des Sklaven‑Erlösers vollkommen angenommen ist. In jedem Zweifel, ob seine Gnade reicht, ob seine Kraft genügt, steht dieses göttliche Ja über dem Grab. Wer sich in dieses Ja Gottes hineinstellt, entdeckt, dass Auferstehung zur stillen Kraft des Alltags wird – in der Schuld nicht mehr das letzte Wort hat und Resignation nicht mehr das einzig realistische Gefühl ist. Die Auferstehung lädt ein, das eigene Leben als Raum zu verstehen, in dem Gott bereits sein Siegel gesetzt hat: Das Werk ist vollbracht, und aus diesem Vollbrachten wächst ein Leben, das nicht mehr von der Macht des Todes, sondern von der Treue Gottes bestimmt wird.

Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hingelegt hatten. (Mk. 16:6)

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Aus der Auferstehung spricht ein befreites, aber sehr klares Wort: Gott hat auf ewig Ja zu dem gesagt, was Christus stellvertretend für uns getan hat. Dieses Ja trägt stärker als jedes eigene Gefühl von Gelingen oder Scheitern. Wer sich im Herzen immer wieder an dieses göttliche Ja erinnert, findet einen ruhigen Boden unter den Füßen: Schuld muss nicht verteidigt, Leistung nicht vorgezeigt werden – das Werk ist angenommen. Aus dieser Gewissheit erwächst ein stiller Mut, mitten in den Unfertigkeiten des eigenen Lebens doch auf die Kraft des auferstandenen Christus zu vertrauen. So wird Auferstehung mehr als eine Lehre: Sie wird zur inneren Atmosphäre, in der Vergebung, neues Beginnen und eine leise, aber beharrliche Hoffnung selbstverständlich werden.

Himmelfahrt: Erhöhung zum Herrn über alles

Markus beschreibt die Himmelfahrt mit einer fast nüchternen Kürze: „Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes“ (Mk. 16:19). Hinter diesen wenigen Worten steht eine gewaltige Verwandlung der Sicht auf Jesus. Der, der als Sklave diente, den Jüngern die Füße wusch, der von Menschen verachtet und verworfen wurde, nimmt seinen Platz ein an der stärksten Stelle des Universums – zur Rechten Gottes. Die Himmelfahrt ist nicht bloß ein Ortswechsel, sondern Gottes öffentliche Antwort auf den Weg der Erniedrigung: Dieser Gekreuzigte ist der von Ihm eingesetzte Herr.

Die Himmelfahrt des Sklaven-Heilandes zu Seiner Erhöhung durch Gott war ein Zeichen dafür, dass Gott alles annahm, was Er für Gottes ewigen Plan gemäß Gottes neutestamentlicher Ökonomie getan hatte (Apg. 2:33–36). In dieser Erhöhung krönte Gott Ihn mit Herrlichkeit und Ehre (Hebr. 2:9), gab Ihm den Namen, der über jedem Namen ist (Phil. 2:9), und machte Ihn zum Herrn über alle (Apg. 2:36) und zum Haupt über alle Dinge (Eph. 1:22), damit Ihm alle Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben ist (Mt. 28:18), um über die Himmel, die Erde und die Nationen zu herrschen, sodass sie zusammenwirken zur universalen Ausbreitung Seines Evangeliums. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft einundfünfzig, S. 441)

Der Hebräerbrief fasst dieses Geschehen in die Worte: „doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte“ (Hebräer 2:9). Gekrönt – das ist die Sprache der Erhöhung. Gott bestätigt damit alles, was Christus für seinen ewigen Plan getan hat: Der Sklaven‑Erlöser wird zum Herrn über alles gemacht, mit einem Namen ausgestattet, der über jedem Namen ist, und als Haupt über alle Dinge gesetzt. Seine Erniedrigung war kein tragischer Unfall, sondern der Weg, auf dem Gott ihn in eine Stellung einsetzt, von der aus Er Himmel, Erde und Geschichte lenkt.

Diese Erhöhung bleibt jedoch nicht in einer fernen Sphäre stehen. Der erhobene Christus begegnet uns als lebengebender Geist – unsichtbar, aber wirksam, leise, aber durchdringend. Wenn Jesus von sich sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Matthäus 28:18), dann ist diese Macht für die Glaubenden nicht nur eine dogmatische Aussage, sondern ein Raum, in dem sie leben können. In ihren Entscheidungen, in inneren Kämpfen, in Fragen, auf die sie keine Antworten finden, steht einer über ihnen, der Herr ist und doch zugleich in ihnen wohnt.

Wer sein Leben unter dieser Herrschaft versteht, erlebt eine andere Art von Leitung: nicht als ständige Bedrohung, sondern als befreiende Orientierung. Der erhöhte Christus ordnet, was wir nicht ordnen können, und trägt, was wir nicht tragen. Seine Himmelfahrt bedeutet, dass unser Glaube nicht an einem historischen Jesus hängen bleibt, sondern an einem gegenwärtigen Herrn, der regiert. Daraus wächst eine stille Zuversicht: Die Geschichte ist nicht führungslos, und auch die eigene Biographie ist nicht dem Zufall preisgegeben. In der Nähe eines solchen Herrn darf man lernen, Entscheidungen im Licht seiner Gegenwart zu sehen und sich von seiner Autorität nicht bedrückt, sondern getragen zu wissen.

Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. (Mk. 16:19)

doch wir sehen Jesus, der wegen Seines Todesleidens ein wenig geringer gemacht worden ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmecken sollte. (Hebr. 2:9)

Die Erhöhung Christi zur Rechten Gottes stellt eine leise, aber kraftvolle Anfrage an die täglichen Sorgen und Pläne: Wer hat in meinem inneren Horizont das letzte Wort – die sichtbaren Mächte oder der unsichtbar herrschende Herr? Die Himmelfahrt lädt dazu ein, das eigene Leben nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten zu betrachten: vom Thron Christi her, der mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist. In dieser Sicht verlieren Probleme nicht ihre Schwere, aber sie verlieren ihre absolute Macht. Es entsteht ein Raum, in dem Bitten, Klagen und Entscheidungen unter einer größeren Wirklichkeit stehen: Christus regiert – und genau dieser Herr ist derselbe, der als Sklaven‑Erlöser sein Leben gegeben hat. Seine Erhöhung macht Mut, in der Spannung zwischen Schwachheit und Berufung nicht zu resignieren, sondern die eigene Geschichte als Teil einer von ihm geführten Geschichte zu verstehen.

Universale Ausbreitung des Evangeliums durch Jünger

Am Ende des Markus‑Evangeliums ertönt ein Auftrag, der den Horizont sprengt: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung“ (Mk. 16:15). Das Evangelium des Sklaven‑Erlösers bleibt nicht im engen Raum privater Frömmigkeit, sondern trägt einen universalen Zug. Es gilt „der ganzen Schöpfung“ – nicht, weil Steine und Bäume bewusst glauben könnten, sondern weil Gottes Erlösung nicht beim einzelnen Menschen stehen bleibt. Der Mensch als Haupt der Schöpfung wird versöhnt, damit durch ihn die gesamte von Gott geliebte Welt in eine neue Ordnung hineingenommen wird.

In Vers 15 sagte Er zu ihnen: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ Das macht deutlich, dass die von dem Sklaven‑Erretter durch Seinen Tod und Seine Auferstehung vollbrachte Erlösung Gottes nicht nur für den Menschen, den Führenden in Gottes Schöpfung, sondern für die gesamte Schöpfung ist. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft einundfünfzig, S. 439)

Der Kolosserbrief greift diese Weite auf, wenn er von Christus sagt, dass Gott durch Ihn „alles mit sich zu versöhnen“ sucht (Kolosser 1:20). Und Paulus beschreibt die innere Spannung der Welt mit den Worten: „Denn die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung wartet sehnlichst auf die Offenbarung der Söhne Gottes“ (Römer 8:19). Die Schöpfung seufzt, weil sie unter der Zerbruchserfahrung menschlicher Sünde leidet; sie wartet, weil in den Kindern Gottes etwas von der kommenden neuen Schöpfung aufleuchten wird. Wo Menschen durch Glauben und Taufe in Christus hineingenommen werden, markiert das nicht nur eine persönliche Bekehrung, sondern auch einen Übergang: von der alten Schöpfung, die der Vergänglichkeit unterworfen ist, in die Sphäre der neuen Schöpfung, in der Christus das Leben ist.

Markus berichtet weiter: „Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte“ (Mk. 16:20). Der erhöhte Christus bleibt nicht bei einem Auftrag stehen, er geht mit. Die universale Ausbreitung des Evangeliums ist darum kein menschliches Projekt, sondern das Werk des Herrn durch seine Jünger. In der Apostelgeschichte wird sichtbar, wie einfache Menschen, getragen von diesem Herrn, Brücken zwischen Kulturen, Sprachen und sozialen Grenzen schlagen. Sie bringen kein religiöses Programm, sondern eine Realität: den auferstandenen und erhöhten Christus, der als lebengebender Geist in und durch sie wirkt.

So bekommt auch das verborgene Leben vieler Glaubender einen Platz in dieser großen Bewegung. Die Verkündigung des Evangeliums geschieht laut und sichtbar, aber ebenso leise und im Alltag, wenn das Leben aus der Verbindung mit Christus neue Maßstäbe, neue Barmherzigkeit, neue Hoffnung ausstrahlt. In solchen Spuren zeigt sich etwas von dem, was Paulus beschreibt: dass auch „die Schöpfung selbst von der Sklaverei der Verderblichkeit befreit werden wird hinein in die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Römer 8:21). Wo der Geist Christi in Menschen Raum gewinnt, wird der Boden für die kommende Erneuerung allen Seins bereitet.

Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. (Mk. 16:15)

Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte. (Mk. 16:20)

Die Weite des Auftrags „der ganzen Schöpfung“ zeigt, wie groß der Horizont des erhöhten Christus ist – und wie klein unsere eigenen Kreise dagegen wirken. Gerade darin liegt Trost: Die Last der Welt ruht nicht auf den Schultern der Jünger, sondern auf den Schultern dessen, der den Tod überwunden und den Himmel bestiegen hat. Er ist es, der mitwirkt, der sein Wort bestätigt, der unscheinbare Wege gebraucht. Wer das eigene Zeugnis unter dieser Perspektive betrachtet, muss sich nicht an sichtbaren Erfolgen messen. Es genügt, in der Verbindung mit dem lebengebenden Geist schlicht zu leben, zu sprechen, zu lieben. In der Treue solcher einfachen Schritte spiegelt sich bereits eine kommende Welt, in der Gott alles in allem sein wird. Diese Aussicht nimmt der Gegenwart nicht die Schwere, aber sie durchzieht sie mit einer leisen, tragenden Hoffnung.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 51