Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Tod und die Auferstehung des Sklaven‑Erlösers zur Vollbringung der Erlösung Gottes (5)

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Wenn wir an Auferstehung denken, haben viele von uns einzelne Ereignisse vor Augen: das leere Grab, die erstaunten Jünger, die Erscheinungen des Herrn. Doch das Neue Testament zeichnet ein wesentlich größeres Bild: Die Auferstehung Christi ist nicht nur der Triumph über den Tod, sondern Gottes Weg, eine neue Schöpfung hervorzubringen, ein neues Volk zu formen und Seine ewige Absicht zu verwirklichen. Wer in das hineinsieht, was Petrus in der Apostelgeschichte und in seinem ersten Brief über die Auferstehung verkündigt, entdeckt, dass wir selbst in Gottes Augen bereits in diese Auferstehungswirklichkeit hineingenommen wurden.

Der Auferstandene, den der Tod nicht halten konnte

Wenn Petrus in seinen Predigten von Jesus spricht, hält er das Kreuz und die Auferstehung untrennbar zusammen. Er erinnert seine Hörer daran, dass Jesus „durch den festgesetzten Ratschluss und die Vorkenntnis Gottes ausgeliefert“ wurde und dass Menschen Ihn „ans Kreuz geschlagen und getötet“ haben (Apg. 2:23). Zugleich betont er mit derselben Entschiedenheit: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wofür wir alle Zeugen sind“ (Apostelgeschichte 2:32). Der Tod des Sklaven‑Erlösers steht unter dem souveränen Ratschluss Gottes, aber das letzte Wort behält nicht das Gericht der Menschen, sondern das Handeln Gottes. Die Auferweckung ist Gottes öffentliches Urteil über diesen Jesus: Er ist der Gerechte, der wahre Messias, der Herr. Darum kann Petrus verkündigen: „Das ganze Haus Israel wisse darum mit Gewissheit, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“ (Apostelgeschichte 2:36).

In Apostelgeschichte 2:23 und 24 heißt es, wobei Petrus von Christus spricht: „diesen Mann, der durch den festgesetzten Ratschluss und die Vorkenntnis Gottes ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet;“ und weiter, dass Gott Ihn auferweckt hat, indem Er die Wehen des Todes löste, weil es unmöglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. In seiner allerersten Evangeliumsverkündigung, die er am Tag der Pfingsten predigte, bezeugte Petrus, dass der gekreuzigte Jesus von Gott auferweckt wurde. Er bezeugte, dass Christus nicht vom Tod festgehalten werden konnte. Da Christus Selbst die Auferstehung ist (Joh. 11:25), war es unmöglich, dass Er vom Tod festgehalten wurde. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft fünfzig, S. 430)

Damit ist Christus in der Auferstehung nicht einfach ein Mensch, der dem Tod entronnen ist. Er ist als der Gekreuzigte aus dem Tod hervorgegangen und hat den Tod hinter sich gelassen. Noch mehr: In Seiner eigenen Person ist Er die Auferstehung selbst. So heißt es bei Johannes: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer in Mich hineinglaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11:25). Wo Er ist, wird der Tod entmachtet; wo Er einzieht, verliert das Grab seine Endgültigkeit. Petrus fasst diesen Sieg zusammen, wenn er Christus „den Fürsten des Lebens“ nennt, „den Gott aus den Toten auferweckt hat“ (Apostelgeschichte 3:15). Der, den Menschen verworfen und ans Kreuz gebracht haben, ist von Gott zum Eckstein erhoben worden, zum tragenden Fundament Seines Hauses, der Gemeinde (vgl. Apostelgeschichte 4:11).

Für den Glaubenden liegt in dieser Verkündigung eine stille, aber gewaltige Ermutigung. Die Kräfte des Todes – Schuld, Sinnlosigkeit, innerer Zerfall – scheinen oft stark, aber sie sind nicht absolut. Über ihnen steht der Auferstandene, den der Tod nicht halten konnte. In Ihm ist unsere persönliche Errettung verwurzelt, und auf Ihn ist der ganze Bau Gottes gegründet. Wer sich an diesen Eckstein lehnt, findet Halt, wenn alles andere brüchig erscheint. Und wer sich von Ihm als „Fürsten des Lebens“ prägen lässt, beginnt, mitten in einer von Tod gezeichneten Welt etwas von der Kraft der Auferstehung auszustrahlen – nicht laut, aber beständig, getragen von der Gewissheit, dass die letzte Realität nicht das Grab, sondern der lebendige Christus ist.

Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wofür wir alle Zeugen sind. (Apg. 2:32)

den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind. (Apg. 3:15)

Den Auferstandenen als den vom Tod Unbesiegbaren zu sehen, löst die heimliche Faszination des Todes – die Angst, dass am Ende doch alles verloren geht. Im Licht der Predigt des Petrus dürfen wir innerlich umschwenken: weg vom Blick auf das, was vergeht, hin zu dem Eckstein, den Gott in Auferstehung gesetzt hat. Wer sein Leben bewusst auf diesen Stein legt, erfährt, dass Gottes Urteil über Christus – „Herr und Christus“ – auch über seinem eigenen Leben aufleuchtet. Im Alltag erhält so jeder scheinbar kleine Schritt des Vertrauens eine neue Würde: Er ist Teil eines Bauwerks, das von der Macht des Todes nicht mehr erreicht werden kann.

Der pneumatische Christus und die neue Wirklichkeit des Königreichs

Die Apostelgeschichte zeichnet Christus nicht nur als den Auferstandenen, sondern als den Erhöhten, der in einer neuen Weise gegenwärtig ist. Petrus beschreibt, dass Jesus zur Rechten Gottes erhöht wurde und „die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat“; und er fügt hinzu: „hat Er dies ausgegossen, was ihr sowohl seht als auch hört“ (Apostelgeschichte 2:33). Der, der in den Himmeln ist, erreicht uns also als der ausgegossene Geist. Mit anderen Worten: Der verherrlichte Christus ist heute der pneumatische Christus – nicht entfernt, sondern gegenwärtig, nicht nur Gegenstand der Erinnerung, sondern Wirklichkeit in unserem Inneren. In diesem Geist ist der ganze Christus enthalten: Sein vollkommenes Menschsein, Sein Dienerweg, Sein allumfassender Tod, Seine Auferstehung und Seine Auffahrt.

Nach der Apostelgeschichte machte Petrus außerdem deutlich, dass Christus, der Auferstandene, erhöht worden ist und Sich jetzt in den Himmeln befindet. Darüber hinaus hat Christus Sich Selbst als den Geist über Seine Gläubigen, die Auserwählten Gottes, ausgegossen, um sie zu Gliedern Seines Leibes zu machen. Dies geschieht zur Bildung des neuen Menschen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft fünfzig, S. 432)

Indem Christus Sich als Geist mitteilt, formt Er aus den Glaubenden einen Leib, in dem Er selbst die Mitte und Fülle ist. Paulus beschreibt, dass Gott Ihn „zum Haupt über alles der Gemeinde gegeben“ hat, „die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt“ (Epheser 1:22–23). Dieser Leib ist mehr als eine geistliche Organisation; er ist der eine neue Mensch, „indem Er die zwei in Sich Selbst zu einem neuen Menschen schuf, indem Er Frieden machte“ (vgl. Epheser 2:15). In diesem neuen Menschen ist Christus Inhalt und Person, und gerade so entsteht die Wirklichkeit des Königreichs Gottes. Denn das Königreich ist kein äußerer Machtbereich, sondern der Bereich, in dem der Dreieine Gott in Christus durch den Geist herrscht, führt und handelt.

Wo der pneumatische Christus Raum bekommt, gewinnt auch das Gemeindeleben einen anderen Charakter. Es wird weniger durch menschliche Fähigkeiten und Konzepte bestimmt, sondern durch die leise, aber reale Leitung des inwendigen Geistes. So heißt es über den Dienst des Philippus: „Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an!“ (Apostelgeschichte 8:29). Solche Anweisungen machen deutlich, wie konkret der erhöhte Herr in Seinem Leib wirkt. Schritt für Schritt wird so ein Raum geformt, in dem Versöhnung stärker ist als Trennung, Sanftmut stärker als Härte und Wahrheit stärker als fromme Fassade. In diesen Erfahrungen leuchtet schon jetzt etwas von der kommenden Herrschaft Gottes auf.

In dieser Perspektive verliert die Frage, wie bedeutend oder sichtbar ein Beitrag im Gemeindeleben ist, an Gewicht. Entscheidend ist, ob der Geist des auferstandenen Christus durchdringen kann. Jede verborgene Gehorsamstat, jedes stille Gebet im Einklang mit Ihm, jedes Vergeben, das aus Seiner Kraft geschieht, ist ein unscheinbarer Baustein an einem Bau, der in Auferstehung steht. So wird das Leben der Gemeinde zu einem Vorgeschmack des Königreichs: nicht perfekt, aber echt; nicht vollendet, aber vom gleichen Leben durchzogen, das Christus aus dem Tod hervorgebracht hat. Diese Sicht befreit von Entmutigung und lädt ein, in der Gegenwart des pneumatischen Christus zu verweilen, der alles in allen erfüllen will.

Nachdem Er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat Er dies ausgegossen, was ihr sowohl seht als auch hört. (Apg. 2:33)

Und alles hat Er Seinen Füßen unterworfen und Ihn zum Haupt über alles der Gemeinde gegeben, (Eph. 1:22)

Wenn Christus als Geist in uns wohnt, verschiebt sich das Gewicht unseres geistlichen Lebens: weg von äußerem Druck, hin zu innerer Wirklichkeit. Es wird kostbar, im Alltag auf die feine Regung des Geistes zu achten – nicht als Gesetz, sondern als Ausdruck der Nähe des erhöhten Herrn. Dort, wo wir uns innerlich von Ihm lenken lassen, entsteht mitten in einer bruchhaften Welt ein kleiner Raum der Königsherrschaft Gottes. Aus diesen unscheinbaren Räumen fügt der Herr Seinen Leib zusammen, bis der eine neue Mensch sichtbar wird, der Ihn als sein eigentliches Leben und seine eigentliche Wirklichkeit kennt.

Mit Christus in den Tod und in die Auferstehung hineingenommen

Der Tod Christi ist in der Schrift mehr als das tragische Ende eines Gerechten. Er ist ein einmaliges, allumfassendes Gerichtshandeln Gottes. So beschreibt Paulus, dass „unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei“ (Römer 6:6), und der Hebräerbrief bezeugt, dass Christus durch den Tod „den zunichte machen sollte, der die Macht des Todes hat, nämlich den Teufel“ (Hebräer 2:14). Am Kreuz werden nicht nur einzelne Verfehlungen behandelt, sondern die ganze Macht der Sünde, der alte Mensch, die alte Schöpfung, der Satan und der gottfeindliche Kosmos. Gleichzeitig wird die Welt mit ihren Trennungen entmächtigt, sodass „durch das Kreuz“ sowohl Juden als auch Heiden „in einem Leib mit Gott versöhnt“ werden (vgl. Epheser 2:14–16). Nichts, was uns von Gott trennt, bleibt unberührt; alles Negative wird in diesem Tod endgültig vor Gott gebracht.

Dieser Gott-Mensch ging ans Kreuz und starb einen wunderbaren, allumfassenden Tod. Dieses Ereignis war größer als das Ereignis von Gottes Schöpfung. Durch seinen allumfassenden Tod nahm der Herr unsere Sünden weg, verurteilte die Sünde, kreuzigte unseren alten Menschen, beendete die alte Schöpfung, zerstörte den Teufel, Satan, richtete den satanischen Kosmos und hob die Verordnungen zwischen den verschiedenen Rassen und sozialen Klassen auf. Daran sehen wir, dass der Tod des Herrn ein für alle Mal mit jeder negativen Sache im Universum abgerechnet hat. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft fünfzig, S. 433)

Doch das Kreuz ist kein schwarzes Loch, in dem alles versinkt, sondern der Übergang in die Auferstehung. Im Tod Christi wird das göttliche Leben nicht ausgelöscht, sondern freigesetzt. Petrus fasst das in den Worten: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1. Petrus 1:3). In Gottes Sicht geschieht diese Wiedergeburt in der Auferstehung Christi selbst: Wenn Gott in Christus den Menschen aus dem Tod hervorbringt, wird Er zum erstgeborenen Sohn, und mit Ihm werden viele Söhne hervorgebracht (vgl. Apostelgeschichte 13:33; Römer 8:29). Das neue Leben, das wir empfangen, ist daher echtes Auferstehungsleben – ein Leben, das den Tod bereits hinter sich hat.

Diese lebendige Hoffnung ist mehr als eine optimistische Stimmung. Sie ist die Gewissheit, dass das in uns gepflanzte göttliche Leben wachsen und zur Reife gelangen wird, auch wenn unsere Gefühle schwanken. Es gibt Tage, an denen das Innere schwer wie ein Stein im Grab wirkt, und andere, an denen das Gebet auf einmal leicht wird und wir etwas von der Nähe des Herrn kosten. In all dem bleibt die objektive Tatsache bestehen: Wir sind mit Christus in Seinen Tod hineingenommen und in Seine Auferstehung hineingestellt worden. Paulus drückt das so aus: „So sind wir nun mit Ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln“ (Römer 6:4).

Aus dieser Sicht wird selbst unsere Unbeständigkeit nicht zum letzten Maßstab. Entscheidend ist, dass Gott Seinen Weg mit uns durch das Auferstehungsleben fortsetzt. Jede Erfahrung, in der uns der Herr aus innerer Dunkelheit herausführt, ist ein kleiner, aber realer Ausdruck dieser Neuheit des Lebens. Und jede Situation, in der wir nicht aus alter Gewohnheit, sondern im Vertrauen auf den Auferstandenen reagieren, lässt etwas von der kommenden Herrlichkeit aufscheinen. So wird die lebendige Hoffnung stabiler als unsere Tagesform: Sie gründet sich auf den Christus, der durch den Tod hindurchgegangen ist und uns in Seine Auferstehung mitgenommen hat.

da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen. (Röm. 6:6)

Da nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch Er in gleicher Weise daran teilgenommen, damit Er durch den Tod den zunichte mache, der die Macht des Todes hat, nämlich den Teufel, (Hebr. 2:14)

Die Einsicht, dass wir mit Christus in Seinen Tod und in Seine Auferstehung hineingenommen wurden, entlastet von dem Druck, aus eigener Kraft ein „neues Leben“ hervorbringen zu müssen. Das Neue ist bereits da – als Auferstehungsleben in uns, verbunden mit einer lebendigen Hoffnung. Im Alltag gewinnt es Gestalt, wenn wir unsere Geschichte nicht mehr im Horizont unserer Vergangenheit lesen, sondern im Licht dessen, was Gott in Christus schon getan hat. So wächst eine stille, aber tragfähige Erwartung: dass der Herr jede Phase, jede Nacht und jeden Neubeginn dazu gebraucht, uns tiefer in die Wirklichkeit Seiner Auferstehung hineinzuführen.


Herr Jesus Christus, Du auferstandener und erhöhter Herr, danke, dass Dich der Tod nicht halten konnte und dass Dein Leben stärker ist als jede Macht der Finsternis. Danke, dass Du Dich als Geist in unsere Herzen gegeben hast und uns in Deine Auferstehung hineingenommen hast, damit wir als Deine Brüder leben und als dein Leib Deine Herrlichkeit widerspiegeln. Stärke in uns die lebendige Hoffnung, dass Dein göttliches Leben in allen Umständen weiter wächst, reift und alles Dunkel in uns überwindet. Lass uns Deine Auferstehung tiefer erkennen, wenn wir schwach sind, und erfahre Du in uns Deine siegreiche Kraft, die uns aufrichtet, tröstet und erneuert. Fülle Deine Gemeinde mit dem Bewusstsein, dass sie ein Bau in Auferstehung ist, getragen von Deinem unzerstörbaren Leben. Lass diese Gewissheit unser Herz ruhig machen und unsere Schritte in Deinen Frieden stellen, bis Deine Herrschaft in Herrlichkeit offenbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 50