Das Wort des Lebens
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Der Tod und die Auferstehung des Sklaven‑Erlösers zur Vollbringung der Erlösung Gottes (4)

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Manchmal erscheint uns das Kreuz wie ein vertrautes Symbol, das wir schon zu gut zu kennen meinen – bis wir entdecken, dass sich dahinter ein Geschehen verbirgt, das größer ist als die Schöpfung selbst. In der Mitte steht kein tragischer Märtyrer, sondern der Gott-Mensch, in dem sich der dreieine Gott ein für alle Mal mit unserer gefallenen Geschichte verbindet. Wer anfängt zu sehen, was Gott im Tod und in der Auferstehung dieses Sklaven-Erlösers tatsächlich vollbracht hat, gewinnt eine neue Sicht auf Sünde, Leid, geistliche Kämpfe und die eigene Identität vor Gott.

Der dreieine Gott und das Blut des Gott-Menschen

Das Kreuz Jesu lässt sich nicht von der Göttlichen Dreieinigkeit trennen. In der Geschichte Jesu tritt der eine Gott in diese Welt, ohne aufzuhören, der dreieine Gott zu sein: Der Vater sendet, der Sohn kommt, der Geist wirkt – und doch handelt immer derselbe Gott. In der Menschwerdung wird das besonders dicht sichtbar: Der Sohn wird durch den Heiligen Geist in Maria empfangen, und im Kind, das geboren wird, begegnet uns Gott selbst in menschlicher Gestalt. Darum ist das Blut Jesu nicht einfach das Blut eines außergewöhnlich frommen Menschen, sondern das Blut des Gott-Menschen. Johannes fasst das in einem Satz: „Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan“ (Johannes 1:18). In diesem Sohn, der ganz beim Vater ist und doch mitten unter uns lebt, fließen göttliche Liebe und menschliches Leben zusammen.

423 Offenbarung. Dies macht deutlich, dass der Geist, der Sohn Gottes und Gott selbst eins sind. Einerseits sind die Drei der Dreieinigkeit drei; andererseits sind diese Drei eins. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft neunundvierzig, S. 423)

Wenn das Neue Testament vom „Blut Jesu, seines Sohnes“ spricht, wird genau diese Einheit betont: Das Blut ist wirkliches menschliches Blut, vergossen in Raum und Zeit, und darum kann es als Lösegeld an unserer Stelle stehen. Zugleich trägt es die Würde und Kraft der Gottheit, und darum verliert seine Wirksamkeit nie an Gültigkeit. Am Kreuz gibt der dreieine Gott sich selbst hin, nicht als ein göttliches Schauspiel, sondern als reale Hingabe, in der der Vater richtet, der Sohn sich als Sklaven‑Erlöser opfert und der Geist diese Erlösung ins Herz der Glaubenden hineinschreibt. So ist der Tod Jesu nicht nur tragisches Ende eines Propheten, sondern der Ort, an dem Gottes Herz sich endgültig öffnet. Wer auf dieses Blut vertraut, tritt ein in eine Beziehung, in der Gott nicht fern bleibt, sondern sich als Vater, Sohn und Geist hingebend mit dem Menschen verbindet. In der Betrachtung des Kreuzes begegnet uns deshalb nicht zuerst ein System von Lehren, sondern die Bewegung göttlicher Liebe, die den Menschen hineinzieht in eine Gemeinschaft, die stärker ist als Schuld, Tod und alle innere Zerrissenheit.

Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan. (Joh. 1:18)

Die Betrachtung des Kreuzes im Licht der Dreieinigkeit bewahrt davor, Gottes Erlösung zu verengen: Sie ist weder nur moralisches Beispiel noch bloßer Rechtsakt, sondern Ausdruck der selbsthingebenden Liebe des dreieinen Gottes, die unser ganzes Leben in eine lebendige Beziehung zu Ihm ruft.

Die allumfassende Wirkung des Kreuzes

Das Kreuz Christi greift tiefer, als es der bloße Blick auf unsere persönlichen Fehltritte vermuten lässt. Es umfasst die ganze gestörte Wirklichkeit. Zunächst stehen unsere Sünden vor Augen – konkrete Taten, Worte und Gedanken, die Gottes Willen verfehlen und Beziehungen zerstören. In Jesus trägt Gott diese Sünden an seinem eigenen Leib, so dass Versöhnung nicht auf billigem Übergehen, sondern auf einem getragenen Gericht gründet. Zugleich geht Gott an der Wurzel an das Problem: Die Schrift spricht von der „in mir wohnenden Sünde“ (Röm. 7:17), einer Macht, die verführt, täuscht und tötet. Über sie heißt es: „Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch schwach war, das tat Gott: Er verdammte die Sünde im Fleisch, indem Er Seinen eigenen Sohn in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und der Sünde wegen sandte“ (Röm. 8:3). Am Kreuz wird diese Sünde im Fleisch wie ein ganzes System verurteilt, das seine Berechtigung verloren hat.

426 in Christus hinein durch Gott, und wir waren in Ihm, als Er gekreuzigt wurde. Daher sind wir in Seinen allumfassenden, ewigen Tod mit einbezogen. Die alte Schöpfung Weil unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt wurde, wurde auch die gesamte alte Schöpfung mitgekreuzigt. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft neunundvierzig, S. 426)

Weil Christus als Haupt der Menschheit stirbt, wird mit dem „alten Menschen“ stellvertretend die gesamte alte Schöpfung gekreuzigt. Das Kreuz markiert den Punkt, an dem Gott sagt: Bis hierher und nicht weiter. In diesem Gericht liegt zugleich Befreiung: Der Teufel, der die Macht des Todes hat, verliert seine endgültige Herrschaft, das durch ihn systematisierte Weltsystem ist entlarvt und dem Untergang geweiht, trennende Mauern zwischen Menschen werden niedergerissen. Das Kreuz steht so wie ein einziger, aber allumfassender Gerichtstag mitten in der Geschichte. Dort trifft Gottes Nein alles, was zerstört, und macht sein Ja zu einem neuen Leben möglich. Wer sich diesem Kreuz zuwendet, steht nicht mehr unter der Alleinherrschaft des Alten, sondern im Raum der Gnade, in dem Gott sein Leben mitteilt und ein anderes Menschsein eröffnet, das nicht mehr von Angst und Selbstbehauptung geprägt ist, sondern vom Vertrauen auf den Gekreuzigten.

application_de”: “Die allumfassende Wirkung des Kreuzes lädt dazu ein, das eigene Leben nicht nur als Summe einzelner Verfehlungen zu sehen, sondern als Teil einer alten Ordnung, die in Christus bereits gerichtet ist; aus diesem Wissen wächst die Freiheit, sich dem Wirken Gottes zu öffnen, der Schritt für Schritt das Neue durchsetzen will, das Er am Kreuz grundgelegt hat.

Relevante Schriftstellen: 1.Kor 15:3, 1.Pet. 2:24, Johannes 1:29, Röm. 6:6, Röm. 8:3, Hebr. 2:14.

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.

Göttlicher Ratschluss, freigesetztes Leben und der neue Mensch

Der Tod Jesu steht nicht isoliert im Kreis zufälliger Ereignisse, sondern ist tief im ewigen Ratschluss der Göttlichen Dreieinigkeit verwurzelt. Lange bevor Menschen existierten, hat Gott seinen Sohn als Lamm vorgesehen, das die Sünde der Welt trägt. Petrus spricht von Christus „mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi“, und fügt hinzu, dass Er „vor Grundlegung der Welt zuvor erkannt“ ist (1. Petrus 1:19–20). Die Geschichte führt nicht blind auf Golgatha zu; 1. Mose 3:21, das Passah in Ägypten, die Opfer in Israel – sie alle sind Schatten, in denen sich das eine Opfer ankündigt, in dem der Sohn sich endgültig in seinem Leib Gott darbringt. Am Kreuz berühren sich daher Ewigkeit und Zeit: Der festgesetzte Ratschluss Gottes tritt in die sichtbare Welt ein, und in einer konkreten Stunde wird beschlossen, was von Ewigkeit her im Herzen Gottes getragen wurde.

422 DIE ERLÖSUNG CHRISTI (4) Bibelverse: Markus 15:16–41 In dieser Botschaft wollen wir betrachten, was durch den erlösenden Tod Christi vollbracht wurde. Bevor wir jedoch dazu kommen, möchte ich noch etwas Weiteres in Bezug auf die Dreieinigkeit sagen. In Kapitel 3 des Matthäus sehen wir die Drei der Dreieinigkeit als voneinander unterschiedene Personen: den Vater in den Himmeln, den Sohn auf der Erde und den Geist, der wie eine Taube aus der Luft herabkommt. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft neunundvierzig, S. 422)

Doch der Ratschluss Gottes zielt nicht nur auf Vergebung, sondern auf neues Leben. Jesus beschreibt seinen Tod mit dem Bild eines Weizenkorns, das in die Erde fällt und stirbt und gerade so „viel Frucht bringt“ (Johannes 12:24). In seinem Sterben bleibt Er nicht allein, sondern setzt sein eigenes Leben frei, damit viele dieses Leben empfangen. Aus diesen Menschen, die durch den Geist aus diesem Auferstehungsleben leben, entsteht der eine neue Mensch, die Gemeinde, als Vorgeschmack der erneuerten Schöpfung. So verbindet sich am Kreuz Gottes ewiges Ziel mit unserer alltäglichen Wirklichkeit: Aus Schuldigen werden Söhne und Töchter, aus Fremden Glieder eines Leibes, aus Einzelnen ein neues Menschsein, das von Gottes Liebe und Heiligkeit geprägt ist. Die Betrachtung dieses Zusammenhangs schenkt eine stille Zuversicht: Unser Leben ist nicht zufällig an das Kreuz angeschlossen, sondern hineingenommen in den großen Strom eines göttlichen Plans, in dem selbst Leiden und Sterben nicht das letzte Wort behalten, sondern zu Geburtspunkten des Lebens werden, das Gott von Ewigkeit her schenken will.

sondern mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi, (1.Pet. 1:19-20)

Wer den Kreuzestod Christi als Teil von Gottes ewigem Ratschluss erkennt, gewinnt einen weiteren Horizont für den eigenen Glaubensweg: Schwierigkeiten und Brüche erscheinen nicht mehr nur als Bedrohung, sondern als Gelegenheiten, in der Kraft des freigesetzten Auferstehungslebens zu leben und so heute schon etwas von dem neuen Menschen sichtbar werden zu lassen, den Gott durch Christus geschaffen hat.


Herr Jesus Christus, Gott-Mensch und ewiger Erlöser, wir beten dich an für den unermesslichen Wert deines Kreuzes, durch das du unsere Schuld getragen, die Macht der Sünde gerichtet und die Finsternis entwaffnet hast. Danke, dass dein Blut uns heute reinigt und uns vor den Thron des Vaters bringt, nicht aus eigener Würdigkeit, sondern allein aufgrund deiner vollbrachten Erlösung. Stärke unseren Glauben, damit wir nicht mehr nach der Logik der alten Schöpfung leben, sondern aus der Kraft deines auferstandenen Lebens, das du in uns freigesetzt hast. Lass uns als Teil des neuen Menschen deine Liebe und deinen Frieden widerspiegeln, auch mitten in Schwachheit und Widerständen, und erfülle uns mit der Hoffnung auf dein kommendes Reich, in dem deine Herrschaft endgültig sichtbar wird. Zu dir fliehen wir mit unseren Ängsten, unserer Schuld und unserer Müdigkeit und empfahlen uns deiner siegreichen Gnade, die stärker ist als Sünde, Tod und Welt. Bewahre uns in der Gewissheit, dass dein Tod und deine Auferstehung genug sind – für unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 49