Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Inbesitznehmen des guten Landes für Christus und das Gemachtwerden zu Seinem Besitz

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Viele Christen wissen, dass Gott ihnen in Christus alles geschenkt hat – und erleben dennoch oft wenig von dieser Fülle im Alltag. Zwischen Verheißung und erfahrener Realität scheint eine Lücke zu liegen: Wir hören von einem reichen Christus, fühlen uns aber innerlich arm und kraftlos. Die Geschichte Israels beim Einzug in das gute Land beleuchtet diese Spannung und öffnet zugleich eine Perspektive, wie Christus heute unter uns real und wir zu Seinem kostbaren Eigentum werden können.

Das gute Land ist gegeben – aber es will in Besitz genommen werden

Zwischen dem Wort Gottes und seiner sichtbaren Verwirklichung liegt eine unscheinbare, aber entscheidende Wegstrecke. Israel stand mit Josua an der Schwelle des Landes; die Zusage war eindeutig, der Eid Gottes unwiderruflich, und doch war das Land noch nicht ihr bewohntes Zuhause. Gott sagt zu Josua: „Mein Knecht Mose ist gestorben. So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe!“ (Jos. 1:2). Das Verb „gebe“ steht in der Gegenwart – Gottes Entschluss ist aktuell –, aber der Weg ins Land, die Kämpfe, das Austeilen, all das lag noch vor ihnen. Die Verheißung trägt eine innere Spannung: Sie ist vollgültig, bevor sie erfahrungsmäßig ist. Erst wenn Füße wirklich den Boden berühren, der zugesagt ist, wird das gegebene Land zu gelebter Wirklichkeit.

Es war zwar eine Tatsache, dass Gott Israel das Land gegeben hatte, doch war diese Tatsache noch nicht verwirklicht. Vielmehr handelte es sich um eine Verheißung, die noch erfüllt werden musste. Nicht einmal zu der Zeit, als Israel unter der Führung Josuas in die Ebenen Moabs kam, war die Gabe des guten Landes an Israel eine verwirklichte Tatsache, denn das Land war noch nicht in den Besitz Israels übergegangen. Erst nachdem Israel das gute Land erobert und in Besitz genommen hatte, wurde das Land tatsächlich und ganz praktisch zu ihrem Eigentum. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft sechs, S. 32)

In diesem Licht wird verständlich, warum man das Christsein kennen kann, ohne noch viel von Christus zu kennen. In Ihm hat Gott uns „alles gegeben, was zum Leben und zur Gottseligkeit gehört“, und doch erlebt sich mancher innerlich wie am Rand des Landes – mit Blick auf Reichtümer, die er noch nicht betritt. Die Gnade Gottes widerspricht sich nicht; sie ist frei und unverdient, aber sie ist nicht abstrakt. Sie ruft zur Antwort des Glaubens, sie drängt auf Besitznahme. Wenn der Geist in uns sagt: „Sei stark und mutig! Denn du, du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen“ (Jos. 1:6), dann spricht derselbe Geist heute auch von einem Christus, der nicht nur bekannt, sondern ergriffen sein will. Es geht darum, dass Christus nicht nur Gegenstand unserer Lehre bleibt, sondern Raum gewinnt als unsere Kraft in der Überforderung, als unsere Gerechtigkeit in der Selbstanklage, als unser Friede mitten in Spannungen, als unsere Freude in matten Tagen. Wo wir so innerlich den Fuß auf das setzen, was Gott in Christus geschenkt hat, beginnt die Verheißung, Atem zu holen – sie tritt aus der Ferne der Theorie in die Nähe des Alltags. Diese Bewegung ist keine Leistung, die uns rühmt, sondern ein stilles Ja zu dem, was Gott längst bereitet hat. In ihr wächst Vertrauen, Mut und leise Dankbarkeit: Das Land ist gegeben – und ich darf es betreten.

Im Hintergrund all dessen steht der Zuspruch: „Es soll niemand vor dir standhalten (können), alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen“ (Jos. 1:5). Die Aufforderung, das Land zu betreten, steht nicht isoliert; sie ruht auf einer treuen Gegenwart. So ist auch der Schritt vom Wissen über Christus zur Erfahrung Christi nicht ein Sprung ins Ungewisse, sondern ein Hineingehen in das, worin Gott uns bereits erwartet. Manches mag uns hoch erscheinen wie die Mauern Jerichos, manches unklar wie ein noch unerschlossenes Gebiet. Doch mitten darin bleibt der Grund: Der Geber des Landes bleibt derselbe, ob wir noch am Jordan stehen oder schon mitten in den Feldern des Landes gehen. Diese Gewissheit macht die Einladung zur Besitznahme nicht hart, sondern tröstlich. Sie verwandelt den Blick auf unsere Schwachheit: Nicht wir tragen das Land, das Land trägt uns. Wo das Herz das allmählich lernt, wird jeder kleine Schritt des Vertrauens kostbar – und der Weg vom Verheißenen zum Erfahrenen wird selbst zum Teil des Geschenks.

Mein Knecht Mose ist gestorben. So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe! (Jos. 1:2)

Es soll niemand vor dir standhalten (können), alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. (Jos. 1:5)

Im eigenen Leben zeigt sich die Spannung zwischen Verheißung und Besitznahme oft unspektakulär: Man kennt Zusagen, die Seele stimmt ihnen sogar zu, und doch scheinen sie kaum Gewicht in den inneren Regungen zu haben. Gerade dann ist es kostbar, Gottes Wort nicht als stilles Archiv von Wahrheiten zu betrachten, sondern als Einladung, konkret auf Ihn zuzutreten. Wo ein Mensch beginnt, Christus in einer sehr bestimmten Not als seine Gegenwart, seine Kraft, seine Weisheit anzurufen, berührt er gewissermaßen zum ersten Mal einen bisher unbetretenen Teil des Landes. Solche Schritte sind manchmal klein und tastend, aber sie bleiben nicht folgenlos. Das Vertrauen, das sich so an Christus bindet, verändert die innere Landschaft: Aus dem festen Boden der Verheißung wächst ein gelebter Weg, und aus bloßem Hören wird ein Erfahren. Auf diese Weise wird das, was Gott längst geschenkt hat, mehr und mehr zu unserem aktuellen Lebensraum.

Christus gewinnen – für uns und für Ihn

Die Spannung zwischen dem, was Christus ist, und dem, was wir erfahren, gehört zu den tiefsten Erfahrungen des Glaubens. Das Neue Testament zeigt einen Christus, der reich, mächtig und herrlich ist; die Offenbarung beschreibt Ihn als das Lamm, das „zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis“ würdig ist (Offb. 5:12). Gleichzeitig kennt die eigene Biografie Momente der Schwachheit, Armut, Ratlosigkeit. Diese Diskrepanz bedeutet nicht, dass Christus fern oder unzugänglich wäre, sondern lenkt den Blick auf eine innere Bewegung, die Paulus mit einer überraschenden Formulierung beschreibt: Er sieht alles als Verlust an, „damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Christus ist ihm nicht nur gegeben, er will gewonnen werden – aus der Distanz eines dogmatischen Bekenntnisses in die Nähe lebendiger Erfahrung.

Christus ist heute das gute Land, das Gott uns in überreicher Weise gegeben hat. Dennoch bleiben alle Reichtümer Christi, alles, was Christus ist, den meisten Christen fremd. Als der auf dem Thron in den Himmeln Sitzende ist Christus stark und mächtig, wir aber sind schwach. Er ist reich, wir aber sind arm. Während Christus stark, mächtig und reich ist, sind wir schwach, kraftlos und arm. Der Grund für diese Situation ist, dass wir uns nicht darum bemüht haben, Christus zu gewinnen. Wenn wir jedoch Christus gewinnen, wird Er zu unserer Erfahrung. Dann wird Christus in uns das, was Er in uns sein sollte. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft sechs, S. 33)

Wer so Christus gewinnt, erlebt, dass der Abstand zwischen dem, was Christus im Himmel ist, und dem, was wir auf Erden kennen, kleiner wird. Wo Seine Liebe in einer konfliktgeladenen Beziehung plötzlich tragfähig wird, wo Seine Geduld die eigene Härte durchdringt, wo Seine Freude sich leise in eine schwere Situation mischt, dort wird ein Stück des guten Landes in Besitz genommen. Paulus drückt diese Verdichtung mit einem erstaunlich einfachen Satz aus: „Denn zu leben ist für mich Christus“ (Phil. 1:21). Leben bekommt einen Namen; es besteht nicht mehr nur aus Aufgaben und Eindrücken, sondern aus einer Person, die sich in allem, was geschieht, geben will. Dabei bleibt das Gewinnen Christi nie ein rein privates Ereignis. Je mehr Er in uns Raum gewinnt, desto sichtbarer kann Er als Haupt eines Leibes, als Mittelpunkt einer Gemeinschaft Gestalt annehmen. So wie Israel das Land nicht nur für sich, sondern als Träger des Namens Gottes einnahm, so lässt das Gewinnen Christi in einzelnen Gläubigen einen kollektiven Ausdruck wachsen, in dem Er erkennbar wird.

In den Sendschreiben der Offenbarung spricht der Herr von Überwindern, denen Er verborgene und öffentliche Zuwendungen verheißen hat: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Dem, der überwindet, dem werde Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist“ (Offb. 2:7). Überwinden bedeutet hier nicht, übermenschliche Leistungen zu vollbringen, sondern sich in einem Umfeld religiöser Gewöhnung neu auf Christus selbst auszurichten. Es gibt eine Art geistliche Routine, in der vieles um Christus kreist, ohne Ihn wirklich zu ergreifen. Wer im Herzen jedoch sagen kann: Für mich ist Leben Christus, und ich möchte, dass Er unter uns so dargestellt wird, wie Er im Himmel ist, wird gleichsam in die Spur der Überwinder gestellt. Solches Rufen nach mehr von Christus – nicht mehr als Leistung, sondern mehr als Person – ist keine Überforderung, sondern eine Antwort auf Gottes eigenes Begehren.

Dieses Begehren Gottes wird in einem weiteren Licht sichtbar, wenn Paulus schreibt, dass wir „in dem wir auch als Erbteil bestimmt wurden“ (Eph. 1:11) und dass Gott einen „Reichtum der Herrlichkeit Seines Erbteils in den Heiligen“ hat (Eph. 1:18). Christus zu gewinnen bedeutet darum nicht nur, innerlich gestärkt zu werden; es bedeutet auch, dass Christus Seinen Besitz gewinnt. Je mehr Er uns erfüllt, desto mehr werden wir zu dem, was Er vor dem Vater darstellen kann: ein Teil Seines Erbteils, ein Ausdruck Seiner Herrlichkeit. Für den Glaubenden eröffnet das einen weiten Horizont. Das Ringen, Christus in konkreten Situationen zu ergreifen, ist nicht nur Kampf gegen eigene Grenzen, sondern Teil einer großen Geschichte: Christus nimmt sich ein Volk, in dem Er leben und durch das Er sich zeigen möchte. In dieser Sicht verliert das Mühen seinen bitteren Geschmack; es wird getragen von der Freude, an etwas mitzuwirken, das größer ist als das eigene Gelingen – an der Freude Christi selbst, wenn Er in denen, die Ihn lieben, Gestalt gewinnt.

Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne (Phil. 3:8)

Denn zu leben ist für mich Christus und zu sterben ist Gewinn. (Phil. 1:21)

Wenn Paulus davon spricht, Christus zu gewinnen, klingt darin eine Dynamik an, die das Glaubensleben aus einer engen Binnenperspektive löst. Glauben ist dann nicht mehr nur das Sichern eigener Bedürfnisse vor Gott, sondern ein inneres Aufmerken: Was möchte Christus in mir gewinnen? Wo kann Er heute Sein Wesen, Seine Haltung, Sein Herz in meinen Reaktionen, meinen Worten, meinen Entscheidungen verankern? Solche Fragen öffnen einen Raum, in dem die Herausforderungen des Alltags eine neue Bedeutung bekommen. Sie sind nicht bloß Hindernisse, die es zu überwinden gilt, sondern Gelegenheiten, in denen Christus mehr Besitz von uns nehmen kann – indem wir Ihn mitten im Konflikt, in der Müdigkeit, im Ungewissen ergreifen. Wer so Schritt für Schritt Christus gewinnt, entdeckt zugleich, dass er selbst für Christus gewonnen wird. In diesem Wechselspiel wächst ein leiser, aber tiefer Trost: Das eigene Ringen ist eingewoben in ein größeres Werden – Gott formt sich ein Erbteil, und mein kleines, oft brüchiges Ja gehört dazu.

Vom Essen des guten Landes zum Gemachtwerden zu Gottes Besitz

Die Geschichte Israels zeigt, wie tief Gott mit Nahrung arbeitet. In Ägypten wurden die Israeliten von der Kost des Fremdlandes geprägt; in der Wüste formte sie das tägliche Manna aus dem Himmel; im guten Land schließlich sollten sie von der Ernte Kanaans leben. Mit dem Übergang ins Land änderte sich ihre Versorgung grundlegend: „Das Man aber hörte auf am folgenden Tag, als sie von dem Ertrag des Landes aßen, und es gab für die Söhne Israel (künftig) kein Man mehr. Und sie aßen von der Ernte des Landes Kanaan in jenem Jahr“ (Jos. 5:12). Gott erzieht Sein Volk nicht nur durch Worte, sondern durch das, was es innerlich aufnimmt. Nahrung wird zur Formkraft: Was der Mensch beständig in sich aufnimmt, wird Teil seines Lebensbaus, seiner Reaktionen, seines inneren Geschmacks.

Wenn wir Christus genießen, macht Er uns zu Seinem Besitz. Das ist etwas Organisches. Wenn wir Christus ergreifen, Christus besitzen und Christus als unser allumfassendes gutes Land genießen, wird dieses Land zu unserer Versorgung. Was das Land uns darreicht, bewirkt, dass wir organisch werden. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft sechs, S. 35)

In Christus als dem guten Land verdichtet sich diese Linie. Er ist nicht nur der Retter, der uns aus Ägypten herausführt, sondern das Land, das uns täglich ernährt. Doch dieses Land ernährt nicht automatisch. Wie Israel die Felder bebauen, säen, ernten musste, so will Christus gesucht, angerührt und genossen werden. Im geistlichen Sinn geschieht dieses „Essen“ dort, wo wir Ihn im Wort berühren, im Gebet anrufen, in der Stille vor Ihm verweilen und in der Gemeinschaft der Heiligen etwas von Seiner Person aufnehmen. Wenn Seine Worte unsere inneren Dialoge durchdringen, wenn Sein Blick auf den Bruder oder die Schwester unsere spontane Beurteilung korrigiert, dann vollzieht sich gewissermaßen ein geistlicher Stoffwechsel. Das, was aus Christus in uns hineinkommt, löst Altes ab und baut Neues auf.

Paulus deutet dieses Geheimnis, wenn er einerseits sagt, dass wir in Christus ein Erbteil haben, und andererseits davon spricht, dass Gott in den Heiligen ein Erbteil hat. „In dem wir auch als Erbteil bestimmt wurden“ (Eph. 1:11) zeigt Christus als unser gutes Land, das uns als Besitz bestimmt ist. Zugleich spricht er von „dem Reichtum der Herrlichkeit Seines Erbteils in den Heiligen“ (Eph. 1:18) – hier sind die Heiligen selbst Gottes Erbteil, Sein Besitz. Zwischen diesen beiden Aussagen liegt der organische Vorgang, von dem gesprochen wurde: Wenn wir Christus als unser Land in Anspruch nehmen, wenn wir auf diesem Land „leben“ und von seinen Früchten „essen“, verwandelt uns, was Er uns darreicht. Seine Sanftmut nährt unsere Reaktionen, Seine Demut durchdringt unseren Stolz, Seine Ausdauer stärkt unsere Treue. So wird aus Menschen, die bloß vom Land gehört haben, eine Menschenfamilie, die in ihrem Wesen vom Land geprägt ist.

In diesem Sinn ist Christsein keine äußerliche Konformität mit Geboten, sondern ein inneres Gemachtwerden. Gott arbeitet nicht zuerst an der Fassade, sondern an der Substanz. Wo Christus uns nährt, macht Er uns zu Seinem Besitz – nicht im juristischen, sondern im lebendigen Sinn: Wir tragen Sein Gepräge, wir spiegeln etwas von Seiner Art, wir gehören Ihm, weil Er gewissermaßen in uns „eingewachsen“ ist. Paulus konnte sagen: „Denn zu leben ist für mich Christus“ (Phil. 1:21), weil in ihm mehr und mehr das Leben eines Anderen dominierte. Darin liegt eine stille, aber tiefe Ermutigung. Die Umformung, nach der wir uns sehnen, ist nicht in erster Linie ein Projekt, das wir stemmen müssten, sondern Frucht dessen, dass wir uns von Christus ernähren lassen. Jeder Moment, in dem wir uns Ihm öffnen, ist wie ein weiterer Bissen aus dem guten Land – unscheinbar vielleicht, aber wirksam. Auf diese Weise wird Christus nicht nur unser Besitz, sondern wir werden nach und nach zu Seinem organischen Erbteil, in dem Er sich wiedererkennt und an dem Sein Herz Freude hat.

Das Man aber hörte auf am folgenden Tag, als sie von dem Ertrag des Landes aßen, und es gab für die Söhne Israel (künftig) kein Man mehr. Und sie aßen von der Ernte des Landes Kanaan in jenem Jahr. (Jos. 5:12)

in dem wir auch als Erbteil bestimmt wurden, nachdem wir vorherbestimmt worden sind nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Ratschluss Seines Willens wirkt, (Eph. 1:11)

Wo Christus als das gute Land verstanden wird, verändert sich die Sicht auf geistliches Wachstum grundlegend. Es geht weniger um ein permanentes Optimieren der eigenen geistlichen Leistungen, sondern um ein stetiges, oft unspektakuläres Empfangen. Im Blick auf den eigenen Weg darf es daher leichter werden, die Langsamkeit und Brüchigkeit des Wachstums zu ertragen. Wichtiger als die Frage, wie weit man schon ist, wird die Frage, wovon man lebt. Dort, wo das Herz sich immer wieder für das stille Genährtwerden durch Christus öffnet – im Wort, im Gebet, in der Gemeinschaft –, vollzieht sich ein Vorgang, der tiefer reicht als alle äußeren Veränderungen. In ihm macht Christus uns nach und nach zu Seinem Besitz. Diese Sicht kann eine leise, aber tragfähige Hoffnung wecken: Mein Leben ist nicht ein zufälliges Nebeneinander von Tagen, sondern ein Raum, in dem Christus sich mehr und mehr eingibt – und mich so zu einem Teil Seines kostbaren Erbteils macht.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du uns als das gute Land von Gott geschenkt bist, reich an allem, was wir zum Leben mit Dir brauchen. Wo wir Deine Fülle bisher nur aus der Ferne gesehen haben, berühre unser Herz neu, damit wir Dich persönlich ergreifen und erfahren können. Lass Deine Realität in unserem Alltag größer werden als unsere Schwachheit, und verwandle uns innerlich durch Deinen beständigen geistlichen „Zufluss“. Stärke in uns die Hoffnung, dass Du Dein gutes Werk vollendest und uns als Dein Eigentum bewahrst, bis wir Deine ganze Herrlichkeit schauen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Joshua, Chapter 6