Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bestandteile des zusammengesetzten Geistes, versinnbildlicht durch die Salbenmischung (3)

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Das alttestamentliche Muster der Salbenmischung liefert mehr als liturgische Farbe: es zeigt, wie vielfältige göttliche Wahrheiten zu einer einheitlichen Wirklichkeit verschmelzen. Johannes reagiert auf Lehrirrtümer, die Person und Natur Christi zerstückeln, und weist darauf hin, dass eine innere Salbung die Gemeinde vor solchen Verführungen bewahren will. Die Spannung liegt darin, dass die richtige Erkenntnis der Person Christi zugleich eine leibhaftige Erfahrung der Gegenwart Gottes sein muss.

Unauflösliche Einheit von Jesus, Christus, Vater und Sohn

Johannes’ Warnung berührt nicht primär eine intellektuelle Definition, sondern die Wirklichkeit, in der der Gläubige lebt. Wenn er tadelt, dass jemand leugnet, Jesus sei der Christus, dann benennt er eine Zerreißprobe in der Glaubenserfahrung: Wer Jesus vom Christus trennt, schafft eine doppelte Personenkonstruktion, die das Leben der Gemeinschaft mit dem Vater unterminiert. In der Heiligen Schrift heißt es dazu ausdrücklich, heißt es: “Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist?” (1. Johannes 2:22). Diese Aussage bringt das Problem auf den Punkt: Es geht nicht nur um richtige Theorie, sondern um die Wirklichkeit, die das Herz bewohnt.

Wer leugnet, dass Jesus der Christus ist, trennt Jesus vom Christus und macht aus ihnen zwei Personen. Daher trennt bereits die Behauptung „Jesus sei nicht der Christus“ Jesus vom Christus, als wären Jesus und Christus zwei verschiedene Personen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfundsechzig, S. 1758)

Vom Beobachten der Warnung folgt die Deutung, dass die Einheit von Jesus, dem Christus, dem Vater und dem Sohn die Voraussetzung für echte Gemeinschaft mit Gott ist. Johannes verbindet das Bekenntnis des Sohnes mit dem Besitz des Vaters: “Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater” (1. Johannes 2:23). So wird deutlich: die richtige Erkenntnis ist nicht bloß dogmatisch, sondern existentiell; wer den Sohn im Wesen und Werk verfehlt, verfehlt zugleich die Öffnung zur väterlichen Gemeinschaft. Diese Erkenntnis fordert zur inneren Prüfung heraus — nicht um zu richten, sondern um die Tiefe unseres Bleibens im Sohn und im Vater zu bewahren.

Die Konsequenz liegt in einer ermutigenden Perspektive: Glaubensgewissheit wächst nicht aus reinem Wissen, sondern aus dem gelebten Erleben der Verbundenheit mit Christus und dem Vater. Wer diese Einheit achtet, findet nicht nur theologische Klarheit, sondern eine Orientierung, die Leben formt, Hoffnung nährt und zur Treue in Gemeinde und Alltag befähigt. So darf das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus zu einer tröstenden Gewissheit werden, die das Herz stärkt und den Glauben festigt.

Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. (1. Johannes 2:22)

Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. (1. Johannes 2:23)

Bewusstheit über die untrennbare Verbindung von Jesus, dem Christus und dem Vater verändert das geistliche Befinden: Sie schenkt eine Praxis des Vertrauens, die das Leben auf die göttliche Wirklichkeit ausrichtet. In der Gemeinde entfaltet sich daraus Standhaftigkeit gegenüber Verwirrung und eine wachsende Sehnsucht nach wahrer Gemeinschaft mit dem Vater durch den Sohn.

Die bleibende Salbung als innere Lehrerin

Die Bildgestalt der Salbung in 2. Mose verbindet sich in Johannes zu einem lebendigen Zeugnis: Salbenöl dient nicht nur zur äußeren Weihe, sondern weist auf eine bleibende, innere Wirkung hin. Johannes spricht davon, daß die Salbung, die wir empfangen haben, in uns bleibt und lehrt — nicht als bloßes Lehrgebäude, sondern als persönliche Gegenwart, die Orientierung verleiht. In seinem Wort heißt es darum: “Und was euch betrifft, die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch … denn wie Seine Salbung euch über alle Dinge lehrt und wie sie wahr ist und keine Lüge ist” (1. Johannes 2:27). Dieses Verweilen der Salbung ist daher mehr als Erinnerung; es ist ein gegenwärtiges Lehren des Geistes.

Die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch; ihr braucht nicht, dass euch jemand lehrt. Denn Seine Salbung lehrt euch über alle Dinge; sie ist wahr und keine Lüge. Bleibt in Ihm, wie sie euch gelehrt hat. Diese in uns bleibende Salbung ist nämlich das Wirken einer Person — eine Person, die in uns wirkt und handelt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfundsechzig, S. 1761)

Die typologische Verbindung zu 2. Mose zeigt, wie Zweck und Wirkung zusammenfallen: Das Öl der heiligen Salbung wurde als eine “Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers” bereitet und diente dazu, das Heilige zu kennzeichnen (2. Mose 30:25). Ebenso ist die in uns bleibende Salbung ein Werk des Wirkenden — nicht nur ein Symbol, sondern eine Person, die innen leitet, zurechtweist und Gewißheit schenkt. Daraus folgt theologisch, daß äußere Lehre und kirchliche Formen ihren Platz behalten, weil sie Struktur geben; die tiefste Gewißheit aber erwächst aus der inneren Ausrichtung auf die in uns wirkende Salbung, die über alle Dinge belehrt und vor falschen Trennungen schützt.

Das ermutigende Ergebnis dieser Betrachtung ist die Einladung zur ruhigen Empfangsbereitschaft gegenüber der inneren Lehre des Geistes. Die Gewissheit, die aus der bleibenden Salbung kommt, trägt durch Zeiten des Zweifelns und bietet Orientierung in verworrenen Situationen. So bleibt die Salbung nicht nur ein theologisches Konzept, sondern ein tröstendes, lehrendes Wirken Gottes in der Tiefe der Seele.

Und was euch betrifft, die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand lehre; sondern wie Seine Salbung euch über alle Dinge lehrt und wie sie wahr ist und keine Lüge ist, und so wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in Ihm. (1. Johannes 2:27)

und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein. (2. Mose 30:25)

Die Vorstellung der bleibenden Salbung fordert eine Haltung des Empfangens und des Lauschens gegenüber dem inneren Wirken Gottes, ohne die Bedeutung wohlgeordneten Unterrichts zu schmälern. In der Praxis zeigt sich dies als eine ruhige, verwurzelte Gewißheit, die Lehre anhört, sie aber an der inneren Lehre Gottes misst.

Christus zugleich Schöpfer und Geschöpf – die Bedeutung der Menschwerdung

Die Texte des Evangeliums legen die doppelte Realität Christi offen: Er ist das ewige Wort und zugleich Fleisch geworden. Das erweist sich in der knappen, aber tiefgreifenden Aussage: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott” (Johannes 1:1), und zugleich: “Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns …” (Johannes 1:14). Diese parallele Darstellung fordert uns, die Spannung nicht künstlich aufzulösen, sondern die Wahrheit anzunehmen, daß die göttliche Person sich in der geschaffenen Natur verwoben hat.

Da der Herr Jesus Mensch geworden ist, besaß Er einen Leib aus Fleisch, Blut, Knochen und Haut. Diese Bestandteile sind selbstverständlich von Gott geschaffen. Daher ist der Herr Jesus hinsichtlich Seiner Menschheit ein Geschöpf. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfundsechzig, S. 1763)

Die Deutung dieses Geheimnisses hebt hervor, dass die Menschwerdung keine Abschwächung der Göttlichkeit ist, sondern die notwendige Weise, durch die Erlösung vollzogen werden konnte. Indem der Ewige das Geschaffene annimmt, tritt er in die Dimension von Blut, Schmerz und Sterblichkeit hinein; gerade dadurch wird die Vermittlung zwischen Gott und Mensch möglich. Die Inkarnation ist damit das Mittel, durch das der Schöpfer mit dem Geschöpf ein neues, erlösendes Verhältnis eingeht, ohne seine schöpferische Herrschaft zu verlieren. So bleibt Christus zugleich der, der alles ins Dasein rief, und der, der als Mensch in das Leiden eintrat, um zu erlösen.

Für das Herz ist das tröstlich: Im Erlöser begegnet uns Gottes Allmacht und zugleich seine Nähe in unserem Schwachsein. Die Tatsache, dass der Sohn unsere Natur annahm, macht seine Hilfe real und seine Vermittlung glaubwürdig. Dies nährt Vertrauen und öffnet die Perspektive auf eine Heiligung, die das Menschliche nicht verachtet, sondern erlöst.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Johannes 1:1)

Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater), voller Gnade und Wirklichkeit. (Johannes 1:14)

Die doppelte Wirklichkeit Christi ermutigt zu einer Anbetung, die sowohl die Transzendenz als auch die Immanenz Gottes umfasst. Sie trägt zu einem Alltag bei, in dem menschliches Leiden ernstgenommen und doch in das Heilshandeln Gottes gestellt wird, sodass Glauben und Mitgefühl zusammenwachsen.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 165