Die Bestandteile des zusammengesetzten Geistes, versinnbildlicht durch die Salbenmischung (2)
Das alttestamentliche Rezept für die Salbenmischung in 2. Mose fällt ins Auge, weil es nicht nur kosmetische, sondern geistliche Bedeutung trägt: Jede Zutat zeichnet einen Aspekt des Geistes, der in Christus gegeben ist. Die Spannung liegt darin, dass historische Ereignisse wie Tod und Auferstehung nur dann wirksam werden, wenn sie in den lebendigen, anrufbaren Geist eingeprägt sind. Die folgenden Kernpunkte entfalten, wie diese Ingredienzien zusammenwirken und welche innerliche Wirkung sie im Alltag eines Gläubigen entfalten.
Tod und Auferstehung als wirksame Elemente des Geistes
Wenn vom Tod Christi als Bestandteil des Geistes die Rede ist, so beginnt die Beobachtung bei der Verschiebung von einem historischen Ereignis zu einer inneren Wirklichkeit. Das Kreuz bleibt nicht bloß ein Geschehen in der Vergangenheit, sondern wird im gegenwärtigen Wirken des Geistes in uns wirksam; wie es in der Heiligen Schrift heißt: „Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind?“ (Römer 6:3). Diese Eingliederung in den Tod des Herrn bedeutet, dass das Kreuz seine tötende Kraft gegen die Herrschaft der Sünde in uns entfaltet — nicht als bloße Theorie, sondern als reale Erfahrung, die der Geist in unserem Inneren vollzieht.
Der Tod Christi, in den wir hineingetauft wurden, ist tatsächlich im Geist enthalten. Ohne den Geist bleibt er bloß eine historische Tatsache und kann niemals zu unserer Erfahrung werden. Erst im Geist werden wir am Tod Christi teilhaftig. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierundsechzig, S. 1749)
Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung, dass Tod und Auferstehung zusammengehören wie zwei Seiten derselben Wirklichkeit: Der Tod wirkt als Reinigung und Loslösung von der Sünde, die Auferstehung bringt das neue, befreite Leben hervor. Paulus bringt dies zur Sprache, wenn er die praktische Folge nennt: „denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes zu Tode bringt, werdet ihr leben“ (Römer 8:13). Für das geistliche Leben heißt das: Wer dem zusammengesetzten Geist Raum gibt, erfährt, wie das Kreuz innerlich wirkt und in ihm die Kraft zur Auferstehung liegt — eine stille, beständige Verwandlung, die zur Verantwortung des Lebens in Christus führt.
Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind? (Römer 6:3)
denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes zu Tode bringt, werdet ihr leben. (Römer 8:13)
Diese Wahrheit lädt dazu ein, das Kreuz nicht nur zu kennen, sondern ihm im Gebet und in der Stille des Herzens zu erlauben, seine reinigende Kraft zu entfalten. Die Erfahrung des Todes und der Auferstehung durch den Geist schafft eine neue Freiheit, die hinreichend zärtlich und zugleich wirksam ist, um das Leben neu zu ordnen und Mut zu geben, im Wandel mit Christus zu bleiben.
Die Vermengung von Göttlichem und Menschlichem
Das Bild der Vermengung von Öl und Gewürzen führt zur leichten, aber tiefen Einsicht: Der Geist Gottes vermischt sich mit unserem wiedergeborenen Geist und schafft dadurch eine gemeinsame Substanz des Lebens. Diese Verbindung ist kein bloßes Nebeneinander, sondern ein Eingehen des Göttlichen in das Menschliche, das im Inneren bezeugt wird; wie es heißt: „Der Geist Selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind“ (Römer 8:16). In dieser Übereinstimmung wird Identität geschenkt — wir sind nicht allein Empfänger, sondern Mitwirkende an einer inneren Gemeinschaft, in der das Göttliche unseren menschlichen Kern durchdringt.
Die Erfüllung dieses Sinnbildes besteht in der Vermengung des göttlichen Geistes mit unserem wiedergeborenen menschlichen Geist. Römer 8:16 sagt: „Der Geist Selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ Hier erkennen wir diese Vermengung des Geistes mit unserem Geist. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierundsechzig, S. 1753)
Die Deutung dieser Vermengung betrifft nicht nur Zugehörigkeit, sondern auch Umgestaltung: Wenn göttliche Substanz und menschliche Struktur miteinander verwoben sind, bringt das eine nach innen gerichtete Erneuerung mit sich. Praktisch zeigt sich dies in einem veränderten Denken, einer wachsenden Zuversicht und einem beständigeren Bewusstsein der Gegenwart Gottes in alltäglichen Entscheidungen. So wird die Vermengung zum inneren Motor des Wachstums, der aus stiller Begegnung konkrete Reife entstehen lässt — eine Reife, die weniger von äußerer Anstrengung als von der zarten Wirkung des Geistes in unserem Innern geprägt ist.
Der Geist Selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. (Römer 8:16)
Die Erkenntnis, dass Gottes Geist mit unserem Geist verwoben ist, sollte trösten und ermutigen: Sie gibt Sicherheit in Identität und Geduld für den Weg der inneren Umformung. Wer diese Vermengung achtet, kann dem langsamen, aber echten Wachstum vertrauen und lernt, die eigene Seele als Raum zu betrachten, in dem göttliche Wirklichkeit fortwährend Gestalt annimmt.
Salbung, Verantwortung und das bauende Element
Die alttestamentliche Anweisung zur Bereitung der heiligen Salbung macht konkret, was Salbung bedeutet: eine wohlbedachte Mischung, bestimmt für die Heiligung der Stätte und der Diener. Es heißt über die Mischung: „und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein“ (2. Mose 30:25). Als Bild schenkt uns das die Vorstellung einer Gabe, die nicht nur ein inneres Erlebnis ist, sondern auch eine praktische Auswirkung hat: Dinge und Personen werden damit zu einem heilgen Gebrauch befähigt.
Auch die Kraft, Verantwortung zu tragen, gehört zum zusammengesetzten Geist. Ich kann bezeugen, dass ich, wenn ich im allumfassenden zusammengesetzten Geist wandle, die Kraft habe, Verantwortung zu tragen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierundsechzig, S. 1753)
Wenn die Salbung Verantwortung und Aufbau weckt, dann liegt hierin keine Selbstverherrlichung, sondern eine Überführung des Geheilten in Dienst und Ordnung. Schon die Weisung, Öl für Lampen bereitzuhalten, unterstreicht das Verantwortliche: „die klugen aber nahmen zusammen mit ihren Lampen noch Öl in ihren Gefäßen mit“ (Matthäus 25:4). So verbindet die Salbung das Innere mit dem Äußeren — sie bildet zur Treue, schützt vor Verblendung und wird zum bauenden Element in der Gemeinschaft, weil die Geheilten befähigt werden, in Heiligkeit und Glauben zu wirken.
Zugleich bleibt die Salbung ein Schutz gegen Irrlehre und eine innere Orientierung: Wie Johannes schreibt, bleibt die von Gott gegebene Salbung in den Gläubigen und lehrt sie über alle Dinge. Diese bleibende Lehre ist keine theoretische Belehrung, sondern ein lebendiges Bewahrtsein in der Gemeinschaft des Lebens mit Christus, das sowohl dem einzelnen als auch der Gemeinde Bau und Beständigkeit schenkt.
und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein. (2. Mose 30:25)
die klugen aber nahmen zusammen mit ihren Lampen noch Öl in ihren Gefäßen mit. (Matthäus 25:4)
Das Bild der Salbung lädt dazu ein, das eigene Leben als mitgeheiligt zu sehen: geschenkt, befähigt und zugleich in die Verantwortung gestellt. Diese Hoffnung stärkt zum Dienst in Sanftmut und zur Ausdauer im Aufbau, denn wer gesalbt ist, trägt in sich die Kraft, beständig und demütig zum Bau der Gemeinde beizutragen.
Herr, wir danken Dir dafür, dass Du Tod und Auferstehung Christi nicht als bloße Geschichte, sondern als lebendiges Element Deines Geistes zu uns gebracht hast. Möge Deine Salbung uns innerlich durchdringen, damit die Kraft des Kreuzes die Sünde in uns zerstört und die Kraft der Auferstehung uns zu einem verantwortlichen, bauenden Leib formt; gib uns die Gewissheit Deiner Gegenwart und die Freiheit, in dieser inneren Verbindung mit Dir zu ruhen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 164