Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bestandteile des zusammengesetzten Geistes, versinnbildlicht durch die Salbenmischung (4)

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In der frühen Gemeinde versuchten Irrlehren immer wieder, die Person Christi zu zergliedern: Jesus getrennt von Christus, Christus getrennt vom Vater. Die Schrift wehrt sich dagegen und zeichnet ein anderes Bild — nicht Trennung, sondern umfassende Einheit. Das Bild der Salbenmischung in 2. Mose 30 hilft uns, diese Einheit zu verstehen: die Zutaten und ihre Verbindung veranschaulichen, wie der Geist alle Seiten der göttlichen Person zugleich in uns wirkt. Welche Konsequenzen hat dieses biblische Bild für unseren Glauben und das praktischen Leben mit Gott?

Die unteilbare Einheit der göttlichen Person

Die neutestamentliche Warnung gegen das Zerlegen des göttlichen Offenbarungsbildes trifft ins Zentrum unseres Denkens über Gott: wer Jesus als den Christus leugnet, verfehlt nicht nur eine Rolle, sondern greift die geschlossene Wirklichkeit der göttlichen Person an. Beobachtet man die Sprache des Johannes, so steht dort kein abstraktes Dogma, sondern ein existenzielles Zeugnis davon, dass Person und Offenbarung zusammengehören. So wird die Zugehörigkeit zu Christus nicht als Addendum verstanden, sondern als Einssein, das alle Erscheinungen der Gottheit durchdringt.

Die Antwort lautet: Wer leugnet, dass Jesus der Christus ist, leugnet damit zugleich den Vater und den Sohn. Umgekehrt gilt: Wer den Vater und den Sohn leugnet, leugnet dadurch, dass Jesus der Christus ist. Das macht deutlich, dass Jesus der Christus ist und dass der Christus sowohl der Vater als auch der Sohn ist. Außerdem zeigt es, dass Jesus, der Christus, der Vater und der Sohn alle eins sind. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsechsundsechzig, S. 1769)

Auslegung: Diese Aussage bedeutet nicht, Unterschiede aufzuwiegen oder biblische Unterscheidungen zu verwischen; vielmehr betont sie, dass Vater, Sohn und Geist nicht als getrennte Teile eines Systems existieren, die man nach Belieben auseinandernehmen kann. Das theologische Gewicht liegt auf der lebendigen Einheit: die verschiedenen Aspekte — Ursprung, Inkarnation, Lebensströmung — sind in einer Person vereint und offenbaren sich zugleich. Wie das biblische Zeugnis zeigt, betrifft diese Einheit sowohl die Wahrheit als auch das praktische Leben des Glaubens; ein fragmentiertes Bild führt zu einer fragmentierten Erfahrung.

Heiliger Zeugnis und Praxis verbinden sich hier: Johannes stellt dem intellektuellen Irrtum das Zeugnis entgegen, das in der Gemeinde leben soll. Es heißt, “Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist?” – eine Formulierung, die nicht nur lehrmäßige Korrektur übt, sondern das Leben in Gemeinschaft mit dem Einen fordert. Diese Verbindung von Erkenntnis und Erfahrung nötigt uns, die Person Christi als ganze Wirklichkeit zu beherzigen.

Schließlich liegt in dieser Einsicht ein tröstliches Gewicht: die Einheit der göttlichen Person schützt vor der Zerrissenheit, die unser Glaubensleben verwundet. Wenn die göttliche Wirklichkeit uns als eine verschlossene, lebendige Person begegnet, wächst aus der Zugehörigkeit eine seelische und geistliche Stabilität, die Hoffnung und Vertrauen nährt.

Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. (1.Joh. 2:22)

Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. (1.Joh. 2:23)

Wenn die göttliche Person in ihrer Einheit verstanden wird, entsteht ein Raum innerer Ruhe und praktischer Unterscheidung: die Beziehung zu Christus ist kein Flickwerk aus Teilen, sondern ein tätiges Zusammenleben mit einem ganzen, lebendigen Herrn. Diese Gewissheit formt das Denken über Heiligung, Gemeinschaft und Dienst und lädt dazu ein, die Beziehung zu Gott als eine persönliche, umfassende Begegnung zu leben, die Heil und Beständigkeit spendet.

Die Salbenmischung als Typ des zusammengesetzten Geistes

Das Bild der Salbenmischung in 2. Mose 30 wirkt auf den ersten Blick handwerklich: Öl und wohlriechende Stoffe werden gemessen, vermengt und zu einer heiligen Salbe verarbeitet. Beobachtet man jedoch die biblische Typologie, so offenbart sich ein tieferer Sinn: die Zutaten stehen für verschiedene Qualitäten der göttlichen Wirklichkeit, die durch das Werk des Salbenmischers zu einer neuen, einheitlichen Substanz werden. So wie das Öl und die Gewürze nicht mehr einzeln auf der Haut liegen, sondern eine verbindende Wirkung entfalten, so wirkt der zusammengesetzte Geist nicht partiell, sondern in seiner Gesamtheit an dem Menschen.

Alle diese Bestandteile wurden zusammengefügt, um den zusammengesetzten Geist, die Salbung in 1. Johannes 2:20 und 27, zu bilden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsechsundsechzig, S. 1774)

Die Deutung dieses Typs führt zur Einsicht, dass der zusammengesetzte Geist Aspekte wie die göttliche Person, die Menschheit Christi, sein Leiden und seine Auferstehung vereinigt. Im alttestamentlichen Ritual wurde durch die Salbung nicht nur Gegenstände geheiligt, sondern auch Personen in ihren priesterlichen Dienst eingesetzt; daraus folgt, dass die Salbung ein Mittel der Heiligung und der Einsetzung in Gottes Gegenwart ist. Wie es heißt: “und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein” (2. Mose 30:25). Diese Sprache verweist auf eine Gotteswirklichkeit, die zugleich vielgestaltig und untrennbar ist.

Das biblische Zeugnis zur Salbung klingt auch in den Aussagen des Neuen Testaments an, wo die Salbung des Heiligen in der Gemeinde erwähnt wird. Die Salbung, die in uns bleibt, lehrt und bewahrt, weist darauf hin, dass die Wirkung des zusammengesetzten Geistes nicht nur theoretisch ist, sondern als innere Leitung und Bewahrung erfahrbar bleibt. Die Typologie macht deutlich, dass Gottes Handeln sowohl im Äußeren (Zelt, Gerät, Priester) als auch im Inneren (Herz, Geist) eine heiligende, verklärende Kraft entfaltet.

So wirkt der Typus der Salbenmischung zweifach: er zeigt, wie göttliche Vielfalt zu einer heilenden Einheit zusammengeführt wird, und er erinnert daran, dass unsere Teilhabe an dieser Einheit nicht nur eine Rechtfertigung ist, sondern eine kontinuierliche, formende Gegenwart, die Leben und Dienst prägt.

und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein. (2.Mose 30:25)

Und was euch betrifft, die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand lehre; sondern wie Seine Salbung euch über alle Dinge lehrt und wie sie wahr ist und keine Lüge ist, und so wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in Ihm. (1.Joh. 2:27)

Das Bild der Salbe lädt dazu ein, die Gegenwart Gottes nicht in isolierten Erfahrungen zu suchen, sondern in der gestaltenden Wirklichkeit eines zusammengesetzten Geistes, der in seiner Einheit wirkt. Diese Sicht fördert ein heiliges Staunen und eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Geheimnis, dass Gottes Vielheit sich in einer Person vereint und so das menschliche Leben innerlich verwandelt.

Auswirkung auf unser geistliches Leben: Anmutung, Durchdringung, Wachstum

Die Veranschaulichung des Salbungsakts durch das Bild des Anstreichens einer Wand öffnet den Blick für die Art und Weise, wie der zusammengesetzte Geist in uns wirkt: nicht punktuell, sondern durchdringend. Wenn Farbe als Gemisch aufgetragen wird, trägt sie alle ihre Bestandteile zugleich auf die Oberfläche; so legt der Geist alle seine Elemente in uns an und verändert Substanz und Oberfläche zugleich. Beobachtend wird klar, dass diese Wirkung nicht von außen bloßes Beiwerk ist, sondern eine innere Umgestaltung bewirkt.

Wir können das Anstreichen einer Wand zur Veranschaulichung der Salbung durch den zusammengesetzten Geist heranziehen. Stellen Sie sich vor, Sie streichen eine Wand mit Ölfarbe – einer Mischung aus Öl und weiteren Bestandteilen. Wenn die Farbe aufgetragen wird, gelangen alle ihre Bestandteile mit auf die Wand. Ebenso können wir sagen: Wenn der zusammengesetzte Geist uns salbt, dann „bemalt“ Er uns gewissermaßen; Er bringt alle Elemente dieser allumfassenden Person an uns an. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsechsundsechzig, S. 1775)

In der Deutung bedeutet das: geistliches Wachstum wird nicht allein durch Einzelerfahrungen oder sporadische Gnadengaben erzeugt, sondern durch die anhaltende, integrierende Gegenwart einer Person. Johannes formuliert dies bezeichnend: “An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch” (Johannes 14:20). Dieses Wort verbindet die gegenseitige Einwohnung mit der Erfahrung kontinuierlicher Gemeinschaft; die Anmutung des Lebens wird dadurch innerlich erneuert und nach außen hin sichtbar.

Die Konsequenz für das Leben ist eine veränderte Erwartungshaltung: Wachstum geschieht als Prozess, in dem Denken, Empfinden und Tun zugleich umgestaltet werden. Der Geist wirkt Freiheit und Reife; wie es heißt, “Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit” (2. Korinther 3:17). Diese Freiheit ist keine Beliebigkeit, sondern die befähigende Wirkung eines Geistes, der in seiner Zusammensetzung die ganze Person formt.

Zum Abschluss bleibt ein ermutigender Gedanke: die Erfahrung des zusammengesetzten Geistes ist zugleich Einladung und Zusicherung. Sie verheißt, dass Gottes reichhaltige Gegenwart in uns nicht fragmentiert bleibt, sondern Gestalt und Frucht hervorbringt. Wer diese Wahrheit atmet, kann mit einer stillen Zuversicht voranschreiten, denn das Leben wird nicht allein durch menschliche Anstrengung geformt, sondern durch das beständige Wirken einer lebendigen, allesumfassenden Gegenwart.

An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch. (Joh. 14:20)

Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2.Kor 3:17)

Das Bewusstsein, vom zusammengesetzten Geist innerlich durchdrungen zu werden, schenkt eine geduldige, zugleich hoffnungsvolle Perspektive auf geistliches Wachstum: es ist ein fortdauernder Prozess der Umformung, in dem Gottes ganze Person uns anstreicht und so Denken, Affekte und Handeln erneuert. In dieser Gewissheit liegt Trost und Ansporn zu einem Leben, das sich von der Fülle Gottes formen lässt.


Herr Jesus, danke, dass Du in Deiner ganzen Person als Vater, Sohn und Geist zugleich zu uns kommst und uns mit allem, was Du bist, anstreichst. Schenke uns das Bewusstsein Deiner unteilbaren Wirklichkeit, damit wir geborgen und kraftvoll im Leben mit Dir stehen und Deine Herrlichkeit in unserem Inneren sichtbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 166