Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bestandteile des zusammengesetzten Geistes, versinnbildlicht durch die Salbenmischung (1)

6 Min. Lesezeit

Die detaillierte Rezeptur der alttestamentlichen Salbung wirkt auf den ersten Blick rein rituell – Öl, Mengen und Gewürze –, doch gerade diese Angaben sprechen eine theologische Sprache. Warum verwendet Gott eine mehrteilige Mixtur, um etwas vom Heiligen Geist auszusagen, und welche Bedeutung haben die Zahlen und Maße hinter dem Bild? Wenn man die einzelnen Zutaten auslegt, offenbart sich nicht nur die Grundlage des Geistes, sondern auch, wie seine Wirklichkeit gegen Irrlehren schützt und das Leben der Gemeinde formt.

Gottes Einheit als Grundlage

Das Rezept der Salbung stellt die hin Olivenöl als eine klare, unteilbare Basis in den Mittelpunkt. Wenn in 2. Mose 30 von der Mischung die Rede ist, heißt es explizit von einem Hin Olivenöl; es ist nicht eine von vielen Zutaten, sondern die Grundlage, auf der die übrigen Bestandteile ruhen. Diese konkrete Größe des Öls verweist weniger auf Quantität im technischen Sinn als auf die theologische Tatsache eines einzigartigen Ursprungs — eines einen Gottes, der allem Handeln des Geistes zugrunde liegt.

Das erste Element ist der einzige, einzigartige Gott, dargestellt sowohl durch das Olivenöl selbst als auch durch dessen Menge — ein Hin. Das eine Hin Olivenöl in 2. Mose 30 versinnbildlicht den einen Gott, den Schöpfer (1.Tim. 1:17; Röm. 16:27; 2.Mose 30:24). Als Grundlage des zusammengesetzten Salböls steht ein Hin Olivenöl für den einzigartigen Gott, der zugleich die Grundlage des zusammengesetzten Geistes bildet. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundsechzig, S. 1743)

Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung: Die Einheit Gottes ist die stabile Wurzel des zusammengesetzten Geistes. Das Neue Testament zeigt uns, wie der Geist innerlich wirkt und sich begegnet, doch gerade weil er aus dem einen, unveränderlichen Gott hervorgeht, bleibt dieses Wirken geordnet und zutiefst verwurzelt. Dass der Schöpfer als Ausgangspunkt genannt wird, erinnert daran, dass alles geistliche Leben nicht autonom schwebt, sondern aus der Treue und dem Wesen des einen Gottes entspringt, dem demütig Ehre gebührt und dessen Beständigkeit Trost schenkt.

und 500 (Schekel) Zimtblüten, nach dem Schekel des Heiligtums, dazu ein Hin Olivenöl (2.Mose 30:24)

Dem König der Zeitalter nun, dem unverderblichen, unsichtbaren, alleinigen Gott sei Ehre und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (1.Tim. 1:17)

In der Gewissheit eines einen Grundes findet das Herz Ruhe: die salbende Gegenwart des Geistes geht nicht von flüchtigen Eindrücken aus, sondern von dem unveränderlichen Gott. Diese Gewissheit lädt zu einer stillen Zuversicht, dass alles, was der Geist schenkt, auf einer festen Gotteswirklichkeit ruht und uns so in einem beständigen Glück bewahrt.

Die Dreieinigkeit in den drei Maßeinheiten

Die drei Maßeinheiten im Salböl — jede mit der vollen Zahl, wobei die mittlere geteilt wird — geben bildhaft einen dreifachen inneren Aufbau. Dass die mittlere Einheit zerteilt ist, lenkt den Blick auf das Opfer und das Paschen des Herrn in der Mitte der göttlichen Ökonomie; die drei Größen signalisieren Verschiedenheit in der Einheit: unterschieden, aber im Wesen verbunden. So lassen sich Vater, Sohn und Geist nicht zu einer unbestimmten Vielheit auflösen, sondern erscheinen als differenzierte Personen, die doch den einen Namen und ein gemeinsames Wirken tragen.

Wenn wir zu den drei Einheiten von jeweils fünfhundert Schekel in der zusammengesetzten Salbe zurückkehren, fällt auf, dass die mittlere Einheit halbiert wurde. Das deutet auf den Tod des Herrn Jesus am Kreuz hin. Dass gerade die mittlere Einheit — die den Sohn darstellt — geteilt wurde, ist ein starkes Indiz dafür, dass diese drei Einheiten zu je fünfhundert Schekel die Dreieinigkeit versinnbildlichen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundsechzig, S. 1745)

Dieses Verständnis schafft eine lebendige Verbindung zwischen alttestamentlicher Typik und neutestamentlicher Offenbarung. Johannes’ Worte über das innige Miteinander von Vater und Sohn bringen die gleiche Wirklichkeit auf den Punkt; es heißt, der Sohn sei im Vater und der Vater in ihm — eine gegenseitige Durchdringung, durch die das Handeln Gottes konkret wird. Gerade in der Teilung der mittleren Maßeinheit zeigt sich, wie das Erlösungswerk des Sohnes die innere Gemeinschaft des Dreieinen Gottes in die heilbringende Bewegung bringt, aus der der Geist zu den Menschen ausgegossen wird.

Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, die Ich zu euch sage, spreche Ich nicht von Mir Selbst aus, der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke. (Joh. 14:10)

und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, (Joh. 14:16)

Wenn die Maßeinheiten von Trennung und Einheit zugleich sprechen, öffnet sich ein Raum des Staunens: Gott ist verschieden in Personen und doch eins in Sein und Ziel. Diese Spannung schenkt Vertrauen, weil das, was in die Welt tritt — Opfer, Versöhnung, Beistand — Ausdruck einer inneren göttlichen Harmonie ist, die uns verbunden erhält.

Die Menschheit Christi symbolisiert durch vier Gewürze

Die vier Gewürze im Rezept tragen die Sprache der Schöpfung: Vier ist biblisch oft mit der manifesten Welt verbunden, mit dem Vollzug des Geschaffenen. Dass die Menschheit durch vier Pflanzenprodukte symbolisiert wird, legt nahe, dass das Menschsein als solche Bestandteil des zusammengesetzten Geistes ist — nicht abstrakt, sondern konkret, leiblich und gestuft. In der Salbung begegnet uns daher nicht bloß das Göttliche, sondern auch das wahrhaft Menschliche, in dem Gott sich zu uns nähert.

Als nächstes unter den Bestandteilen des zusammengesetzten Geistes steht der Mensch, das Geschöpf Gottes. Das bezieht sich natürlich auf die Menschlichkeit Jesu, also auf den Menschen Jesus. Der Mensch wird durch die vier Gewürze der Pflanzenwelt versinnbildlicht (2.Mose 30:23–24). (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundsechzig, S. 1746)

Gerade die Menschheit Christi steht im Zentrum dieses Bildes. Das Wort, das Fleisch wurde und unter uns wohnte, bringt die göttliche Wirklichkeit in die gestaltete Existenz des Menschen hinein; deshalb können die Gewürze auf Christus als den wahren Menschen deuten, durch dessen Leben, Leiden und Auferstehung die göttliche Salbung zu den Priestern und zum Gemeindeleben gelangt. So wird das Heilsgeschehen nicht von einer Seite vollbracht: Die Menschwerdung war Bedingung dafür, dass der Dreieine Gott durch personalen, menschlichen Weg in uns hineinwirken kann.

Du nun, nimm dir Balsamöle bester (Art), 500 (Schekel) von selbst ausgeflossene Myrrhe und die Hälfte davon, 250 (Schekel), wohlriechenden Zimt, ferner 250 (Schekel) Würzrohr (2.Mose 30:23)

Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater), voller Gnade und Wirklichkeit. (Joh. 1:14)

Die Idee, dass das Göttliche durch echte Menschlichkeit zu uns kommt, lädt zu einer ruhigen Dankbarkeit ein. In der Menschwerdung liegt das Versprechen, dass geistliche Gegenwart nicht fern bleibt, sondern in der Wirklichkeit des menschlichen Lebens wohnt und uns dadurch echten Trost und Anteil am Leben Gottes schenkt.


Herr, wir danken Dir für die Tiefe Deiner Offenbarung, dass der Geist nicht eine abstrakte Kraft, sondern ein zusammengesetztes, lebendiges Geschehen ist, bei dem Deine Einheit, Deine Dreifaltigkeit und die Menschheit Christi zusammenwirken. Schenke, dass Dein Leben in uns offenbar und wir durch diese Salbung gegen Verwirrung und Unwille bestehen können; möge Hoffnung und Gewissheit über Deinen Bestand unser Herz erfüllen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 163