Die Heiligung Aarons und Seiner Söhne zum Priestertum (10)
Die Einsetzungen in 2. Mose schildern nicht nur kultische Handlungen, sondern ein inneres Geschehen: Sühne, Salbung und Nahrung für Gott zeigen, wie Gottes Leben in uns wachsen und sich in der Gemeinde manifestieren soll. Wie kommen Blut, Öl, Lamm, Mehl und Wein von der kultischen Schale in unser tägliches geistliches Leben, so dass unsere Treffen nicht leer bleiben, sondern echt genährt werden?
Tägliche Sühne am Altar: Reinigung und Salbung
Das tägliche Darbringen eines Sündopfers und die Salbung des Altars zeichnen ein Bild von wiederkehrender Reinheit und geweihter Gegenwart. Beobachtet man die Instruktion, wird deutlich, dass hier nicht nur ein einmaliges Ritus-Handeln gemeint ist, sondern eine beständige Geste: Blut als das Mittel der Reinigung, Öl als das Zeichen der Einsetzung und des Wirkens des Geistes. Es heißt: „Auch sollst du täglich einen Jungstier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen.“ (2. Mose 29:36). In diesem Rahmen wird der Altar zum Sinnbild eines gehüteten Ortes, an dem Trennung aufgehoben und Gemeinschaft möglich gemacht wird.
Das Blut steht für den Tod Christi, das Öl für die Salbung durch den Geist. Das Blut reinigt uns, der Geist salbt uns. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundvierzig, S. 1546)
Die Deutung dieses Bildes führt in die Mitte des Evangeliums: Christus’ Tod nimmt die Trennung weg, der Geist macht heilig. Wenn das Blut spricht, wird das Verfehlte gerecht behandelt; wenn das Öl fließt, wird der Raum für Gottes Gegenwart geöffnet. Das bedeutet nicht, dass äußere Formen Ersatz für inneres Leben sind, sondern dass die äußere Praxis die innere Realität widerspiegelt — jene Haltung der demütigen Anerkennung, dass allein Christus Sühne bringt und der Geist die Gemeinschaft befähigt. Für das gemeinsame Tischleben der Gemeinde heißt das: Ohne Sühne keine echte Nähe, ohne Salbung keine bleibende Heiligkeit.
So endet der Gedanke nicht in Sorge, sondern in Zuversicht. Die tägliche Sühne ist kein ferner Anspruch, sondern das Beständigwerden der Gnade, die uns reinigt und zugleich bereitet, bei Gott zu speisen. Möge die Erkenntnis dieser doppelten Wirklichkeit — Reinigung durch Blut und Einsetzung durch Öl — Mut geben, das gemeinsame Leben als Ort zu sehen, an dem Gottes Gegenwart regelmäßig eingeübt und erfahren wird.
Auch sollst du täglich einen Jungstier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen. (2. Mose 29:36)
Sieben Tage sollst du Sühnung am Altar vollziehen und ihn (dadurch) heiligen. So wird der Altar hochheilig sein: alles, was den Altar berührt, ist geheiligt. (2. Mose 29:37)
Aus der Bildsprache des Altars ergibt sich die Einsicht, dass Gemeindeleben eine wiederkehrende Reinheit und zugleich eine beständige Abhängigkeit vom Geist braucht. Die Sühne weist auf die fortwährende Wirksamkeit Christi hin; die Salbung weist auf das, was der Geist in uns einsetzt, damit Begegnung und Dienst nicht nur möglich, sondern echt sind. So erhält Gemeinschaft ihre Nahrung und ihre Gabe, nahe bei Gott zu bleiben.
Christus als Speise: Lamm, Getreide, Öl und Wein
Die Vielfalt der Kultgaben — Lamm, Mehl, Öl, Wein — offenbart verschiedene Züge des einen Christus, der sich in vielen Formen schenkt. Beobachtet man die Gestaltung der Mahlzeit, so tritt hervor: das Lamm als stellvertretendes Opfer, das Getreide als Leib, das Öl als Salbung und der Wein als ausgeschüttetes Leben. Es heißt: „Dann sollen Aaron und seine Söhne das Fleisch des Widders und das Brot, das im Korb ist, am Eingang des Zeltes der Begegnung essen.“ (2. Mose 29:32). Das gemeinsame Essen an der Schwelle der Gegenwart Gottes macht deutlich, dass die Gaben nicht abstrakt bleiben, sondern innerlich aufgenommen und verwandelt werden müssen.
Die Lämmer gehören natürlich zum Tierreich; Mehl, Öl und Wein hingegen zum Pflanzenreich. All diese Nahrungsmittel stehen symbolisch für verschiedene Aspekte Christi. Christus ist unser Lamm, unser Weizen, unsere Weinrebe, die Wein hervorbringt, und unser Olivenbaum, der Öl hervorbringt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundvierzig, S. 1548)
Die Deutung führt weiter: Diese ‚Lebensmittel‘ sind keine Fremdstoffe, die äußerlich dargeboten werden, sondern Typen dessen, wie Christus in und durch uns werden will — als Leidender, als Nahrung, als Salbung und als Lebensstrom. Wenn Christus zu unserer Nahrung wird, so reift in uns das, was als geistliche Kost ausgegeben werden kann. Das heißt konkret: Die Gestalten Christi müssen in unser Inneres eingehen, wachsen und Früchte tragen, damit das, was am Tisch der Gemeinde gereicht wird, echte Nahrung ist und nicht bloß symbolische Form.
Im Nachklang bleibt die Einladung zu einem geduldigen Wachsen: Christus in seinen verschiedenen Zügen zu empfangen ist ein Weg des Wachsens in Tiefe und Substanz. Es ist tröstlich und erhebend zu wissen, dass das, was am Tisch gereicht wird, nicht nur erinnert, sondern tatsächlich in uns heranreift und so zur Stärkung für das Gemeinleben wird.
Dann sollen Aaron und seine Söhne das Fleisch des Widders und das Brot, das im Korb ist, am Eingang des Zeltes der Begegnung essen. (2. Mose 29:32)
dazu ein Zehntel mit einem viertel Hin Öl aus zerstoßenen (Oliven) gemengt, und als Trankopfer ein viertel Hin Wein zu dem einen Lamm. (2. Mose 29:40)
Die Typologie der Speisen lenkt den Blick darauf, dass geistliche Nahrung sowohl die ganze Person Christi als auch verschiedene Wirkungen des Geistes umfasst. Wenn diese Gaben innerlich werden, entstehen in der Gemeinde Vorräte an wahrer Nahrung: Leib, Opfer, Salbung und ausgeschenktes Leben. Aus dieser Perspektive wächst gemeinsamer Dienst nicht durch Aktivismus, sondern durch das Wachsen dessen, was wir als Nahrung aufnehmen und werden.
Wachsen und bringen: Leben und Sterben für geistliche ‚Vorräte‘
Das Bild vom Acker und vom Vieh zeigt, dass geistliches Wachstum Frucht reifen und Opfer hervorbringen soll. Beobachtung des biblischen Plans legt nahe, dass Gläubige zugleich Feld und Nahrung sind: Das Eine muss wachsen, damit das Andere gegeben werden kann. In diesem Sinn heißt es in der Schrift, dass die Einsetzung der Priester und die Heiligung des Heiligtums zur bleibenden Gegenwart Gottes führen; es heißt: „So werde ich das Zelt der Begegnung und den Altar heiligen. Und Aaron und seine Söhne werde ich heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben.“ (2. Mose 29:44). Diese Heiligung ist der Boden, auf dem gemeinsames Wachsen möglich wird.
In letzter Zeit haben wir viel darüber gesprochen, was es heißt, Christus zu leben. Christus zu leben heißt im Grunde, ihn wachsen zu lassen. Das bedeutet: Indem wir Christus leben, wächst Er in uns. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundvierzig, S. 1549)
Die Deutung dieses Anliegens liegt in der täglichen Praxis von Leben und Sterben: Christus in uns wachsen zu lassen erfordert ein fortwährendes Hineingeben, ein Absterben des Selbst, damit Frucht heranreifen kann. Dabei ist kein künstliches Hervorbringen gemeint, sondern ein inneres Reifen, durch das das, was wirklich Christus ist, in Worten, Dienst und Mahl sichtbar wird. Durch diese innere Arbeit entstehen ‚Vorräte‘ an geistlicher Nahrung — gereifte Gaben der Tiefe, die in Versammlung und Stille nützlich werden.
Zum Schluss lenkt dieser Gedanke auf Hoffnung und Beständigkeit: Wachstum ist ein Prozess mit Zeiten der Stille und des Kummers, aber auch mit Zeiten der Fülle. Die Vorstellung, dass in uns etwas reifen kann, das dann der Gemeinde zum Segen wird, ist stärkend; sie erinnert daran, dass Gottes Werk in Geduld geschieht und dass das, was innerlich wächst, schließlich als Nahrung und Opfer für Gottes Haus gegeben werden kann.
So werde ich das Zelt der Begegnung und den Altar heiligen. Und Aaron und seine Söhne werde ich heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. (2. Mose 29:44)
Und ich werde mitten unter den Söhnen Israel wohnen und ihr Gott sein. (2. Mose 29:45)
Das Bild vom Wachsen und Bringenspricht dafür, dass geistliche Substanz Zeit benötigt und aus einem Leben entsteht, das bereit ist, zu sterben und doch zu wachsen. Gemeinschaft gewinnt an Tiefe, wenn innerliche Reife entsteht und zur Ausgabefähigkeit führt; so werden gottesdienstliche Mahlzeiten und das gemeinsame Miteinander zu Quellen wirklicher Stärkung.
Herr Jesus, danke für Dein vollendetes Sühnopfer und für den Geist, der uns salbt; möge Dein Blut uns reinigen, Dein Geist uns ausrüsten und Dein Leben in uns wachsen, damit Gemeinde und Tisch echte Nahrung und Heiligung erfahren. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 142