Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Heiligung Aarons und Seiner Söhne zum Priestertum (11)

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Die Einsetzung Aarons und seiner Söhne in 2. Mose 29 verbindet rituelle Details mit einer ganz praktischen Wirklichkeit: die Priesterschaft fordert nicht nur äußere Handlungen, sondern eine fortwährende innere Ordnung. Vor der Aufgabe, Gott Speise darzubringen, steht erst die Klärung der Beziehung durch das Sündopfer; zugleich tritt Christus in verschiedenen Lebensweisen hervor – als Versöhner, als das gehorsame Lamm und als Nahrung für den Herrn. Die Spannung liegt darin, wie einmalige Erlösung und die fortlaufende Realität der Sünde zusammengehen und wie dies unser tägliches Leben als „Priester“ im Alltag prägt.

Das Sündopfer: Christus als tägliche Versöhnung

Das Gebot, täglich ein Sündopfer darzubringen, fällt nicht zufällig in die Einsetzungsordnung des Priestertums. In der Verordnung heißt es ausdrücklich: „2. Mose 29:36 heißt es: ‚Auch sollst du täglich einen Jungstier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen.‘“ Diese wiederkehrende Handlung ordnet das Verhältnis von Mensch und Gott: Sünde ist nicht nur ein einmaliges Ereignis, sondern eine bleibende Realität, mit der der Priester fortwährend umgehen muss, wenn er vor dem Heiligtum bestehen will.

Täglich müssen wir Christus als Stier des Sündopfers darbringen. Das bedeutet, dass wir uns jeden Tag darin üben müssen, Christus Gott als Sündopfer darzubringen, weil unsere Natur und unser Sein sündig sind. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundvierzig, S. 1553)

Die theologische Deutung dieses Rituals führt unmittelbar zum Blick auf Christus als unser Sündopfer. Zwar ist im Kreuz die Sünde gerichtet (2. Korinther 5:21; Römer 8:3), doch bleibt in dem Leben der Gläubigen die Neigung zur Sünde bestehen. Das tägliche Darbringen des Sündopfers erinnert daran, dass die Versöhnung sowohl eine einmalige historische Tat als auch eine gegenwärtige, wiederkehrende Praxis ist: nicht weil das Werk Christi ungenügend wäre, sondern weil in unserer Erfahrung der Wandel vom Gericht zur Heiligung einen fortwährenden Bezug zum Opfer erfordert. Die Folge ist kein bedrückender Formalismus, sondern eine beständige Klärung der Gemeinschaft mit Gott, die den Dienst des Priesters erst möglich macht.

Auch sollst du täglich einen Jungstier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen. (2. Mose 29:36)

Wenn das Bild des täglichen Sündopfers in unser inneres Leben hineinwirkt, entsteht eine ruhige Gewissheit: Christi stellvertretendes Gericht hat uns geborgen, und zugleich ist das Leben als Priester ein Weg, der fortwährende Reinheit und Abhängigkeit erfordert. Diese Spannung ermutigt – nicht zu Selbstgerechtigkeit, sondern zu einer demütigen, beständigen Hingabe an den Einen, der für uns zur Sünde gemacht wurde und uns so in die Gegenwart Gottes hineinführt.

Der Lammdienst: Christus als gehorsames Leben in uns

Im Gegensatz zum Stier, der das Gericht gegen die Sünde vor Gott bringt, tritt das Lamm als Bild des gehorsamen Lebens hervor. In der Offenbarung erscheint das Lamm als siegreiche, zugleich sanfte Figur: „Offenbarung 14:1. heißt es: ‚Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit Ihm hundertvierundvierzigtausend, die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben hatten.‘“ Dieses Bild verknüpft Identität und Nachfolge: das Lamm ist die Quelle dessen, was die Gemeinde als ihr gehorsames Leben darbringt.

Das heißt, dass wir Ihn in vielerlei Hinsicht als den in uns ansehen, der Gott gehorsam ist. Diesen Gehorsam haben wir als unser gehorsames Leben, ja als unseren Gehorsam gegenüber Gott; Er lebt in uns ein Leben des Gehorsams. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundvierzig, S. 1557)

Die theologische Bedeutung liegt darin, dass wahre Nachfolge nicht primär aus Anstrengung erwächst, sondern aus dem inneren Wirken des gekreuzigten und auferstandenen Christus in den Gläubigen (vgl. Philipper 2). Wenn Christus als Lamm in uns wohnt, wird Gehorsam zur Frucht seines Lebens und nicht zur bloßen Leistung unseres Willens. Daraus folgt für den priesterlichen Dienst, dass Authentizität dort entsteht, wo das, was wir vor Gott bringen, die Form hat dessen, der in uns lebt: stille Selbsthingabe, getragene Sanftmut und ein von ihm geprägtes Dienstverhalten.

Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit Ihm hundertvierundvierzigtausend, die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben hatten. (Offenbarung 14:1)

Die Aussicht, dass das Lamm auf Zion steht und mit ihm die Seinen versammelt sind, lädt zu einem stillen Vertrauen ein: unser Gehorsam kann eine Antwort auf das in uns wirkende Leben Christi sein. Diese Einsicht stärkt und ermutigt, denn sie befreit vom Druck, Gehorsam allein aus eigener Kraft hervorbringen zu müssen, und öffnet den Raum für ein Leben, das aus der Gegenwart des Lammes gespeist ist.

Gottes Speise: Opfer als Mahl für den Herrn

Die Verordnungen über die Opfer machen deutlich, dass manche Darbringungen nicht nur sühnen, sondern dem Herrn als Speise dienen. So heißt es konkret: „2. Mose 29:38 heißt es: ‚UND dies ist es, was du auf dem Altar darbringen sollst: täglich zwei einjährige Lämmer als regelmäßiges (Brandopfer).‘“ Das Brandopfer ist vollständig dem Feuer Gottes übergeben; es existiert nicht länger für den Menschen, sondern wird durch das göttliche Gericht aufgenommen und verzehrt.

Die Lämmer hingegen wurden Gott zur Speise dargebracht. Die als Brandopfer dargebrachten Lämmer waren ganz und gar dafür bestimmt, von ihm verzehrt zu werden. Weißt du, auf welche Weise Gott seine Speise verzehrt? Er verzehrt sie mit Feuer. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertdreiundvierzig, S. 1559)

Dieses Bild eröffnet eine tiefe Deutung: Gott nimmt nicht nur an dem teil, was wir darbringen, er ‚genießt‘ es in heiliger Weise und macht es zur Quelle seiner Anerkennung. Wenn die Opfer zu seiner Speise werden, entsteht eine Atmosphäre der Versöhnung und der befriedigten Gemeinschaft, in der der priesterliche Dienst kraftvoll ausgeübt werden kann. So ist das, was wir bringen, nicht nur eine Formalität, sondern ein genuines Angebot, das von Gott selbst aufgenommen wird und unsere Stellung vor ihm festigt.

Und dies ist es, was du auf dem Altar darbringen sollst: täglich zwei einjährige Lämmer als regelmäßiges (Brandopfer). (2. Mose 29:38)

Zu wissen, dass unsere Gaben und unser Leben Gott zur Speise werden können, nährt eine stille Zuversicht: Was in Heiligkeit dargebracht wird, bleibt nicht unwirksam, sondern wird von seiner heiligen Gegenwart aufgenommen. Dies ermutigt zu einem Leben, das nicht nach äußerer Anerkennung strebt, sondern in der Gewissheit steht, dass Gott die Opfer seines Volkes sieht und in ihnen seine Freude findet.


Herr Jesus, danke, dass Du zugleich unser Sündopfer und unser Lamm bist; möge Deine Vergebung unsere Schuld vor Dir klären und Dein gehorsames Leben in uns sichtbar werden, damit wir in Frieden vor Dir stehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 143