Das Wort des Lebens
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Die Heiligung Aarons und Seiner Söhne zum Priestertum (5)

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Gott wollte nie eine Zweiklassen-Gesellschaft unter denen, die Ihm gehören; sein Ziel ist, ein Königreich von Priestern hervorzubringen. Die neutestamentliche Aussage über die allgemeine Priesterschaft der Gläubigen weckt die Frage, wie dieses Ziel praktisch verwirklicht wird. Kapitel 29 von 2. Mose liefert eine überraschend konkrete Abfolge: Reinigung, Bekleidung, Opfer und schließlich das Füllen der Hände — Schritte, die nicht nur historische Rituale sind, sondern eine klare geistliche Linie zeigen, wie Gott Menschen zu Dienern formt.

Die universelle Berufung zur Priesterschaft

Der biblische Horizont öffnet sich weit: Gott sieht nicht vor, eine eng begrenzte geistliche Elite zu haben, sondern eine versammelte Gemeinde, die vor ihm als Priesterschaft steht. In Offenbarung 5:10 heißt es: „und hast sie für unseren Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht; und sie werden auf der Erde regieren.“ Diese Aussage gibt den Ton an: Die Priesterschaft ist kein exklusiver Stand, sondern die gestalterische Identität der Erlösten im neuen Bund.

Nach dem Neuen Testament hat Gottes Errettung das Ziel, alle, die an Christus glauben, zu Priestern Gottes zu machen. Wenn aber jemand errettet ist und dennoch versäumt, als Priester Gott zu dienen, kann er weder Gottes Ziel erfüllen noch Seinen Wunsch befriedigen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsiebenunddreißig, S. 1501)

Die Typologie des Alten Testaments stützt diese Perspektive. Wenn 2. Mose 19:6 verkündet: „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein“, dann liest man dort nicht nur eine nationale Berufung Israels, sondern einen Entwurf, der in Christus seine weite Erfüllung findet. Die levitische Sonderstellung im Bundeskontext ist historisch und funktional, doch die neutestamentliche Offenbarung macht deutlich: Gottes Absicht ist, sein Volk als königliche Priesterschaft zu formen, damit es geistliche Gaben darbringt und seine Gegenwart widerspiegelt.

und hast sie für unseren Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht; und sie werden auf der Erde regieren. (Offenbarung 5:10)

Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst. (2. Mose 19:6)

Es ist tröstlich und belebend zugleich, die eigene Existenz nicht lediglich als Konsument geistlicher Angebote zu verstehen, sondern als Teil einer priesterlichen Gemeinschaft. Dieses biblische Bild lädt dazu ein, die eigene Stellung als Dienender vor Gott anzunehmen und darin die tiefe Würde und Verantwortung zu entdecken, die unser Erlösungsweg beinhaltet.

Die Stufen der Heiligung: Waschen, Bekleiden, Erlösung

Das Ritual in 2. Mose 29 entfaltet seine Logik in klaren Schritten: Zuerst die Reinigung, dann das Ankleiden, schließlich die Erlösung. 2. Mose 29:4 heißt es: „Aaron und seine Söhne aber sollst du an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft herantreten lassen und sie mit Wasser waschen.“ Unmittelbar darauf folgt die Bekleidung: „Darauf sollst du die Kleider nehmen und Aaron bekleiden mit dem Leibrock, dem Oberkleid des Ephods, dem Ephod und der Brusttasche und ihm den Gurt des Ephods umbinden.“

In 2. Mose 29:4 heißt es: „Aaron und seine Söhne aber sollst du an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft herantreten lassen und sie mit Wasser waschen.“ Nachdem Aaron und seine Söhne mit Wasser gewaschen worden waren, mussten sie priesterliche Gewänder anlegen. Da wir in Sünde geboren sind, haben wir eine sündige Natur. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsiebenunddreißig, S. 1504)

Diese Abfolge ist nicht bloß förmlicher Brauch, sondern weist auf eine innere Dynamik der Heiligung. Das Wasser symbolisiert Reinigung von Äußerlichkeiten und von kontaminierenden Verhältnissen; die Gewänder stehen für eine von Gott gegebene Bedeckung und Befähigung, die den Dienenden sichtbar macht. Schließlich fordert die Reihe der Opferhandlungen den Blick auf die tiefer liegende Not des Herzens: ohne die erlösende Wirkung des Sündopfers bliebe die Kleidung frommes Beiwerk, das wahre Dienstfähigkeit aber nicht begründet. 2. Mose 29:21 fasst dieses Zusammenspiel zusammen: „So werden er und seine Kleider und seine Söhne und die Kleider seiner Söhne mit ihm geheiligt.“

(Danach) nimm den einen Widder, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen, (2. Mose 29:4)

Darauf sollst du die Kleider nehmen und Aaron bekleiden mit dem Leibrock, dem Oberkleid des Ephods, dem Ephod und der Brusttasche und ihm den Gurt des Ephods umbinden. (2. Mose 29:5)

Das Bild von Reinigung, Bekleidung und Erlösung zeigt, dass Gottes Wirken sowohl das Sichtbare als auch das Verborgene erfasst. Es bleibt ermutigend zu erkennen, dass Heiligung nicht nur menschliche Anstrengung ist, sondern ein geordneter, barmherziger Prozess Gottes, der zur Tüchtigkeit im Dienst führt.

Vom Brandopfer zum Friedensopfer: Gefüllte Hände zum Dienst

Die liturgische Geste des ‚Hände füllen‘ bringt das Heilsgeschehen in seine praktische Gestalt. Im Ritual werden Widder geschlachtet, Blut gesprengt und Teile des Opfers auf die Hände gelegt, bevor sie als Brandopfer und Hebopfer dargebracht werden. 2. Mose 29:15–18 und 29:24–25 schildern diese Abläufe detailliert; an einer entscheidenden Stelle heißt es in 2. Mose 29:9: „So soll ihnen das Priesteramt zu einer ewigen Ordnung sein. Und du sollst Aaron und seinen Söhnen die Hände füllen.“

Im letzten Teil von 29:9 heißt es: „Du sollst Aaron und seine Söhne weihen.“ Wörtlich bedeutet das hebräische Wort, das mit „weihen“ wiedergegeben wird, „ihnen die Hände zu füllen“. Dieselbe Bedeutung hat es auch in den Versen 29, 33 und 35. Daher setzt die Heiligung der von Gott Erlösten zu Seinen Priestern voraus, dass ihnen die Hände gefüllt werden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertsiebenunddreißig, S. 1508)

Dieses ‚Gefülltwerden‘ markiert den Übergang von bloßer Weihe zur konkreten Dienstbefähigung. Das Brandopfer (Brandopfer) verweist auf die völlige Hingabe, die dem Herrn dargebracht wird; das Hebopfer und die Gaben, die auf die Hände gelegt und geschwungen werden, eröffnen die Gemeinschaft und das Genießen mit Gott (Friedensopfer). In der hebräischen Vorstellung heißt weihen wörtlich, die Hände zu füllen: Priester sind nicht leer, sondern ausgestattet — mit dem Opfer, mit der Vertretung und mit dem Recht, darzubringen, zu segnen und teilzuhaben.

Die theologische Konsequenz ist weitreichend: Gefüllte Hände bedeuten aktive Teilnahme am heilsgeschichtlichen Austausch zwischen Gott und Mensch. Wer die Gaben und die Person Christi als Füllung erfährt, tritt nicht als passiver Empfänger vor Gott, sondern als Mittler des Segens, dessen Dienst sowohl Opfer als auch Gemeinschaft stiftet. So wird Heiligung konkret und sichtbar, nicht als Distinktionsmerkmal, sondern als Teilnahme an der einen priesterlichen Aufgabe.

Dann umgürte sie mit dem Gürtel, Aaron und seine Söhne, und binde ihnen die hohen Turbane um! So soll ihnen das Priesteramt zu einer ewigen Ordnung sein. Und du sollst Aaron und seinen Söhnen die Hände füllen. (2. Mose 29:9)

ferner ein (fladenförmiges) Rundbrot, einen Ölbrotkuchen und einen Fladen aus dem Korb der ungesäuerten Brote, der vor dem HERRN (steht), (2. Mose 29:24)

Es bleibt eine tröstliche und kraftvolle Einsicht, dass Gottes Absicht nicht bei der Einsetzung stehen bleibt, sondern auf die Ausstattung zum Werk zielt: Hände, die gefüllt sind, können geben, opfern und Gemeinschaft stiften. Diese Perspektive erfüllt die Berufung mit Sinn und öffnet zu einer hoffnungsvollen Erwartung dessen, was Gott durch seine Fülle in seinem Volk vollbringen will.


Herr Jesus, danke, dass Du uns reinigst, kleidest und mit Dir füllst; nimm unsere alte Natur hinweg und erfülle unsere Hände mit Deiner Gegenwart, damit wir Dir dienen und Gemeinschaft mit Dir genießen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 137