Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Heiligung Aarons und Seiner Söhne zum Priestertum (6)

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Kapitel 29 von Exodus stellt ein eindrückliches Bild vor: bevor Aaron und seine Söhne als Priester vor Gott stehen können, durchlaufen sie eine Reihe von Handlungen, die mehr sind als symbolische Riten. Die Texte zeichnen die Bewegung von Beendigung und Reinigung über einen neuen Anfang bis hin zu einem gemeinsamen Mahl mit Gott nach – und werfen die Frage auf, was echte Heiligung praktisch bedeutet: Bewirkt sie nur eine äußere Abstempelung oder verändert sie unser Hören, Handeln und Sein bis ins Innerste?

Gereinigte Sinne, gereinigte Taten

Die rituelle Handlung, das Blut auf Ohr, Daumen und große Zehe zu bringen, ist kein bloßes äußerliches Symbol, sondern eine eindringliche Beobachtung des Textes über die ganzheitliche Heiligung des Priesters. Heißt es in der Heiligen Schrift: „Dann sollst du den Widder schlachten und von seinem Blut (etwas) nehmen und es auf das rechte Ohrläppchen Aarons und auf das rechte Ohrläppchen seiner Söhne tun, auch auf den Daumen ihrer rechten Hand und auf die große Zehe ihres rechten Fußes.“ (2. Mose 29:20) Diese Bildersprache führt den Blick auf die Organe, durch die der Priester die Stimme Gottes empfängt, in die Tat umsetzt und auf dem Weg des Lebens geht.

Hier sehen wir, dass das Blut des Widders auf das Ohr, den Daumen und den großen Zeh des Priesters aufgetragen wurde. Das deutet darauf hin, dass die Glieder, die zum Hören, zur Arbeit und zum Gehen dienen, alle gereinigt werden müssen. Wer Priester Gottes sein will, muss lernen, Ihm zuzuhören; nur so kann er entsprechend dem, was er von Ihm hört, arbeiten und gehen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtunddreißig, S. 1511)

Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung, dass Hören, Handeln und Wandeln nicht losgelöste Kategorien sind, sondern ein durch Blut gereinigtes Funktionseinheit bilden. Das Auflegen der Hände vor dem Schlachten bezeugt außerdem die innere Identifikation mit dem Opfer: „(Danach) nimm den einen Widder, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen,“ (2. Mose 29:15) — so wird angedeutet, dass persönliche Beteiligung an der Erlösungstat der Vorgriff ist auf die Befähigung zum priesterlichen Dienst. Wer in seiner Wahrnehmung gereinigt ist, wird in seinem Tun besonnen, und ein gereinigter Gang trägt die Heiligkeit in die Begegnung mit den Menschen. Möge diese Einsicht trösten: Gottes Heiligkeit berührt nicht nur einzelne Akte, sondern das Gefüge unseres ganzen Lebens, damit Dienst aus einer inneren Reinheit erwächst.

Dann sollst du den Widder schlachten und von seinem Blut (etwas) nehmen und es auf das rechte Ohrläppchen Aarons und auf das rechte Ohrläppchen seiner Söhne tun, auch auf den Daumen ihrer rechten Hand und auf die große Zehe ihres rechten Fußes. Das (übrige) Blut aber sollst du ringsum an den Altar sprengen. (2. Mose 29:20)

(Danach) nimm den einen Widder, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen, (2. Mose 29:15)

Die Heiligung der Sinne zeigt, dass Gottes Wirken sowohl die Wahrnehmung als auch die praktische Formung einer Person umfasst. Wenn Hören, Handeln und Gehen durch das Opfer verbunden und gereinigt sind, entsteht eine stimmige Gestalt des Dienstes, die aus innerer Teilnahme an Gottes Rettung lebt. Daraus erwächst die Möglichkeit, dass Worte und Wege nicht bloß richtig, sondern zugleich glaubwürdig und heilend für andere werden.

Vom Ende zur Neugeburt: Blut und Salböl

Das Zusammenwirken von Blut und Salböl in der Einsetzungshandlung entwirft eine doppelte Dynamik: Ende und Anfang, Gericht und Lebendigmachung. Heißt es hierzu: „Und nimm von dem Blut, das auf dem Altar ist, und von dem Salböl und sprenge es auf Aaron und auf seine Kleider, und auf seine Söhne und auf die Kleider seiner Söhne mit ihm! So werden er und seine Kleider und seine Söhne und die Kleider seiner Söhne mit ihm geheiligt.“ (2. Mose 29:21) Das Blut beendet die Herrschaft der Sünde durch Erlösung; das Salböl bringt Keim und Neubeginn zur Entfaltung.

Sowohl das Blut als auch das Salböl wurden auf die Priestergewänder besprengt. Das Blut deutet auf Beendigung und Erlösung hin, das Salböl dagegen auf Keimung und einen neuen Anfang. Was durch das Blut beendet und dadurch erlöst ist, wird anschließend durch das Salböl zur Keimung gebracht. So konnten die Priester, nachdem sie durch das Blut beendet und erlöst und durch das Salböl zum Keimen gebracht worden waren, neu anfangen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtunddreißig, S. 1512)

In der Deutung dieser Kombination erscheint die Priesterschaft nicht als bloße Rückkehr zu einem früheren Zustand, sondern als innerliche Neugeburt, die in der Gestalt des gesalbten Lebens sichtbar wird. Dass diese Salbung Verheißung und Dauer bekommt, zeigt auch die Instruktion für die Nachkommen: „Und du sollst sie salben, wie du ihren Vater gesalbt hast, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Das soll geschehen, damit ihnen ihre Salbung zu einem ewigen Priesteramt sei, in (all) ihren Generationen.“ (2. Mose 40:15) So verbindet die Heiligung durch Blut und Öl Vergangenheit und Zukunft, Sühne und Aufbruch, so dass der Geweihte als geretteter, aber zugleich neu begonnener Diener auftreten kann. Eine solche Einsicht ermutigt: Gottes Werk an uns ist sowohl bewahrend als auch erneuernd.

Und nimm von dem Blut, das auf dem Altar ist, und von dem Salböl und sprenge es auf Aaron und auf seine Kleider, und auf seine Söhne und auf die Kleider seiner Söhne mit ihm! So werden er und seine Kleider und seine Söhne und die Kleider seiner Söhne mit ihm geheiligt. (2. Mose 29:21)

Und du sollst sie salben, wie du ihren Vater gesalbt hast, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Das soll geschehen, damit ihnen ihre Salbung zu einem ewigen Priesteramt sei, in (all) ihren Generationen. (2. Mose 40:15)

Die symbolische Verbindung von Beendigung und Keimung lehrt, dass wahre Befähigung zum Dienst nicht aus eigener Leistung entsteht, sondern aus dem Durchgang durch Erlösung hin zu einem von Gott begonnenen Leben. In diesem Prozess wird Identität verwandelt: nicht nur Schuld wird weggenommen, sondern neues Dasein wird gelegt, das in Beständigkeit Gottes Dienst trägt.

Feasten an Christus: Sättigung und Verwandlung

Das Mahl des Priesters am Opfer offenbart eine weitere Dimension der Heiligung: innere Sättigung führt zu innerer Verwandlung. In der Einsetzungsordnung heißt es von den Gaben, die dem Priester zugeteilt werden: „und lege das alles auf die Hände Aarons und auf die Hände seiner Söhne und schwinge es als Schwingopfer vor dem HERRN!“ (2. Mose 29:24) und weiter: „Und nimm die Brust von dem Einsetzungswidder, der für Aaron ist, und schwinge sie als Schwingopfer vor dem HERRN! Sie soll dein Anteil sein.“ (2. Mose 29:26) Das gemeinsame Genießen dieser priesterlichen Speise symbolisiert, dass Teilhabe an Christus nicht nur formale Stellung ist, sondern innere Ernährung mit Liebe und Kraft.

Dieser letzte Aspekt der Heiligung — das Sich-Laben an Christus — umfasst sowohl Sättigung als auch Umwandlung. Letztlich werden wir durch das, was wir zu uns nehmen, gesättigt und dadurch zur Umwandlung gebracht. Die Priester essen keine gewöhnliche Nahrung; sie haben vielmehr eine priesterliche Kost und nehmen priesterliche Speisen zu sich. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtunddreißig, S. 1517)

Wenn die Brust als Bild für die Liebe und die Keule als Hebopfer für Erhöhung und Macht stehen, dann bedeutet das Essen dieser Gaben, dass die Priester in die Lebenswirklichkeit Christi hineingenommen werden. Das Johannesevangelium spricht nicht unmittelbar hierüber, doch die Schrift macht deutlich, dass das, was wir zu uns nehmen, uns prägt; so führt das priesterliche Mahl zu einer Disposition, die andere sättigt und zugleich die eigene Gemeinschaft mit Gott wiederherstellt. Heißt es schließlich über die Zwecksetzung dieser Gaben: „Und es soll Aaron und seinen Söhnen zukommen als eine ewige Ordnung bei den Söhnen Israel, denn es ist ein Hebopfer, und ein Hebopfer soll es sein bei den Söhnen Israel, ihr Hebopfer von ihren Heilsopfern: für den HERRN.“ (2. Mose 29:28) Es bleibt tröstlich: Gott gibt Nahrung, damit die Seinen innerlich verwandelt und kraftvoll in Liebe handeln können.

und lege das alles auf die Hände Aarons und auf die Hände seiner Söhne und schwinge es als Schwingopfer vor dem HERRN! (2. Mose 29:24)

Und nimm die Brust von dem Einsetzungswidder, der für Aaron ist, und schwinge sie als Schwingopfer vor dem HERRN! Sie soll dein Anteil sein. (2. Mose 29:26)

Die Vorstellung vom priesterlichen Mahl macht deutlich, dass geistliche Befähigung mehr ist als Wissen oder Autorität: sie ist eine gefüllte, verwandelte Existenz. Wer sich an Christus labt, empfängt die innere Substanz, durch die Menschheit gestärkt und die Gemeinschaft erneuert wird; daraus erwächst die Fähigkeit, in Liebe und Macht Gottes Gegenwart weiterzugeben.


Herr, heilige uns in unserem Hören, Tun und Wandeln; nimm uns durch Dein Erlösungsopfer und Deine Salbung an und sättige uns mit Deinem Leben, damit wir in Liebe und Kraft vor Dir dienen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 138