Umwandlung (7)
Schon in 1. Mose begegnet uns die Symbolik der Säule als Kennzeichen eines Ortes, an dem Gott wohnt; in der biblischen Linie bis zur Offenbarung wird daraus das Bild von Christen, die zum tragenden Teil von Gottes Bau werden. Welche Erfahrungen und Prüfungen formen uns konkret zu solchen Säulen? Die Botschaft fordert heraus: wer ein Pfeiler im Tempel Gottes sein will, muss Tod, Auferstehung und die praktische Bewährung im Alltag durchlaufen.
Die Säule als Zeichen von Tod, Auferstehung und Ausdruck des Lebens
Die Säule des Tempels ist kein bloßes Bauglied; sie ist ein sakrales Bild für den Weg des Glaubens, der durch Tod und Auferstehung führt. Messing an der Säule steht für das Gericht über das Selbst und für das erkennbare Ende des natürlichen Lebens in uns. So heißt es in Galater 2:20: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben…“ Dieses Wort legt nahe, dass die Säule ihren Grund nicht in menschlicher Leistung, sondern in einer ehrlichen Erkenntnis des Gekreuzigtseins hat; nur wer die Unfähigkeit seines alten Ichs zugibt, macht Raum, dass Christus durch ihn wirkt.
Messing steht für den unter Gericht stehenden Tod. Wir müssen uns unter Gericht wissen und erkennen, dass wir zu nichts anderem taugen als dem Tod und dass wir gekreuzigt worden sind (Gal. 2:20). Nach dem Tod kommt die Auferstehung, in der die Lilie an uns aufblüht. Die Granatäpfel, die das Kapitell umgeben, stehen für den Ausdruck der Fülle des Lebens. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft vierundachtzig, S. 1082)
Auf dem Fuß des Gerichts folgt die Blüte der Lilie und darüber der sichtbare Überfluss in Form der Granatäpfel. Die Lilie drückt das stille, demütige Wachstum des Auferstehungslebens aus, das aus dem Erkennen des Todes hervorgeht; die Granatäpfel wiederum symbolisieren die konkrete Fülle, die anderen zuteilwird. In der Offenbarung heißt es über den Überwinder: „Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen…“ (Offenbarung 3:12). So wird die Säule nicht Selbstzweck, sondern Ausdruck: sie trägt, weil sie in Tod und Auferstehung geformt ist und weil das Leben Gottes durch sie sichtbar wird.
Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Galater 2:20)
Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen, und er wird auf keinen Fall mehr hinausgehen, und Ich werde auf ihn den Namen Meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt Meines Gottes, des Neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von Meinem Gott herabkommt, und Meinen neuen Namen. (Offenbarung 3:12)
Je mehr das Selbst als verurteilt erkannt wird, desto kräftiger kann das Auferstehungsleben throughscheinen. Die Säule lädt nicht zu äußerlicher Standhaftigkeit ein, sondern zu einem inneren Prozess: Sterben, Aufblühen, Geben. Dieses Bild ermutigt dazu, nicht an eigener Kraft zu bauen, sondern sich von dem lebendigen Christus formen zu lassen, damit das Haus Gottes in Wahrheit getragen wird.
Netz und Kette: Kreuzeserfahrung im Alltag und der Weg der Auferstehung
Das Gitterwerk und das Kettenwerk an der Säule zeichnen das tägliche Geschehen des Kreuzes im Gemeindeleben nach: verflochtene Beziehungen, unvermeidliche Begrenzungen, wiederkehrende Prüfungen. In der Heiligen Schrift erscheint dieses Geflecht ganz konkret in den Beschreibungen der Säulenarbeit; so heißt es in 2. Chronik 4:12: „zwei Säulen und die kugelförmigen Kapitelle oben auf den beiden Säulen; und die beiden Geflechte, um die beiden kugelförmigen Kapitelle, die oben auf den Säulen waren, zu bedecken;“ Das Bild macht deutlich: Kreuzeserfahrungen sind kein Zufall, sondern Teil der Gestaltung, die das Leben in Tiefe und Tragfähigkeit verwandelt.
Das Gitterwerk ist ein Geflecht kreuzender Stäbe und deutet darauf hin, dass wir erfahrungsgemäß Tag für Tag durchgestrichen werden. Dabei hält uns das Kettenwerk. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft vierundachtzig, S. 1082)
Diese täglichen Kreuzesumstände sind nicht in erster Linie eine Strafe, sondern ein Raum, in dem das Auferstehungsleben zur Reife gebracht wird. Wo Menschen durch Begrenzung gehalten werden, entsteht Geduld, geteilte Last und zuverlässiges Tragverhalten; hier wächst die Lilie am dritten Tag, hier zeigen sich die Granatäpfel. Das Kettenwerk verhindert Flucht und Selbstgenügsamkeit, damit in der Beschränkung das Leben des auferstandenen Christus durch Gemeinschaft und Dienst Früchte tragen kann.
zwei Säulen und die kugelförmigen Kapitelle oben auf den beiden Säulen; und die beiden Geflechte, um die beiden kugelförmigen Kapitelle, die oben auf den Säulen waren, zu bedecken; (2. Chronik 4:12)
Achtzehn Ellen war die Höhe der einen Säule, und ein Kapitell aus Bronze war darauf, und die Höhe des Kapitells (betrug) drei Ellen, und Flechtwerk und Granatäpfel waren an dem Kapitell ringsum, alles aus Bronze; und genauso war es an der anderen Säule mit dem Flechtwerk. (2. Könige 25:17)
Die Verflechtung von Prüfungen und Beziehungen ist kein Hindernis für Gottes Wirken, sondern oft sein Werkzeug, um tragfähige Menschen zu formen. Es ist tröstlich zu sehen, dass Begrenzung nicht nur Einschränkung bedeutet, sondern eine brachliegende Kapazität freilegen kann: je mehr wir die Tiefe dieser Prozesse annehmen, desto sichtbarer wird die Auferstehungskraft in unserem Miteinander.
Zeugnis im Geist: Ausdruck, Verhüllung des Selbst und vertikale Opferbereitschaft
Das Zeugnis im Geist ist weniger eine Frage der Lautstärke als der qualitativen Fülle. Die Zahl der Granatäpfel führt tief in die Symbolik: „Es waren 96 Granatäpfel außen angebracht; zusammen waren hundert Granatäpfel am Flechtwerk ringsum“ (Jeremia 52:23). Die Tradition deutet 96 als zwölf mal acht — zwölf für Vollendung, acht für Auferstehung — und erinnert daran, dass der überwiegende Anteil des ausgedrückten Lebens ewig, auferstehungsfrisch und vom Geist durchdrungen ist. So ist das sichtbare Zeugnis nicht nur Frucht menschlicher Mühe, sondern die atmosphärische Wirkung eines erneuerten, geistlich gefüllten Seins.
Sechsundneunzig setzt sich aus zwölf mal acht zusammen. Zwölf steht für die ewige Vollendung, acht für die Auferstehung, und die Luft steht für den Geist. Daher ist der Ausdruck des Lebensreichtums ewig vollendet, in der Auferstehung und im Geist. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft vierundachtzig, S. 1088)
Neben dem Überschuss an Geistlichem bleibt ein kleiner Anteil des Natürlichen verhüllt; der Text spricht metaphorisch von vier Teilen, die verborgen bleiben müssen. Diese Verhüllung ist keine Schande, sondern Voraussetzung für eine vertikale Opferbereitschaft: das Sich-Bedecken-Lassen, das Ermöglichen, dass der Geist Atmosphäre gewinnt und andere berührt. Matthäus stellt die Fruchtbarkeit des Samens in das größere Bild: „Andere aber fielen auf die gute Erde und gaben Frucht, die einen hundertfältig…“ (Matthäus 13:8). Zeugnis im Geist bedeutet demnach, dass die Mehrheit des sichtbaren Lebens von der ewigen, auferstandenen Realität genährt wird.
application_de”: “Das Bild des säulenhaften Zeugnisses lädt dazu ein, die eigene Lebensäußerung nicht vorrangig über Schlagkraft oder Sichtbarkeit zu bewerten, sondern über Qualität, Tiefe und geistliche Atmosphäre. Wer bereit ist, einen Teil des Natürlichen verhüllt zu lassen und vertikal zu stehen, schafft Raum für das Auferstehungsleben, das Früchte bringt, die über das Augenblickliche hinaus tragen.”
Es waren 96 Granatäpfel außen angebracht; zusammen waren hundert Granatäpfel am Flechtwerk ringsum. (Jeremia 52:23)
Andere aber fielen auf die gute Erde und gaben Frucht, die einen hundertfältig, die anderen sechzigfältig, die anderen dreißigfältig. (Matthäus 13:8)
Zeugnis im Geist wächst dort, wo Demut das Natürliche zurücknimmt und der Atem des Geistes Raum gewinnt. Die Säule lehrt, dass wahre Ausstrahlung nicht durch Selbstdarstellung entsteht, sondern durch stille Hingabe und die Bereitschaft, das Sichtbare dem Geist zur Verfügung zu stellen. So wird das Leben zur lebendigen Botschaft, die andere nährt.
Herr, gib uns Einsicht, wo unser eigenes Leben noch Messing ist und wo Du Auferstehung schenken willst; lehre uns, im Netz und in den Ketten zu bleiben, damit Deine Lilie wächst und Dein Leben durch uns Frucht bringt. Schenk Demut, dass wir unser Natürliches zudecken und Raum machen für den Geist; hilf uns, praktisch untereinander Opfer zu bringen und dadurch ein Zeugnis in Geist und Wahrheit zu sein. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 84