Der Lamm-Gott ist auf dem Thron inmitten der Stadt – Einführung
Die Offenbarung zeigt uns ein überwältigendes Bild: In der Mitte des neuen Jerusalems steht ein Thron – „der Thron Gottes und des Lammes“ (Offb. 22:1; 21:23). Es ist nicht von zwei Thronen die Rede, sondern von einem. Gott und das Lamm sitzen auf demselben Thron. Das bedeutet: Gott und das Lamm sind eins. Die Bibel stellt uns hier den „Lamm-Gott“ vor – den erlösenden Gott, Gott den Erlöser.
Von diesem Thron geht der Strom des Wassers des Lebens aus, klar wie Kristall, um die Erlösten in Ewigkeit zu versorgen und zu sättigen (Offb. 22:1–5). Dieses Bild zeigt, wie der Dreieine Gott – Gott, das Lamm und der Geist, der durch das Wasser des Lebens dargestellt wird – Sich selbst in alle Erlösten hinein austeilt. Und das geschieht unter Seinem Hauptsein, unter der Autorität Seines Thrones.
Für unser Christenleben bedeutet das: Der Thron gehört ins Zentrum. Nicht nur in „geistlichen Momenten“, sondern mitten in unserem Alltag – in unserem persönlichen Leben, in der Familie, in der Ehe, im Beruf und in der Gemeinde. Alles soll unter Seinem Hauptsein stehen.
Es kann sehr praktisch beginnen: Wenn wir morgens aufstehen und innerlich sagen: „Herr, danke für diesen neuen Tag. Ich nehme Dich heute als meinen Herrn. Ich unterwerfe mich Deinem Hauptsein. Richte Deinen Thron in meinem Leben auf, im Zentrum meines Seins. Bring meinen ganzen Tag unter Deinen Thron“, dann öffnen wir uns für das Fließen des lebendigen Wassers. Immer wenn wir uns bewusst dem Dreieinen Gott unterstellen und Ihn als unser Haupt nehmen, erleben wir innerlich ein Fließen: der Strom des Lebens fließt mit Gott, der den Vorsatz fasste, mit dem Lamm, das uns erlöste, und mit dem Geist, der heute der allumfassende, lebengebende Geist ist.
Unter Seinem Hauptsein genießen wir das Fließen des Lebens, die Versorgung des Lebens und den Weg des Lebens. In diesem Fluss dienen wir Ihm, sehen Ihn und regieren mit Ihm (Offb. 22:2–5).
Ein klarer Himmel und der Thron in unserem Geist
Das Buch Hesekiel hilft uns, dieses Bild zu vertiefen. In Hesekiel 1 sieht der Prophet über den Häuptern der lebendigen Wesen eine Ausdehnung „wie der Anblick eines furchtbaren Kristalls“ (Hes. 1:22). Darüber ist der Thron Gottes (Hes. 1:26–28). Der höchste Punkt unserer geistlichen Erfahrung ist ein klarer Himmel über uns mit dem Thron Gottes darüber. Das bedeutet: Wir lassen Gott in allem den Vorrang und unterwerfen uns Seiner Autorität und Seiner Verwaltung.
Ein klarer, kristallener Himmel heißt: Nichts steht zwischen uns und Gott, und nichts steht zwischen uns und anderen. Die Gemeinschaft ist durchlässig und klar. Das setzt ein reines Gewissen voraus – „ohne Anstoß vor Gott und den Menschen“ (Apg. 24:16). Man könnte sagen: Die Geschichte unseres Himmels ist die Geschichte unseres Gewissens.
Die Gegenwart des Herrn ist immer mit Seinem Thron verbunden. Die Schrift zeigt uns den Thron im Himmel (Offb. 4:2–3), aber sie zeigt uns auch, dass Christus, der dort auf dem Thron sitzt (Röm. 8:34), zugleich in uns ist – in unserem Geist (Röm. 8:10; 2.Tim. 4:22). Unser Geist ist heute der Ort der Wohnung Gottes (Eph. 2:22).
Dieses Geheimnis wird schon in Bethel angedeutet: Jakob sieht eine Leiter, die Erde und Himmel verbindet, und erkennt: „Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes und dies ist die Pforte des Himmels“ (1.Mose 28:17). Der Herr Jesus erklärt später, dass Er selbst diese Leiter ist (Joh. 1:51). Heute ist unser wiedergeborener Geist die Pforte des Himmels. Jedes Mal, wenn wir uns bewusst zu unserem Geist wenden – weg von bloßen Gefühlen, Gedanken und Stimmungen – treten wir durch diese Pforte ein. Durch Christus als die himmlische Leiter berühren wir den Thron der Gnade im Himmel (Hebr. 4:16).
Wenn wir in unserem Christenleben und im Gemeindeleben einen klaren Himmel haben, stehen wir praktisch unter der Herrschaft des Thrones. Die Autorität im Gemeindeleben ist wie der Thron über dem kristallklaren Firmament. Der Thron ist nicht nur da, damit Gott über uns regiert, sondern damit Er Seinen ewigen Vorsatz ausführen kann. Wo der Thron in unserem inneren Leben Raum hat, herrscht Gott nicht nur über uns, sondern Er erfüllt in uns, mit uns und durch uns Seinen Plan (Röm. 5:17, 21; Mt. 28:18–20).
Hesekiel sieht den Thron „wie das Aussehen eines Saphirsteins“ (Hes. 1:26). Saphir ist blau – ein Bild für die himmlische Situation, die himmlische Atmosphäre der herrschenden Gegenwart Christi (2.Mose 24:10). Wo der Thron wirksam ist, entsteht eine himmlische Atmosphäre – auch mitten im Alltag.
Der Gott-Mensch auf dem Thron und wir mit Ihm
Hesekiel 1 zeigt weiter: Der, der auf dem Thron sitzt, sieht aus „wie ein Mensch“, und doch ist Er von der Herrlichkeit Jehovahs umgeben (Hes. 1:26, 28). Das bedeutet: Der auf dem Thron ist zugleich Gott und Mensch – Jesus Christus, der Gott-Mensch.
Er war von Ewigkeit her der vollständige Gott, wurde Fleisch, lebte als Mensch, starb, auferstand und fuhr als Mensch in den Himmel auf (Joh. 1:1, 14; Joh. 6:62). Stephanus sah Ihn als „den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes“ (Apg. 7:56). Seit der Himmelfahrt sitzt ein Mensch auf dem Thron. Und so wird es bleiben – im Tausendjährigen Reich und in Ewigkeit im neuen Himmel und auf der neuen Erde (Mt. 19:28; Offb. 22:1, 3).
Gottes geheimnisvolle Absicht im Blick auf den Menschen ist, sich mit ihm zu verbinden, sich mit ihm zu „vermengen“, sodass Er dem Menschen gleich wird und der Mensch Ihm gleich wird – im Leben, in der Natur und im Ausdruck, aber nicht in der Gottheit. Der Mensch wurde im Bild Gottes geschaffen, um Gott auszudrücken und für Gott zu herrschen (1.Mose 1:26–28). In Hesekiel 1 sehen die vier lebendigen Wesen „wie ein Mensch“ aus (Hes. 1:5). Sie sind der Ausdruck dessen, der auf dem Thron sitzt. Das ist die Offenbarung Gottes in der Menschlichkeit (1.Tim. 3:15–16).
Gott im Himmel möchte Menschen auf der Erde gewinnen, die Ihn ausdrücken, indem Er Sich selbst in sie hineinwirkt. Und Er geht noch weiter: Sein Ziel ist, dass der Mensch mit Ihm auf dem Thron sitzt (Eph. 3:16–21; Offb. 3:21; 5:10; 20:4; 22:5). Der Herr Jesus ist als Vorläufer in die Herrlichkeit eingegangen und hat Sich auf den Thron gesetzt. Wir, Seine vielen Brüder, folgen Ihm nach (Hebr. 2:6–12; Offb. 3:21; 22:5).
Hesekiel beschreibt das Aussehen des Mannes auf dem Thron genauer: Von den Lenden aufwärts gleicht Er dem Glanz von Elektron, von den Lenden abwärts einem Feuerschein (Hes. 1:27). Elektron ist eine glänzende Legierung aus Gold und Silber. Gold steht für Gottes Natur, Silber für die Erlösung. Elektron ist daher ein Bild des Lamm-Gottes, des erlösenden Gottes (Hes. 1:4).
Der obere Teil des Leibes eines Menschen steht für seine Gefühle, seine inneren Empfindungen, seine Natur. Dass der Herr von den Lenden aufwärts wie Elektron aussieht, zeigt: In Seinem innersten Wesen ist Er der erlösende Gott. Der untere Teil des Leibes dient der Bewegung. Dass Er von den Lenden abwärts wie Feuer erscheint, zeigt, wie Er sich bewegt – mit der brennenden, heiligenden Kraft Gottes.
Wenn der Herr zu uns kommt, kommt Er oft wie ein Feuer: Er erleuchtet, erforscht und brennt alles weg, was nicht zu Ihm passt. Hebräer 12:29 sagt: „Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ Doch dieses Feuer ist nicht gegen uns, sondern für uns. Was bleibt, nachdem alles Negative weggebrannt ist, ist das „Elektron“ – der erlösende Gott. Dann werden wir von Seinem strahlenden Ausdruck erfüllt.
Der Regenbogen der Treue – Gottes Plan vollendet
Schließlich sieht Hesekiel um den Mann auf dem Thron einen Regenbogen, „wie der Anblick des Bogens, der an einem Regentag in den Wolken ist“ (Hes. 1:28; Offb. 4:3). Das erinnert an den Regenbogen zur Zeit Noahs. Gott setzte ihn in die Wolken als Zeichen Seiner Treue, Seinen Bund mit der Menschheit zu halten und die Erde nicht noch einmal durch eine Flut zu vernichten (1.Mose 9:13).
Man kann den Regenbogen als Zusammenspiel von drei Grundfarben sehen: Rot, Gelb und Blau. Rot, die Farbe des Feuers, steht für Gottes Heiligkeit. Gelb, die Farbe des Elektrons, weist auf Gottes Herrlichkeit hin. Blau, die Farbe des Saphirthrons, steht für Gottes Gerechtigkeit (Ps. 89:15). Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit sind drei Eigenschaften Gottes, die den Sünder von Gott trennen (1.Mose 3:24).
Doch Christus ist gekommen, hat am Kreuz die Forderungen von Gottes Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit erfüllt und ist auferstanden. Jetzt ist Er uns „zur Gerechtigkeit, zur Heiligkeit und zur Erlösung geworden“ (1.Kor. 1:30). Weil wir in Christus sind, sehen wir in Gottes Augen aus wie Christus – als Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit. Das ist wie ein Regenbogen: ein lebendiges Zeugnis der Treue Gottes, dass Er uns verschont und uns aus dem Gericht über die Sünder herausgerettet hat.
Das neue Jerusalem hat Fundamente, die wie ein Regenbogen aussehen (Offb. 21:19–20). In dieser ewigen Stadt werden alle Erlösten zusammen ein Regenbogen sein, der den Glanz von Gottes Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit widerspiegelt. Die Stadt wird für immer bezeugen, dass Gott gerecht und treu ist.
So endet auch das Bild in Hesekiel 1: Das Christenleben und das Gemeindeleben werden in einem solchen Regenbogen vollendet. Der Thron des Lamm-Gottes inmitten der Stadt, der klare Himmel, der Gott-Mensch auf dem Thron, das reinigende Feuer und der Regenbogen der Treue – all das zeigt uns, wie Gott Seinen ewigen Plan erfüllt: Er teilt Sich uns als der erlösende Gott mit, bringt uns unter Seinen Thron, formt uns nach Seinem Bild und führt uns schließlich dahin, dass wir mit Ihm herrschen und Ihn in Ewigkeit widerspiegeln.