Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die göttliche Versorgung (3)

12 Min. Lesezeit

Viele Christen fühlen sich geistlich arm, obwohl sie wissen, dass Gott ihnen in Christus alles geschenkt hat. Zwischen der großen Verheißung der Bibel und der konkreten Erfahrung im Alltag scheint oft eine Lücke zu liegen. Petrus beschreibt jedoch eine göttliche Versorgung, die nicht nur zukünftige Hoffnung ist, sondern heute in Form eines zugeteilten Anteils, eines Erbes, wirksam werden soll. Wer versteht, was Gott in Christus bereits zur Verfügung gestellt hat, beginnt sein Christsein nicht mehr aus eigener Kraft, sondern aus einem unerschöpflichen Reichtum zu leben.

Der zugeteilte Glaube als unser neutestamentliches Erbe

Wenn Petrus schreibt, dass uns ein „gleich kostbarer Glaube … durch das Los zugeteilt“ wurde, rückt er den Glauben in eine überraschende Nähe zum Wort „Erbe“. Was uns zugelost wird, ist nicht in erster Linie eine Aufgabe, sondern ein Anteil. Der Glaube ist nicht bloß das Werkzeug, mit dem wir uns etwas von Gott aneignen, sondern er gehört selbst zum Schatz, den Gott uns schenkt. Im Evangelium begegnet uns das Wort, das den Reichtum des dreieinen Gottes in Christus beschreibt; zugleich wirkt der lebengebende Geist unsichtbar und doch sehr konkret in unserem Inneren. In diesem Zusammenspiel entsteht die innere Gewissheit: Christus ist nicht mehr nur ein Gedanke, sondern eine real erfahrbare Person. So erfüllt sich, was über den Glauben heißt: „Der Glaube nun ist die Substanzverleihung von Dingen, auf die man hofft, das Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr. 11:1). Glaube verleiht dem Unsichtbaren Substanz in unserem Inneren; er macht das, was Gottes Wort bezeugt, in uns wirklich.

2. Petrus 1:1 zeigt, dass uns allen „gleich kostbarer Glaube zugelost“ worden ist. Wir haben gesehen, dass der Glaube die Substanzverleihung der Substanz der Wahrheit ist (Hebr. 11:1), die die Wirklichkeit des Inhalts von Gottes neutestamentlicher Ökonomie bildet. Gottes Ökonomie besteht darin, dass der Dreieine Gott alles, was Er ist, in uns hinein austeilt. (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft drei, S. 21)

Dadurch wird deutlich, warum Glaube und Christus untrennbar miteinander verbunden sind. Der Glaube, mit dem wir auf Christus reagieren, ist nicht unabhängig von ihm, als ob wir aus eigener Kraft ein religiöses Vertrauen hervorbrächten. Vielmehr schenkt uns Gott in Christus die Fähigkeit zu glauben, indem er unser Herz an das gebundene Wort koppelt und durch seinen Geist in uns die Resonanz weckt. Wenn Petrus von einem „gleich kostbaren Glauben“ spricht, sieht er schon die ganze Fülle des neutestamentlichen Christus darin eingeschlossen: alles, was Christus ist und getan hat, wird durch diesen Glauben in unser Inneres hineingereicht. So ist der zugeteilte Glaube unser Anteil an Christus selbst, der die Leibhaftigkeit des dreieinen Gottes ist. Wer das wahrnimmt, kann auch in den schwachen Momenten, in denen der eigene Glaube klein und zerbrechlich wirkt, getröstet sein: Die Kostbarkeit liegt nicht in der Stärke des Empfindens, sondern in der Person, auf die dieser Glaube ausgerichtet ist. In dieser Perspektive wird jeder Tag, an dem wir im Glauben auf Gottes Wort antworten, zu einem Tag, an dem wir unser Erbe ein wenig tiefer betreten.

So wächst eine stille Zuversicht: Gottes Erbe hängt nicht an unserer Leistung, sondern an seinem Zulosungsakt in Christus. „Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi, an die, die einen gleich kostbaren Glauben wie wir durch das Los zugeteilt bekommen haben in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus“ (2.Petr. 1:1). Wer sich darauf verlässt, darf seinen Glauben nicht als etwas Fremdes oder Mangelhaftes betrachten, sondern als göttliche Gabe, in der Christus selbst zu uns kommt. In diesem Licht wird der Glaube zu einem Raum der Geborgenheit: In ihm stehen wir auf dem Boden eines Erbes, das größer ist als unsere wechselhaften Gefühle und stabiler als jede äußere Situation. Dieses Bewusstsein nimmt der Angst die Schärfe und öffnet das Herz für eine dankbare, vertrauende Lebenshaltung vor Gott.

Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi, an die, die einen gleich kostbaren Glauben wie wir durch das Los zugeteilt bekommen haben in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus: (2.Petr. 1:1)

Der Glaube nun ist die Substanzverleihung von Dingen, auf die man hofft, das Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. (Hebr. 11:1)

Wenn Glaube als zugeteilter Anteil an Christus verstanden wird, verändert sich der Blick auf das eigene geistliche Leben. Dann ist der erste Reflex nicht mehr die Frage, ob der eigene Glaube „ausreicht“, sondern die Hinwendung zu dem, der sich in diesem Glauben mitteilt. Aus dieser Sicht wird jeder schlichte Akt des Vertrauens – ein inneres Ja zu einem Wort Gottes, ein stilles Aussprechen des Namens Jesu – zu einem Ausdruck des empfangenen Erbes. So kann das Herz lernen, im Alltag weniger den Schwankungen des Empfindens zu folgen und mehr der Gewissheit, dass der dreieine Gott sich selbst in Christus und durch den Glauben in uns hineingeschenkt hat.

Das göttliche Erbe: alle Dinge zur Verfügung für Leben und Gottseligkeit

Das Bild des zugeteilten Glaubens öffnet den Blick für eine noch größere Weite: Gottes Erbe umfasst „alle Dinge, die zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehören“ (2.Petr. 1:3). Petrus spricht hier in der Sprache eines Testaments. Ein Testament listet nicht nur Vermögenswerte auf, sondern legt verbindlich fest, wem sie gehören. So ist das Neue Testament der niedergeschriebene Wille Gottes, in dem er festhält, was er in Christus seinen Kindern zugesprochen hat. Wenn es heißt: „weil Seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört“, wird nicht nur die Fülle, sondern auch die Vollendung dieser Versorgung betont. Es fehlt nichts, was für ein inneres Leben mit Gott und einen Lebenswandel, der ihn widerspiegelt, notwendig wäre.

Diese Zulosung umfasst alle Dinge, die sich auf Leben und Gottseligkeit beziehen, einschließlich der göttlichen Natur sowie der kostbaren und überaus großen Verheißungen. (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft drei, S. 23)

Leben meint hier das uns geschenkte göttliche Leben – das Sein Gottes, das er durch seinen Geist in uns hineingibt. Gottseligkeit bezeichnet den Ausdruck dieses Lebens in der sichtbaren Welt: Haltungen, Entscheidungen, Umgang mit Menschen, ein geprägter Charakter. Dass beide zusammen genannt werden, macht klar: Gott gibt nicht nur inneren Trost, sondern auch Kraft zu einem Lebensstil, der seinem Wesen entspricht. Dieses Erbe wird durch Erkenntnis wirksam, nicht im bloß theoretischen Sinn, sondern in der Begegnung mit Christus. Petrus schreibt: „… durch die völlige Erkenntnis dessen, der uns durch Seine eigene Herrlichkeit und Tugend berufen hat“ (2.Petr. 1:3). Wenn Christus in seiner Herrlichkeit und Tugend vor unserem inneren Auge aufleuchtet – in den Evangelien, im Zeugnis der Apostel, in der Geschichte seiner Gemeinde – stehen wir gleichsam in dem Raum, in dem Gottes Erbe ausgeteilt wird.

Auf diesem Hintergrund gewinnen die Verheißungen ihr Gewicht. Petrus spricht von „kostbaren und überaus großen Verheißungen“ (2.Petr. 1:4). Sie sind nicht bloße fromme Zusprüche, sondern rechtlich verbürgte Zusagen des Gottes, der nicht lügen kann. Jede Verheißung steckt den Rahmen ab, in dem Gott bereit ist zu handeln, und lädt uns ein, in diesem Rahmen zu leben. Indem wir uns im Vertrauen an eine konkrete Zusage binden, treten wir ein Stück weiter in das angebotene Erbe hinein. So werden uns nicht nur einzelne Hilfen zuteil, sondern wir lernen, aus einer göttlichen Fülle zu leben: der Fülle der Natur Gottes, der Fülle seiner Gnade, der Fülle seiner Weisheit. Inmitten eines Alltags, der oft von Mangel, Druck und Begrenzung geprägt ist, bleibt diese Zusage stehen: In Christus ist uns alles gegeben, was wir brauchen, um in dieser Welt als Menschen zu leben, die Gott widerspiegeln.

Darin liegt eine stille Ermutigung. Wer sich von der Erfahrung des Mangels nicht täuschen lässt, sondern in das hineinhört, was Gott in seinem Testament zugesprochen hat, entdeckt nach und nach, dass Gottes Versorgung tiefer reicht als die sichtbaren Umstände. Das kann den Blick weiten: Statt sich in dem aufzuhalten, was fehlt, wächst der Sinn für das, was zugesprochen ist. So wird das Herz frei, im Vertrauen auf Gottes Verheißungen die nächsten Schritte zu tun und das eigene Leben als Ort zu sehen, an dem etwas von seinem Reichtum und seiner Gottseligkeit sichtbar werden darf.

weil Seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört, durch die völlige Erkenntnis dessen, der uns durch Seine eigene Herrlichkeit und Tugend berufen hat, (2.Petr. 1:3)

durch welche Er uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entronnen seid, das durch die Begierde in der Welt ist. (2.Petr. 1:4)

Wer die Formulierung „alle Dinge, die zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehören“ ernst nimmt, beginnt, das eigene Dasein anders zu deuten. Situationen, in denen Geduld, Weisheit oder Kraft fehlen, werden dann nicht mehr nur als Beweis des Mangels gelesen, sondern als Orte, an denen Gott genau das geben will, was er verheißen hat. So wächst eine Haltung der Erwartung: Im Hören auf das Wort, im stillen Ringen mit einer Verheißung, im Rückblick auf Gottes bisheriges Handeln erkennt man Spuren dieses Erbes. Und mit jeder Entdeckung wird das innere Vertrauen stärker, dass Gottes Testament tragfähig ist – auch dort, wo die äußigen Umstände noch keine sichtbare Veränderung zeigen.

Teilhaber der göttlichen Natur im Alltag werden

Wenn Petrus von den „kostbaren und überaus großen Verheißungen“ spricht, verbindet er sie unmittelbar mit einem erstaunlichen Ziel: „damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet“ (2.Petr. 1:4). Hier geht es nicht um eine abstrakte Vorstellung, sondern um eine Realität, die tief in den Alltag hineinreicht. Wer an den Sohn Gottes glaubt, empfängt neues Leben; dieses Leben trägt die Natur dessen in sich, von dem es kommt. Gottes Natur ist heilig, liebend, gerecht, wahrhaftig und barmherzig. Teilhaber dieser Natur zu werden bedeutet, dass diese Eigenschaften nicht nur von außen an uns herangetragen werden, sondern uns innerlich prägen. Wie Nahrung, die wir zu uns nehmen, still und unaufdringlich unsere Körperstruktur verändert, wirkt die göttliche Natur in denen, die sich immer wieder dem Wort und den Verheißungen Gottes aussetzen.

Gott hat uns diese Verheißungen gegeben, damit wir durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werden. Er hat uns zu Seiner Herrlichkeit und Tugend berufen und uns die Verheißungen mit dem Ziel gegeben, dass wir die göttliche Natur genießen. (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft drei, S. 26)

Dieses Teilhaben ist kein punktueller Vorgang, sondern ein Weg, der das ganze Leben umfasst. Mit jeder Situation, in der wir uns auf eine Verheißung stützen, gewinnt das göttliche Leben in uns Raum. Gottes Zusagen sind wie Türöffner: Sie öffnen inmitten konkreter Herausforderungen den Zugang zu einer anderen Wirklichkeit – der Wirklichkeit des Wesens Gottes. So wird das, was Gott ist, erfahrbar: Seine Geduld in unserer Ungeduld, seine Reinheit in unseren Verstrickungen, seine Treue in unseren Unsicherheiten. Dabei bleibt der Prozess zugleich ernst: Im selben Satz, in dem Petrus von der göttlichen Natur spricht, erwähnt er das „Verderben …, das durch die Begierde in der Welt ist“ (2.Petr. 1:4). Wer an Gottes Natur teilhat, wird innerlich sensibler für die Kräfte, die ihn von ihr wegziehen.

Deshalb gehört zu dieser Teilhabe immer auch ein Abstandnehmen von der alten Lebensweise. Petrus erinnert daran, dass wir „nicht mit verderblichen Dingen, mit Silber oder Gold, von eurer nichtigen, von euren Vätern überlieferten Lebensweise erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi“ (1.Petr. 1:18–19). Das bedeutet: Gott hat einen hohen Preis bezahlt, um uns aus einem Lebensstil herauszulösen, in dem Begierde, Selbstbestimmung und Eitelkeit das letzte Wort haben. Wer das im Glauben annimmt, beginnt innerlich, sich von Lebensmustern zu lösen, die einst selbstverständlich waren. So wird die Teilhabe an der göttlichen Natur nicht zur weltfremden Sonderreligion, sondern zu einem anderen Umgang mit denselben Realitäten, denen alle Menschen ausgesetzt sind.

Dieses Wechselspiel zwischen göttlichem Wirken und menschlicher Antwort zieht sich wie ein Faden durch den ganzen christlichen Weg. Gott wirkt durch seine Verheißungen und sein Erlösungswerk, indem er uns in seine Herrlichkeit und Tugend hineinruft; wir antworten darauf, indem wir dem Ruf nicht ausweichen und in konkreten Situationen nicht mehr den Begierden, sondern dem Willen Gottes Raum geben (vgl. 1.Petr. 4:2). So wächst in uns Schritt für Schritt ein Charakter, der von Gottes Wesen geprägt ist: Seine Eigenschaften werden zu unseren Tugenden, und durch diese Tugenden hindurch beginnt etwas von seiner Herrlichkeit aufzuleuchten. Auch wenn dieser Prozess oft unspektakulär verläuft und durch Kämpfe, Rückschläge und erneutes Aufstehen gekennzeichnet ist, bleibt die Zusage bestehen: Gott hat uns berufen, seine Natur nicht nur zu bewundern, sondern an ihr teilzuhaben. In dieser Berufung liegt eine tiefe Würde, die jedem Tag, auch den unscheinbaren, einen verborgenen Glanz verleiht.

durch welche Er uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entronnen seid, das durch die Begierde in der Welt ist. (2.Petr. 1:4)

weil ihr wisst, dass ihr nicht mit verderblichen Dingen, mit Silber oder Gold, von eurer nichtigen, von euren Vätern überlieferten Lebensweise erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi, (1.Petr. 1:18-19)

Die Einladung, Teilhaber der göttlichen Natur zu sein, nimmt jede Schwere des Moralismus. Es geht nicht darum, sich mit eigener Anstrengung einen „göttlichen Charakter“ anzuerziehen, sondern darum, im Vertrauen auf Gottes Verheißungen Raum für sein Leben in uns zu lassen. Im Rückblick auf die eigene Geschichte lassen sich oft kleine, aber reale Spuren dieser Teilhabe erkennen. Solche Entdeckungen bewahren vor Mutlosigkeit und nähren zugleich das stille Verlangen, dass Gottes Natur noch deutlicher in den Gedanken, Worten und Taten des Alltags sichtbar werden darf.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Peter, Chapter 3

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