Das Wort des Lebens
lebensstudium

Christliches Leben und seine Leiden (9)

10 Min. Lesezeit

Wer Jesus ernsthaft nachfolgt, erlebt über kurz oder lang Unverständnis, Druck und manchmal harte Anfeindung. Vieles davon fühlt sich ungerecht an, und doch spricht die Bibel davon, dass Gott gerade durch solche Situationen seine Regierung ausübt und unser Leben ordnet. 1. Petrus zeichnet eine nüchterne, aber hoffnungsvolle Linie: Christen leiden nicht sinnlos, sondern unter der weisen Hand Gottes, der durch verschiedene Formen von Gericht reinigt, bewahrt und am Ende alles neu macht.

Mit dem Sinn Christi gegen die Begierden kämpfen

Wenn Petrus davon spricht, dass wir uns mit dem Sinn Christi wappnen sollen, nimmt er uns hinein in ein inneres Schlachtfeld. „Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn“ (1.Petr. 4:1), heißt es. Nicht unsere äußeren Umstände stehen im Zentrum, sondern der Kampf zwischen den Begierden des Fleisches und unserer Seele. Darum erinnert Petrus zugleich: „Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Lüste, die gegen die Seele streiten, enthaltet“ (1.Petr. 2:11). Der Blick auf Christi Leiden verändert diesen Kampf grundlegend. Am Kreuz hat Gott die Sünde im Fleisch verurteilt; dort ist nicht nur ein moralisches Vorbild, sondern ein Gericht geschehen. Wer sich mit diesem Sinn Christi „bewaffnet“, rechnet damit, dass die Sünde eine bereits verurteilte Macht ist und dass der Weg der Nachfolge durch Widerstand und Missverständnis hindurchführt.

Vers 1 sagt: „Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung; denn wer im Fleisch gelitten hat, ruht von der Sünde.“ Das Wort des Petrus über unser Wappnen weist auf Kampf, auf Kriegführung hin. In 2:11 spricht Petrus ebenfalls von Krieg, vom Krieg zwischen den fleischlichen Begierden und der Seele: „Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten, die gegen die Seele Krieg führen.“ Sowohl 2:11 als auch 4:1 beziehen sich auf dieselbe Art des Kampfes, auf die Kriegführung zwischen den Begierden und unserer Seele. Nach dem Wort des Petrus in 4:1 müssen wir uns mit der Gesinnung Christi wappnen, um gegen das Fleisch mit seinen Begierden zu kämpfen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft siebenundzwanzig, S. 243)

So wird der Christ realistisch gegenüber der Sünde und nüchtern gegenüber Anfeindung. Petrus beschreibt, dass für den, der nicht mehr „den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes“ lebt, die vergangene Zeit genug ist, um im alten Muster der Ausschweifung aufzugehen; nun aber wirkt dieselbe Umgebung befremdet und reagiert mit Verleumdung (vgl. 1.Petr. 4:2-4). Der Sinn Christi in uns sagt nicht: Wie verfeinere ich mein altes Leben? Er sagt: Dieses Leben ist durch das Kreuz bereits verurteilt, ich brauche es nicht mehr zu rechtfertigen. Wenn Christus unser Leben ist und in uns regiert, werden Leiden nicht mehr nur als ungerechtes Schicksal erfahren, sondern als Gelegenheit, den Bruch mit der Sünde zu vertiefen und die Gemeinschaft mit Ihm zu verdichten. Das nimmt dem Leiden nicht seine Schärfe, aber es gibt ihm Richtung: Hinter jeder Ablehnung und jedem inneren Kampf steht ein Herr, der schon gelitten hat und weiß, wie es ist. In diesem Licht wird der Kampf nicht zur Quelle der Bitterkeit, sondern zur Schule, in der die Liebe zu Christus klarer, die Entscheidung gegen die Sünde entschiedener und der Weg vorwärts einfacher wird – nicht weil er leicht ist, sondern weil das Ziel deutlich vor Augen steht.

Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn (1.Petr. 4:1)

GELIEBTE, ich ermahne (euch) als Beisassen und Fremdlinge, daß ihr euch der fleischlichen Lüste, die gegen die Seele streiten, enthaltet, (1.Petr. 2:11)

Der Sinn Christi in den Leiden bewahrt vor Resignation, weil er die Sünde als besiegte Macht und Anfeindung als Weg in tiefere Gemeinschaft mit Ihm sehen lernt. Wer so denkt, muss sich nicht mehr selbst verteidigen, sondern darf mitten im Kampf innerlich zur Ruhe kommen, weil der Ausgang bei dem liegt, der schon gelitten und gesiegt hat.

Gottes Regierung und seine verschiedenen Gerichte

Wenn Petrus schreibt, dass Menschen dem Rechenschaft geben werden, „der bereit ist, Lebendige und Tote zu richten“ (1.Petr. 4:5), öffnet sich der Blick über die persönliche Frömmigkeit hinaus auf Gottes Regierungsverwaltung über das ganze Universum. Gott lässt die Geschichte nicht laufen und reagiert erst am Ende; er regiert jetzt. Seine Gerichte in der Geschichte – an Engeln, an den Menschen vor der Flut, an Sodom und Gomorra, an den Kindern Israels in der Wüste, sogar an Mose und Aaron – sind Ausdruck dieser heiligen Regierung. Im Neuen Bund bleibt diese Linie bestehen, aber sie nimmt eine andere Gestalt: „Denn die Zeit ist da, dass das Gericht vom Haus Gottes anfängt“ (1.Petr. 4:17). Was die ersten Christen an Verfolgung erfuhren, war daher nicht nur das blinde Wüten von Mächten, sondern zugleich Gottes erziehendes Handeln mit seinem Volk.

Dies offenbart die Regierung Gottes über alle Menschen. Er ist bereit, alle zu richten, sowohl die Lebenden als auch die Toten. Sein Gericht ist Seine Regierungsverwaltung, durch die Er mit der Situation unter den Menschen umgeht. Christus wird die Lebenden und die Toten richten. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft siebenundzwanzig, S. 244)

Petrus spricht davon, dass den Toten das Evangelium verkündigt worden ist, „damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben möchten“ (1.Petr. 4:6). Hier wird sichtbar, wie Gott seine Kinder durch ein zeitliches, züchtigendes Gericht von der Sünde abbringen will, um sie in ein Leben im Geist hineinzuführen. Zugleich unterscheidet die Schrift dieses reinigende Gericht über Gläubige klar vom endgültigen Gericht über die Gottlosen. Johannes berichtet, wie Johannes den großen weißen Thron sieht, „und Bücher wurden aufgeschlagen; und ein anderes Buch wurde aufgeschlagen, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken“ (Offb. 20:12). Diese beiden Linien – väterliche Zucht und endgültiges Urteil – machen die Ernsthaftigkeit von Gottes Heiligkeit deutlich und zugleich seine Absicht: Er will nicht zerstören, sondern eine Schar von Menschen hervorbringen, die „nach Gott im Geist“ leben. Wer seine gegenwärtigen Wege mit uns im Licht dieses kommenden Tages sieht, muss nicht in Angst erstarren, sondern darf lernen, seine Hand in den Schmerzen zu erkennen und gerade dadurch innerlich freier, einfacher und wahrhaftiger vor ihm zu werden.

die dem Rechenschaft geben werden, der bereit ist, Lebendige und Tote zu richten. (1.Petr. 4:5)

Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben möchten. (1.Petr. 4:6)

Die Erkenntnis von Gottes Regierung nimmt den Zufall aus unseren Leiden und gibt ihnen geistliches Gewicht: Sie sind nicht sinnlose Härte, sondern Teil eines Weges, auf dem Gott uns von der Sünde abzieht und für seine kommende Welt vorbereitet. Wer so denkt, findet Mut, auch schwere Situationen nicht nur abzuwehren, sondern in ihnen Gottes heiliges, aber gütiges Ziel zu suchen.

Soberes Gebet, Liebe und Dienst aus Gottes Gnade

Petrus stellt das christliche Leben bewusst in den Horizont des kommenden Endes: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid darum nüchternen Sinnes und seid nüchtern im Hinblick auf eure Gebete“ (1.Petr. 4:7). Weil alles Sichtbare vergeht, bekommt das Unsichtbare Gewicht. Nüchterner Sinn ist hier kein kalter Rationalismus, sondern ein Herz, das sich nicht von Begierden und Ängsten hin- und herwerfen lässt. Wo die Seele nicht dauernd überflutet ist, kann sie sich sammeln und vor Gott aussprechen, was wirklich zählt. Ein solcher Gebetsstil ist nicht hektisch, sondern klar und wach: Er nimmt Gottes Sicht der Dinge auf und lässt sich von ihr korrigieren.

Vers 7 sagt: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge; seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet.“ Alle Dinge, auf die sich das Fleisch stützt, werden vergehen, und ihr Ende, sagt uns der Apostel hier, ist nahe gekommen. Das warnt uns, dass ein Leben im Fleisch, in den Begierden der Menschen (V. 2), bald zu Ende sein wird, denn es steht in Beziehung zu alle Dinge, die in Kürze vergehen werden. Daher sollten wir besonnen sein und nüchtern zum Gebet. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft siebenundzwanzig, S. 248)

Aus dieser inneren Sammlung wächst ein konkreter Lebensstil. „Vor allem habt innige Liebe untereinander, denn die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu“ (1.Petr. 4:8). Liebe in dieser Tiefe ist untrennbar mit Gnade verbunden: Sie verharmlost Sünde nicht, aber sie entscheidet sich, nicht alles zu entblößen und auszubreiten, was man am andern sieht. Sie lernt, zu „zudecken“, wo Gott schon vergeben hat, und die Beziehung höher zu achten als die Genugtuung, Recht zu behalten. Ganz bodenständig zeigt sich das in der Gastfreundschaft: „Seid gastfrei gegeneinander ohne Murren“ (1.Petr. 4:9). Wenn das Ende aller Dinge vor Augen steht, werden ein gedeckter Tisch, ein freier Platz auf dem Sofa, ein offenes Ohr und ein stilles Zimmer zu Orten, an denen Gottes kommende Welt bereits jetzt anklingt.

Petrus weitet den Blick weiter: „Ein jeder so, wie er eine Gabe empfangen hat, und dient einander damit als gute Hausverwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes“ (1.Petr. 4:10). In seinen Augen ist jede Gabe ein Gefäß der Gnade; wer dient, verteilt nicht seine Fähigkeiten, sondern den Reichtum Gottes. Darum fügt er hinzu: „Wenn jemand redet, (so rede er es) als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, (so sei es) als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus“ (1.Petr. 4:11). Wo ein Mensch in dieser Haltung lebt – nüchtern vor Gott, brennend in der Liebe, gastfrei im Alltag, großzügig im Dienst –, da rückt die eigene Person in den Hintergrund und etwas anderes wird sichtbar: Gott erhält in Christus die Ehre, und der Dienende erlebt, dass er nicht aus sich, sondern aus der Kraft des Herrn leben darf. Diese Perspektive macht frei von dem Druck, immer mehr leisten zu müssen, und schenkt Freude daran, mitten in einer vergehenden Welt ein leiser, aber beständiger Träger seiner Gnade zu sein.

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid darum nüchternen Sinnes und seid nüchtern im Hinblick auf eure Gebete. (1.Petr. 4:7)

Vor allem habt innige Liebe untereinander, denn die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu. (1.Petr. 4:8)

Wer im Licht des nahen Endes aller Dinge nüchtern betet, in Liebe zudeckt, gastfrei öffnet und mit seiner Gabe dient, entdeckt, dass Gottes Gnade durch sein unscheinbares Leben hindurchfließt. Gerade darin liegt ein tiefer Trost: Nichts, was so aus seiner Kraft geschieht, ist vergeblich, sondern wird Teil einer Geschichte, in der Gott durch Jesus Christus in allem verherrlicht wird.


Herr Jesus Christus, du bist der Richter der Lebenden und der Toten, und doch bist du zugleich unser Heiland, der für uns gelitten hat. Lehre uns, unsere Prüfungen nicht nur als Härten des Lebens zu sehen, sondern als liebevolle Zucht deiner weisen Regierung, die uns von der Sünde löst und in den Raum deines Geistes hineinführt. Stärke uns, damit wir nüchtern und wach beten können, mitten in einer Welt, in der vieles vergeht, und erfülle unser Herz mit brennender Liebe, die Versagen nicht festhält, sondern bedeckt. Lass unser Reden zu einem Ausdruck deiner Aussprüche werden und unseren praktischen Dienst aus der Kraft geschehen, die du täglich neu gibst, damit in allem du durch Jesus Christus verherrlicht wirst. Bewahre uns in dieser Hoffnung, bis du alles neu machst und deine Gerechtigkeit sichtbar den Himmel und die Erde erfüllt. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Peter, Chapter 27

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