Das Wort des Lebens
lebensstudium

Ein himmlischer Diener mit einem vorzüglicheren Dienst

12 Min. Lesezeit

Viele Christen kennen die Vergebung ihrer Sünden, erleben aber gleichzeitig seelisches Stöhnen, innere Leere, Bindungen und Zerbruch. Die Bibel beschreibt diese Spannungen als „Nebenprodukte des Todes“ und stellt ihnen einen Christus gegenüber, der nicht nur einst am Kreuz gehandelt hat, sondern heute als himmlischer Diener aktiv ist. Wer entdeckt, was sein gegenwärtiger Dienst im Himmel bedeutet, gewinnt eine völlig neue Sicht auf persönliche Kämpfe, Gemeinde und Hoffnung.

Christus rettet uns bis zur Verherrlichung

Wenn der Hebräerbrief sagt, dass Christus uns „bis zum Äußersten“ rettet, wird der Blick weit über die erste Bekehrung hinaus geöffnet. Gottes Heilsweg erschöpft sich nicht darin, dass unsere Sünden vergeben und wir gerechtfertigt werden; Rechtfertigung ist der notwendige Anfang, aber nicht das Ziel. In Römer 8 tritt ein größerer Horizont hervor: Gott führt von der Rechtfertigung über die Heiligung zur Verherrlichung. Dabei beantwortet er nacheinander die Forderungen seiner Gerechtigkeit, seiner Heiligkeit und seiner Herrlichkeit. Wenn Paulus sagen kann: „Gott sei Dank durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Römer 7:25), dann schaut er schon über die Zerrissenheit des inneren Kampfes hinaus auf den Christus, der diesen ganzen Weg trägt und vollendet.

Wie wir in der letzten Botschaft gesehen haben, bedeutet Verherrlichung, dass unser ganzes Sein völlig mit dem göttlichen Priestertum Christi durchtränkt wird. Wenn unser ganzes Sein mit Seinem göttlichen Priestertum durchtränkt und durchdrungen ist, dann ist das unsere Verherrlichung, der letzte Schritt in Gottes Errettung. Dann werden wir die volle Sohnschaft genießen, die durch die Erlösung unseres Leibes vollendet wird (Röm. 8:23). Die Verherrlichung errettet uns nicht von Sünden oder sogar vom Tod; sie errettet uns von den Nebenprodukten des Todes, von Seufzen, Nichtigkeit, Verderbnis, Knechtschaft und Verfall. (Witness Lee, Life-Study of Hebrews, Botschaft fünfunddreißig, S. 401)

Verherrlichung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht einfach ein äußeres Aufleuchten am Ende der Zeit, sondern eine durchgreifende Durchdringung unseres ganzen Seins mit der himmlischen Priesterschaft Christi. Was er als Hoherpriester ist, soll unser Inneres durchtränken, bis nichts Unvereinbares mehr in uns bleibt. Die Schrift spricht davon, dass wir dann die Sohnschaft in ihrer ganzen Fülle genießen, verbunden mit der Erlösung unseres Leibes: „… wir selbst seufzen in uns und erwarten sehnlichst die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes“ (Römer 8:23). Bis dahin aber leben wir noch unter den Nebenwirkungen des Todes – Seufzen, innere Nichtigkeit, Verderbnis, Knechtschaft. Wenn Christus uns „bis zum Äußersten“ rettet, dann zielt sein Wirken gerade auf diese tiefen Schichten: Er lässt uns nicht in Resignation, Sinnlosigkeit und innerem Verfall stecken, sondern führt hinein in die „Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Römer 8:21).

So wird „Rettung“ zu einem fortlaufenden, liebevollen Eingreifen des lebendigen Christus. Er begleitet nicht distanziert von außen, sondern steht als Hoherpriester verantwortlich für unser ganzes Schicksal. Seine Fürbitte im Himmel ist verbunden mit einem stillen, wirksamen Arbeiten in unserem Inneren, das uns von den Fesseln des Todes löst, auch wenn die äußeren Umstände zunächst gleich bleiben. Die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung, von der es heißt: „Denn die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung wartet sehnlichst auf die Offenbarung der Söhne Gottes“ (Römer 8:19), trifft sich mit dem verborgenen Seufzen der Heiligen. Christus nimmt dieses Seufzen auf, trägt es in die Gegenwart Gottes und formt daraus Schritte auf die Verherrlichung hin.

Wer sich so verstanden weiß, beginnt sein eigenes Leben anders zu deuten. Niederlagen, Müdigkeit, innere Dunkelheit sind dann nicht mehr das letzte Wort, sondern Schauplätze eines größeren priesterlichen Dienstes. Der Herr lässt uns nicht los, bis das Ziel erreicht ist, das er sich selbst gesetzt hat: dass wir ihm ähnlich werden in Herrlichkeit. Daraus wächst stille Ermutigung: Es ist nicht unsere Zähigkeit, die uns durchträgt, sondern die Treue dessen, der uns bis zur Verherrlichung rettet. In dieser Gewissheit darf das Herz ruhiger werden, auch mitten im Seufzen, weil es weiß: Die Geschichte ist von einem Hohepriester her geschrieben, der nicht auf halbem Weg stehenbleibt.

Gott sei Dank durch Jesus Christus, unseren Herrn! So diene nun ich selbst mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. (Röm. 7:25)

Denn die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung wartet sehnlichst auf die Offenbarung der Söhne Gottes. (Röm. 8:19)

Wer sich der rettenden Fürsorge Christi bis zur Verherrlichung anvertraut, lernt, den eigenen Weg weniger als Kette zufälliger Ereignisse zu sehen und mehr als einen von oben her begleiteten Prozess. Die Spannungen des Alltags verlieren nicht ihre Schwere, aber sie stehen unter einem anderen Vorzeichen: Sie gehören zu dem Weg, auf dem der Herr uns von den Nebenprodukten des Todes löst und in die Freiheit der Herrlichkeit hinewachsen lässt.

Unser Melchisedek: himmlischer Hoherpriester und Diener

Der Hebräerbrief stellt Christus als Melchisedek vor – als königlichen und göttlichen Hohepriester, der „zur Rechten Gottes“ sitzt und doch zugleich für uns tätig ist. Sein Sitzen bedeutet Ruhe nach vollbrachtem Erlösungswerk, sein Dienst bedeutet fortdauernde Fürsorge für die Vollendung der Erlösten. Paulus fasst dieses Geheimnis schlicht: „Christus Jesus ist es, der gestorben und vielmehr der auferweckt worden ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch fürbittend für uns eintritt“ (Römer 8:34). Das Kreuz liegt hinter ihm, aber der Dienst ist nicht zu Ende; er hat nur seine Gestalt gewechselt. Aus dem leidenden Knecht ist der ruhende, aber wirksam handelnde Hohepriester geworden.

Wer vollbringt dieses Werk, uns bis zum Äußersten zu erretten? Unser Melchisedek, der königliche und göttliche Hoherpriester. Nur zwei Verse in der Bibel, Hebräer 7:25 und Römer 8:34, sagen uns, dass Christus für uns eintritt, und diese beiden Verse entsprechen einander. Nach Römer 8 tritt Christus nicht für arme Sünder ein, damit sie gerechtfertigt werden – die Rechtfertigung finden wir in Römer 4 –, sondern er tritt für uns ein, damit wir verherrlicht werden. Dies entspricht dem Eintreten in Hebräer 7:25, denn hier tritt Christus für uns ein, damit wir bis zum Äußersten errettet werden. (Witness Lee, Life-Study of Hebrews, Botschaft fünfunddreißig, S. 402)

Die Schrift zeichnet dieses Zusammenwirken von Kampf auf der Erde und priesterlichem Dienst vor Gott in eindrücklichen Bildern. In 1.Mose 14 kämpft Abram gegen die Könige, die Sodom geplündert haben. Der Sieg wird nicht als Leistung einer genialen Strategie gedeutet, sondern als Eingreifen des Allerhöchsten: „… der deine Feinde in deine Hand ausgeliefert hat!“ (1.Mose 14:20). Melchisedek, Priester Gottes, tritt gewissermaßen zwischen Gott und Abram, deutet den Sieg und reicht Brot und Wein. Ähnlich steht Mose mit erhobenen Händen auf dem Hügel, während Josua im Tal gegen Amalek kämpft. Es heißt: „Und es geschah, wenn Mose seine Hand erhob, dann hatte Israel die Oberhand, wenn er aber seine Hand sinken ließ, dann hatte Amalek die Oberhand“ (2.Mose 17:11). Das Ringen im Tal und die erhobenen Hände auf der Höhe gehören untrennbar zusammen.

So ist der himmlische Dienst Christi heute: Er ist der wahre Mose auf der Höhe, der wahre Melchisedek vor dem Allerhöchsten, und gleichzeitig lebt er in uns als verborgenes Leben, das kämpfen lehrt. Seine Fürbitte ist wie ein stiller Strom, der Kraft zuführt, wenn wir selbst nur Schwäche wahrnehmen. Von außen sieht man nur den Kampf – die Anforderungen des Alltags, die inneren Auseinandersetzungen mit Nichtigkeit, Bindung und Verderbnis. Vor Gott aber steht ein Hohepriester, der mit unserem Namen auf dem Herzen eintritt und uns nicht als „bedauernswerte Sünder“, sondern als Mitkämpfer seiner Sache ansieht.

Darin liegt eine tiefe Ermutigung: Unser Melchisedek sorgt nicht aus distanzierter Überlegenheit, sondern als einer, der den Weg des Leidens und der Versuchung selbst gegangen ist und nun in königlicher Ruhe für uns da ist. Sein himmlischer Dienst macht den Unterschied, den wir oft erst im Rückblick erkennen: Situationen, in denen wir hätten zerbrechen können, tragen rückblickend den Charakter eines durchgestandenen Kampfes, in dem wir bewahrt wurden. Wer so auf Christus schaut, darf mutiger durch die eigenen Täler gehen – im Vertrauen darauf, dass über allen sichtbaren Kämpfen erhobene Hände und ein priesterliches Herz stehen, die nicht müde werden.

Wer ist er, der verdammt? Christus Jesus ist es, der gestorben und vielmehr der auferweckt worden ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch fürbittend für uns eintritt. (Röm. 8:34)

Und gepriesen sei Gott der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand ausgeliefert hat! Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1.Mose 14:20)

Die Wirklichkeit des himmlischen Dienstes Christi verändert die Sicht auf unsere Kämpfe: Sie erscheinen nicht mehr als isolierte Tests, sondern als Situationen, in denen der Hohepriester im Himmel und das Leben Christi in uns zusammenwirken. Dieses Bewusstsein schenkt stille Zuversicht: Es ist ein anderer, der die Last des Sieges trägt, während wir in seiner Kraft unseren Teil tun.

Der neue Bund und das Gesetz des Lebens in unserem Inneren

Gott verbindet in seinem Vorsatz drei Wirklichkeiten, die zusammengehören: Heiligtum, Priesterschaft und Gesetz. Im Alten Bund waren es die Stiftshütte als Wohnort Gottes, das aaronitische Priestertum und das Gesetz, das Israel von außen her ansprach. Diese drei konnten nicht voneinander gelöst werden; sie bildeten ein Gefüge, durch das Gott mitten unter einem irdischen Volk wohnte. Der Hebräerbrief erinnert daran: Die alttestamentlichen Priester „dienen dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge“ (Hebräer 8:5). Was damals Zelt und Schatten war, ist im Neuen Bund zur himmlischen Wirklichkeit geworden: Das wahre Heiligtum ist in den Himmeln, und dieses Heiligtum ist durch Christus zugleich mit unserem Geist verbunden.

In Gottes Ökonomie sind drei Dinge immer miteinander verbunden: die Stiftshütte bzw. das Heiligtum, das Priestertum und das Gesetz. Diese drei Dinge, die eins sind, sind zur Erfüllung von Gottes Ökonomie miteinander verbunden. Zur Zeit des Alten Testaments konnte niemand diese drei Dinge voneinander trennen. Heute ist es genauso. Wir haben das Heiligtum, das sowohl im Himmel als auch in unserem Geist ist, das Priestertum und das bessere Gesetz des Lebens. (Witness Lee, Life-Study of Hebrews, Botschaft fünfunddreißig, S. 406)

Der gleiche Brief sagt von Christus: „Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gestiftet worden ist“ (Hebräer 8:6). Als Mittler des neuen Bundes führt er gewissermaßen das aus, was Gott in diesem Bund zugesagt und durch das Kreuz rechtskräftig gemacht hat. Jeremia hatte diesen Bund bereits angekündigt: „Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein“ (Jeremia 31:33). Das Gesetz, das im Alten Bund außen vorlag und über den Menschen stand, ist im neuen Bund zum inneren Gesetz des Lebens geworden, das den Menschen von innen her formt.

Der himmlische Diener macht diese Bundeswirklichkeit im Alltag wirksam. Seine Fürbitte beschränkt sich nicht darauf, Sündenfolgen abzuwehren; sie zielt darauf, die objektiven Tatsachen des Bundes in subjektive Erfahrung zu überführen. Vergebung, die Gott zugesagt hat – „Denn ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken“ (Hebräer 8:12) –, wird in der Begegnung mit Christus im Geist zu einem erlebten Freigesprochensein. Die Beziehung „Ich werde ihr Gott sein“ wird zur inneren Gewissheit, dass wir nicht mehr außerhalb stehen, sondern in den Raum der Nähe gerufen sind. Und das Gesetz des Lebens meldet sich leise, aber deutlich im Herzen, indem es uns nicht nur sagt, was Gott will, sondern uns auch dahin bewegt.

So wächst ein Verständnis des Himmels, das nicht in die Ferne flüchtet. Der Himmel ist nicht nur der zukünftige Aufenthaltsort der Erlösten, sondern schon jetzt der Ort, von dem aus Christus uns dient. Die Himmelsleiter, die Jakob sah und deren Wirklichkeit Jesus mit den Worten erschließt: „Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf dem Sohn des Menschen auf- und niedersteigen“ (Johannes 1:51), verbindet das himmlische Heiligtum mit unserem Geist. In diesem Licht erhält der Alltag eine andere Farbe: Zwischen den unscheinbaren Abläufen wirkt ein himmlischer Mittler, der die Schätze des neuen Bundes aus dem Himmel in unser Inneres trägt. Wer das im Glauben erfasst, entdeckt, dass das Christsein nicht primär aus äußeren Forderungen besteht, sondern aus dem stillen, aber kraftvollen Wirken des Gesetzes des Lebens, das uns von innen her in Übereinstimmung mit Gott bringt.

  • die dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, das Zelt aufzurichten; denn «siehe», spricht er, «daß du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist»! -. (Hebr. 8:5)

Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gestiftet worden ist. (Hebr. 8:6)

Wer den neuen Bund als innere Wirklichkeit begreift, beginnt, das eigene Leben weniger unter dem Vorzeichen äußerer Forderung und mehr als Raum des Wirkens des Gesetzes des Lebens zu sehen. Der Blick wendet sich von der bloßen Frage nach Leistung hin zu der stillen Gewissheit, dass ein himmlischer Diener die Zusagen Gottes in unserem Inneren Schritt für Schritt zur Entfaltung bringt.


Herr Jesus Christus, himmlischer Diener und großer Hoherpriester, danke, dass dein vollbrachtes Werk am Kreuz und deine gegenwärtige Fürbitte im Himmel untrennbar zusammengehören. Du siehst unser Seufzen, unsere inneren Kämpfe und die verborgenen Bindungen, und du hörst nicht auf, für uns einzutreten, damit wir in deine Freiheit der Herrlichkeit hineinkommen. Vater, wir preisen dich, dass du uns in deinem Sohn nicht nur gerecht sprichst und heiligst, sondern uns auch zur Verherrlichung führst und alle Nebenprodukte des Todes verschlingst. Schreibe dein Gesetz des Lebens tiefer in unser Herz und lass uns aus der Kraft des himmlischen Heiligtums leben, die dein Geist in unserem Inneren vermittelt. Stärke in uns die Gewissheit, dass kein Kampf vergeblich ist, wenn du als Melchisedek für uns eintrittst, und dass du dein gutes Werk in uns vollendest. Bewahre uns in dieser Hoffnung und lasse dein himmlisches Licht über unseren Weg leuchten, bis wir dich in Herrlichkeit sehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Hebrews, Chapter 35

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