Der Friede Christi, der in unserem Herzen schiedsrichtet
Viele Gläubige kennen den Begriff „Friede Gottes“, aber sie ringen in ihrem Alltag dennoch mit innerem Druck, Verletzungen und unausgesprochenen Spannungen – in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde. Manchmal genügen schon Kleinigkeiten, eine Bemerkung oder eine Entscheidung, um Misstimmung zu erzeugen. Die Frage ist: Wie wird dieser Friede, von dem die Bibel spricht, von einer schönen Lehre zu einer real erfahrbaren Kraft, die in unserem Herzen entscheidet und unsere Beziehungen trägt?
Der himmlische Dienst Christi und die göttliche Übertragung
Wer seinen Sinn auf die Dinge droben richtet, wendet sich nicht in eine religiöse Ideenwelt, sondern auf eine lebendige Person und ihren gegenwärtigen Dienst. Kolosser 3 verbindet den Aufruf, das zu suchen, was droben ist, ausdrücklich mit der Tatsache, dass Christus zur Rechten Gottes sitzt – nicht untätig, sondern als Hoherpriester, himmlischer Diener und göttlicher Verwalter. Im Himmel gibt es eine Bewegung, eine göttliche Ökonomie, und im Mittelpunkt steht Christus, der für uns eintritt, uns Leben zuteilt und alles lenkt auf das Ziel hin, seinen Leib aufzubauen. Wenn unser Denken bei uns selbst, bei Umständen oder Meinungen stehen bleibt, bleibt diese himmlische Wirklichkeit für uns praktisch stumm. Sobald wir uns im Glauben zu Christus wenden – zu dem, was Er jetzt ist und tut –, öffnet sich jedoch gleichsam eine Verbindung: zwischen seinem Dienst droben und unserem inneren Menschen beginnt etwas zu „fließen.
Wenn wir ein echtes christliches Leben führen wollen, müssen wir zuerst unseren Sinn auf die Dinge droben richten. Wie wir bereits hervorgehoben haben, stehen diese Dinge mit dem in Verbindung, was Christus im Himmel tut. Als Hoherpriester tritt Christus für uns ein. Als himmlischer Diener teilt Er uns die Reichtümer des Lebens aus. Als göttlicher Verwalter führt Er Gottes Ökonomie aus. Der Dienst Christi im Himmel dient dem Aufbau Seines Leibes. Er wünscht, die Gemeinde aufzubauen, damit Er eine Braut habe. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft dreiundsechzig, S. 577)
Die Schrift beschreibt dieses Fließen als Wirken des lebengebenden Geistes. Was Christus in seinem Tod vollbracht und in seiner Auferstehung erlangt hat, wird nicht als zusätzliche Information in uns abgelegt, sondern als göttliches Element in uns hineingereicht. So wird unser innerer Mensch erneuert, nicht durch Anstrengung, sondern durch eine stille, aber reale Übertragung von Leben. In Kolosser 3 erscheint der neue Mensch nicht als abstrakte Lehre, sondern als eine Wirklichkeit, in der „Christus alles und in allen“ ist; je mehr wir unseren Sinn auf die Dinge droben richten, desto mehr breitet sich dieser neue Mensch praktisch in uns aus. Der Blick nach oben entfremdet uns daher nicht von unserem Alltag, sondern durchdringt ihn: Gedanken, die sich zuvor im Kreis drehten, beginnen sich an Christus auszurichten; Gefühle, die festgefahren waren, werden durch seinen Frieden gelockert; Entscheidungen, die von Angst oder Stolz gefärbt waren, werden von seiner Gegenwart her neu gewichtet. In dieser Bewegung greift die Zusage: „Lasst den Frieden Christi Schiedsrichter sein in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar“ (Kol. 3:15). Wer sich dieser himmlischen Übertragung öffnet, erfährt, wie der Dienst Christi im Himmel nicht nur eine Wahrheit, sondern eine Quelle wird, die auch die verborgensten Winkel des Herzens erreicht und uns still, aber tief in die Wirklichkeit des neuen Menschen hineinzieht.
application_de: Der Blick auf den himmlischen Dienst Christi lädt dazu ein, den eigenen inneren Horizont zu weiten: Statt sich an der Enge des Sichtbaren zu erschöpfen, dürfen wir lernen, mit unseren Gedanken vor Gottes Thron zu leben. In dieser Haltung wächst Vertrauen – und mit ihm ein Friede, der nicht aus Kontrolle, sondern aus der Gewissheit kommt, dass Christus selbst unser inneres Leben trägt und ordnet.
Und lasst den Frieden Christi Schiedsrichter sein in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar. (Kol. 3:15)
Der Blick auf den himmlischen Dienst Christi lädt dazu ein, den eigenen inneren Horizont zu weiten: Statt sich an der Enge des Sichtbaren zu erschöpfen, darf der Leser lernen, mit seinen Gedanken vor Gottes Thron zu leben. In dieser Haltung wächst Vertrauen – und mit ihm ein Friede, der nicht aus Kontrolle, sondern aus der Gewissheit kommt, dass Christus selbst das innere Leben trägt und ordnet.
Der Friede Christi als Schiedsrichter in unserem Herzen
Wenn Kolosser 3 vom „Frieden Christi“ spricht, berührt es einen sehr konkreten Bereich unseres Lebens: die inneren Spannungen, die sich gerade dann auftun, wenn Beziehungen schwierig werden. Verletzte Worte, Missverständnisse, festgefahrene Meinungen hinterlassen in uns eine Art inneres Gerichtsverfahren – Gedanken, die anklagen, Gefühle, die sich rechtfertigen, Argumente, die sich aufschaukeln. In diesem verborgenen Gerichtssaal soll nicht unsere Empfindlichkeit oder unsere Logik das letzte Wort haben, sondern eine Person: Christus als unser Friede. Die Schrift sagt über Ihn: „Denn Er Selbst ist unser Friede, der die beiden eins gemacht und die trennende Zwischenwand, die Feindschaft, niedergerissen hat“ (Epheser 2:14). Derselbe Christus, der am Kreuz Juden und Heiden in einem Leib mit Gott versöhnt hat, möchte in unserem Herzen die Feindschaft lösen, die zwischen mir und dem anderen gewachsen ist.
Der Reihenfolge in Kapitel 3 des Kolosserbriefes entsprechend haben wir nach dem Richten des Sinnes auf die Dinge droben und der Erneuerung des neuen Menschen den Frieden Christi, der in unserem Herzen schiedsrichtet (V. 15). Weißt du, was der Frieden Christi ist? Dieser Ausdruck kommt im Neuen Testament nur ein einziges Mal vor. An anderen Stellen, im Römerbrief und im Philipperbrief, spricht Paulus vom Gott des Friedens. Außerdem hat er am Anfang seiner Briefe ausnahmslos ein Wort über Gnade und Frieden. Aber in Kolosser 3:15 sagt er uns, dass der Frieden Christi in unseren Herzen schiedsrichten soll. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft dreiundsechzig, S. 579)
Der Friede Christi schiedsrichtet nicht, indem er unsere Empfindungen ignoriert oder alles nivelliert, sondern indem er uns in seine Sichtweise hineinzieht. Wo er regiert, werden die vielen inneren Stimmen stiller, weil eine Stimme anders klingt: nicht verletzend, sondern wahrhaftig und zugleich gnädig. Er führt uns an das Kreuz, an dem Er „das Gesetz der Gebote in Verordnungen außer Kraft setzte“ (Epheser 2:15), und zeigt, dass auch unsere starren Maßstäbe, unsere unnachgiebigen Forderungen dort ihr Ende finden. So werden wir innerlich fähig, nicht mehr zuerst unsere eigene Rechtfertigung zu suchen, sondern seine Gnade. In dieser Atmosphäre verlieren Meinungen ihre Schärfe, der Griff des Stolzes lockert sich, und die Bereitschaft wächst, dem anderen zu vergeben, wie auch Christus uns vergeben hat. Der Friede Christi bewahrt damit nicht nur unser nervöses Inneres, sondern auch die zerbrechliche Einheit in Ehe, Familie und Gemeindeleben. Wo er das letzte Wort hat, wird aus dem inneren Gerichtssaal ein Raum, in dem Christus gehört wird – und gerade darin liegt eine leise, aber starke Ermutigung: Auch in den festgefahrenen Situationen unseres Lebens gibt es eine Instanz, die größer ist als Verletzung und Misston.
application_de: Der Friede Christi als innerer Schiedsrichter eröffnet eine neue Art, Konflikte wahrzunehmen: Nicht als Bühne, auf der das eigene Recht durchgesetzt werden muss, sondern als Ort, an dem Christus seine versöhnende Gegenwart entfaltet. Wer lernt, innerlich auf diesen Frieden zu achten, entdeckt, dass wahre Stärke nicht im Rechtbehalten, sondern in der Bereitschaft liegt, sich von Christus korrigieren und beruhigen zu lassen.
Und lasst den Frieden Christi Schiedsrichter sein in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar. (Kol. 3:15)
Denn Er Selbst ist unser Friede, der die beiden eins gemacht und die trennende Zwischenwand, die Feindschaft, niedergerissen hat, (Eph. 2:14)
Der Friede Christi als innerer Schiedsrichter eröffnet eine neue Art, Konflikte wahrzunehmen: nicht als Bühne, auf der das eigene Recht durchgesetzt werden muss, sondern als Ort, an dem Christus seine versöhnende Gegenwart entfaltet. Wer innerlich auf diesen Frieden achtet, entdeckt, dass wahre Stärke nicht im Rechtbehalten, sondern in der Bereitschaft liegt, sich von Christus korrigieren und beruhigen zu lassen.
Erneuerung des neuen Menschen und Bewahrung der Einheit
Der neue Mensch, von dem Kolosser 3 spricht, ist keine fromme Steigerungsform des Individualchristentums, sondern eine gemeinsame Wirklichkeit: „Da ist nicht Grieche und Jude, … sondern Christus ist alles und in allen“ (vgl. Kol. 3:11). Wo Menschen mit unterschiedlichen Prägungen, Temperamenten und Geschichten zusammenkommen, entstehen zwangsläufig Reibungen; die Gemeinde ist nicht von Natur aus faltenlos. Epheser 2 beschreibt, wie tief die ursprüngliche Kluft zwischen den Gruppen war und wie sie überwunden wurde: Christus, unser Friede, hat „die beiden in einem Leib durch das Kreuz mit Gott versöhnt, nachdem Er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte“ (Epheser 2:16). Diese Versöhnung ist die Grundlage, aber ihre Auswirkung in den täglichen Beziehungen hängt daran, dass unser innerer Mensch fortlaufend erneuert wird und der Friede Christi wirklich schiedsrichtet.
Dann, vom Frieden Christi regiert, wird der Bruder zugeben, dass, obwohl der Älteste im Unrecht gewesen sein mag, er selbst in noch größerem Maß im Unrecht war. Sofort wird er dem Herrn bekennen, Gnade empfangen und Liebe zu diesem Ältesten haben. Durch das Schiedsgericht des Friedens Christi werden unsere Probleme gelöst, und die Reibung zwischen den Heiligen verschwindet. Dann wird das Gemeindeleben bewahrt, und der neue Mensch wird in praktischer Weise aufrechterhalten. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft dreiundsechzig, S. 582)
Wo dieser Friede in unseren Herzen regiert, werden die Spannungen, die den neuen Menschen zerreißen könnten, zu Gelegenheiten, in denen er sichtbar wird. Kolosser 3 verbindet die Erneuerung des neuen Menschen mit sehr konkreten Haltungen: „Darum zieht an, als Gottes heilige und geliebte Auserwählte, innere Teile voll Erbarmen, Güte, Bescheidenheit, Sanftmut, Langmut“ (Kol. 3:12), und fügt hinzu: „Zu diesem allen aber (zieht) die Liebe (an), die das Band der Vollkommenheit ist“ (Kol. 3:14). Diese Eigenschaften lassen sich nicht einfach beschließen; sie wachsen dort, wo die eigene Meinung nicht mehr die letzte Instanz ist, sondern Christus. Wenn der Friede Christi zwischen uns und unserem Bruder, unserer Schwester „schiedsrichtet“, wiegt sein Urteil schwerer als das eigene Empfinden – und genau darin wird die Einheit bewahrt. So entsteht Gemeindeleben, das nicht durch äußere Organisation zusammengehalten wird, sondern durch einen inneren Aufbau in Christus: Der neue Mensch wird praktisch, wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen vom selben Frieden regiert werden.
application_de: In der Perspektive des neuen Menschen erscheint Einheit nicht mehr als Ideal, das Menschen herstellen müssen, sondern als Raum, den Christus in uns gewinnt. Der Friede Christi lädt dazu ein, die Vielfalt im Leib nicht als Bedrohung der eigenen Position zu sehen, sondern als Feld, auf dem seine Geduld, seine Liebe und seine versöhnende Kraft Gestalt annehmen. Wo dieser Friede das letzte Wort hat, wird der Blick frei für das, was Christus mit seinem Leib auf der Erde vorhat – und das schenkt auch den kleinen, unscheinbaren Beziehungen im Alltag ein Gewicht für Gottes Plan.
Darum zieht an, als Gottes heilige und geliebte Auserwählte, innere Teile voll Erbarmen, Güte, Bescheidenheit, Sanftmut, Langmut, (Kol. 3:12)
Zu diesem allen aber (zieht) die Liebe (an), die das Band der Vollkommenheit ist. (Kol. 3:14)
In der Perspektive des neuen Menschen erscheint Einheit nicht mehr als Ideal, das Menschen herstellen müssen, sondern als Raum, den Christus in den Herzen gewinnt. Der Friede Christi hilft, die Vielfalt im Leib nicht als Bedrohung der eigenen Position zu sehen, sondern als Feld, auf dem seine Geduld, seine Liebe und seine versöhnende Kraft Gestalt annehmen. Wo dieser Friede das letzte Wort hat, wird der Blick frei für das, was Christus mit seinem Leib auf der Erde vorhat – und das schenkt auch den kleinen, unscheinbaren Beziehungen im Alltag ein Gewicht für Gottes Plan.
Herr Jesus Christus, danke, dass du als unser Hoherpriester und himmlischer Diener unablässig für uns eintrittst und uns durch den lebengebenden Geist mit deinem eigenen Leben erfüllst. Du siehst alle Spannungen, Verletzungen und verborgenen Urteile in unserem Inneren und in unseren Beziehungen, und du bist selbst unser Friede, der jede Mauer niederreißt. Wir bitten dich: Richte unsere Herzen neu auf das, was droben ist, damit deine himmlische Übertragung ungehindert in uns wirken und den neuen Menschen in uns erneuern kann. Lass deinen Frieden in uns den Platz des Schiedsrichters einnehmen, unsere Gedanken ordnen, unseren Stolz entwaffnen und uns in der Liebe zu den Geschwistern bewahren. Stärke durch deinen regierenden Frieden unsere Ehen, unsere Familien und das Gemeindeleben, damit deine Einheit sichtbar wird und dein Leib aufgebaut wird zur Vorbereitung deiner Wiederkunft. Der Friede Christi bewahre unsere Herzen und Gedanken in dir und erfülle uns mit ruhiger Gewissheit, dass du alles in deiner Hand hältst. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 63