Der Allumfassende Christus im Gegensatz zur Kultur
Kultur prägt, wie wir denken, fühlen und handeln – oft viel stärker, als uns bewusst ist. Sie ordnet das Zusammenleben, vermittelt Werte und schützt vor Chaos. Doch was geschieht, wenn ein Mensch Christus kennenlernt, der behauptet, alles in allem zu sein? Viele Christen merken, dass sie zwar von Christus reden, im Alltag aber weiterhin von ihrer Kultur bestimmt werden. Die Frage ist daher nicht, ob Kultur an sich gut oder schlecht ist, sondern ob sie in unserem Inneren den Platz einnimmt, der allein dem lebendigen Christus zusteht.
Gottes Absicht: Der Dreieine Gott will sich in uns hineinarbeiten
Von 1. Mose bis zur Offenbarung zieht sich ein stiller, aber durchgehender Strom: Gott sucht nicht in erster Linie unsere Leistungen, unsere religiösen Werke oder unsere Verbesserungsversuche, sondern unser Inneres, um es mit Sich Selbst zu füllen. Der Gott der Bibel bleibt nicht auf Abstand, hoch erhaben und unberührbar, sondern kommt als Vater, Sohn und Geist nahe, um Wohnung im Menschen zu nehmen. Der Vater ist die Quelle, der Sohn ist die Verkörperung dieser Quelle, und der Sohn ist durch Sein Sterben und Auferstehen zum Leben gebenden Geist geworden, der sich mit unserem menschlichen Geist verbindet. So heißt es in 1. Korinther 15:45: „So steht auch geschrieben: ‚Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele‘; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist.“ Hier öffnet sich ein Fenster in Gottes Absicht: Christus als der letzte Adam, der die ganze Geschichte der Menschheit in sich trägt, ist heute Geist, um in uns zu wohnen und in uns wirksam zu sein.
In dieser Frage des allumfassenden Christus im Gegensatz zur Kultur müssen wir sehen, dass nach der vollen Offenbarung in der Bibel Gottes Absicht darin besteht, Sich Selbst in Sein auserwähltes Volk hineinzuwirken. Diese Absicht ist der Brennpunkt der göttlichen Offenbarung in den Schriften. Damit Gott Sich Selbst in uns hineinarbeiten kann, muss Er dreieinig sein. Es ist eine wunderbare und erstaunliche Tatsache, dass Gott dreieinig ist – der Vater, der Sohn und der Geist. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsunddreißig, S. 312)
Wenn Christus als Leben gebender Geist in unseren Geist kommt, bleibt Er nicht am Rand. Er will unsere Seele – unser Denken, Fühlen und Wollen – durchdringen und sogar unseren physischen Leib prägen, sodass unser ganzes Sein von Ihm durchtränkt wird. Darin zeigt sich die Tiefe von Gottes vollständiger Errettung: Vergebung der Sünden ist der Anfang, nicht der Endpunkt. Gott gibt sich Selbst in uns hinein, bis Christus unser inneres Leben, unsere spontanen Reaktionen, unsere verborgenen Motive und unsere Entscheidungen formt. Kolosser 1:27 fasst dieses Geheimnis in einem Satz zusammen: „…welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ Die Herrlichkeit Gottes bleibt nicht mehr fern und abstrakt; sie nimmt in uns Gestalt an, indem dieser allumfassende Christus nach und nach unseren inneren Menschen erfüllt. Hier liegt der Brennpunkt von Gottes Heilsplan – und genau hier wird der Gegensatz zur Kultur sichtbar: Nicht Kultur, sondern Christus soll der innere Maßstab und der verborgene Motor unseres Lebens sein. Wer das erkennt, darf ermutigt weitergehen: Jeder Tag, jede Lage, jede Schwäche wird zum Ort, an dem Gott sich tiefer in uns hineinarbeiten will – nicht um uns zu erdrücken, sondern um uns mit Seinem eigenen Leben reich zu machen.
So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist. (1.Kor 15:45)
denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, (Kol. 1:27)
Wenn Gottes Ziel darin besteht, Sich Selbst in uns hineinzuwirken, dann ist unser Leben nicht eine Abfolge zufälliger Ereignisse, sondern ein geordnetes Feld, auf dem Er Christus in uns vertieft. Situationen, die unsere Grenzen offenlegen, sind nicht nur Prüfungen, sondern Gelegenheiten, in denen der Leben gebende Geist Raum gewinnt. Statt uns an äußeren Maßstäben zu orientieren – Erfolg, Ansehen, religiöse Leistung – dürfen wir lernen, innerlich zu fragen: Was tut Christus jetzt in mir? Wie möchte Er sich in dieser Begegnung, in diesem Konflikt, in dieser Müdigkeit einwirken? So verschiebt sich der Schwerpunkt: weg von einem Christsein, das vor allem etwas für Gott tun will, hin zu einem Leben, in dem Gott durch Christus etwas in uns tut. Der allumfassende Christus wird dann Schritt für Schritt zu unserem inneren Zentrum, und mitten im gewöhnlichen Alltag wächst in uns leise die Hoffnung der Herrlichkeit.
Christus versus Kultur: Wenn Gutes den Besten verdrängt
Kultur ist zunächst nichts Dämonisches. Sie ordnet das Zusammenleben, bewahrt vor Chaos, vermittelt Respekt, Fleiß, Höflichkeit, Verantwortungsgefühl. In vielen Gesellschaften, in denen Christus kaum bekannt ist, wirkt Kultur wie ein Haltegurt, der Menschen davor bewahrt, in offene Zerstörung abzugleiten. Gerade deshalb ist sie so schwer zu hinterfragen, wenn Christus in ein Leben hineinkommt. Was uns jahrzehntelang Orientierung gegeben hat – nationale Prägungen, familiäre Muster, religiöse Traditionen – wird leicht zum unantastbaren Hintergrund, vor dem wir alles andere beurteilen, auch geistliche Wirklichkeit. So beschreibt Paulus die Gefahr für die Kolosser: „Hütet euch, dass niemand euch als Beute wegführe durch seine Philosophie und leeren Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß“ (Kol. 2:8). Sobald Überlieferung und „Elemente der Welt“ unbemerkt zum Maßstab werden, beginnt selbst Gutes, den Raum des Besten zu besetzen.
Viele Dinge hindern die Verwirklichung von Gottes vollständiger Errettung. Zwei der offensichtlichsten Hindernisse sind Sünde und Weltlichkeit. Das subtilste Hindernis jedoch ist die Kultur. Die Kultur hindert Gottes auserwähltes Volk daran, Christus zu erfahren und Ihn zu genießen. Der allumfassende Christus steht der Kultur entgegen. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsunddreißig, S. 312)
Bei Petrus lässt sich dieser innere Konflikt deutlich erkennen. Derselbe Mann, der von Christus die Offenbarung bekam: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ und der die Zusage hörte: „auf diesen Felsen werde Ich Meine Gemeinde bauen“ (Matthäus 16:18), blieb innerlich stark durch seine jüdische Kultur geprägt. In Apostelgeschichte 10 zögert er, in ein heidnisches Haus einzutreten, obwohl Gott ihn in einer Vision klärt. Seine kulturellen Gewohnheiten, die ihm ein Leben lang Sicherheit gegeben hatten, geraten in Konflikt mit der Weite des allumfassenden Christus. Ähnlich kann auch eine christliche Kultur – unser Stil von Frömmigkeit, unsere gewohnten Formen von Gemeinde, unsere Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“ – unmerklich an die Stelle von Christus treten. Dann reagieren wir auf Situationen nicht mehr aus der lebendigen Gemeinschaft mit Ihm, sondern aus eingeübter Tradition: Wir vergeben oder vergeben nicht, wir öffnen uns oder verschließen uns, wir gehen auf andere zu oder ziehen uns zurück – nicht weil Christus in uns so führt, sondern weil man es in „unserer Kultur“ eben so macht.
Gottes Weg mit uns ist dabei nicht, dass Er Kultur einfach wegfegt und uns wurzellos zurücklässt. Er geht tiefer. Er offenbart uns den Reichtum des allumfassenden Christus, bis unsere inneren Maßstäbe sich verschieben. In Kolosser 2:9–10 wird der Horizont weit aufgezogen: „denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid in Ihm zur Fülle gebracht, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist.“ Wenn die ganze Fülle der Gottheit in Christus wohnt und wir in Ihm zur Fülle gebracht sind, dann ist jede Kultur – so wertvoll sie im Äußeren sein mag – relativ, vorläufig, begrenzt. Sie darf dienen, aber sie darf nicht herrschen. Sie kann ein Werkzeug sein, aber nie unser innerer Richter. Christus selbst wird zum Maßstab, an dem sich auch die edelsten kulturellen Werte prüfen lassen. Wo das geschieht, verliert Kultur ihre heimliche Macht und findet ihren richtigen Platz. Und wir dürfen entdecken: Je mehr Christus in uns Raum gewinnt, desto freier können wir mit unserer eigenen Kultur umgehen – dankbar für das Gute, wachsam gegenüber dem, was Ihn verdrängt, offen für das, was Er neu formen will.
Wer sich dieser Spannung stellt, steht nicht zwischen zwei Welten, sondern wird gerade darin tiefer in Gottes Herzen geführt. An den Punkten, an denen Kultur und Christus auseinandergehen, lädt Gott uns ein, innerlich umzudenken. Nicht alles, was vertraut ist, trägt den Stempel Christi; nicht alles, was neu und ungewohnt ist, kommt von Ihm. Den Unterschied zu lernen, ist ein Prozess, der Geduld braucht. Aber mitten in diesem Ringen dürfen wir wissen: Christus ist nicht gegen unsere Herkunft, Er ist gegen jede Macht, die Seine Fülle in uns einschränkt. Wo Er unsere Maßstäbe erneuert, verliert Kultur ihren Status als versteckter Herrscher und wird zu einer dienenden Hülle, in der die Wirklichkeit Christi sichtbar werden kann. Darin liegt eine stille, aber kräftige Ermutigung: Kein kultureller Hintergrund ist stark genug, um den allumfassenden Christus dauerhaft zu binden. In Seinen Händen kann sogar unsere Prägung verwandelt werden – von einer Begrenzung zu einem Gefäß, in dem Er sich vielfältig ausdrückt.
Hütet euch, dass niemand euch als Beute wegführe durch seine Philosophie und leeren Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß; (Kol. 2:8)
denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid in Ihm zur Fülle gebracht, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist. (Kol. 2:9-10)
Wenn Kultur – selbst in ihrer besten, edelsten Form – das feine Wirken Christi in uns überlagern kann, dann wird unser Alltag zu einem sensiblen Lernfeld. Begegnungen mit anderen Mentalitäten, Spannungen im Gemeindeleben, Fragen nach Stil, Form und Tradition sind nicht nur organisatorische Probleme, sondern Berührungspunkte zwischen Kultur und Christus. Wo wir innerlich merken, dass uns etwas vor allem deshalb schwerfällt, weil „man das bei uns nicht so macht“, deutet sich an, dass alte Muster sprechen. In solchen Momenten entsteht eine leise Einladung, den Blick auf Christus zu richten: Wer bist Du hier für mich? Wie möchtest Du Dich in diesem Miteinander ausdrücken? Wenn Er unser verborgener Maßstab wird, verlieren kulturelle Erwartungen ihr absolutes Gewicht. So entsteht nach und nach ein Raum, in dem der allumfassende Christus freier wirken kann – nicht gegen unsere Kultur, sondern darüber hinaus. Und aus diesem Raum heraus wächst ein Gemeindeleben, das nicht von Vorlieben, Temperamenten und Traditionen dominiert ist, sondern von der Person, die alles und in allen sein will.
Den allumfassenden Christus im Alltag leben
Wenn die Schrift sagt: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist zusammen mit Christus in Gott verborgen“ (Kolosser 3:3), beschreibt sie keine fromme Theorie, sondern eine neue Wirklichkeit, die unser ganzes Alltagsleben färben soll. Christus ist nicht nur ein Vorbild vor uns oder ein Helfer neben uns, Er ist unser Leben. Das bedeutet: In jeder Situation steht uns nicht zuerst unsere Kultur zur Verfügung – das, was wir gelernt haben, wie „man“ reagiert –, sondern eine Person in uns, der allumfassende Christus als Leben gebender Geist. Die Frage ist weniger, wie wir es schaffen, „christlicher“ zu handeln, sondern ob wir Ihm Raum geben, sich zu zeigen. Kolosser 2:6 fasst es schlicht zusammen: „Darum, wie ihr den Christus, Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in Ihm.“ So, wie wir Ihn am Anfang einfach aufgenommen haben, indem wir auf Ihn vertraut haben, so dürfen wir Ihn auch mitten im Alltag einbeziehen – bewusst, aber nicht verkrampft.
Es ist für uns alle entscheidend, eine Vision von der Allumfassendheit Christi zu haben. Christus muss in unserem täglichen Leben alles für uns werden. Der Christus, der der Ausdruck Gottes und das Geheimnis von Gottes Ökonomie ist, lebt jetzt in uns. Der Christus, der in uns wohnt, ist kein kleiner, begrenzter Christus. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sechsunddreißig, S. 318)
Das gewinnt Gestalt in sehr konkreten Situationen. In einem angespannten Gespräch mit dem Ehepartner, dem Kind oder einem Kollegen meldet sich zuerst oft unser kulturell geprägtes Ich: geprägt von Durchsetzungsfähigkeit oder Harmoniestreben, von Schweigen oder schnellen Worten, von Perfektionismus oder Nachlässigkeit. Gleichzeitig ist in unserem Geist eine andere Quelle gegenwärtig: Christus selbst, mit Seiner Sanftmut und Klarheit, mit Seiner Wahrheit und Liebe. Wenn wir innerlich zu Ihm aufschauen, entsteht ein stiller Raum zwischen Reiz und Reaktion, in dem Er Sein Leben einbringen kann. So wird nach und nach sichtbar, was Kolosser 3:11 beschreibt: „…sondern Christus ist alles und in allen.“ In einem solchen Miteinander ist nicht mehr ausschlaggebend, wer aus welcher kulturellen, sozialen oder charakterlichen Prägung kommt; entscheidend wird, dass derselbe Christus in allen wohnt und sich durch alle ausdrücken will.
Dieses Leben des allumfassenden Christus anstelle unserer Kultur ist kein Sprint, sondern ein Wachstum im Leben bis zur Reife. Es bleibt Spannungen und Brüche nicht schuldig. Alte Muster melden sich immer wieder, und nicht selten merken wir erst im Rückblick, wie stark sie uns noch bestimmen. Doch genau dort arbeitet Christus treu weiter. Kolosser 2:19 beschreibt, wie der ganze Leib „durch die Gelenke und Sehnen reichlich versorgt und miteinander verknüpft wird, mit dem Wachstum Gottes wächst.“ Das Wachstum Gottes in uns ist leise, aber real. Es nimmt zu, wenn wir in den kleinen Dingen des Alltags lernen, auf den inneren Christus zu achten: im Umgang mit Geld, mit Zeit, mit Anerkennung und Kritik, in Fragen von Stil, Kleidung, Freizeitgestaltung, auch im Gemeindeleben. Je öfter Er unser innerer Bezugspunkt ist, desto mehr werden kulturelle Muster relativ, ohne dass wir sie zwanghaft bekämpfen müssten.
In diesem Prozess liegt eine tiefe Ermutigung: Der allumfassende Christus verlangt nicht, dass wir unsere Persönlichkeit ablegen und zu gesichtslosen Gestalten werden. Er will unsere Einzigartigkeit nicht auslöschen, sondern durchdringen. Nationale Unterschiede, familiäre Prägungen, persönliche Temperamente bleiben sichtbar, werden aber von innen her neu bewohnt. Was vorher Abgrenzung erzeugte, kann zu einem farbigen Ausdruck Seiner Fülle werden. So entsteht im Gemeindeleben etwas, das keine Kultur dieser Welt hervorbringen kann: ein Leib, in dem Christus tatsächlich praktischer ist als Herkunft, Stil oder Geschmack. Wer sich auf diesen Weg einlässt, mag sich manchmal unsicher fühlen, weil vertraute Orientierungen relativiert werden. Doch gerade dort erweist sich Christus als treuer Mittelpunkt. In Ihm finden wir einen Halt, der tiefer reicht als jede kulturelle Zugehörigkeit, und eine Freiheit, die nicht gegen unsere Geschichte arbeitet, sondern sie in Sein Licht stellt und in Seinen Dienst nimmt.
Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist zusammen mit Christus in Gott verborgen. (Kol. 3:3)
wo es nicht geben kann Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen. (Kol. 3:11)
Wenn Christus statt Kultur unser Leben prägt, führt das nicht zu einem äußerlich spektakulären, sondern zu einem innerlich dichten Leben. Entscheidungsfragen, zwischenmenschliche Spannungen, auch Fragen nach Formen im Gemeindeleben werden dann nicht primär durch Tradition oder Geschmack beantwortet, sondern im Licht der Person, die in uns wohnt. So wächst ein feines Unterscheidungsvermögen: Wo spricht nur mein Hintergrund, und wo spricht Christus in meinem Geist? Dieser Lernweg ist lebenslang und bleibt von Gottes Geduld getragen. In jedem Abschnitt dieses Weges dürfen wir getrost sein: Der, der als Leben gebender Geist in uns wohnt, ist ausreichend für jede Situation. Er ist nicht darauf angewiesen, dass unsere Kultur verschwindet, sondern darauf, dass Er in ihr und über sie hinaus Raum bekommt. Daraus erwächst stille Zuversicht: Was heute noch von alten Mustern überlagert ist, kann morgen schon ein neues Feld sein, auf dem der allumfassende Christus sichtbar wird – im persönlichen Leben wie in der Gemeinde.
Herr Jesus Christus, Du allumfassender Herr, danke, dass Du als lebensspendender Geist in uns wohnst und größer bist als jede Kultur, die uns geprägt hat. Du kennst unsere verborgenen Maßstäbe, unsere Gewohnheiten und unsere inneren Grenzen besser als wir selbst. Wir bringen Dir unser Denken, unser Fühlen und unser Wollen und bitten Dich, dass Du mehr Raum in uns gewinnst. Lass uns in allen Begegnungen, Entscheidungen und Konflikten aus Deiner Gegenwart leben und nicht aus bloßen Traditionen. Erneuere unser Gemeindeleben, damit nicht menschliche Prägungen herrschen, sondern Du selbst als unser Leben sichtbar wirst. Stärke in uns die Hoffnung, dass Du uns nach und nach durchdringst und wir in Dir zu einem neuen Menschen zusammenwachsen. Fülle uns mit Dir selbst, bis unser inneres Zeugnis lautet: Christus ist alles und in allem. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 36