Das Wort des Lebens
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Ringen gemäß der Wirksamkeit Christi

11 Min. Lesezeit

Wer anderen geistlich helfen möchte, merkt schnell: Gute Worte und gute Vorsätze reichen nicht aus. Selbst ernstes Gebet kann sich manchmal kraftlos anfühlen, wenn Herzen verletzt, erkaltet oder innerlich blockiert sind. Paulus spricht im Kolosserbrief von einem inneren Ringen, das nicht aus eigener Anstrengung kommt, sondern aus der wirksamen Kraft Christi in ihm – und das besonders auf die Herzen der Gläubigen zielt, damit sie die Herrlichkeit Christi wirklich erfassen können.

Göttisches Prinzip: Unser Mühen und Gottes Regen

Paulus beschreibt sein Dienstleben mit einer erstaunlichen Verbindung von Anstrengung und Abhängigkeit: „den wir verkünden, indem wir jeden Menschen zurechtweisen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, damit wir jeden Menschen gereift in Christus darstellen, wofür ich mich auch abmühe, indem ich kämpfe, gemäß Seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft“ (Kol. 1:28-29). In wenigen Worten stellt er zwei Bewegungen nebeneinander, die oft gegeneinander ausgespielt werden: sein Abmühen und Kämpfen einerseits, die Wirksamkeit Christi in ihm andererseits. Er ringt, aber er ringt nicht aus sich heraus. Er arbeitet, aber sein Arbeiten wird von einer anderen Energie getragen als der eigenen Nervosität oder dem Druck der Erwartungen. Das Evangelium kennt weder Aktivismus noch Passivität als Ideal; es kennt einen Menschen, der sich ganz hingibt und zugleich weiß, dass die eigentliche Kraft nicht aus ihm kommt.

Wenn wir andere als voll ausgereift in Christus darstellen wollen, müssen wir dem in 1. Mose 2 aufgestellten Prinzip folgen: Der Mensch bebaut den Ackerboden, und Gott sendet den Regen (V. 5). Einerseits müssen wir den Ackerboden bebauen, andererseits kann nur Gott den Regen senden. Während wir auf Gott vertrauen und zu Ihm wegen des Regens aufblicken, sollen wir unserer Verantwortung, den Ackerboden zu bebauen, treu nachkommen. Das bedeutet, dass wir das von Gott verordnete Prinzip einhalten müssen. Wenn wir uns nur auf unsere Arbeit des Bebauens des Ackerbodens stützen und nicht auf den Herrn vertrauen, dass Er den Regen sendet, liegen wir falsch. Ebenso falsch liegen wir jedoch, wenn wir nur zum Herrn um Regen beten und unsere Verantwortung, den Ackerboden zu bebauen, nicht wahrnehmen. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft siebzehn, S. 141)

Dieses innere Verhältnis hat Gott bereits am Anfang in einem einfachen Bild gezeigt. In 1. Mose 2 wird der Mensch in den Garten gestellt, „ihn zu bebauen und ihn zu bewahren“; zugleich heißt es, dass noch kein Strauch des Feldes da war, „denn der HERR, Gott, hatte noch nicht regnen lassen auf die Erde“ und „kein Mensch war da, um den Ackerboden zu bebauen“. Erst als beide Seiten zusammenkommen – der Mensch, der bebaut, und Gott, der Regen gibt –, wird Frucht möglich. Geistlich bedeutet das: Wir scheuen uns nicht davor, den „Ackerboden“ zu bebauen – zu verkünden, zu ermahnen, zu lehren, zu dienen –, und zugleich ruhen wir innerlich in dem Wissen, dass nur Gott den Regen schenkt. Aktivität ohne Vertrauen führt in Erschöpfung und Stolz, Vertrauen ohne Verantwortungsbereitschaft in religiöse Trägheit. Wo wir jedoch beides verbinden, wird unser Mühen vom Charakter der Gnade geprägt. Der Herr selbst weckt in uns die Bereitschaft zum Ringen, und Er ist es, der dieses Ringen trägt und fruchtbar macht. Das nimmt dem Dienst die Schwere der Selbstüberforderung und gibt ihm den leichten Ernst der Zusammenarbeit mit Christus, der „fähig ist, überschwänglich mehr zu tun, über alles hinaus, was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt“ (Eph. 3:20). In dieser Spannung, die zugleich eine Ruhe ist, darf unser tägliches Mühen stehen.

den wir verkünden, indem wir jeden Menschen zurechtweisen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, damit wir jeden Menschen gereift in Christus darstellen, wofür ich mich auch abmühe, indem ich kämpfe, gemäß Seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft. (Kol. 1:28-29)

Ihm aber, der fähig ist, überschwänglich mehr zu tun, über alles hinaus, was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt, (Eph. 3:20)

Wo immer Dienst zur Last wird, darf neu gefragt werden, aus welcher Quelle er gespeist ist. Das göttliche Prinzip – unser Bebauen und Gottes Regen – lädt dazu ein, Verantwortung nicht zu scheuen und zugleich das innere Gewicht an Christus abzugeben. Gerade in Phasen des Ringens kann der Blick auf seine in uns wirkende Kraft eine stille Ermutigung sein: Wir tragen nicht die Welt, wir antworten auf den, der sie trägt.

Getröstete Herzen und klares Verständnis

Wenn Paulus den inneren Kampf seines Dienstes beschreibt, überrascht der Schwerpunkt: „Denn ich will, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch … damit ihre Herzen getröstet werden und sie in Liebe und zu allem Reichtum der völligen Gewissheit des Verständnisses miteinander verknüpft werden, zur völligen Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, Christus“ (Kolosser 2:1-2). Nicht zuerst bittet er um mehr Erkenntnis, um schärfere Argumente oder höhere Einsichten, sondern um getröstete Herzen, um Herzen, die in Liebe verbunden sind. Er weiß: Ein verletztes, verängstigtes oder verhärtetes Herz kann die hellste Offenbarung über Christus nicht aufnehmen, weil es innerlich verschlossen oder zerrissen ist. Viele Irritationen im Verständnis haben ihren Ursprung weniger im Verstand als in verborgenen Wunden und ungeklärten Spannungen des Herzens.

Im Kolosserbrief ist das Herz von entscheidender Bedeutung. Hier betont Paulus, wie wichtig das Herz ist, wenn es darum geht, die Offenbarung über Christus zu empfangen. Jahrelang haben wir davon gesprochen, uns zum Geist zu wenden, den Geist zu üben und im Geist zu bleiben. Dennoch haben wir nicht in gleichem Maß darauf geachtet, auf das Herz achtzuhaben. Paulus wusste: Wenn wir andere voll ausgereift in Christus darstellen wollen, müssen wir um den Zustand ihrer Herzen besorgt sein. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft siebzehn, S. 143)

Wo Christus aber an das Herz herankommt, beginnt ein leiser, aber tiefgreifender Wandel. Der Schmerz, der bisher das innere Gespräch bestimmte, tritt zurück; Bitterkeit verliert ihre Selbstverständlichkeit; der Blick auf die eigenen Kränkungen wird relativiert durch den Blick auf den, der sich für uns hingegeben hat. Paulus verbindet das Trösten des Herzens mit der Erfahrung, in Liebe „miteinander verknüpft“ zu sein. Das Herz wird nicht isoliert geheilt, sondern im Gefüge der Gemeinde, in der Zuwendung von Geschwistern, in der nährenden Fürsorge des Herrn. So wie Christus nach Epheser 5:29 die Gemeinde „nährt und pflegt“, so stärkt sein sanftes Handeln das Innere, bis der Verstand wieder „klar sehen“ kann. Die „völlige Gewissheit des Verständnisses“ wächst nicht aus intellektueller Brillanz, sondern aus einem Herzen, das sich von Christus trösten und mit anderen zusammenbinden lässt. In diesem Raum wird die Erkenntnis des Geheimnisses Gottes – Christus selbst – nicht bloßes Wissen, sondern erlebte Wirklichkeit. Und wer so getröstet ist, wird frei, auch anderen zum Trost zu werden.

application_de”: “Geistliches Wachstum beginnt oft im Unspektakulären: in dem stillen Werk Christi am Herzen. Wo Trost einkehren darf und Liebe wieder fließen kann, wird auch der Blick für Christus klarer und fester. Gerade dort, wo vieles unverständlich bleibt, kann die Erfahrung, von Ihm genährt und in der Gemeinde gehalten zu sein, zu einer tiefen Ermutigung werden, weiter zu vertrauen, bis die Gewissheit des Glaubens den inneren Nebel mehr und mehr vertreibt.

Denn ich will, daß ihr wißt, welch großen Kampf ich habe um euch und die in Laodicea und alle, die mein leibliches Angesicht nicht gesehen haben, damit ihre Herzen getröstet werden und sie in Liebe und zu allem Reichtum der völligen Gewissheit des Verständnisses miteinander verknüpft werden, zur völligen Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, Christus, (Kol. 2:1-2)

Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, so wie auch Christus die Gemeinde, (Eph. 5:29)

Geistliches Wachstum beginnt oft im Unspektakulären: in dem stillen Werk Christi am Herzen. Wo Trost einkehren darf und Liebe wieder fließen kann, wird auch der Blick für Christus klarer und fester. Gerade dort, wo vieles unverständlich bleibt, kann die Erfahrung, von Ihm genährt und in der Gemeinde gehalten zu sein, zu einer tiefen Ermutigung werden, weiter zu vertrauen, bis die Gewissheit des Glaubens den inneren Nebel mehr und mehr vertreibt.

Ringen in der Kraft des Auferstehungslebens

Paulus spricht nicht nur davon, dass Christus in den Gläubigen wohnt, sondern dass in ihnen eine Wirksamkeit tätig ist, die aus diesem Wohnen hervorgeht: „wofür ich mich auch abmühe, indem ich kämpfe, gemäß Seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft“ (Kolosser 1:29). Er unterscheidet zwischen Christus, der in uns wirkt, und der Operation, die daraus entsteht – einer inneren Dynamik, die unser Ringen überhaupt erst möglich macht. Darum kann er sich hingeben, ohne im Innersten auszubrennen: Sein Dienst wird von einer Kraft getragen, die nicht aus der natürlichen Energie, der eigenen Begeisterung oder dem Pflichtgefühl stammt, sondern aus dem Auferstehungsleben Christi. Dieses Leben hat den Tod bereits hinter sich; es trägt die Spur des Kreuzes und die Ruhe des vollbrachten Werkes in sich.

Nach 1:29 wirkt die Wirksamkeit Christi in uns in Kraft. Es gibt einen Unterschied zwischen Christus, der in uns wirkt, und der Wirksamkeit Christi, die in uns wirkt. Weil Christus als die Hoffnung der Herrlichkeit in uns wirkt, gibt es eine Wirksamkeit, die ebenfalls in uns wirkt. Christus selbst wirkt in uns. Aber das Wirken Christi in uns bewirkt eine Wirksamkeit, die ebenfalls in uns wirkt. Diese Wirksamkeit wirkt in uns in Kraft. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft siebzehn, S. 148)

Epheser 1:19-20 hilft, die Größe dieser inneren Wirksamkeit zu ermessen: dort ist von der „überragenden Größe Seiner Kraft an uns … nach der Wirksamkeit der Macht Seiner Stärke“ die Rede, „die Er in Christus wirken ließ, als Er Ihn von den Toten auferweckte“. Die Kraft, durch die Gott Christus aus dem Grab herausgerufen und über jede Macht erhöht hat, ist dieselbe, die in den Glaubenden wirkt. Paulus sehnt sich in Philipper 3:10 danach, Christus zu erkennen „und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden“. Wo ein Mensch mit geöffnetem, bußbereitem Herzen vor dem Herrn steht, sich von Ihm durchleuchten und reinigen lässt und nicht an eigener Kraft festhält, gewinnt diese Auferstehungskraft Raum. Dann wird Ringen nicht länger von innerem Zwang getrieben, sondern von einer leisen, standhaften Energie, die auch durch Widerstand nicht gebrochen wird. Das enthebt nicht der Müdigkeit, aber es bewahrt davor, innerlich zu verbittern oder zu verzweifeln. Inmitten von Mühe bleibt die Erfahrung: Nicht ich trage Christus, sondern Christus trägt mich.

application_de”: “Wer den eigenen Dienst im Licht der Auferstehungskraft Christi sieht, darf nüchtern mit den eigenen Grenzen umgehen, ohne den Mut zu verlieren. Die Wirksamkeit Christi in uns ist kein Gefühlsschub, sondern ein treues, oft verborgenes Wirken. Gerade in Zeiten, in denen alles mühsam scheint, kann der Blick darauf stärken: Die Kraft, die Christus aus dem Tod herausgeführt hat, ist auch heute wirksam – still, ausdauernd, tragend. In dieser Gewissheit darf Ringen zu einer Form der Gemeinschaft mit Ihm werden, die nicht ausbrennt, sondern vertieft.

wofür ich mich auch abmühe, indem ich kämpfe, gemäß Seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft. (Kol. 1:29)

und was die überragende Größe Seiner Kraft an uns ist, die wir glauben, nach der Wirksamkeit der Macht Seiner Stärke, die Er in Christus wirken ließ, als Er Ihn von den Toten auferweckte und Ihn zu Seiner Rechten niedersetzte im Himmlischen, (Eph. 1:19-20)

Wer den eigenen Dienst im Licht der Auferstehungskraft Christi sieht, darf nüchtern mit den eigenen Grenzen umgehen, ohne den Mut zu verlieren. Die Wirksamkeit Christi in uns ist kein Gefühlsschub, sondern ein treues, oft verborgenes Wirken. Gerade in Zeiten, in denen alles mühsam scheint, kann der Blick darauf stärken: Die Kraft, die Christus aus dem Tod herausgeführt hat, ist auch heute wirksam – still, ausdauernd, tragend. In dieser Gewissheit darf Ringen zu einer Form der Gemeinschaft mit Ihm werden, die nicht ausbrennt, sondern vertieft.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du nicht nur für uns gestorben und auferstanden bist, sondern jetzt in uns lebst und wirksam bist. Du kennst die Zustände unserer Herzen, die Verletzungen, die Kälte, die verborgenen Wünsche und Enttäuschungen, und Du bist fähig, uns neu zu trösten und in Deiner Liebe zusammenzubinden. Bitte schenke uns ein Herz, das sich von Dir wärmen lässt, damit unser Verstand wieder klar sieht, wer Du als das Geheimnis Gottes bist. Lass Deine Auferstehungskraft in uns Raum gewinnen, damit unser Ringen nicht aus eigener Anstrengung, sondern aus Deiner Wirksamkeit geschieht. Stärke uns, damit aus unserem Leben Dein Leben in andere hineinfließen kann und Dein Leib auferbaut wird. Bewahre uns in der Gewissheit, dass Deine Kraft in Schwachheit mächtig ist und Du Dein gutes Werk in uns vollendest. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 17

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