Das Wort des Lebens
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Die Verwaltung Gottes

11 Min. Lesezeit

Wer die Bibel aufmerksam liest, stößt auf große Worte wie „Verwaltung“, „Geheimnis“ und „Reichtum Christi“. Doch im Alltag mit Familie, Beruf und Gemeindeleben scheint das weit weg zu sein. Gerade der Kolosserbrief zeigt jedoch, dass Gottes Verwaltung nichts Abstraktes ist, sondern die Art und Weise, wie der lebendige Gott sich selbst in Christus in sein Volk hineingibt – mitten in ganz normalen Situationen, in Gesprächen, Diensten und sogar in Leid. Wenn wir diese Linie erkennen, verstehen wir neu, warum wir gerettet wurden und welchen Platz wir in Gottes Haushalt haben.

Gottes Verwaltung: Er teilt seine Reichtümer in Christus aus

Wenn Paulus von der „Verwaltung Gottes“ spricht, öffnet er einen Blick in das Herz Gottes als Hausherrn. Gott steht nicht wie ein ferner Verwalter über einem anonymen System, sondern wie ein Vater mitten in seiner großen Familie. Er besitzt unermesslichen Reichtum – nicht Dinge, sondern sich selbst in Christus. Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der Schöpfung und der Erstgeborene aus den Toten; in ihm hat Gott alles zusammengefasst. Wenn Gott daher verwaltet, sortiert er nicht vor allem Zeiten und Zeitalter, sondern er teilt aus. „Deren Diener ich nach der Haushalterschaft Gottes geworden bin, die mir für euch gegeben worden ist, um das Wort Gottes zu vervollständigen“ (Kol. 1:25): Hier wird deutlich, dass Gottes Ökonomie sein konkretes Austeilen ist – er geht in sein eigenes „Vorratslager“, das Christus ist, und bringt diesen Christus seinen Kindern nahe, bis er in ihnen Wohnung nimmt.

Unser Vater hat eine große Familie, einen göttlichen Haushalt. Weil unser Vater einen so gewaltigen Reichtum hat, braucht es in Seinem Haushalt viele Verwalter, die diesen Reichtum an Seine Kinder austeilen. Dieses Austeilen ist die Verwaltung. Daher ist eine Verwaltung eine Ökonomie. Das Wort „Ökonomie“ bezeichnet hier nicht ein Zeitalter oder eine Weise, wie Gott mit den Menschen verfährt; es bezieht sich auf Gottes Austeilen Seines Reichtums in Seine Auserwählten. Diese Ökonomie ist die Verwaltung mit dem austeilenden Dienst der Diener Gottes. Dieser Dienst des Austeilens ist zugleich Gottes Verwaltung. Heute verwaltet Gott, indem Er Sich Selbst in uns hinein austeilt. Diese Verwaltung, diese Ökonomie, diese Administration ist Gottes Ökonomie. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft elf, S. 91)

Dieser rote Faden zieht sich von Anfang bis Ende durch die Schrift. Im Garten in 1. Mose pflanzt Gott nicht zuerst ein Gesetz, sondern einen Baum des Lebens und stellt den Menschen in seine Nähe, damit er aus Gott leben könne. In der Wüste wohnt Gott mitten in Israel, im Zelt der Begegnung, als eine Gegenwart, die nährt, heiligt und leitet. Im Neuen Bund geht Gott noch tiefer: Die Gemeinde wird Leib Christi und „Wohnung Gottes im Geist“, und der Mittelpunkt dieser Verwaltung fasst Paulus in einem Satz: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol. 1:27). Gottes Verwaltung ist sein Weg, diese Hoffnung nicht theoretisch zu lassen, sondern sie in Herzen, Häuser und Gemeinden hineinzutragen. Wer sich diesem Handeln öffnet, entdeckt: Gottes Plan ist kein kaltes System, sondern eine warme, stetige Bewegung seines Lebens auf uns zu. Er verwaltet, indem er sich schenkt. Darin liegt eine stille, kraftvolle Ermutigung: Niemand ist am Rand dieses Haushalts; jeder, der zu Christus gehört, steht unter der liebevollen Verwaltung eines Vaters, der nicht auf Distanz rechnet, sondern in Nähe austeilt.

deren Diener ich nach der Haushalterschaft Gottes geworden bin, die mir für euch gegeben worden ist, um das Wort Gottes zu vervollständigen, (Kol. 1:25)

denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, (Kol. 1:27)

Im Licht dieser Verwaltung verliert der Glaube seinen abstrakten Charakter. Wenn der Dreieine Gott seine Ökonomie vollzieht, indem er Christus durch den Geist in Menschen hinein austeilt, dann bedeutet Glauben, sich in diesem Haushalt wiederzufinden: als einer, der beschenkt wird und nicht sich selbst versorgen muss. Das Bewusstsein, in einem göttlichen Haushalt zu stehen, verändert, wie man Alltag, Gemeinde und persönliche Schwachheit wahrnimmt. Situationen, in denen man sich arm oder leer erlebt, sind nicht das Ende von Gottes Möglichkeiten, sondern die Punkte, an denen seine Verwaltung neu ansetzen will. Wo der Blick auf „Christus in uns“ gerichtet wird, bekommt der Tag eine andere Mitte: nicht die eigenen Berechnungen, sondern der Reichtum des Vaters, der in Christus in uns hineinwirkt und uns Schritt für Schritt in seine Herrlichkeit hineinzieht.

Jeder Heilige als Haushalter: Die Reichtümer Christi weitergeben

Die Verwaltung Gottes nimmt im Kolosserbrief sehr persönliche Formen an. Zwar wird Paulus als Diener nach der Haushalterschaft Gottes vorgestellt, doch seine Aufgabe ist kein Soloprojekt. Der Reichtum Christi, den er empfängt und weitergibt, ist für den ganzen Leib bestimmt. Ein göttlicher Haushalt, in dem nur ein Verwalter austeilt und alle anderen nur warten, wäre ein seltsamer Haushalt. In Gottes Haus ist es anders: Jeder, der Christus empfangen hat, wird selbst zum Träger dieser Verwaltung. „Um des Herrn würdig zu wandeln, um Ihm in allen Dingen wohlzugefallen, indem ihr in jedem guten Werk Frucht bringt“ (Kol. 1:10), beschreibt einen Lebensstil, in dem Christus nicht bei uns stehenbleibt, sondern durch uns Gestalt gewinnt und Frucht trägt.

Der neutestamentliche Dienst besteht darin, den unerforschlichen Reichtum des allumfassenden Christus in die Glieder von Gottes Familie auszuteilen. Der Apostel Paulus teilte den Reichtum Christi in die Heiligen aus. Das ist es, was wir heute im Dienst tun. Die Verwaltung Gottes ist gemäß der Ökonomie Gottes. Bei Gott ist es eine Sache der Ökonomie; bei uns ist es eine Sache der Verwaltung. Alle Heiligen, ganz gleich, wie unbedeutend sie zu sein scheinen, haben einen Dienst gemäß Gottes Ökonomie. Das bedeutet, dass jeder Heilige den Reichtum Christi in andere austeilen kann. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft elf, S. 92)

Dieses Austeilen geschieht oft unscheinbar. Wenn jemand in einem schlichten Gespräch von dem Christus erzählt, den er in einer dunklen Phase als treuen Begleiter erlebt hat, wird etwas von Gottes Verwaltung wirksam. Wenn einer beim Tragen von Verantwortung in der Kinderarbeit nicht nur organisiert, sondern innerlich Christus als Geduld und Freude erfährt und diese Atmosphäre weiterträgt, zirkuliert der Reichtum des Leibes. Selbst praktische Hilfe – eine Umzugskiste tragen, eine Mahlzeit kochen, ein Anruf zur rechten Zeit – kann, wenn sie aus der Gemeinschaft mit dem Herrn geschieht, zu einem Gefäß werden, in dem sein Leben zu anderen fließt. So wird Gemeinde nicht durch Programme, sondern durch einen Lebensstrom aufgebaut: Christus wird empfangen, erlebt, genossen und dann – oft leise, manchmal unbemerkt – in andere hinein weitergegeben. In dieser Sicht verliert das vermeintlich „Unbedeutende“ seinen Schatten: Auch das kleinste Glied trägt seinen Teil dazu bei, dass der Leib als Ganzes genährt wird.

Wo diese Sicht wächst, werden Dienste in der Gemeinde nicht mehr primär als Pflicht erlebt, sondern als Teilnahme an Gottes eigener Ökonomie. Das Bewusstsein, dass jedes Gebet, jede Ermutigung, jedes geteilte Wort Raum schafft, in dem Christus sich mitteilt, gibt dem Alltäglichen eine neue Würde. Selbst wer sich schwach, begrenzt oder unbeachtet fühlt, darf innerlich aufatmen: In Gottes Haushalt gibt es keine stummen Zuschauer. Jeder Heilige ist als Haushalter gedacht, der aus dem empfangenen Christus Schätze weitergibt. Diese Perspektive befreit von dem Druck, Großes leisten zu müssen, und lädt ein, im Kleinen treu zu sein – im Vertrauen darauf, dass der Herr selbst den unscheinbaren Dienst in seinen großen Plan des Aufbaus des Leibes Christi hineinwebt.

um des Herrn würdig zu wandeln, um Ihm in allen Dingen wohlzugefallen, indem ihr in jedem guten Werk Frucht bringt und durch die völlige Erkenntnis Gottes wachst (Kol. 1:10)

Wenn jeder Gläubige ein Stück der Verwaltung Gottes trägt, verschiebt sich der Blick auf das eigene Leben. Dann ist die Frage nicht mehr nur, wie man selbst geistlich vorankommt, sondern was der Herr durch das eigene Empfangen für andere tun möchte. In dieser Haltung wird der Alltag zur Gelegenheit, Christus nicht nur festzuhalten, sondern zu teilen: in Worten, in Gesten, in Haltungen. Das nimmt dem Dienst die Schwere und gibt ihm zugleich Ernst: Was aus der Gemeinschaft mit Christus geschieht, hat bleibenden Wert für seinen Leib. Wer sich so versteht, findet mitten im Gewöhnlichen einen tiefen Sinn – als Glied in einem Leib, durch den der unerforschliche Reichtum des allumfassenden Christus sichtbar und erfahrbar wird.

Leiden und Wortvollendung: Die Verwaltung Gottes kostet einen Preis

Wenn Paulus über die Verwaltung Gottes spricht, spart er die dunkleren Töne nicht aus. „Jetzt freue ich mich in meinen Leiden für euch und fülle meinerseits das aus, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt, in meinem Fleisch für Seinen Leib, der die Gemeinde ist“ (Kol. 1:24). Damit rührt er an ein Geheimnis, das leicht missverstanden werden kann. Die Erlösungsleiden Christi sind vollständig; kein Mensch kann oder muss zu seinem Werk am Kreuz etwas hinzufügen. Doch Christus leidet weiter in seinen Gliedern, soweit es um die Entfaltung seines Lebens, um die Ausbreitung des Evangeliums und um den Aufbau der Gemeinde geht. Hier lässt Gott seine Diener Anteil nehmen an Bedrängnissen, die nicht der Erlösung, sondern der Reife des Leibes dienen.

Die Bedrängnisse Christi sind zweierlei Art: die zur Vollbringung der Erlösung, die von Christus Selbst vollendet worden sind, und die zur Hervorbringung und zum Aufbau der Gemeinde, die von den Aposteln und den Gläubigen noch aufgefüllt werden müssen. Dass Paulus die Bedrängnisse Christi im Zusammenhang mit der Verwaltung Gottes erwähnt, zeigt, dass die Verwaltung nur durch Leiden ausgeführt werden kann. Wenn wir an der Verwaltung Gottes Anteil haben wollen, müssen wir bereit sein zu leiden. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft elf, S. 94)

Diese Leiden nehmen oft sehr konkrete Gestalt an: Müdigkeit in der Fürsorge für andere, Spannungen in Beziehungen, Missverständnisse in der Gemeinde, innerer Druck bei der treuen Verkündigung eines Wortes, das nicht überall willkommen ist. Gottes Verwaltung schließt solche Spannungen nicht aus, sondern gebraucht sie. Paulus beschreibt seine Berufung zur Haushalterschaft Gottes so, dass sie mit der Vollendung des Wortes Gottes verbunden ist: die Offenbarung des „Geheimnisses, das von den Zeitaltern und von den Generationen her verborgen gewesen ist, jetzt aber Seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist“ (Kol. 1:26). Dieses Geheimnis – Christus als Mitte von allem, Christus in uns als Hoffnung der Herrlichkeit, Christus und die Gemeinde als Kopf und Leib – will nicht verstummt, verengt oder an den Rand gedrängt werden. Wo Gottes Ratschluss in seiner ganzen Breite verkündigt und gelebt wird, regt sich Widerstand: in religiösen Systemen, in kulturellen Prägungen, manchmal im eigenen Herzen.

Gerade hier liegt jedoch der Ort, an dem die Verwaltung Gottes ihren Ernst und ihre Schönheit zeigt. Wenn Gläubige nicht ausweichen, sondern in solchen Spannungen beim Herrn bleiben, seine Gegenwart suchen und im Kleinen treu sind, wird der Preis der Bedrängnisse zu einem Raum, in dem Christus zu anderen hinfließt. Das kann unscheinbar bleiben und doch von ewiger Wirkung sein. Die Sicht, dass Leiden nicht sinnlos sind, sondern mit der Vollendung des Wortes und dem Aufbau des Leibes verwoben sind, schenkt Trost und Ausrichtung. Sie bewahrt davor, an Widerständen zu verzweifeln, und lädt ein, sie im Licht der Herrlichkeit zu deuten, die kommt. In dieser Perspektive können selbst schwere Wege von einer leisen Freude durchzogen werden: der Freude, mit Christus zu tragen, damit seine Fülle andere erreicht und die Gemeinde in die Hoffnung der Herrlichkeit hineinwächst.

Jetzt freue ich mich in meinen Leiden für euch und fülle meinerseits das aus, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt, in meinem Fleisch für Seinen Leib, der die Gemeinde ist, (Kol. 1:24)

das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Generationen her verborgen gewesen ist, jetzt aber Seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist, (Kol. 1:26)

Wo Leid und Verwaltung Gottes zusammengeshen werden, verändert sich der Umgang mit Belastungen. Sie erscheinen nicht mehr nur als Hindernisse, sondern als Orte, an denen der Herr sein Wort in uns vertieft und durch uns anderen zugänglich macht. Das nimmt ihnen nicht ihre Schwere, aber es schenkt Sinn und Hoffnung: Kein Tragen um des Leibes Christi willen ist vergeblich. Wer seine Bedrängnisse im Licht des Kreuzes und der Herrlichkeit betrachtet, entdeckt in ihnen eine verborgene Gemeinschaft mit Christus – eine Gemeinschaft, in der Gottes Verwaltung weitergeht und die Gemeinde still und beständig aufgebaut wird.


Herr Jesus Christus, du bist der Reichtum des Hauses Gottes und die Mitte von Gottes guter Verwaltung. Danke, dass du nicht fern bleibst, sondern als lebendiger Christus in uns wohnst und uns an deiner Fülle teilhaben lässt. Stärke in uns das Bewusstsein, dass wir in deinem Haushalt nicht Zuschauer, sondern geliebte Kinder und vertrauenswürdige Haushalter deiner Gnade sind. Wo wir deine Reichtümer empfangen haben, dort fülle du unsere Herzen mit Liebe, Demut und Mut, damit aus unserem Leben dein Leben zu anderen fließt. In allen Spannungen, Mühen und Leidenswegen, die mit deinem Dienst verbunden sind, sei du unsere Freude, unser Trost und unsere Hoffnung der Herrlichkeit. Lass in unserer Zeit dein Wort in seinem ganzen Reichtum aufleuchten, damit viele erkennen, wie groß dein Ratschluss ist und wie sicher deine Hand deine Gemeinde zum Ziel führt. Bewahre uns in dir, bis deine Herrlichkeit vollkommen sichtbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 11

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