Das Wort des Lebens
lebensstudium

Anteilhaben an Christus im Licht

12 Min. Lesezeit

Viele Christen wissen, dass Christus ihr Erlöser ist, aber nur wenige erleben ihn als ihren täglichen Anteil voller Licht und Freude. Paulus spricht von einem „Anteil am Erbe der Heiligen im Licht“ – doch was bedeutet das ganz konkret, wenn sich der Alltag manchmal eher dunkel, schwer oder leer anfühlt? Blicken wir in die Schrift, entsteht ein roter Faden: Wo Gott sich zuwendet, beginnt Licht zu leuchten, Finsternis weicht und mitten in diesem Licht wird Christus erfahrbar.

Gott ist Licht – der Ursprung jedes wahren Leuchtens

Wenn die Bibel gleich am Anfang berichtet: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht“ (1.Mose 1:3), dann ist das mehr als eine kosmische Randnotiz. Auf eine Welt, die als „Wüste und Leere“ beschrieben wird und über der „Finsternis … auf der Oberfläche der Tiefe“ liegt (1.Mose 1:2), fällt zuerst kein Bauplan, kein Gesetz und keine moralische Reform, sondern Licht. Gott beginnt seine Wiederherstellung, indem er die Dunkelheit durch seine eigene Gegenwart durchbricht. Das Licht kommt nicht aus der Schöpfung, sondern aus seinem Sprechen. Es ist die erste sichtbare Spur seines Eingreifens in eine chaotische Lage. So zeichnet die Schrift von Anfang an ein Bild: Wo Gott sich neu zuwendet, ist sein erstes Geschenk nicht Last, sondern Helligkeit – ein Raum, in dem man wieder unterscheiden, ordnen und hoffen kann.

Die Bibel zeigt, dass das Erste, was Gott tat, als Er das Universum, das Er wegen der Rebellion Satans gerichtet hatte, wiederherstellte, war, Licht hervorkommen zu lassen. Finsternis lag auf der Oberfläche der Tiefe. Dann sprach Gott: „Es werde Licht! Und es wurde Licht.“ (1.Mose 1:3). … Daran erkennen wir, dass die Neuschöpfung bzw. Wiederherstellung des Universums durch Licht vollzogen wurde. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sieben, S. 57)

Später fasst Johannes dieses Grundmotiv in einen schlichten, aber unerschöpflichen Satz: „Gott ist Licht, und dass überhaupt keine Finsternis in Ihm ist“ (1.Joh. 1:5). Licht ist damit nicht bloß eine Eigenschaft neben anderen, sondern die Weise, wie Gott sich zeigt. Es ist die Ausstrahlung seines Seins. Darum ist geistliches Licht nie nur ein schöner Gedanke oder ein höherer moralischer Standard, sondern die erfahrbare Gegenwart des heiligen und zugleich nahen Gottes. „Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, / ein Licht für meinen Pfad“ (Ps. 119:105) – so heißt es. Wenn Gott spricht, wird es hell: Verwirrung verliert ihre Macht, Selbsttäuschung wird entlarvt, verborgene Dinge kommen ans Licht, und mitten in allem entsteht eine leise, aber tragfähige Orientierung.

Wer so in Gottes Nähe lebt, lernt, Finsternis nicht mehr mit ihm zu verbinden. Wo sein Licht wahrgenommen wird, kann religiöse Fassade nicht lange bestehen, denn das Licht stellt nicht nur unsere Fehler, sondern auch unsere Motive ins Freie. Gleichzeitig zeigt sich die andere Seite: Wo Gott bewusst aus dem Blick gedrängt wird, kann auch dichte fromme Aktivität die Dunkelheit nicht vertreiben. Es ist möglich, in einem religiösen Umfeld zu leben, in dem viel von Gott gesprochen wird, ohne dass seine Gegenwart den Raum erhellt. Dann bleibt das Herz trotz vieler Worte unberührt, und der Glaube wird zu einem System ohne Wärme.

Gerade hier liegt eine stille, aber starke Einladung: Licht bleibt nicht abstrakt. Es ist der Ausdruck von Gottes liebevollem, heiligem Nahesein – auch in den Schattenzonen eines Lebens, das sich kompliziert und widersprüchlich anfühlt. Wo sein Wort wieder Gehör findet und sein Angesicht gesucht wird, beginnt das zu geschehen, was der Psalmist beschreibt: „Denn bei dir ist der Quell des Lebens; / in deinem Licht sehen wir das Licht“ (Ps. 36:10). Es ist tröstlich zu wissen: Gott wartet nicht darauf, dass wir uns selbst ins Helle arbeiten. Er ist der, der Licht ruft. Und wer sich von diesem Licht treffen lässt, entdeckt Schritt für Schritt, dass darin nicht nur Entlarvung, sondern vor allem eine neue, von Gott geschenkte Klarheit und Freiheit liegt.

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. (1.Mose 1:3)

Doch die Erde war zu einer Wüste und Leere geworden, und Finsternis war auf der Oberfläche der Tiefe, (1.Mose 1:2)

Gott als Licht zu erkennen bedeutet, ihn nicht zuerst als Forderer, sondern als den zu sehen, der Dunkelheit durch seine Gegenwart vertreibt. Im Alltag wird dieser Blickwechsel spürbar, wenn das eigene Christsein weniger aus Anstrengung und mehr aus dem Vertrauen lebt, dass Gottes erstes Werk in uns das Aufleuchten seines Lichts ist. Wo sein Wort zur Leuchte wird und seine Nähe ernstgenommen wird, entsteht Raum für aufrichtige Selbstwahrnehmung, aber auch für Hoffnung – gerade dort, wo vieles bruchstückhaft ist. So wächst leise die Bereitschaft, die eigenen dunklen Zonen nicht mehr zu verstecken, sondern sie in das Licht dessen zu stellen, in dem überhaupt keine Finsternis ist. In dieser Atmosphäre wird Christus nicht nur geglaubt, sondern als lebendige Helligkeit erfahren, die trägt, korrigiert und erneuert.

Christus – das Licht des Lebens und unser Anteil im Licht

Die Lichtspur der Schrift verdichtet sich im Neuen Testament in einer Person. Über Jesus heißt es: „In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Johannes 1:4). Gottes Licht erreicht uns also nicht als unpersönliche Kraft oder reine Idee, sondern in der lebendigen Gegenwart seines Sohnes. In Christus tritt der Gott, der Licht ist, in unsere Dunkelheit ein, nicht von außen kommentierend, sondern als einer, der sich mitten hineinbegibt. Wenn Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt; wer Mir nachfolgt, wird auf keinen Fall in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8:12), dann verbindet er Licht unlösbar mit Beziehung: Licht haben heißt ihm nachfolgen, ihm Raum geben, ihn nicht nur bewundern, sondern an sich heranlassen.

In Joh. 1:4 heißt es: „In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ Wenn wir Christus als Leben empfangen, wird dieses Leben in uns zu Licht, das auf uns leuchtet und uns von innen her erleuchtet. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sieben, S. 59)

Diese Beziehung hat eine konkrete Konsequenz für unsere Stellung und unseren Lebensraum. Paulus beschreibt das so: Gott ist der, „der uns aus der Gewalt der Finsternis befreit hat und uns in das Königreich des Sohnes Seiner Liebe versetzt hat“ (Kol. 1:13). Mit anderen Worten: Wer an Christus glaubt, wird nicht einfach etwas besser informiert oder religiös interessierter, sondern wird aus einem Herrschaftsbereich herausgenommen und in eine neue Sphäre hineingestellt. In diesem Reich des Sohnes seiner Liebe wird Christus zu unserem Anteil, zu dem, was uns zugeteilt ist. „… der euch qualifiziert hat zu einem Anteil am zugelosten Anteil der Heiligen im Licht“ (Kol. 1:12) – so heißt es. Dieser Anteil ist nicht nur eine zukünftige Belohnung, sondern eine gegenwärtige Wirklichkeit: Christus selbst, der sich im Licht seines Reiches genießen lässt.

Viele kennen etwas von diesem Wechsel: Die ersten Schritte im Glauben tragen oft die Spur eines inneren Aufleuchtens. Dinge, die früher selbstverständlich waren, erscheinen plötzlich fragwürdig; Schuld wird nicht mehr theoretisch, sondern persönlich; zugleich stellt sich eine neue Freude und Leichtigkeit ein, die nicht aus veränderten Umständen, sondern aus der Nähe Christi kommt. Dieses Leuchten ist nicht bloß eine Anfangserfahrung, sondern Ausdruck dessen, was geschieht, wenn sein Leben in uns wirksam wird. Wo sein Leben Raum gewinnt, beginnt es zu leuchten, es erhellt Gewissen und Herz, es schenkt Einsicht, wo vorher nur Nebel war.

Doch dieses Licht kann im Erleben gedämpft werden. Nicht, weil Christus sich zurückzieht, sondern weil sein Licht in uns überlagert wird – durch Routine, durch das Verharren in ungeklärten Dingen, durch das Ersetzen der lebendigen Beziehung zu ihm durch reine Formen. Man kann intensiv über Christus reden und doch wenig von ihm genießen, wenn das Herz nicht mehr wirklich auf ihn ausgerichtet ist. Darum ist es so kostbar, dass der Weg zurück nicht über große Leistungen führt, sondern über ein erneuertes Hinwenden des Herzens. Wo ein Mensch innerlich neu sagt: Du bist mein Anteil, dort beginnt das Licht wieder zu strahlen. Dann wird Christus nicht mehr nur als Lehrsatz festgehalten, sondern als Lebensversorgung erfahren – als der, der trägt, korrigiert, tröstet, nährt und Freude schenkt.

In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Joh. 1:4)

Darum sprach Jesus wieder zu ihnen und sagte: Ich bin das Licht der Welt; wer Mir nachfolgt, wird auf keinen Fall in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh. 8:12)

Christus als das Licht des Lebens zu erkennen, heißt, den eigenen Glauben nicht um Erfahrungen, Dienste oder Erfolge zu zentrieren, sondern um ihn selbst. Im Alltag bekommt das Gestalt, wenn sein Wort nicht nur informiert, sondern als Stimme eines Gegenwärtigen gehört wird, der aufklärt und zugleich trägt. Wo ein Herz sich neu auf den „Sohn seiner Liebe“ ausrichtet, beginnt der Wechsel der Sphäre spürbar zu werden: alte Bindungen verlieren an Macht, frühere Selbstverständlichkeiten werden fraglich, und mitten in offenen Fragen entsteht eine leise, aber reale Freude an ihm. So wird Christus Schritt für Schritt zu einem gelebten Anteil – nicht als Sondererfahrung für einige wenige, sondern als die normale, stille Herrlichkeit eines Lebens, das im Licht des Königs steht.

Leben im Licht – Gemeinschaft, Wort und Gemeindeleben

Wenn die Schrift vom Leben im Licht spricht, meint sie nicht ein punktuelles Erlebnis, sondern einen Lebensraum, in den wir hineingestellt werden. Johannes formuliert es so: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1.Joh. 1:7). Wandeln im Licht beschreibt einen Weg, auf dem das Herz vor Gott offen bleibt, ohne doppelte Böden, ohne bewusste Verstecke. In einer solchen Atmosphäre verliert das Festhalten an Schuld, an bitteren Gedanken oder an dem Bedürfnis, sich ständig zu rechtfertigen, allmählich seinen Raum, weil das Licht alles anspricht. Gleichzeitig wächst eine neue Freiheit, ehrlich zu sein – vor Gott und voreinander –, gerade weil das Blut Christi als reinigende Wirklichkeit mitten in diesem Licht genannt wird.

Alle Christen sollten die Bibel lesen. Dennoch ist es möglich, in Finsternis zu sein, selbst wenn wir das heilige Wort lesen. Wir können die Schriften lesen, ohne in der Gegenwart des Herrn zu sein. Wenn wir das tun, gilt: Je mehr wir die Bibel studieren, desto mehr werden wir in Finsternis sein und von der Gegenwart des Herrn entfernt sein. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft sieben, S. 61)

Dieses Wandeln konkretisiert sich in bestimmten Räumen, in denen Gott sein Licht besonders mitgeteilt hat. Einer dieser Räume ist sein Wort. „Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, / ein Licht für meinen Pfad“ (Ps. 119:105) – damit ist kein distanziertes Studieren gemeint, sondern ein Wort, das auf dem eigenen Weg leuchtet. Man kann die Bibel sehr intensiv lesen und dennoch innerlich verdunkelt bleiben, wenn dieses Lesen vom lebendigen Angesicht Christi abgekoppelt ist. Wo Gottes Wort hingegen in der Haltung eines Hörenden aufgenommen wird, der bereit ist, sich treffen und korrigieren zu lassen, beginnt es wirklich zu leuchten: konkrete Fragen werden angesprochen, verborgene Einstellungen werden sichtbar, Wege öffnen oder schließen sich. Das Wort wird dann nicht nur zur Informationsquelle, sondern zu einem Ort der Begegnung mit dem, der Licht ist.

Ein weiterer Raum des Lichts ist die persönliche Gemeinschaft mit dem Herrn. Wenn ein Mensch vor Gott still wird, sein Inneres nicht schmückt, sondern ausbreitet, geschieht oft unspektakulär, aber real etwas: Dinge, die diffus bedrückten, werden benennbar; nicht ausbalancierte Gefühle bekommen Kontur; Schuld, die bisher verdrängt war, tritt ins Bewusstsein, aber zugleich unter die Zusage seiner Gnade. So entsteht eine Art innerer Klarheit, die nicht durch Selbstbeobachtung, sondern durch das Leuchten Christi wächst. „Um ihnen die Augen zu öffnen, um sie zu wenden von der Finsternis zum Licht“ (Apg. 26:18) – diese Wendung ist nicht nur der Beginn des Glaubens, sondern geschieht immer wieder, wenn seine Gegenwart unsere Sicht erneuert.

Auch die Gemeinschaft der Gläubigen gehört zu diesen Räumen. Die Offenbarung zeigt den verherrlichten Christus mitten unter den Leuchtern: „Und ich wandte mich um, um nach der Stimme zu sehen, die mit mir sprach; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter“ (Offb. 1:12). Und weiter wird erklärt: „Die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden“ (Offb. 1:20). Die Gemeinde wird also als Leuchter beschrieben, der Christus trägt und durch den er leuchtet. Wo er im Mittelpunkt steht und nicht menschliche Interessen, dort zirkuliert Licht: Erfahrungen werden geteilt, Sünde wird nicht verniedlicht, aber auch nicht hoffnungslos gemacht, und der Blick auf Christus wird geschärft. In einem solchen Gemeindeleben wird Christus konkret genossen – als der, der mitten unter seinem Volk geht, tröstet, ermahnt, ermutigt.

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. (1.Joh. 1:7)

Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, / ein Licht für meinen Pfad. / (Ps. 119:105)

Praktisch im Licht zu leben bedeutet, das eigene Christsein in die Räume zu stellen, in denen Gott sein Licht verheißen hat: das lebendige Wort, das ehrliche Gebet, das offene Miteinander in der Gemeinde. Wer diese Räume nicht als Pflichtprogramme, sondern als Begegnungsorte mit dem Herrn versteht, erfährt, wie Finsternis an Schlagkraft verliert: Ungeklärtes wird ansprechbar, Schuld verliert ihren lähmenden Charakter, und Entscheidungen bekommen Kontur. So wird Christus Schritt für Schritt zum gelebten Anteil – nicht als abstraktes Ideal, sondern als der, dessen Licht den Alltag durchdringt und dessen Gegenwart gerade in der Klarheit seines Lichts tröstet und trägt.


Herr Jesus Christus, du Licht der Welt, danke, dass du mich aus der Finsternis herausgerufen und in das Reich des Lichts gestellt hast, in dem du selbst mein Anteil bist. Lass dein Licht neu in mein Herz leuchten, dort wo es dunkel geworden ist, wo Entmutigung, Schuld oder Gewohnheit dein Strahlen verdeckt haben. Öffne mir dein Wort als lebendige Lampe und ziehe mich in die Gemeinschaft mit dir und mit deinen Kindern, damit deine Gegenwart klarer und kostbarer wird als alle religiöse Leistung. Stärke in mir die Gewissheit, dass du mich nicht in der Finsternis stehen lässt, sondern mich von Tag zu Tag tiefer in das Licht deiner Liebe hineinführst. Lass mich in diesem Licht leben, denken und lieben, bis dein ewiges Licht alles Dunkel für immer vertreibt. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 7

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