Christus macht durch Sein Wort, das in uns wohnt, Sein Zuhause in uns
Viele Christen sehnen sich danach, Christus näher zu erfahren und nicht nur über Ihn zu reden. Gleichzeitig bleibt die Frage: Wie wird die Fülle Gottes, von der die Bibel spricht, in unserem ganz normalen Alltag wirklich erfahrbar? In der Schrift wird deutlich, dass Christus nicht nur für uns gestorben ist, sondern als lebendiger Herr durch Sein Wort in uns wohnen und unser Inneres mit Seinen Reichtümern durchdringen will.
Die unerforschlichen Reichtümer Christi und das Wohnen Christi in unserem Herzen
Wenn Paulus von den „unerforschlichen Reichtümern Christi“ spricht, öffnet sich ein weiter Horizont. Er denkt nicht an eine Sammlung frommer Gedanken, sondern an die ganze Fülle des göttlichen Lebens, die in Christus leibhaftig wohnt. In Kolosser 2:9 heißt es: „denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. Diese Fülle ist unerschöpflich und doch nicht fern: Sie ist in Christus gegenwärtig, und Christus selbst will in uns wohnen. Wenn Epheser 3 beschreibt, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen Wohnung macht, geht es um mehr als den Anfang unseres Glaubensweges. Gemeint ist ein Prozess, in dem der in Christus wohnende Reichtum der Gottheit Stück um Stück unseren inneren Menschen erfüllt. Nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Gottes Gedankentiefe will unser Denken durchdringen, Gottes Liebe unsere Gefühle ordnen, Gottes Wille unseren Willen gewinnen, Gottes Heiligkeit unser Gewissen schärfen.
In Epheser 3:8 spricht Paulus von dem unerforschlichen Reichtum Christi. Dieser unerforschliche Reichtum Christi ist die Fülle der Gottheit (Kol. 2:9). Wie allumfassend und weitreichend muss dieser Reichtum sein! Die Fülle der Gottheit selbst ist zu dem unerforschlichen Reichtum Christi geworden. Wenn wir Epheser 3:8 und 16–17a betrachten, sehen wir: Damit Christus in unserem Herzen Wohnung machen kann, muss Sein unerforschlicher Reichtum unser ganzes Sein in Besitz nehmen. Er muss unser Herz erfüllen – unseren Verstand, unsere Gefühle, unseren Willen und unser Gewissen. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft einundvierzig, S. 365)
So wird unser Herz Schritt für Schritt zu einem Zuhause für Christus. Ein Zuhause ist nicht nur ein Ort, an dem man zufällig vorbeikommt, sondern ein Raum, in dem man sich auskennt, an dem man sich niederlässt und prägt. Wenn Christus unser Herz zu Seinem Zuhause macht, bedeutet das, dass Er nicht nur gelegentlich Eindrücke hinterlässt, sondern bleibend Einfluss nimmt. Epheser 3:19 beschreibt das Ziel: „damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes“. Die Fülle Gottes bleibt in Christus unantastbar und vollkommen, aber sie wird für uns erfahrbar, indem Christus sich in unserem Inneren ausbreitet. Das geschieht nicht durch Anstrengung, sondern durch das stille, kräftige Wirken des Heiligen Geistes, der die Reichtümer Christi in unser Herz trägt und uns mit Ihm eins macht. Wer so lebt, entdeckt nach und nach, dass Christus nicht nur ein Thema des Glaubens ist, sondern die Atmosphäre des eigenen Inneren. Daraus wächst eine stille Zuversicht: Der, der in uns Wohnung gemacht hat, will auch in den verborgenen Räumen unseres Herzens wohnen – und gerade dort zeigt sich, wie reich Er wirklich ist.
Diese Sicht lädt dazu ein, unser Leben nicht mehr in erster Linie von Mangel her zu betrachten, sondern von der Fülle her, die schon in Christus gegeben ist. Das Bewusstsein, dass Christus mit Seinen unerforschlichen Reichtümern in uns wohnen will, bewahrt vor Resignation: Auch wenn vieles in uns unfertig, widersprüchlich oder schwach ist, ist Er nicht fern und nicht verlegen. Er kennt jeden Raum unseres Herzens und scheut sich nicht, dort Wohnung zu machen. In dieser Perspektive werden selbst innere Spannungen zu Gelegenheiten, in denen sich Sein Reichtum erweist. So wächst Schritt für Schritt eine innere Gelassenheit: Nicht wir müssen uns zu einem würdigen Haus Gottes machen, sondern Christus selbst ist der Baumeister, der Gestalter und der Inhalt dieses Hauses. Wer sich darauf einlässt, wird entdecken, dass die Fülle Gottes kein fernes Ideal bleibt, sondern inmitten des Alltags zu leiser, aber tragender Wirklichkeit wird.
denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, (Kol. 2:9)
und die Liebe des Christus zu erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes. (Eph. 3:19)
Zu wissen, dass Christus mit Seiner ganzen Fülle in uns Wohnung machen will, verändert den Blick auf das eigene Innenleben. Anstatt innerliche Dunkelheiten zu verstecken oder uns an ihnen zu messen, dürfen wir damit rechnen, dass Er gerade dort Seine Wohnung ausbreitet. Aus dieser Zuversicht erwächst ein stilles Einverständnis mit Seinem Wirken: Wir müssen uns nicht selbst vollenden, sondern dürfen Ihm Raum geben, Schritt für Schritt unser Denken, Fühlen, Wollen und Urteilen zu durchdringen. So wird das Herz nicht durch Druck, sondern durch Gegenwart verwandelt, und das Bewusstsein wächst: Der, der in mir wohnt, ist reich genug für jeden Mangel, tief genug für jede Frage und stark genug für jede Schwachheit.
Wort und Geist – eine untrennbare Einheit
Wenn von Wort und Geist die Rede ist, wird oft unbewusst getrennt, was Gott zusammengefügt hat. Man begegnet Christen, für die die Heilige Schrift vor allem ein Lehrbuch ist: sauber geordnet, sorgfältig studiert, aber innerlich oft fern. Andere wiederum sprechen viel vom Geist, von Eindrücken und Erlebnissen, und doch bleibt das, was sie sagen, nicht selten ohne feste Kontur. Die Schrift zeichnet ein anderes Bild. Der Geist ist die lebendige Berührung des Dreieinen Gottes, und das Wort ist die von Gott gewählte Gestalt, in der dieser Geist zu uns kommt. Paulus nennt das Evangelium „das Wort des Lebens“ (Phil. 2:16) und spricht zugleich vom „Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist“ (Eph. 6:17). Leben und Form gehören zusammen; der Geist ist der innere Inhalt, das Wort ist sein tragender Leib.
Den Geist vom Wort zu trennen bedeutet, nur einen leblosen Leib zu haben. Der Geist ist der Lebensinhalt der Bibel. Ohne den Geist ist die Bibel toter Buchstabe. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft einundvierzig, S. 366)
Wo der Geist vom Wort getrennt wird, bleibt entweder ein trockener Buchstabe oder eine ungebundene Innerlichkeit. Paulus schreibt: „denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Kor. 3:6). Gemeint ist nicht, dass die Schrift gefährlich wäre, sondern dass das geschriebene Wort ohne die gegenwärtige Wirkung des Geistes nicht zum Leben durchdringt. Umgekehrt ist ein Reden vom Geist, das sich nicht im Licht des Wortes prüfen lässt, dem eigenen Empfinden ausgeliefert. Kolosser 3:16 knüpft genau hier an: „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit …“ – dieselbe Bewegung, die Epheser 3:17 mit Christus selbst verbindet, der in unseren Herzen Wohnung macht. Wo das Wort Christi im Geist aufgenommen wird, wohnt nicht nur ein Text in uns, sondern Christus selbst gewinnt Raum. So zeigt sich die Einheit: Der Geist drängt zum Wort, das Wort ruft nach dem Geist, und in dieser gegenseitigen Bewegung wird Gottes Reichtum erfahrbar.
In dieser Sicht verliert der Glaube seine Einseitigkeit. Die nüchterne Liebe zur Schrift muss nicht in Trockenheit enden, wenn sie aus dem Vertrauen lebt, dass der Geist die Worte Gottes heute belebt. Und die Sehnsucht nach der Gegenwart des Geistes muss nicht in Unbestimmtheit münden, wenn sie sich gern von der Schrift korrigieren und formen lässt. Ermutigend ist, dass beides nicht von unserer Begabung oder Stimmung abhängt. Wo das Wort Christi reichlich in uns wohnt und wir uns dem Wirken des Geistes öffnen, wird unser Inneres zu einem Ort, an dem Wahrheit und Lebendigkeit sich begegnen. Daraus wächst eine stille Gewissheit: Der Gott, der redet, ist derselbe, der belebt; und das Wort, das wir hören, ist zugleich der Atem, durch den wir atmen.
Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt.
Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt. (Kol. 3:16)
der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. (2.Kor 3:6)
Die Einsicht, dass Wort und Geist untrennbar zusammengehören, schenkt eine heilsame Weite. Wer eher zur nüchternen Seite neigt, darf damit rechnen, dass der Geist die bekannten Worte neu belebt und sie zu persönlicher Begegnung macht. Wer stark auf Empfindungen und innere Impulse achtet, findet im Wort einen zuverlässigen Rahmen, in dem der Geist klar und verlässlich wirkt. So entsteht ein Glaubensleben, das zugleich verwurzelt und lebendig ist: verwurzelt im offenbarten Wort, lebendig durch den gegenwärtigen Geist. In dieser Spannung, die keine Gegensätze mehr kennt, wird der Alltag zu einem Raum, in dem Gott durch Sein gesprochenes und wirkendes Wort Schritt für Schritt Heimat in uns gewinnt.
Vom Wissen zur Sättigung – das Wort als tägliche Nahrung, damit Christus in uns lebt
Die Schrift spricht vom Wort Gottes nicht nur als Information, sondern als Nahrung. Wie unser physischer Leib regelmäßige Mahlzeiten braucht, um lebendig zu bleiben, so braucht der innere Mensch das Wort, um gestärkt und geformt zu werden. Jesus selbst sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht“ (Matthäus 4:4). Damit ist angedeutet: Es genügt nicht, dass wir irgendwann einmal das Evangelium gehört und einiges verstanden haben. Die Reichtümer Christi sind nicht ein Vorrat im Gedächtnis, sondern ein lebendiger Strom, der uns Tag für Tag neu erreichen will. Kolosser 3:16 lädt dazu ein: „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen …“ – nicht spärlich, nicht gelegentlich, sondern reichlich, wie ein Haus, das mit Licht, Wärme und guter Speise gefüllt ist.
Wir sollten nicht die Einstellung haben, dass wir, weil wir im Lauf unserer Jahre als Christen eine gewisse Erkenntnis erworben haben, nicht mehr täglich zum Wort kommen müssten. Obwohl wir seit Jahren essen, essen wir weiterhin Tag für Tag, um am Leben zu bleiben. Es wäre töricht zu sagen, dass wir, weil wir in der Vergangenheit so oft gegessen haben, jetzt nicht mehr essen müssten. Ebenso müssen wir jeden Tag, ja sogar mehrmals am Tag, zum Wort kommen. Wir sollten jeden Tag mit einem guten Frühstück beginnen – sowohl körperlich als auch geistlich. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft einundvierzig, S. 368)
Dieses Wohnen des Wortes in uns geschieht besonders dann, wenn Lesen und Beten ineinander greifen. Philipper 2:16 spricht davon, dass wir „das Wort des Lebens darreichen“ – zuerst uns selbst, dann auch anderen. Wenn wir die Schrift nur überfliegen oder sie lediglich mit dem Verstand analysieren, bleibt sie leicht äußerlich. Wenn wir mit den gelesenen Worten zu Gott sprechen, sie dankend aufnehmen, in Bitten verwandeln oder als Lied aufgreifen, wird das Wort zu innerer Nahrung. So wird das Gelesene zur Begegnung mit Christus, der im Wort gegenwärtig ist. Der Verstand sieht und ordnet, das Herz reagiert, der Wille bejaht, und unser Geist antwortet in stiller Gemeinschaft. Mit der Zeit wird spürbar, dass nicht nur unser Wissen zunimmt, sondern unser Innenleben durchtränkt wird: Gedanken werden von Christus her ausgerichtet, Haltungen werden weicher, Entscheidungen gewinnen Klarheit.
In diesem Prozess rückt Selbstdisziplin in den Hintergrund, ohne überflüssig zu werden. Äußerer Fleiß allein kann das Herz nicht sättigen. Aber dort, wo das tägliche Sich-öffnen für das Wort Teil des Lebensrhythmus wird, wirkt der Geist still und beharrlich. Manchmal bemerkt man es erst im Rückblick: Situationen, die früher Unruhe, Bitterkeit oder Mutlosigkeit ausgelöst hätten, werden anders erlebt, weil Christus durch Sein Wort innerlich Raum gewonnen hat. Ermutigend ist, dass es nicht auf die Größe der einzelnen „Mahlzeiten“ ankommt, sondern auf ihre Beständigkeit. Wie tägliches Brot den Leib erhält, so hält das immer neu aufgenommene Wort unsere Gemeinschaft mit Christus lebendig. Aus dieser Erfahrung wächst ein leiser, tragender Mut: Auch wenn wir uns oft schwach und unkonzentriert erleben, bleibt Sein Wort kräftig und nahrhaft genug, um unser Inneres zu erfüllen und Christus immer tiefer in unserem Leben zur Geltung zu bringen.
Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt.
indem ihr das Wort des Lebens darreicht, damit ich am Tag Christi den Ruhm habe, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin und mich nicht vergeblich abgemüht habe. (Phil. 2:16)
Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht. (Matth. 4:4)
Das Bild des Wortes als täglicher Nahrung hilft, das eigene geistliche Leben nüchtern und hoffnungsvoll zu sehen. Nicht die Größe einzelner geistlicher Höhenflüge, sondern die schlichte Regelmäßigkeit des Genährtwerdens prägt den inneren Menschen. Wer das Wort Christi immer wieder an sich heranlässt und es im Gespräch mit Gott bewegt, wird nach und nach von innen her verändert – oft unaufdringlich, aber nachhaltig. So kann der Alltag, mit all seiner Routine und seinen Unterbrechungen, zu einem Ort werden, an dem Christus durch Sein in uns wohnendes Wort still die Führung übernimmt. In dieser Perspektive verliert auch geistliche Trockenheit ihren Schrecken: Sie ist nicht das Ende, sondern die Einladung, neu aus der Quelle zu schöpfen, aus der Er selbst uns mit Seiner Fülle nährt.
Herr Jesus Christus, danke, dass die ganze Fülle der Gottheit in Dir wohnt und dass Du durch Dein lebendiges Wort in uns Wohnung machen willst. Öffne unser Herz tiefer für Dich, damit Dein Wort reichlich in uns wohnen und unser Denken, Fühlen und Wollen durchdringen kann. Lass uns durch Deinen Geist mehr von Deinen unerforschlichen Reichtümern erfahren, sodass unser Leben zu einem Ort wird, an dem Du Dich zuhause fühlst und Deine Gegenwart sichtbar wird. Stärke uns innerlich, damit wir in Dir bleiben und Deine Worte in uns bleiben, und erfülle uns so mit der Fülle Gottes, dass Trockenheit und Mutlosigkeit weichen und neue Hoffnung aufblüht. Dir vertrauen wir unser Inneres an und ruhen darin, dass Du das gute Werk in uns vollendest. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Philippians, Chapter 41