Das Wort des Lebens
lebensstudium

Teilhaben an der überreichen Versorgung mit dem Geist und die Reichtümer Christi genießen, indem wir das Wort Gottes empfangen (2)

10 Min. Lesezeit

Viele Christen sehnen sich danach, Christus nicht nur zu kennen, sondern Ihn wirklich zu erleben und aus Seiner Kraft zu leben. Gleichzeitig bleibt der Alltag oft trocken: Bibellesen geschieht eher mit dem Kopf als mit einem berührten Herzen, Gebet fällt schwer, und die Fülle des Geistes scheint fern. Die neutestamentlichen Briefe machen deutlich, dass Gott einen anderen Weg vorgesehen hat: Sein lebendiges Wort soll wie eine Person in uns Wohnung nehmen, unseren inneren Menschen erfüllen und uns in ein Leben des Lobpreises und der Gegenwart Christi hineinziehen.

Das Wort Christi als lebende Person in uns

Wenn Paulus schreibt: „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen“ (Kolosser 3:16), spricht er von mehr als von regelmäßiger Bibellektüre. Wohnen ist ein Beziehungswort. Wer wohnt, der bleibt, richtet sich ein, prägt Atmosphäre und Alltag. So will das Wort Christi nicht als Gast bei uns vorbeischauen, sondern als lebende Person – als Christus selbst im Geist – im Inneren Wohnung nehmen. „Lasst das Wort Christi“ bedeutet daher: Gebt Christus im Gewand Seines Wortes Raum, euch zu durchdringen, zu leiten, zu trösten, euch auch zu hinterfragen. Wo das Wort in uns wohnt, wohnt nicht Buchstabe, sondern der, von dem das Wort zeugt.

Kolosser 3:16 sagt: „Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen; in aller Weisheit lehrt und ermahnt einander mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend mit Gnade in euren Herzen.“ Hier sagt Paulus, dass das Wort des Christus in uns wohnen, ja in uns Wohnung machen soll. Das setzt voraus, dass das Wort des Christus lebendig ist. Damit etwas in uns wohnen oder in uns Wohnung machen kann, muss es lebendig sein. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft vierzig, S. 357)

Im ganzen Neuen Testament stehen Wort und Geist untrennbar beieinander. Das „Schwert des Geistes“ ist „das Wort Gottes“ (Eph. 6:17), und Paulus verbindet seine Erwartung mit „der überströmenden Versorgung mit dem Geist Jesu Christi“ (Phil. 1:19). Für Israel war das gute Land die Quelle aller Versorgung; 1. Mose und 5. Mose zeichnen es als Land der Fülle, in dem Milch und Honig fließen. Für uns heute ist der allumfassende, Leben gebende Geist die Verwirklichung dieses Landes. Wir betreten und genießen dieses gute Land, indem wir das Wort Gottes innerlich aufnehmen, nicht als Information, sondern als Gegenwart Christi. So beginnt das Unsichtbare, unser Inneres zu gestalten: Gedanken klären sich, Affekte werden still, Hoffnung erwacht. In dieser inneren Verwandlung zeigt sich, wie reich die Versorgung mit dem Geist ist – und wie konkret die Reichtümer Christi erfahrbar werden, wenn Sein Wort wirklich bei uns zu Hause ist.

Wer so auf das Wort blickt, entdeckt es neu: nicht als Last, die erfüllt werden muss, sondern als Einladung, sich einer Person zu öffnen. Jeder Vers kann zu einer Tür werden, durch die Christus mehr Besitz von unserem Herzen erlangt. Wo wir Ihm erlauben, durch Sein Wort in uns zu wohnen, wird unser innerer Mensch durch Seinen Geist gestärkt (Eph. 3:16), und unser Leben gewinnt Tiefe, Freude und Richtung. Es ist ein stilles, aber kostbares Vorrecht, Tag für Tag an dieser überreichen Versorgung teilzuhaben.

Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt. (Kol. 3:16)

denn ich weiß, dass mir dies zur Errettung dienen wird durch euer Flehen und die überströmende Versorgung mit dem Geist Jesu Christi, (Phil. 1:19)

Im Licht dieser Sicht wird das Lesen der Schrift zu einem täglichen Ankommen bei Christus. Das Wort in uns wohnen zu lassen bedeutet, Ihn an die Stellen unseres Lebens heranzulassen, die oft verschlossen bleiben. Je freier Er sich in uns bewegen darf, desto mehr wird die Fülle Seines Geistes zu einer erfahrbaren Wirklichkeit – nicht nur in besonderen Momenten, sondern mitten im gewöhnlichen Alltag.

Weisheit statt bloßen Wissens: unseren Geist mit dem Wort üben

Paulus verbindet das Wohnen des Wortes Christi ausdrücklich mit „aller Weisheit“ (Kolosser 3:16). Damit führt er eine stille, aber entscheidende Unterscheidung ein: Erkenntnis bewegt sich vor allem im Bereich des Verstandes; Weisheit entspringt dem tiefen Werk Gottes in unserem Geist. Erkenntnis kann sammeln, ordnen, argumentieren. Weisheit weiß, wann ein Wort gesagt werden soll, wann Schweigen heilsamer ist, wie Liebe und Wahrheit zusammenfinden. „Denn Gott ist es, der sowohl das Wollen als auch das Vollbringen in euch wirkt für Sein Wohlgefallen“ (Phil. 2:13) – dieses innerliche Wirken geschieht nicht primär in unseren Gedanken, sondern in unserem inneren Menschen, dort, wo der Geist Gottes unseren Geist berührt.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was es bedeutet, dass das Wort des Christus in aller Weisheit in dir wohnt? Wenn wir die Bedeutung dieses Ausdrucks verstehen wollen, müssen wir zwischen Weisheit und Erkenntnis unterscheiden. Erkenntnis bezieht sich in erster Linie auf die Funktion des Verstandes, wohingegen Weisheit mit der Funktion unseres Geistes zu tun hat. Das bedeutet, dass wir unseren Geist üben müssen, wenn das Wort des Christus in aller Weisheit in uns wohnen soll. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft vierzig, S. 358)

Genau dort setzt das Üben unseres Geistes an. Das Wort wird in uns nicht zu Weisheit, indem wir nur mehr Informationen aufnehmen, sondern indem wir dem Geist Raum geben, das Gehörte in uns zu bewegen. Wenn ein Wort der Schrift uns trifft, etwa: „Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen“ (Phil. 2:14), stehen wir oft in konkreten Spannungen – in der Ehe, in der Familie, im Beruf. Reagieren wir nur mit Argumenten, bleiben wir im Bereich des Wissens. Wenden wir uns aber im Inneren zu Christus, rufen Seinen Namen, lassen das gehörte Wort in ein leises Gebet übergehen, beginnt Weisheit zu wachsen. Das Wort wird dann zum gegenwärtigen Reden Gottes: Es tröstet, korrigiert, richtet auf und schenkt eine Haltung, die wir uns nicht ausdenken können.

So wird die Schrift vom Lehrbuch zur Bewegungsform der Gegenwart Christi. Betendes Lesen, leises Erwägen, ein laut ausgesprochenes oder gesungenes Bibelwort – all das sind Weisen, unseren Geist zu üben und dem Wort Zugang in die Tiefe zu geben. Mit der Zeit verbinden sich dann bestimmte Verse mit Erfahrungen: Sie tragen Erinnerungen göttlicher Bewahrung, Tröstung oder Umkehr in sich. Auf diese Weise entsteht ein innerer Schatz, der über bloßes Kopfwissen hinausreicht – ein Vorrat an Weisheit, aus dem Christus in den verschiedensten Situationen schöpfen kann.

Es ist tröstlich zu wissen: Gott erwartet nicht, dass wir aus eigener Kraft weise werden. Er selbst wirkt das Wollen und Vollbringen. Wo wir unser Herz für Sein Wort öffnen und unseren Geist im einfachen Glauben üben, wird Er das Aufgenommene verwandeln. Aus gelernter Lehre wird gelebtes Leben, aus einzelnen Versen entsteht eine Spur der Treue Gottes in unserem Inneren. Diese Spur schenkt Orientierung, wenn Umstände unübersichtlich werden, und sie lässt uns inmitten einer „verkehrten und verdrehten Generation“ wie Lichtkörper scheinen (Phil. 2:15).

Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt. (Kol. 3:16)

denn Gott ist es, der sowohl das Wollen als auch das Vollbringen in euch wirkt für Sein Wohlgefallen. (Phil. 2:13)

Weisheit wächst, wo das Wort Christi nicht an der Oberfläche unseres Denkens stehenbleibt, sondern den Weg in die Tiefe unseres Geistes findet. Indem wir die Stimme des Herrn in der Schrift suchen, sie im Gebet beantworten und sie in konkreten Spannungen an uns heranlassen, wird aus toter Kenntnis lebendige Führung. So reift in uns ein inneres Ja zu Gottes Wegen, das trägt, wenn äußere Sicherheiten fehlen.

Durch Singen mit dem Wort erfüllt und mit Christus gesättigt werden

Kolosser 3:16 und Epheser 5:18–19 stehen wie zwei einander zugewandte Spiegel. Dort heißt es: „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen … indem ihr … mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern … singt“, hier: „Werdet im Geist erfüllt, indem ihr zueinander sprecht in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und dem Herrn mit euren Herzen singt und musiziert.“ Das reiche Wohnen des Wortes Christi und das Erfülltsein im Geist sind keine getrennten Erfahrungen; sie durchdringen sich und finden einen ihrer klarsten Ausdrücke im Singen. Wenn das Wort gesungen wird, beteiligt sich der ganze Mensch: Verstand, Stimme, Gefühle, Wille und – im Tiefsten – der Geist. So kann das göttliche Element des Wortes in Schichten vordringen, die reines Nachdenken kaum erreicht.

In diesem Vers spricht Paulus auch davon, „einander zu lehren und zu ermahnen mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend mit Gnade“ in unseren Herzen. Paulus spricht hier nicht davon, einander auf gewöhnliche Weise zu lehren und zu ermahnen, sondern einander mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern zu lehren und zu ermahnen. Außerdem macht Paulus deutlich, dass wir gerade durch das Singen das Wort des Christus reichlich in uns wohnen lassen. Wir können auch durch Singen lehren und ermahnen. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft vierzig, S. 359)

Das Bild, das sich dabei anbietet, ist das der trockenen Erde, die langsam Regen aufnimmt. Ein einzelnes, verstandenes Bibelwort gleicht einem raschen Schauer, der vieles abperlen lässt. Wenn ein Wort aber im Gebet bewegt, in Lieder aufgenommen, wiederholt und innerlich mitgeschmeckt wird, beginnt es, unser Inneres zu tränken. „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen … indem ihr … singt“ (Kol. 3:16) – das Singen macht uns aufnahmefähig. Wie beim natürlichen Essen ist nicht zuerst das detaillierte Verstehen der Nährstoffe entscheidend, sondern die wirkliche Aufnahme. In ähnlicher Weise sättigt uns Christus selbst, wenn wir Sein Wort singend, dankend, betend aufnehmen; der Geist erfüllt uns, oft ohne dass wir genau benennen können, wie es geschieht.

Wo das Wort Gottes in dieser Weise in unseren Alltag hinüberfließt, entsteht eine neue Atmosphäre. Ein Vers, der morgens im Stillen gelesen wurde, kann später als kurze Liedzeile wiederkehren und in einer belasteten Situation Frieden eintragen. In der Gemeinde wird Lehre durchgesungen, Ermahnung wird von Gnade getragen, Trost wird hörbar, wenn viele mit einem Herzen singen. So wird die „überströmende Versorgung mit dem Geist Jesu Christi“ (Phil. 1:19) zu einer erfahrbaren Wirklichkeit: nicht nur in großen Versammlungen, sondern auch in Küche, Auto, Krankenzimmer und Werkstatt.

In allem aber bleibt der Blick auf den Herrn entscheidend. Es geht nicht um Stimmungskunst, sondern um eine einfache, kindliche Weise, Christus Raum zu geben. Wenn das Wort Gottes unsere Lieder nährt und der Heilige Geist unsere Herzen bewegt, wird der Gesang zum Ort, an dem der lebendige Christus uns innerlich stärkt, ordnet und tröstet. Darin liegt ein leiser, aber kräftiger Trost: Die Fülle des Geistes ist nicht wenigen vorbehalten, sondern öffnet sich dort, wo Sein Wort in uns klingt – gesprochen, gebetet, gesungen.

Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, indem ihr einander lehrt und zurechtweist mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und indem ihr Gott mit Gnade in euren Herzen singt. (Kol. 3:16)

Und werdet nicht betrunken mit Wein, in dem Zügellosigkeit ist, sondern werdet im Geist erfüllt, indem Ihr zueinander sprecht in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern und dem Herrn mit euren Herzen singt und musiziert, (Eph. 5:18-19)

Das Singen des Wortes macht den Alltag durchlässig für die Gegenwart Christi. Wo biblische Worte zu Liedern werden, findet das, was wir gelesen haben, den Weg in die Tiefe unseres Herzens. So erwächst eine stille Freude, die nicht von äußeren Umständen abhängt, und eine innere Stärke, die aus der überreichen Versorgung mit dem Geist stammt. In diesem Fluss von Wort und Gesang werden die Reichtümer Christi nicht nur geglaubt, sondern geschmeckt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Philippians, Chapter 40

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